Südafrika, Oktober 1999

Zielorte:
Dauer:
Reiseveranstalter:

Zeitraum:
Südafrika
17 Tage
selbstorganisierte Tour mit eigenem PKW
12.10.99 - 28.10.99

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Diese Tour stand unter dem Motto: einmal Südafrika quer zu durchfahren, also vom Kap der Guten Hoffnung bis zum Dreiländereck Südafrika-Zimbabwe-Mosambik im Nordosten des Krüger-Nationalparks. Herausgekommen ist dabei eine 17-tägige Selbstfahrer-Reise über ca. 6500 km. Die Straßenverhältnisse variierten dabei von gut ausgebauter Autobahn bis hin zur holprigsten Schotterpiste. Ebenso kontrastreich waren die Landschaften und ihre Bewohner. Wir durchquerten endlose, trockene Halbwüsten, weites Weide- und Farmland, gewaltige Gebirgsketten, Orte mit üppigem, tropischen Bewuchs und natürlich afrikanische Savanne. Wir fuhren durch gepflegte, moderne Städte mit Hochhäusern und durch einige der ärmsten Gegenden des Landes, in der die einheimische schwarze Bevölkerung zum Teil noch traditionell in riedgedeckten Rundhütten, teilweise aber auch in deprimierenden Bretterverschlägen lebt.
Wir sahen das prunkvollste Hotel Südafrikas und die einmalige Blütenpracht der Jacaranda-Bäume in Pretoria. Wir überfuhren den höchsten Bergpaß des Landes, schauten hinab in den drittgrößten Canyon der Welt und sahen eine Vielzahl wilder Tiere in den vielen Nationalparks. Wir erlebten noch echte südafrikanische Gastfreundschaft, bewunderten die Kunstfertigkeit des Stammes der Ndebele, fanden aber auch Orte vor, die schon bessere Zeiten hinter sich hatten. Trotz der für deutsche Verhältnisse geringen Verkehrsdichte auf den südafrikanischen Straßen erblickten wir tödliche Verkehrsunfälle, die uns mahnten, auf den langen Tagesetappen nie unaufmerksam zu werden.
Einige Orte und Sehenswürdigkeiten waren uns schon von früheren Besuchen her bekannt, aber es gab auch viel neues zu sehen und zu erleben. Die Vielfalt Südafrikas ist immer wieder überwältigend!


1. Tag: Vaalbos-Nationalpark



Wir beginnen die Fahrt von Kapstadt aus zwei Stunden vor Sonnenaufgang, denn unsere erste Tagesetappe wird auch die längste der ganzen Tour werden: fast 1100 km durch das Weinland und die Karoo-Halbwüste in Richtung der Diamantenstadt Kimberley. Die fruchtbaren Täler des Weinlandes liegen nach dem Hex-River-Paß hinter uns, der auf die Hochebene der Großen Karoo hinauf führt. So früh am Morgen sind wir weit und breit das einzige Fahrzeug, und dieser Zustand ändert sich auch im Laufe des Tages kaum, da die Nationalstraße N12 nach Kimberley nur sehr wenig Verkehr aufweist. Es ist für mich mal wieder ein wunderbar entspannendes Gefühl, auf den endlos geradeaus führenden Straßen stundenlang durch die Große Karoo zu fahren, die Weite und Unberührtheit der Landschaft zu erleben und dabei Musik aus dem Radio oder von CD zu hören. Wie in einem amerikanischen Road-Movie.

Unterbrochen wird die lange Fahrt nur durch gelegentliche Tankstops und Getränkepausen. Wer annimmt, daß die Fahrt durch eine so wüstenartige Gegend langweilig ist, irrt gewaltig. Es gibt immer wieder etwas interessantes zu betrachten. Sei es eine Gruppe Springböcke, die im Schatten eines einsam dastehenden Baumes Schutz vor der Mittagssonne sucht, freilebende Strauße, riesige Webervögelnester an Telefonmasten entlang der Strecke, herrlich gelb blühende Kakteen am Straßenrand oder die für die Karoo so typischen interessanten Berg- und Felsformationen.

Mittags erreichen wir nach fast 10 Stunden Fahrt kurz vor Kimberley die sehr schöne Kalahari Lodge direkt an der N12, wo wir im Restaurant gut zu Mittag essen. Die Lodge liegt dort wie eine grüne Oase und bietet auch preisgünstige Zimmer an. Sehr empfehlenswert für einen Besuch von Kimberley, und allemal den großen Hotels in der Innenstadt vorzuziehen.

Unsere Reise führt uns allerdings nicht nach Kimberley, das wir schon im Februar diesen Jahres besucht haben (siehe Reisebericht Februar' 99), sondern noch ca. 70 km weiter in den relativ unbekannten Vaalbos-Nationalpark. Wie unbekannt dieser Park wirklich ist, erleben wir bei unserer Ankunft am Parktor, nachdem wir den Weg über die wirklich üble Schotterpiste und über die Flutbrücke des malerischen Vaal-River gefunden haben. Der Nationalpark-Pförtner am Tor begrüßt uns sogleich freundlich:

„Welcome to Vaalbos, Mr. and Mrs. Anthes“

„Hello. How do yo know our name?“

„That's easy! You are the only visitors today.“

Aha! Wir sind überhaupt die ersten Besucher seit 3 Tagen! Somit haben wir den ganzen Park für uns allein. Ein paar Kilometer weiter befindet sich unsere Hütte (eine von insgesamt drei) inmitten der Savanne. Schon bei der Ankunft laufen uns gleich ein paar Gnus und eine Giraffe über den Weg. Ein Zaun um das kleine Camp existiert nicht, da es im Vaalbos-Nationalpark keine großen gefährlichen Raubtiere gibt. Aber Nashörner, Büffel oder Antilopen können schon ungehindert an der Hütte vorbeilaufen.

Von einem Camp im gewohnten Sinne kann man sowieso nicht reden, denn es gibt kein Restaurant, keinen Shop und keine Rezeption. Alles ist auf Selbstversorgung ausgelegt. Aber die Hütten sind echt toll: voll ausgestattet mit 6 Betten, Küche, Bad, heißem und kalten Wasser. Sogar eine Solarzelle zur Stromerzeugung fehlt nicht.



Nachmittags machen wir noch eine kleine Pirschfahrt durch den Park und sehen Elen- und Kuhantilopen, Tsessebes, Gnus und die langgehörnten, edel aussehenden Oryx-Antilopen. Auch ein paar lustige Erdhörnchen schauen frech aus ihren Bauten heraus.



