| Jean Paul Richter: Die Poetik des
'Zettelkasten'. Assoziationspsychologie und die Ästhetik eines phantastischen Realismus Anette Horn Dabei ist seine Arbeit spinnenartig, und gleich kommt jeder Vorrath in sein neuestes Gewebe".1 Damit kennzeichnete Rahel Varnhagen Jean Pauls Arbeitsweise treffend, nachdem sie sich 1800 in Berlin begegnet waren. Es scheint dieses spinnenartige Netz von Vergleichen und Metaphern zu sein, das jedem Gesetz des gradlinigen Erzählens spottet, das Jean Pauls Leser und Kritiker zugleich verwirrte, irritierte und doch auch faszinierte. Goethe und Schiller behandelten ihn mit Distanz, Schlegel hielt ihn für einen schlechten Erzähler, während unter seinen Zeitgenossen Heine sein besonderes Genie wohl am ehesten erkannte, als er schrieb: Statt Gedanken gibt er uns eigentlich sein Denken selbst, wir sehen die materielle Tätigkeit seines Gehirns."2 Den Hinweis auf die materielle Tätigkeit des Gehirns hatte Jean Paul selbst in seiner satirischen Jugendschrift Die Grönländischen Prozessen gegeben, als er seine Schreibweise und die ihr angemessene Leserhaltung auf die bündige Formel brachte: Weithergeholte Vergleichungen, welche zu verstehen man erst eine Reise um sein Gehirn machen muß." (JPW 9: 135) Die Reise um das Gehirn soll die Zwischenideen hervorrufen, die die entlegenen Begriffe miteinander verbinden. Sie müssen von den Lesern durch ihre eigenen Assoziationsketten nachvollzogen werden, die nicht als willkürlich verstanden werden dürfen, wie Jean Paul meint, sondern auf der 'richtigen Ähnlichkeit' beruhen: Die Richtigkeit eines Gleichnisses gründet sich auf die Richtigkeit seiner Ähnlichkeit. Wie unvermeidlich aber ist die Täuschung, das in der Hitze der Arbeit für ähnlich zu halten, was erst durch Zwischenideen, die man bei dem Leser unrichtig voraussetzt, ähnlich wird?" (JPW 9: 135) Jean Paul gesteht zwar ein, daß der Autor im Augenblick des Schaffens diese Assoziationen überspringt, die vom Leser nur mühsam oder unrichtig rekonstruiert werden, doch nutzt er die Täuschung, die durch diese radikal subjektive Perspektive entsteht, auch für humoristische Effekte aus, wie folgendes Beispiel zeigt: Schreiben ist empfangen, empfangen genießen; aber im Genusse gleichen wir alle dem Papagei, der während seines Fressens auf Einem Beine steht. Die Gegenwart ist eine falsche Brille, und oft scheint die Fliege, die zu nahe vor dem Auge vorbei fliegt, ein Adler, und der Adler, den die Entfernung in einen schwarzen Punkt verwandelt, eine Fliege zu sein. (JPW 9: 135f.) Jean Pauls durch Assoziationen reich gegliederte Bilderketten setzen ein bewegliches Denkens voraus, ein Springen von Begriff zu Begriff, das als krumme, gepunktete Linie zwischen zwei Ideen vorgestellt werden kann, während der normale Sinn des Wortes, der nur ein Minimum seiner polyvalenten Bedeutungen aktualisiert, sich als eine Hauptverkehrsstraße des Denkens darstellen läßt. Nun erstreckt sich das Netz der sprachlichen Assoziationen potentiell über die ganze Welt, sodaß die Reise um das Gehirn, zumal eines solchen universell gebildeten wie Jean Pauls, potentiell zu einer imaginären Weltreise mutieren kann. Daß das Gehirn aber auch als konkreter Ort des Schreibens fungiert, geht aus Jean Pauls grotesker Fiktion einer Riesen-Statue der Göttin Europa in den Biographischen