Der Sonnenuntergang und die Abendstimmung sind phantastisch. Es hat schon etwas, abends bei Kerzenschein mit einem kühlen Bier in der Hand auf der Veranda zu sitzen und den Nachtgeräuschen zu lauschen. Bewertung des Vaalbos-Nationalparks und der Hütten: eine glatte 1. Allerdings sollte man die Einsamkeit lieben, und ein oder zwei Tage reichen auch voll aus, den ganzen Park zu erkunden.


2. Tag: Pilanesberg-Nationalpark


Am nächsten Morgen wachen wir rechtzeitig auf, um den Sonnenaufgang zu erleben und finden in der Umgebung der Hütte auch einige grasende Antilopen vor. Nach einem selbstgemachten Frühstück brechen wir dann auch sehr bald auf, denn bis zum Mittag wollen wir die lange Strecke in die Nordwestprovinz zum Pilanesberg-Nationalpark bewältigen.

Nach ca. 2-stündiger Fahrt bemerken wir, daß der Wagen unangenehm holprig fährt. Anfangs schieben wir das auf den rauhen Teerbelag der Straße, doch dann wird der Zustand immer schlimmer, und als wir den Ort Bloemhof an der N12 erreichen und unsere Reifen überprüfen, stellen wir fest, daß der Gürtel eines der Hinterreifen ganz zerrissen ist und daß der Reifen jeden Moment platzen kann. Unangenehm bei ca. 120 km/h! Anscheinend hat der Reifen auf der schlechten Schotterpiste vor dem Vaalbos-Nationalpark Schaden genommen. Doch wir haben das große Glück in einem Ort gelandet zu sein, in dem ein vernünftiger Reifenhändler ansässig ist. Zwar hat er den benötigten Reifen nicht auf Lager, aber er kann ihn rasch bestellen. Zwei Stunden später setzen wir unsere Fahrt mit einem neuen Reifen fort. Obwohl wir auf dieser Tour noch viele hundert Kilometer auf Schotterpisten zurücklegen werden, bleibt es glücklicherweise bei dieser einen Reifenpanne.

Nach weiteren 280 km durch recht langweiliges Weide- und Farmland erreichen wir schließlich am frühen Nachmittag die Magaliesberge nordwestlich von Johannesburg. Besonders fällt uns die herrliche Blütenpracht der vielen Bougainvilleas und der Jacarandabäume entlang der Straße auf. Gut zu verstehen, daß die Magaliesberge zu einem der beliebtesten Naherholungsgebiete der Ballungszentren Johannesburg und Pretoria gehören.

Nach Erreichen der Stadt Rustenburg sind wir nicht mehr sehr weit von unserem Ziel entfernt. Ca. 30 km weiter erreichen wir das Gebiet des ehemaligen unabhängigen Homelands Bophuthatswana und unversehens finden wir uns in der 3. Welt wieder. Während der Apartheidszeit wurde hier die schwarze Bevölkerung des Stammes der Batswana vom Rest Südafrikas getrennt. Auch heute noch lebt ein Großteil der schwarzen Bevölkerung in trostlosen ärmlichen Hütten und der Kontrast zum übrigen Südafrika ist sehr stark. Aber die Landschaft ist faszinierend schön, wenn auch nicht sehr fruchtbar. Immerhin liegt das Las Vegas Südafrikas, Sun City, in der Nähe und schafft zusammen mit dem Pilanesberg-Nationalpark viele der dringend benötigten Arbeitsplätze.

Wir steuern das Manyane-Camp am Rande des Pilanesberg-Kraters an, unsere Unterkunft für die nächsten beiden Nächte.



Nach dem Einchecken in unsere relativ kleine und teure Hütte starten wir auch schon die erste Pirschfahrt in den Nationalpark, der fast alle afrikanischen Großtierarten (inkl. der „Big 5“) beherbergt. Der Pilanesberg-Nationalpark ist in zweierlei Hinsicht einzigartig. Zunächst einmal seine Lage im weitläufigen Krater eines alten Vulkans und zum anderen aufgrund der Tatsache, daß es bis vor knapp 20 Jahren hier fast keine großen Wildtiere mehr gab, denn das Gebiet wurde als Farmland genutzt. In einer enorm aufwendigen Umsiedlung wurden aus verschiedenen Nationalparks Afrikas über 6000 Tiere in den Pilanesberg-Krater gebracht, die Zäune und alten Farmgebäude entfernt und die Vegetation wieder in den ursprünglichen Zustand versetzt. Der Erfolg dieser Aktion ist heute sichtbar, denn (fast) nichts erinnert mehr an die Zeiten der menschlichen Besiedlung. Es scheint, als hätten die Tiere hier zu allen Zeiten ungestört gelebt.

Die touristische Infrastruktur innerhalb des Parks ist beispielhaft. Es gibt eine ganze Reihe günstig gelegene Wasserlöcher, Beobachtungsverstecke und kleine Rastplätze, an denen man aussteigen darf. Einige verstreut liegende Buschcamps lassen den Besucher noch echtes Afrika-Feeling erleben.

Unsere Pirschfahrt im Abendlicht ist ebenfalls von Erfolg gekrönt. Wir sehen aus nächster Nähe weiße Nashörner, Giraffen, Zebras, Kudus und andere Antilopenarten, sowie zahlreiche Vögel.

Zurück im Manyane-Camp genießen wir das preiswerte und leckere Abendbuffet, das wir als Ausgleich zum überhöhten Übernachtungspreis sehen.


3. Tag: Pilanesberg-Nationalpark / Sun City



Zeitig geht es morgens wieder los zur nächsten Pirschfahrt. Inmitten des Kraters liegt der große aufgestaute Mankwe-See. Auf einem Hügel am Rande des Sees besuchen wir einen toll gelegenen Rastplatz, wo wir in herrlicher Umgebung ein Picknick-Frühstück zu uns nehmen. Eine Gnu-Herde grast dabei in aller Ruhe unter uns am Seeufer, während ein Seeadler über uns seine Kreise zieht. Wir beobachten auch zwei Heißluftballons, die in geringer Höhe über der Kraterlandschaft schweben. Sicherlich traumhaft, auf diese Weise die Gegend zu überblicken und die Tiere zu betrachten.

Wir bemerken mit dem Fernglas Bewegungen von Dickhäutern zwischen den Bäumen unterhalb der Heißluftballons. Also machen wir uns sofort auf den Weg dorthin, doch wegen der kurvenreichen, staubigen Piste benötigen wir über eine halbe Stunde für diese Strecke. Die Elefanten sind schon längst wieder im Dickicht verschwunden. Wir sehen nur noch die großen Exkremente-Haufen, die auf eine größere Anzahl von Tieren hindeutet. Pech gehabt!

Also legen wir eine weitere Pause im nahegelegenen Pilanesberg-Center ein, einem alten, historischen Gebäude und Überbleibsel aus der Besiedlungszeit. Heutzutage beinhaltet es ein Informationszentrum mit Shop und Café. Ein schützender Zaun existiert nicht und deshalb ist es durchaus möglich, daß wilde Tiere auf dem Gelände herum spazieren, während man mit seinem Kaffee auf der Terrasse sitzt. Prompt sehen wir auch einige Warzenschweine und zahlreiche bunte Vögel nur wenige Meter entfernt. Besser als ein Rudel hungriger Löwen!



Beim Verlassen des Pilanesberg-Centers begegnet uns auch sogleich eine große Gruppe Paviane und eine seltene braune Hyäne. Auf der weiteren Fahrt prallen wir fast gegen einen jungen Elefantenbullen, der hinter einer Kurve nur einen Meter neben der Straße steht und genauso erschrocken ist wie wir. Kurz darauf erspähen wir weitere Elefanten, einige Giraffen, Zebras und viele Antilopenarten, inklusive einer Gruppe der seltenen Säbelantilopen.



Auf einer steilen Piste erklimmen wir einen der Kraterberge und haben einen weiten Ausblick auf den Nationalpark. Auch hier oben begegnen uns viele Tiere auf den grasbewachsenen Hängen.



Als die Sonne höher steigt und es langsam richtig heiß wird, verlassen wir den Park und fahren zum Schwimmen nach Sun City, das südlich an den Pilanesberg-Nationalpark angrenzt. Sun City ist ein Phänomen. Wie eine grüne Oase liegt der Komplex in einem kleinen Tal, ein Zentrum des Glückspiels und des Vergnügens, eben das Las Vegas Südafrikas.

Wir haben es nie zuvor besucht und unsere Meinung darüber war bisher auch nicht die beste. Alles künstlich angelegt, ein Disneyworld in Südafrika, unpassend. Nur Prunk und Protz für die Reichen dieser Welt, die nichts vom wirklichen Afrika wissen und sehen wollen.

Aber ich will schon mal vorgreifen: der Besuch dort hat uns gut gefallen. Die bis ins letzte Detail betriebene Perfektion und auch die geschmackvolle Anlage der Hotels, Freizeit- und Grünanlagen kann schon faszinieren. Ein von Menschenhand geschaffenes Paradies! Ein Kunstwerk eben. In den teuren Luxushotels dort muß man ja nicht wohnen, aber ein Tagesbesuch lohnt durchaus.



Schon das prächtigste und exklusivste Hotel Südafrikas, das Palace Hotel von Lost City, gehört zu den beeindruckendsten Bauwerken, die ich jemals gesehen habe. Lost City ist eine afrikanische Traumwelt, die man um das Hotel herum errichtet hat. Es handelt sich dabei um eine gewaltige Freizeit- und Vergnügungsanlage, die einer fiktiven afrikanischen Ruinenstadt nachempfunden wurde. Im Zentrum befindet sich ein riesiges Wellen-Freibad mit künstlichem weißen Sandstrand. Abenteuerliche Wasserrutschen und unzählige Freizeitaktivitäten bieten vor allem für Kinder viel Spaß. Sogar ein echter tropischer Regenwald wurde angepflanzt und in eine künstliche Felsenlandschaft mit ebenfalls künstlichen Wasserfällen und Bachläufen integriert. Kleine Spazierwege durchziehen den „Urwald“, teilweise führt der Pfad sogar über abenteuerliche Hängebrücken und unter Wasserfällen hindurch.

Es macht einfach Spaß stundenlang durch die gigantische Anlage zu spazieren. Der absolute Höhepunkt ist jedoch das Palace Hotel. Dort hat man wirklich keine Kosten und Mühen gescheut, etwas einmaliges zu schaffen.



Um Lost City zu betreten, müssen wir zunächst das Entertainment-Center durchqueren, eine Ansammlung riesiger Hallen mit Spielautomaten, exklusiven Geschäften und Konzertsälen. Dann laufen wir über eine von Elefantenstatuen flankierte Brücke, auf der regelmäßig ein künstliches Erdbeben mit viel Donner und Rauch ausgelöst wird. Ob man das kitschig findet oder nicht, sei jedem selbst überlassen. Es paßt jedenfalls gut in den Rahmen, ähnlich wie in Las Vegas, wo es entsprechende Attraktionen gibt.



Auch das Wellenbad ist klasse. Unter Wasser wird sogar aus speziellen Lautsprechern klassische Musik gespielt, und die stärksten Wellen können einen fast umhauen.



Fazit: Sun City macht durchaus Spaß, aber den gesamten Urlaub sollte man dort nicht verbringen, dazu bietet das „echte“ Südafrika wesentlich mehr.


4. Tag: Pretoria



Die Fahrt zur Regierungshauptstadt Pretoria führt anfangs noch durch ein spärlich besiedeltes Gebiet mit sehenswerten Baumsukkulenten, doch nach Erreichen der Nationalstraße N4 merken wir sofort am Verkehr, daß wir uns dem größten städtischen Ballungszentrum Südafrikas nähern. An einem Laden am Straßenrand, der Kunsthandwerk des Stammes der Ndebele verkauft, halten wir und stöbern ein bißchen herum. Nach erfolgreichem Handel setzen wir unsere Fahrt mit etwas mehr Gepäck fort, und ich mache mir schon ernsthaft Gedanken, ob die ganzen Sachen die Tour heil überstehen werden.

Nach der Überquerung der schmalen Staumauer des schön gelegenen Hartebeespoort-Damms erreichen wir eine halbe Stunde später Pretoria.



Am auffälligsten ist die Vielzahl prächtig lila blühender Jacarandabäume, die die Straßen säumen. Die Blütezeit Oktober und November ist aus diesem Grund wohl die schönste Zeit für einen Besuch der Hauptstadt.



Wir sehen uns den auf einem Hügel gelegenen Regierungspalast mit seinen Parkanlagen an. Wegen der großen Hitze an diesem Tag (über 30°C) verzichten wir auf die Besichtigung weiterer Sehenswürdigkeiten und suchen den am Ostrand Pretorias gelegenen Botanischen Garten auf. Dort gibt es ein schönes schattiges Café, umgeben von palmähnlichen Cycaden. Der Botanische Garten von Pretoria ist zwar weder von der Lage noch von der Pflanzenvielfalt mit dem Botanischen Garten von Kirstenbosch in Kapstadt zu vergleichen, aber ein Rundgang lohnt sich dennoch sehr. Besonders schön finde ich neben den Cycaden, die zahlreichen Sukkulenten und den kleinen angelegten Regenwald.