Belustigungen unter der Gehirnschale einer Riesin hervor, wo er seinen Erzähler-Standort wie folgt fixiert: Aus der Blei-Soldateska und aus der Blut-Akzise wurde nun eine kolossalische Jungfer Europa gegossen, die drei Ruthen lang ist, und also 5 rheinländische Zolle mehr hält als der hessische Herkules. Ich werde übermorgen erstaunen, wenn ich sie ansehe. Im Kopfe des rhodischen Kolussus soll man (les' ich), wie in Herkules Teleskop, ein musizierendes Orchester eingestellt haben; aber unter dem Kranium der Miß Europa soll (hör' ich) ein ganzes besetztes Inquisitions-Gericht mit seinen Sessionstafeln Platz genug vor sich haben. Das ist keine Unmöglichkeit -- aber noch gemächlicher muß im Kopfe ein kleines Schreibepult und ein Sessel aufzustellen sein. Wenn's also bei jetziger Jahreszeit in der Blei-Riesin nicht zu kalt ist, so wird übermorgen der erste Ausflug, den ich in Waldkappel thue, der in Europa's Kopf sein (es geht innen eine Treppe bis an den Hals); und ich gedenke unter ihrer Hirnschale meinen Schreibetisch wie ein Nähkissen einzuschrauben, und daselbst -- indem ich zugleich aus ihren Augenhöhlen die herrlichste Aussicht von der Welt genieße -- den größten Theil der gegenwärthigen Belustigungen und Mémoires ungemein heiter abzufassen .... (JPW 10, 16) Ironisch an dieser Beschreibung des Erzähler-Standortes erscheint indes, daß sich die Europa, von der der Erzähler, der sich als Jean Paul ausgibt, die Welt zu überschauen gedenkt, in dem fiktiven Städtchen Waldkappel in dem Fürstentum Flachsenfingen befindet, für das die Kleinstädte seiner Kindheit wie Hof wohl Pate gestanden haben. Diese Wahl der Schauplätze ist symptomatisch für Jean Pauls satirische Entlarvung feudaler Verhältnisse, wie Harich feststellt: Was den Schauplatz betrifft, so hat er sich stets ein Ländchen ausgedacht, worin die üblichen Verhältnisses eines deutschen Kleinstaats zur Zeit der Französischen Revolutionj bestehen, hat es mit einem Phantasienamen belegt und von einer Phantasiedynastie beherrschen lassen, deren Angehörige die typischen Züge der damaligen höchsten Adelskreise tragen."3 Der regierende Fürst von Flachsenfingen, der sich als Großvater des Schriftstellers entpuppt, hat sich in Waldkappel mit Hilfe einer ernormen Steuererhöhung ein gigantisches Monument bauen lassen, um die Herkules-Statue seines Rivalen, des Landgrafen von Hessenkassel, übertrumpfen zu können. Um so bedrohlicher erscheint der Hinweis, daß neben einem Orchester auch ein volles Inquisitions-Gericht unter der Gehirnschale der Miß Europa genügend Platz haben soll. An diesem riskanten Ort nun will der Schriftsteller es sich an seinem Schreibtisch, der sich wie ein Nadelkissen unter die Hirnschale der Riesin einschrauben läßt, recht bequem machen. Daran wird eine Strategie des Humoristen, Jean Paul, sichtbar, die darin besteht, sich so klein zu machen, daß er den Herrschern gar nicht auffällt. Gegen eine verharmlosende Interpretation seines Humors sprechen jedoch die Indizien seines subversiven Vorhabens. Erstens verspricht er sich von seinem Schreibpult eine durchaus erhabene Sicht auf die Welt durch die Augenhöhle der Miß Europa, die ihn beinahe auf dieselbe Stufe wie die Inquisition stellt. Zweitens mutet das Versprechen, seine Heiterkeit unter dem wachsamen Auge der staatlich-kirchlichen Autorität, ein