Nachmittags führt uns unsere Tagesetappe noch ca. 150 km weiter nach Osten, vorbei an den Townships der Kohlebergbau-Stadt Witbank, nach Middelburg. In der dortigen Touristen-Info besorgen wir uns eine Unterkunft in der Stadt, da unser Wunschziel Botshabelo leider schon ausgebucht ist. Im Nachhinein gesehen sind wir sogar ganz froh drum, denn auf diese Weise lernen wir die preiswerte Lodge Edlin kennen, die wohl beste Unterkunft auf der gesamten Reise. Dieses B+B wird von den wahnsinnig netten Gastgebern Linda und Eddie geführt, die uns schon bei der Ankunft mit einer beispielhaften Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft, sowie Unmengen an Freibier empfangen. Hier wird auf Gastfreundschaft noch wirklich wert gelegt! Hicks!

Abends folgen wir der Empfehlung unserer Gastgeber und besuchen ein gutes Steak-Haus, in dem es allerdings an diesem Abend etwas laut zugeht, da ein wichtiges Rugby-Nationalspiel im Fernsehen übertragen wird.


5. Tag: Middelburg / Botshabelo



Wieder einmal geht es extrem früh kurz nach Sonnenaufgang aus den Federn, denn an diesem Morgen wollen wir auf dem Cycade-Trail nördlich von Middelburg wandern gehen. Unsere Gastgeber bereiten uns schon zu dieser frühen Stunde ein umfangreiches Frühstück, so daß wir gestärkt unsere Tour beginnen können. Nach einer halbstündigen Fahrt über staubige Pisten erreichen wir die Farm von Johan und Narissa Smit, besorgen uns dort ein Permit und eine grobe Karte der Umgebung und schon sind wir auf dem Hikingtrail durch privates Farmland unterwegs. Unser Ziel ist die Schlucht des Olifants-River. Die extreme Hitze an diesem Tag setzt Simone und mir ganz schön zu. Da uns die Zeit davonläuft (wir müssen um spätestens 12 Uhr aus der Lodge Edlin auschecken), kürzen wir den Weg etwas ab und müssen leider auf ein erfrischendes Bad im Fluß verzichten.

Zurück in Middelburg verabschieden wir uns nach einer wohlverdienten Dusche von unseren Gastgebern und besuchen anschließend die ehemalige Missionstation Botshabelo in der Nähe. Dort ist neben einem alten Fort, einer Kirche und einigen Museumsgebäuden vor allem ein Dorf der Ndebele zu bewundern, das teilweise noch bewohnt wird. Die Kunstfertigkeit der Ndebele ist nicht nur an ihren charakteristisch bunt bemalten Häusern zu erkennen, sondern auch an ihrer farbenprächtigen Bekleidung und ihrem Perlenschmuck.



Das ganze Dorf dient als eine Art Open-Air-Museum: man kann sich in den Häusern ungestört umschauen und den Ndebele-Frauen bei ihrer Arbeit zusehen. In einem kleinen Shop werden verschiedene Handwerksartikel (zu recht gehobenen Preisen) verkauft.

Nach einer kleinen Erfrischung setzen wir unsere Fahrt in Richtung Hazyview am Rande des Krüger-Nationalparks fort, um uns dort mit unseren Freunden Bruno und Frauke und ihren Gästen aus Deutschland, Sven und Gabi, zu treffen. Wir haben schon vor Monaten in Kapstadt dieses Treffen ausgemacht, um gemeinsam zwei Safari-Tage im Krügerpark zu verbringen.

Der Weg nach Hazyview führt uns über einsame Straßen, durch kleine, ländliche Ortschaften und über den höchstgelegenen Bergpaß des Landes in das Städtchen Lydenburg, das wir schon vor zwei Jahren besucht haben. Auf dem Weg kommen wir an einem schweren Verkehrsunfall vorbei, der uns ganz schön schockiert. Ein vollbesetztes Minibustaxi ist wohl nach einem Überholvorgang frontal mit einem anderen Fahrzeug zusammengeprallt. Auf der Straße liegen noch die notdürftig zugedeckten Opfer des Unfalls. Wie schnell so etwas doch passiert, selbst auf den relativ wenig befahrenen Straßen Südafrikas!

Trotz unserer Betroffenheit genießen wir die weitere Fahrt über den spektakulären Long-Tom-Paß, der in zahllosen Kurven in das dicht bewaldete Tal von Sabie hinab führt. Je weiter wir uns Hazyview nähern, desto mehr beeindruckt uns die dichte tropische Vegetation. Kurz vor Hazyview kommen wir an zahlreichen Bananen- und Mango-Plantagen vorbei. Überall blüht es, und die ganze Umgebung wirkt auf uns wie ein paradiesischer Garten. Sicherlich einer der schönsten Flecken Südafrikas. Aufgrund der Nähe zum Krügerpark gibt es auch entsprechend viele Unterkünfte in allen Preiskategorien.

Unser Ziel ist das Hazyview Protea Hotel, das wir nach einigem Herumgefrage auch bald finden. Kurz danach treffen auch Bruno, Frauke, Sven und Gabi ein, die auf direktem Weg vom Internationalen Flughafen Johannesburg gekommen sind.

Nach herzlicher Begrüßung klönen wir zusammen den Rest des Abends im Restaurant des Hotels herum und lassen uns das angebotene Grill-Buffet gut schmecken.


6. Tag: Krüger-Nationalpark / Olifants



Endlich mal wieder im größten Nationalpark Südafrikas auf die Suche nach den „Big 5“ gehen! Wir brechen noch vor dem Frühstück auf und fahren im Konvoi zum Paul-Krüger-Gate im Südwesten des Parks. Gleich am Gate bekommen wir den heißen Tip einer Leopardensichtung, auf einem Baum, nicht weit vom Eingang entfernt. Leider ist die Raubkatze schon verschwunden, als wir dort ankommen. Doch dafür sehen wir eine ganze Reihe anderer Tiere. Besonders beeindruckend sind die Begegnungen mit einem Rudel Fleckenhyänen und mit einem Elefanten.

Nicht so begeistert sind wir dagegen von der Vielzahl der Touristen im Süden des Nationalparks. Teilweise kommt es bei manchen Tiersichtungen zu richtigen Staus, denn außer den Individualtouristen in ihren Mietwagen fahren auch noch viele Reisebusse und mit Tagesbesuchern vollgeladene Geländewagen auf den Straßen und Pisten herum. Dieser Betrieb läßt zum Glück immer mehr nach, je weiter wir nach Norden kommen.

In Skukuza, dem größten Camp des Parks, legen wir am Sabie-Fluß unsere erste Pause ein und verspeisen die Frühstückspakete, die man uns im Protea-Hotel anstelle des Frühstücks mitgegeben hat. Wir haben Glück und können dabei am anderen Flußufer eine Reihe von Elefanten beobachten, die ihren Durst löschen. Auch die frechen grünen Meerkatzen amüsieren uns sehr, die im Camp herumtollen und versuchen, vom Picknick etwas abzubekommen.

Trotzdem sind wir heilfroh, dem Trubel der vielen Menschen in Skukuza zu entkommen, als wir wieder unseren Weg nach Norden fortsetzen. Stundenlang fahren wir im Pirschtempo (zwischen 20 - 30 km/h) über die Teerstraße in Richtung Satara, halten da und dort, wo es etwas zu sehen gibt. Pausen machen wir nur an Wasserlöchern und einmal auf dem großen Rastplatz Tshokwane.

Dort können wir nur die Köpfe schütteln über die zahlreichen Touristen, die es nicht lassen können, die vielen Vögel und Affen zu füttern, für die der Rastplatz eine willkommene Nahrungsquelle darstellt. Wenn dann kleine Kinder gebissen werden, die ihre „Kuscheltiere“ versuchen zu streicheln, oder wenn dreiste Paviane ganze Tische abräumen, wie wir es beobachten konnten, braucht man sich natürlich nicht zu wundern. Der Krügerpark ist nun mal kein Zoo, und wilde Tiere bleiben wilde Tiere, so zutraulich sie auch aussehen mögen!

Auf der Weiterfahrt füllt sich nach und nach unsere Liste der gesichteten Tierarten. Schließlich fehlen uns von den „Big 5“ nur noch Löwe und Leopard.



Doch auch die Pflanzenwelt hat einiges zu bieten. Vor allem beeindruckt uns wieder der gewaltige Affenbrotbaum, dem wir schon vor zwei Jahren das erste Mal einen Besuch abgestattet haben. Mit einem Umfang von fast 20 m gehört er zu den größten Exemplaren seiner Gattung.

So vergeht der ganze Tag. Anfangs halten wir fast noch bei jedem Tier und machen ein Spiel daraus, wer von uns die Tiere am ehesten erspäht. Doch später, als uns zum wievielten Mal Impalas und Zebras begegnen, achten wir auf diese Tiere kaum noch. Spannend wird es dagegen jedesmal, wenn wir besonders seltene oder große Tiere entdecken. Und als plötzlich ein angriffslustiger Elefantenbulle auf uns zu trabt, wird es sogar ziemlich aufregend! Diese Erfahrung machen vor allem auch Sven und Gabi zum ersten Mal.



Später in der Mittagshitze geht es etwas ruhiger zu, da die meisten Tiere bewegungslos im Schatten verharren. Zu dieser Zeit sieht man dann manchmal über eine Stunde lang fast gar nichts. Nachdem wir das Camp Satara im Zentrum des Nationalparks hinter uns gelassen haben, begegnen uns nur noch ganz selten andere Fahrzeuge.

Ein Höhepunkt für heute ist am Nachmittag noch der Blick über das breite Flußbett des fast ausgetrockneten Olifants-River. Neben vielen trinkenden Tieren sehen wir auch Krokodile und Flußpferde im seichten Wasser.



Im Camp Olifants angekommen beziehen wir erstmal unsere Rundhütten. Die Rondavels sind zwar recht einfach ausgestattet, aber sie haben Duschen mit heißem Wasser, ordentliche Betten und vor allem einen großen Kühlschrank für unseren Getränkevorrat.

Der Kühlschrank steht übrigens bei allen Rondavels außen auf der Veranda, und die Hütten lassen sich auch nicht abschließen. Im Krügerpark funktioniert das noch, denn Diebstähle sind hier nicht üblich.

Nachdem wir unser Gepäck ausgeladen haben, treffen wir uns zum Sonnenuntergang auf der phantastischen Aussichtsplattform hoch oben über dem Fluß. Dort ereignet sich noch eine lustige Begebenheit. Die Mitglieder einer älteren, ostdeutschen Reisegruppe haben sich ebenfalls am Aussichtspunkt versammelt und spähen mit ihren Ferngläsern umher. Plötzlich ruft einer von ihnen:

„Ich sehe was, ich glaube es ist ein Löwe... oder nein, es ist ein Tiger!!“

„Also, ein Tiger wäre doch etwas unwahrscheinlich.“, werfe ich ironisch ein.

„Er sieht aber so aus. Wirklich!“

Ich schaue durchs Glas und sehe am Ufer weiter unten tatsächlich eine Raubkatze umherstreifen. Allerdings handelt es sich um einen Leoparden, was mich sofort in heftige Aufregung versetzt. Einen Augenblick später spricht sich die Neuigkeit bei allen rum und jeder versucht fieberhaft das Tier durchs Fernglas zu erkennen.

Der Leopard nähert sich dem Fluß, um zu trinken, doch der Platz vor ihm im Wasser ist schon von einem großen Flußpferd besetzt. Einen Moment lang beobachten sich die beiden ungleichen Tiere gegenseitig mißtrauisch, dann macht das tonnenschwere Flußpferd plötzlich einen Satz nach vorne und geht zum Angriff über. Der Leopard springt mit einem Riesensatz in Sicherheit und zieht sich einige dutzend Meter zurück, um sich dann an anderer Stelle einen besseren Platz zu suchen. Mit einem angreifenden Flußpferd ist eben nicht zu spaßen! Nicht umsonst gehören Hippos zu den aggressivsten und gefährlichsten Tieren Afrikas.

Mittlerweile ist sogar der Ostdeutsche davon überzeugt, daß es sich nicht um einen Tiger gehandelt hat. Vielleicht hätte er nicht so viele alte Tarzan-Filme sehen sollen...

Der Sonnenuntergang über der weiten Ebene ist dann noch ein beeindruckendes Erlebnis. Da die Beobachtungsmöglichkeiten so gut sind, verabreden wir uns mit Sven und Gabi zum Sonnenaufgang wieder an der Plattform und gehen nach dem Abendessen und ein paar Bier zeitig ins Bett.


7. Tag: Krüger-Nationalpark / Satara



Nach einer halben Stunde Beobachtung in der Morgendämmerung gehen wir alle paarweise auf Pirschfahrt und treffen uns ca. 2 Stunden später wieder im Camp, um gemeinsam zu frühstücken. An diesem Morgen lassen sich aber nur wenige Tiere blicken.

Am späten Vormittag fahren wir zusammen im Konvoi nach Süden in Richtung Satara. Wir nehmen hinter der Brücke über den Olifants-River die Abzweigung zu einem Wasserloch und treffen dort eine ganze Reihe von durstigen Tieren an.