Hinweis auf die Zensur, zu bewahren, eine Spur zu forciert an, auch wenn der Großvater als Autoritätsfigur schützend im Hintergrund steht. Ferner scheint die Befürchtung, daß es ihm bei jetziger Jahreszeit in der Blei-Riesin zu kalt werden könnte, angesichts seiner subversiven Haltung äußerst zweifelhaft. So scheint sich Jean Paul als Humorist die sokratische Devise, nach der der Philosoph sich den Mächtigen gegenüber wie eine Stechfliege zu verhalten hat, eher als die Pose des machtgeschützten Narren zu eigen gemacht zu haben. Eine Voraussetzung für Jean Pauls eigentümliche Schreibweise sind die Exzerptenbände, in denen er bereits seit der Schulzeit die Lesefrüchte seines Selbststudiums, das nach dem damaligen Modell des Polyhistorismus alle Disziplinen einschloß, notierte. Biographisch-psychologisch kann dies als Ausgleich für Jean Pauls unzulänglichen Unterricht, den er von seinem Vater erhielt, erklärt werden, wie Harich meint: Der Knabe machte seine Wissenslücken aber mehr als wett, indem er, unglaublich viel lesend, sich aus eigener Kraft zu einem kleinen Polyhistor ausbildete. Da der Erwerb von Büchern ihm versagt war, pflegte er das Gelesene jedesmal zu exzerpieren, und aus dem Bedürfnis, seine Exzerpte mit Kommentaren zu versehen, entfalteten sich bei ihm früh schriftstellerische Neigungen."4 Er behielt diese Gewohnheit aber auch nach seinen ersten erfolgreichen Veröffentlichungen bei, sodaß es sich um mehr als einen Notbehelf handeln mußte. Götz Müller tritt der geläufigen Fama" entgegen, daß Jean Paul seine Privatenzyklopädie" lediglich zur Erfindung witziger Ähnlichkeiten" benutzte, indem er nachweist, wie er sie unmittelbar zur Erfindung und Ausstattung zentraler Motive im Werk auch nach der Satirenzeit" verwendet hat.5 Diese Exzerptenbände oder Zettelkästen, ein Terminus, der von Arno Schmidt geprägt wurde, können als das organisierende Prinzip seiner ästhetischen Welterfahrung angesehen werden. Diese Exzerpte" sind nicht nach transzendenten, abstrakten Prinzipien geordnet und unterliegen somit keiner gedanklichen Hierarchie. Wie verhält es sich jedoch mit dem Universalitätsanspruch der Wissenssysteme im Zuge der Aufklärung bezeichnete? Oberflächlich betrachtet scheint Jean Paul mit dem Polyhistorismus dem Ideal der Universalität zu huldigen. Nach Götz Müller war der Polyhistorismus allerdings bereits zur Zeit, als Jean Paul begann, seine Exzerpte anzulegen, in der Auflösung begriffen und wurde zunehmend durch die Enzyklopädie ersetzt: Sie reduzierte den Anspruch des alten Polyhistorismus, die Welt metaphysisch-begrifflich im Ganzen zu ordnen; an die Stelle der Universalität trat die Anhäufung des Wissens in alphabetischer Ordnung."6 Im Gegensatz zu dem Polyhistor geht es Jean Paul jedoch nicht einfach um die Anhäufung und Sichtung von möglichst vielem Wissen, sondern um die Produktion neuen Wissens durch das Zufallsprinzip. In diesem Sinn hat Jean Paul in der Vorschule der Ästhetik seine Exzerpiermethode mit einem Zufallsverfahren verglichen: Es wäre die Frage, ob nicht eine Sammlung von Aufsätzen nützete und gefiele, worin Ideen aus allen Wissenschaften ohne bestimmtes gerades Ziel -- weder ein künstlerisches noch wissenschaftliches -- sich nicht wie Gifte, sondern wie Karten mischten und folglich, ähnlich dem Lessingschen geistigen Würfel, dem etwas eintrügen, der durch Spiele zu gewinnen wüßte: was aber die Sammlung anbelangt, so habe ich sie und vermehre sie täglich.7 Für Jean Pauls Verwendung seiner Wissensextrakte hat das wichtige Implikationen: Dieses aleatorische Zufallsverfahren unterscheidet sich erheblich von der praktischen Anleitung Morhofs, das überkommene Wissen zu versammeln, zu ordnen und zu verwenden. Jean Paul geht es nicht mehr um die Inventio im Sinne des Auffindes wohlgeordneter Loci communes, sondern um das Erfinden von Gleichnissen und Motiven."8 Indem Jean Paul die Auszüge seiner universellen Gelehrsamkeit für den ihr diametral entgegengesetzten Zweck der Kunst benutzt, macht er aber auch auf die konstruierte Ordnung des Polyhistorismus aufmerksam. Das Ziel seines ästhetischen Verfahrens ist eine neue Ordnung der Dinge, wie Müller treffend bemerkt: Um sich in Dichterlaune zu bringen, las Jean Paul gleichsam absichtslos in seinen gesammelten Wissensschätzen, um sich zur Erfindung von Allusionen, witzigen Analogien, satirischen und ernsten Allegorien, vor allem aber auch zur Erfindung von Motiven und Geschichten zu rüsten. Die chaotische Anordnung des Überlieferten inspirierte ihn offensichtlich zu einer neuen Ordnung der Dinge."9 Dieses Prinzip der Ideenassoziation, das Jean Pauls Schreibweise entscheidend prägt, möchte er aber auch zur Grundlage seiner Pädagogik machen. In der Unsichtbaren Loge schlägt er vor, daß der Witz des Kindes nicht früh genug durch Vergleiche geübt werden könne: Man sollte Schlözers Hand in der Geschichte auch in andern Wissenschaften nachahmen. Ich gewöhnte meinem Gustav an, die Ähnlichkeiten aus entlegenen Wissenschaften anzuhören, zu verstehen und dadurch selber zu erfinden. Z.B. alles Große und Wichtige bewegt sich langsam: also gehen gar nicht die orientalischen Fürsten -- der Dalai Lama -- die Sonne -- der Seekrabben; weise Griechen gingen (nach Winckelmann) langsam -- ferner tut es das Stundenrad -- der Ozean -- die Wolken bei schönem Wetter. -- Oder: im Winter gehen Menschen, die Erde und Pendule schneller. -- Oder: verhehlt wurde der Name Jehovas -- der orientalischen Fürsten -- Roms und dessen Schutzgottes -- die sibyllinischen Bücher -- die erste altchristliche Bibel -- die katholische -- der Vedam etc. Es ist unbeschreiblich, welche Gelenkigkeit aller Ideen dadurch in die Kinderköpfe kommt. Freilich müssen die Kenntnisse schon vorher da sein, die man mischen will. Aber genug! der Pedant versteht und billigt mich nicht; und der bessere Lehrer sagt eben: genug! (UL 135) Dieses Verfahren setzt sich allerdings leicht dem Vorwurf der Willkür aus. Wie hat Jean Paul den Überblick über das Chaos der Exzerpte behalten? Götz Müller verweist auf ein Register, ein Konvolut von 1244 Seiten, alphabetisch nach selbstgewählten Stichwörtern geordnet. Es handelt sich um jene 'Exzerpte aus Exzerpten', um jenen Destillationsprozeß, von dem Jean Paul in Die Taschenbibliothek spricht. Das Register ist kein Sachwortverzeichnis mit Stellenangaben, sondern höchste Konzentration des Exzerpts in Kurzsätzen, die unter Stichwörtern versammelt werden. Jean Pauls Register hat 162 Items, eine Anzahl von Artikeln folgt der semantischen Opposition: Arm Reich, Bewegung Ruhe, Dumheit u. Unwissenheit Weisheit, Faulheit Arbeit bis hin zu Zukunft Vergangenheit. Diese