Besonders gefallen uns dabei die trinkenden Giraffen, die es wegen ihres langen Halses dabei gar nicht so einfach haben. Vor dem Trinken spähen diese graziösen Tiere erst minutenlang in alle Richtungen, um sich zu vergewissern, daß keine Raubtiere in der Nähe sind. Dann knicken sie ihre Vorderbeine ein, spreizen sie weit auseinander und beugen sich vorsichtig hinab zum Wasser. Diese Position ist ein großes Risiko für eine Giraffe, denn sie benötigt wertvolle Sekunden, um sich wieder aufzurichten. Für im Gebüsch lauernde Löwen ist das die Gelegenheit.

Tatsächlich kommt plötzlich Unruhe in die Gruppe der trinkenden Zebras und Giraffen. Die erschrockenen Tiere wenden sich alle zur Flucht. Aber wir werden enttäuscht: Statt einem Löwen taucht nur ein bewaffneter Wildhüter aus dem Busch auf, der hier einen Kontrollgang durchführt. Da haben wir uns wohl zu früh gefreut!



Unsere weitere Fahrt wird kurze Zeit später unfreiwillig gestoppt, als ein riesenhafter, alter Elefantenbulle vor uns auf die Piste tritt und in aller Seelenruhe gemächlich vor uns her trottet. Die Piste nutzt er dabei als willkommene Schneise durch den Busch. Einen derart großen Elefanten mit wirklich gewaltigen Stoßzähnen haben wir vorher noch nie gesehen. Er muß zu den ganz großen Bullen im Krügerpark gehören, die alle eigene Namen tragen.

Selbstverständlich ist es nicht möglich dieses Tier zu überholen. Also müssen wir viel Geduld aufbringen und dem Bullen im Schritttempo und im angemessenen Abstand folgen. Der Kerl scheint seinen Spaß daran zu haben uns ein bißchen zu ärgern, denn er denkt gar nicht daran, die Piste zu verlassen. Mehr als eine Stunde lang müssen wir ihm folgen, denn es gibt keinerlei Abzweigung und der Weg zurück würde uns auch nicht weiterhelfen. Solche Situationen zeigen mal wieder, daß die Tiere in den Nationalparks grundsätzlich „Vorfahrt“ haben.



Nach etlichen Stunden und zahlreichen weiteren Tierbegegnungen erreichen wir schließlich das große Camp Satara. Unsere Rundhütten hier sind praktisch baugleich mit denen im Camp Olifants, allerdings ist die Landschaft um Satara herum nicht so spektakulär. Satara liegt inmitten weiter Grasebenen, die sehr reich an Tieren sind. Herden von Gnus, Zebras, Kuhantilopen und anderen Pflanzenfressern locken Raubtiere an. Löwen werden fast täglich im Umkreis von Satara gesichtet.

Wir bekommen an diesem Tag allerdings keine zu sehen und ruhen uns den Rest des späten Nachmittags im Camp aus. Als wir im Dunkeln zum Restaurant spazieren, läuft uns doch glatt eine gefleckte Ginsterkatze über den Weg. Diese nachtaktiven, kleinen Raubkatzen werden normalerweise nur sehr selten gesichtet.


8. Tag: Krüger-Nationalpark / Letaba und Mopani



Ab heute trennen sich wieder unsere Wege. Bruno und Frauke fahren zurück in Richtung Johannesburg, Sven und Gabi setzen ihre Tour in Richtung Blyde River fort, und Simone und ich bleiben noch zwei weitere Tage im Krügerpark.

Nach der Verabschiedung führt uns unser Weg wieder nordwärts an Olifants vorbei zum Camp Letaba, das einem subtropischen Garten gleicht. Da es in der Nähe eines wasserreichen Dammes liegt, wächst dort eine Vielfalt hoher Bäume und Palmen. Wir bedauern es etwas, daß wir keine Nacht in diesem wunderschönen Camp verbringen. Dafür frühstücken wir im dortigen Restaurant auf der großen Terrasse mit Blick über den Fluß Letaba.

Letaba hat mit der Elefantenhalle noch einen interessanten Ort zu bieten, den man unbedingt besuchen sollte. In dieser Halle wird eine beeindruckende Sammlung großer Stoßzähne ausgestellt und man erfährt dort viel interessantes über die Elefanten des Krügerparks.



Ebenso sollte man nicht versäumen, dem Beobachtungsversteck am Engelhard Dam nordöstlich von Letaba einen Besuch abzustatten. Wir sehen dort eine Menge Flußpferde und Krokodile aus nächster Nähe.



Die Strecke zwischen Letaba und dem Camp Mopani weiter im Norden ist dann weniger aufregend. Ein großflächiger Buschbrand hat dieses Gebiet in eine verkohlte Wüste verwandelt und fast alle Tiere aus der Gegend vertrieben. Nur Windhosen wirbeln den Staub und die Asche auf. Auf uns wirkt diese Landschaft fast deprimierend, denn sie paßt so gar nicht in dieses Paradies, wo es normalerweise vor Tieren nur so wimmelt. Die bevorstehende Regenzeit scheint dringend notwendig, um wieder Leben in die trockene Vegetation zu bringen.

Dicht vor Mopani wird es wieder etwas grüner. Ein entgegenkommendes Fahrzeug weist uns auf einen Elefantenkadaver hin, der in der Nähe der Abzweigung zum Camp liegt, und der von einigen Löwen bewacht wird. Leider werden wir wieder enttäuscht: Der Kadaver liegt zwar da, aber die Löwen sind von einer ganzen Gruppe Wildhüter und Angestellten des Nationalparks vertrieben worden, die dem toten Elefanten die Stoßzähne abnehmen. Das Elfenbein der toten Dickhäuter wird nämlich von der Regierung gelagert, da es einen erheblichen Wert darstellt. Außerdem will man verhindern, daß die Zähne von Wilderern gestohlen werden. Der übrige Kadaver wird der Natur und den Aasfressern überlassen.

Wir checken an der Rezeption des Camps erstmal ein und nehmen uns vor, den Kadaver später noch mal zu beobachten. Mopani gehört zu den luxuriöseren Camps des Krügerparks. Alles ist etwas eleganter und die Hütten sind auch größer und besser ausgestattet als die bisherigen Rondavels. Es gibt sogar einen Swimmingpool. Das Restaurant liegt erhöht vor dem großen Pioneer Dam und hat eine gute Aussichtsplattform. Ein kleiner Wanderpfad führt am elektrischen Außenzaun des Camps dicht am Seeufer entlang und ermöglicht die Beobachtung von Krokodilen und anderer, in Wassernähe lebender Tiere zu Fuß. Vor allem Echsen sind in der Umgebung von Mopani häufig zu sehen.