Oppositionen sind konventionell, sie finden sich in allen Thesauri und gehen auf Ciceros Empfehlung zurück, nicht nur das Gleiche und Ähnliche, sondern auch das Andere zu notieren."10 Zu Jean Pauls Poetik des 'Zettelkasten' kommt außer der gelehrten Tradition des Polyhistorismus die von England ausgehende Tradition des Empirismus und der Assoziationspsychologie hinzu. Es sind Traditionen, die sich die englische Literatur zu eigen gemacht hat, nicht nur Laurence Sterne, dessen Tristram Shandy zu Jean Pauls Lieblingsbüchern gehörte, sondern auch Swift und Pope, sowie Richardson, Smollett, Fielding usw. Jean Pauls weithergeholte Vergleichungen" beruhen ganz offensichtlich auf dem psychologischen Prinzip der Assoziation". Neue Erfahrungen werden hierbei keinem bestehenden System untergeordnet, sondern einem existierenden Netz von Assoziationen angegliedert. Auf diese Weise werden neue, zufällige Assoziationen möglich und bestehende Assoziationen ständig uminterpretiert. Es entsteht eine offene, chaotische Struktur, ähnlich dem rhizomartigen Nomadendenken von Deleuze. Die Lehre von der Ideenassoziation als Grundlage des geistigen Geschehens, ist in ihrem Keime schon bei Locke vorhanden, aber David Hartley und David Hume gelten als die Begründer der modernen Assoziationspsychologie im 18. Jahrhundert. Nach dieser Theorie sind alle aufeinanderfolgenden Gedanken, einschließlich der höchsten intellektuellen Prozesse durch Assoziationen bestimmt. Hartleys System versucht, gestützt auf die Lehre von der Assoziation der Vorstellungen, eine vollständige Theorie dieser entsprechenden Veränderungen zu geben. Es war ein Geistlicher, Reverend Gay,11 welcher Hartleys unmittelbarer Vorgänger wurde, indem er alle Seelenvorgänge aus dem Zusammenwirken von Assoziationen zu erklären versuchte, und diese Grundlage der Psychologie hat sich in England bis auf den heutigen Tag erhalten ohne daß jemand ernstlich daran zweifelte, daß den Assoziationen auch bestimmte Vorgänge im Gehirn zugrunde liegen, oder behutsamer ausgedrückt, daß sie von entsprechenden Funktionen des Gehirns begleitet werden.12 Hume sieht, nach Kant, den 'Begriff' als einen Bastard der Einbildungskraft, die, durch Erfahrung beschwängert, gewisse Vorstellungen unter das Gesetz der Assoziation gebracht hat". Hegel referiert Hume so: die Notwendigkeit ist also zufällige Ideenassoziation, die Gewohnheit ist."13 Philosophiehistorisch hängt die Assoziationspsychologie mit dem Empirismus zusammen, der die Aufklärung wesentlich mitbestimmte. Im Gegensatz zu den Dogmatikern versuchten die Empiriker, ihre logischen Beweisketten anhand empirischer Experimente zu demonstrieren. Somit ist die die Erfahrung eine zentrale Kategorie der Empiriker. Zu den Eigenschaften der Ideenassoziation zählt Hume die Ähnlichkeit, die Kontiguität in Raum und Zeit und die Kausalität: 'Tis plain, that in the course of our thinking, and in the constant evolution of our ideas, our imagination runs easily from one idea to any other that resembles it, and that this quality alone is to the fancy a sufficient bond and association. 'Tis likewise evident, that as the senses, in changing their objects, are necessitated to change them regularly, and take them as they lie contiguous to each other, the imagination must by long custom acquire the same method of thinking, and run along the parts of space and time in conceiving its objects."14 Zu der Verbindung, die die Relation von Ursache und Wirkung herstellt, zählt Hume die Verwandschaftbeziehungen, aber auch die kausalen Beziehungen, denenzufolge ein Objekt die Ursache der Handlungen, Bewegungen oder der Existenz eines anderen sein kann. Als Beispiel für letzteren Fall führt er die Staatsgeschäfte an, wonach eine Person eine andere beeinflußt und dadurch in eine Beziehung der Herrschaft oder der Unterordnung gestellt wird. Damit die Assoziation in Kraft treten kann, müssen die Ähnlichkeiten spezifisch sein, da wir uns das Allgemeine nicht merken.15 Beim Menschen kommt als wichtigster Herd der Vorstellungen und der Erinnerung die Sprache in Frage. Die Tatsachen der Mnemonik beweisen, daß von der Vorstellung »Schloß« ein sehr leichter Übergang ist auf »Mauer« oder »Turm«, aber ebenso leicht auf »Berg«, »Adel«, »Mittelalter«, »Landgut«, »Rhein« usw. Ganz besonders leicht ist auch der Übergang auf das bloße Lautverwandte, so vom bewohnbaren »Schloß« auf das »Türschloß« den »Schlüssel«, »Schlosser« usw.16 Im weitern Verlauf meiner Arbeit möchte ich, auf diesen Gedanken aufbauend, zu einer Poetologie der Assoziation bei Jean Paul und im späten 18. Jahrhundert vordringen. 1Rahel Varnhagen über Jean Paul, Brief an Varnhagen, 9. November 1808. Rahel Varnhagen, Gesammelte Werke, Hg. von Konrag Feilchenfeldt, Uwe Schweikert und Rahel E. Steiner. München Matthes und Seitz 1983, Bd. I: 367 (= photomechanischer Nachdruck von Rahel. Ein Buch des Andenkens für ihre Freunde. Erster Theil. Berlin: Duncker und Humblot 1834) 2Heine, Die romantische Schule, S. 188. Digitale Bibliothek Band 1: Deutsche Literatur, S. 40159 (vgl. Heine-WuB Bd. 5, S. 129)] 3 Wolfgang Harich, Jean Pauls Revolutionsdichtung. Hamburg: rowohlt 1974, S. 169. 4 Wolfgang Harich, Jean Pauls Revolutionsdichtung. Hamburg: rowohlt 1974, S. 15. 5 Götz Müller, Jean Pauls Exzerpte. Würzburg: Königshausen u. Neumann 1988, S. 338. 6 Götz Müller, Jean Pauls Exzerpte. Würzburg: Königshausen u. Neumann 1988, S. 345. 7 5, 202. 8 Götz Müller, Jean Pauls Exzerpte. Würzburg: Königshausen u. Neumann 1988, S. 321. 9 Götz Müller, Jean Pauls Exzerpte. Würzburg: Königshausen u. Neumann 1988, S. 327. 10 Götz Müller, Jean Pauls Exzerpte. Würzburg: Königshausen u. Neumann 1988, S. 327f. 11 Hartley wurde zuerst, wie er im Vorwort zu den »observations« mitteilt, durch eine mündliche Äußerung Gays angeregt. Dieser legte sodann seine Ansichten nieder in einer Abhandlung über das Grundprinzip der Tugend, welche Law in seine englische Übersetzung von King, de origine mali, aufnahm. Friedrich Albert Lange: Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart. Herausgegeben und eingeleitet von Alfred Schmidt, Band 1 und 2, Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1974. , S. 426 12 Lange: Geschichte des Materialismus, S. 312 13 Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie, Werke in zwanzig Bänden. Auf der Grundlage der Werke von 1832-1845 neu edierte Ausgabe. Redaktion Eva Moldenhauer und Karl Markus Michel, Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1979 (Theorie-Werkausgabe). Bd. 20, S. 278 14 Hume, A Treatise of Human Nature, S. 58 15 cf. Hume, S. 61 16 Lange: Geschichte des Materialismus, S. 810)] |