Trotz aller Vorzüge ist das Camp nicht ausgebucht und es gehört auch zu den weniger beliebten des Parks. Der Hauptgrund dafür dürfte wohl die Lage etwas abseits der besten Tierbeobachtungsrouten sein. Uns kann es egal sein. Die Hütten gefallen uns und außerdem hoffen wir noch auf eine Löwenbegegnung am Elefantenkadaver.

Nach einer kurzen Abkühlung im Pool fahren wir nachmittags wieder auf die Pirsch. In der Nähe des Kadavers laufen mittlerweile viele Hyänen herum. Auch Schakale und Geier sind schon dabei, sich ihren Anteil an der Beute zu sichern. Ich zweifle daran, daß die Löwen wiederkommen, doch Simone will unbedingt noch weiter warten. Ihre Geduld und Hartnäckigkeit wird schließlich auch belohnt, denn nach einiger Zeit tauchen tatsächlich zwei Löwinnen aus dem Unterholz auf und verjagen die Aasfresser. Die Hyänen sind zwar in der Überzahl, aber sie wollen es wohl nicht auf eine Konfrontation ankommen lassen, denn sie machen einen Rückzieher in unsere Richtung. So kommen wir, sicher im Auto sitzend, zu schönen Nahaufnahmen dieser hundeähnlichen Raubtiere.



Leider läßt uns in diesem Moment unser Wagen im Stich, und wir geraten dadurch in eine unangenehme Situation. Ich will auf dem Weg wenden und stelle mich quer. Plötzlich läßt sich der Rückwärtsgang nicht mehr einlegen! Ich versuche alles mögliche, rolle vor, trete die Kupplung erneut, versuche den Schalthebel immer wieder neu einzulegen, aber es klappt einfach nicht. Wir hatten dieses Problem mit unserem Auto vor einem Jahr schon einmal. Damals war der Schalthebel dejustiert gewesen.

Jetzt stehen wir hier mitten im Krügerpark, weitab vom nächsten Ort und der nächsten Werkstatt, und haben wieder das gleiche Problem. Schlimmer noch: wir stehen mit dem Auto quer zur Straße, können weder vor noch zurück, denn vor uns ist ein tiefer Graben. Aussteigen und schieben können wir auch nicht, weil die Hyänen um uns herum streifen. Das ist mal wieder ein typisches Beispiel für Murphy's Gesetz! In einer solchen Situation wünscht man sich, daß alles nur ein Traum ist. Aber nichts da!

Doch das Glück verläßt uns dann doch nicht! Nach einigen erneuten Versuchen, den Schalthebel in die richtige Position zu drücken, rastet er plötzlich ein und der Rückwärtsgang funktioniert wieder! Noch mal davongekommen!

Trotzdem beunruhigt uns dieses Problem sehr, denn man kann sich noch üblere Situationen vorstellen, in denen man unbedingt einen funktionierenden Rückwärtsgang benötigt. Was macht man z. B., wenn vor dem Wagen eine Herde Elefanten oder Büffel auf den Weg tritt und man schnellstens den Rückzug antreten muß?

Dieses Problem muß daher so schnell wie möglich behoben werden. Zurück im Camp fragen wir nach der nächsten Werkstatt. Normalerweise gibt es einen Pannendienst nur im ca. 5 - 6 Fahrstunden entfernten Camp Skukuza. Doch auch im nächstgelegenen Camp Letaba soll es eine Werkstatt für die Nationalpark-Fahrzeuge geben. Wir beschließen am nächsten Tag sofort zurück nach Letaba zu fahren.


9. Tag: Krüger-Nationalpark / Punda Maria


Nach dem Aufstehen packen wir unsere Sachen zusammen und verlassen Mopani. Am Elefantenkadaver legen wir noch eine kurze Pause ein und beobachten mit dem Fernglas die Löwinnen, die nach wie vor ihre „Beute“ bewachen. Der Elefant ist übrigens eines natürlichen Todes gestorben, wie wir an der Rezeption von Mopani erfahren haben. Auch die Hyänen haben noch nicht aufgegeben und warten auf ihre Chance. Direkt auf der Straße sehen wir zum ersten Mal auch ein Hyänenjunges.

Doch die Sorge um unser Auto laßt uns nicht in Ruhe. Neben dem Rückwärtsgang läßt sich nun auch der 1. Gang nicht richtig einlegen. Also fahren wir die Strecke durch die verbrannte Savanne zurück nach Letaba und suchen dort die Werkstatt auf. Als die Kfz-Mechaniker den Wagen untersuchen, klappt die Schaltung natürlich plötzlich wieder. Murphy's Gesetz!! Trotz unserer gegenteiligen Beteuerung kann niemand einen Fehler finden. Somit bleibt uns nichts anderes übrig, als unverrichteter Dinge weiterzufahren. Wieder bei Mopani angekommen (120 km Fahrt umsonst!), setzen wir den Weg nach Norden fort.

Das Wetter paßt gut zu unserer Stimmung. Eine dichte Wolkendecke verdeckt die Sonne, und hin und wieder gibt es kleine Regenschauer. Tiere lassen sich auf der zweistündigen Fahrt bis zum nächsten Camp Shingwedzi so gut wie nicht blicken. Kurz vor dem Camp wird es dann wieder lebendiger und wir sehen Impalas, Büffel, Kudus und Wasserböcke.

Schingwedzi ist ein schön am Flußufer gelegenes Camp mit hohen Mlala-Palmen. Wir frischen unseren Getränkevorrat im Shop auf und essen auf der großen Veranda des Restaurants zu Mittag. Das Warzenschwein-Steak schmeckt wirklich sehr gut. Dutzende farbenprächtiger Vögel sind so zutraulich geworden, daß sie in der Hoffnung auf ein paar Krümel auf den Tischen herum hüpfen.

Weiter führt die Fahrt durch die mit Mopane-Bäumen bewachsene Ebene in den einsamen Norden des Krügerparks. Auf der dreistündigen Fahrt nach Punda Maria, der nördlichsten Unterkunft des Parks begegnet uns kein anderes Fahrzeug mehr. Die einzigen Touristen treffen wir auf dem Picknickplatz Babalala entlang des Wegs, an dem wir uns etwas die Beine vertreten können.



Schließlich erreichen wir das kleine Camp Punda Maria, das an den sanften Hängen eines bewaldeten Hügels gelegen ist. Punda Maria war eine reine Wildhüter-Station, die erst später zu einem Touristencamp umgebaut wurde. Nach wie vor strahlt das Camp eine entspannte Atmosphäre aus. Die rietgedeckten Hütten haben kleine einfache Zimmer, sind aber gemütlich und haben Stil. Hierher kommen fast nur Individualreisende, und dieses Publikum ist uns bedeutend lieber als die Pauschalreisenden in den großen Reisebussen, die man in den Camps im Süden allzu häufig antrifft. Wir lernen auch gleich ein Paar aus den Niederlanden kennen, das mit einem Geländefahrzeug auf dem Weg ins Nachbarland Zimbabwe unterwegs ist.

In unmittelbarer Umgebung von Punda Maria gibt es auch eine schöne Rundtour zur Wildbeobachtung, die Mahonie Loop. In dem waldreichen Gebiet hier im Nordwesten sind viele Büffel und Elefanten beheimatet. Einige dieser gewaltigen Tiere bekommen wir auch schon auf unserer Nachmittagspirschfahrt zu sehen. Als uns eine riesige Büffelherde den Weg verstellt, sind wir sogar gezwungen umzudrehen, denn an die aggressiven Büffel sollte man sich nicht zu nahe heran trauen. Glücklicherweise funktioniert die Gangschaltung im Moment wieder.

Abends besuchen wir im Camp das winzige Restaurant und essen Kudu- und Impalasteaks. Das Fleisch ist leider etwas zäh geraten, aber der anschließende Nachtisch, ein Käsekuchen mit Erdbeersoße, ist ein absolutes Gedicht.

Später sitzen wir mit den Niederländern auf der schmalen Veranda vor der Hütte und plaudern noch ein Weilchen. Die Hausmädchen des Camps hängen kleine Spiritus-Laternen vor die Hütten, und so genießen wir noch einen letzten stimmungsvollen Abend im Krüger-Nationalpark.


10. Tag: Vendaland / Blyde River Canyon



Bevor wir uns ganz vom Nationalpark verabschieden, machen wir morgens noch eine letzte lange Pirschfahrt in den äußersten Nordosten Südafrikas. Nördlich von Punda Maria zieren felsige Sandsteinhügel die eindrucksvolle Landschaft. Einsam stehende Affenbrotbäume mit ihren gewaltigen Stämmen wachsen weit verstreut in der Gegend und geben einem das Gefühl, im Herzen Afrikas zu sein.

Schließlich gelangen wir ins eindrucksvolle Tal von Pafuri. Diese Gegend ist zweifellos die schönste im ganzen Krügerpark. Der subtropische Pflanzenreichtum mit gewaltigen Urwaldriesen und Palmen am Ufer des Flusses Luvuvhu wird uns immer in Erinnerung bleiben. Hier ist auch die Heimat zahlreicher seltener Tiere, wie z. B. der scheuen Nyala-Waldantilope. Sie teilt ihren Lebensraum mit Elefanten, Büffeln, Kudus, Pavianen und anderen Affenarten.



Wir geraten in einen mächtigen Regenschauer, als wir auf den schmalen Pfaden dieses afrikanische Zauberland durchqueren. Die geringe Sichtweite durch den Regen und die eng beisammen stehenden Baumriesen, sowie die zahlreichen Tierspuren und Elefantenhaufen machen die Fahrt außerordentlich spannend. Hinter jeder Biegung oder hinter jedem Baum kann ein Elefant oder Büffel stehen. Simone fühlt sich dabei gar nicht wohl in ihrer Haut. Ich bin von der märchenhaft schönen Gegend so fasziniert, daß ich gar nicht an die möglichen Gefahren denke.

Schließlich erreichen wir unser Ziel, die Crook's Corner am großen Grenzfluß Limpopo. Hier befindet sich das Dreiländereck Südafrika-Zimbabwe-Mosambik. Grenzposten und –übergänge gibt es hier nicht, nur eine kleine Polizeistation befindet sich in der Nähe. Der Fluß selbst mit seinen Krokodilen und Flußpferden ersetzt den Grenzzaun. In der Vergangenheit kam es hier immer wieder zu Grenzverletzungen von Gesetzlosen und Wilddieben. Elfenbeinjäger konnten in einem der drei Nachbarländer wildern und immer dann die Grenze überqueren, wenn ihnen die Polizei eines der Länder auf den Fersen war. Auch heute noch kommt es öfters zu illegalen Grenzübertretungen entlang des Krügerparks, vor allem aus dem bürgerkriegsgeschädigten Mosambik.

Jetzt, da wir den am weitesten von Kapstadt entfernten Punkt Südafrikas erreicht haben, wird uns die gewaltige Fahrstrecke bewußt, die auf dem Rückweg vor uns liegt (ca. 2400 km). Der erste Teil der langen Rückfahrt führt durch das Punda-Maria-Gate hinaus ins ehemalige Homeland der Venda. Die recht armen Angehörigen dieses Stammes leben hauptsächlich von Viehzucht und ein wenig Ackerbau. Man durchfährt auf dem Weg viele kleine Rundhütten-Dörfer und Ansiedlungen. Dies hier ist echtes Schwarzafrika, wie man es sich vorstellt. Obwohl wir uns immer noch in Südafrika befinden, könnte der Kontrast zur fast europäisch anmutenden Kapregion nicht größer sein.



Kurz nach Mittag erreichen wir das Provinzstädtchen Giyani. Hier scheinen wir die einzigen Weißen zu sein. Nach einer Tankpause nähern wir uns langsam dem Rand der nördlichen Drakensberge, wo das Vendaland endet. Im beschaulichen Ort Duiwelskloof wollen wir unsere Tagesetappe für heute beenden. Von hier aus haben wir vor, in den nächsten Tagen einige Wanderungen in die Umgegend zu unternehmen, unter anderem in den Cycadenwald nach Ga-Modjadji, wo auch heute noch die Regenkönigin residiert. Leider macht uns aber das Wetter einen gehörigen Strich durch die Rechnung, denn es fängt in Strömen an zu regnen!

In Duiwelskloof hat man die Hauptstraße wegen Bauarbeiten aufgerissen. Also müssen wir uns durch die schlammige und glitschige Straße zum städtischen Rastlager quälen. Die Anlage dort ist leider ebenso matschig, und da uns die angebotenen Hütten auch nicht gefallen, beschließen wir weiter nach Tzaneen zu fahren und dort unser Glück zu versuchen.

Dort angekommen sehen wir vor lauter Regen fast nichts mehr. Auch in Tzaneen sind Bauarbeiten im Gange und wir bleiben einmal fast im tiefen Schlamm stecken. Meine Stimmung ist auf dem Tiefpunkt. Ich habe mich schon seit Tagen auf die Wanderungen in der (unter normalen Umständen) sehr schönen Gegend um Tzaneen herum gefreut. Da es aber nicht danach aussieht, daß der strömende Regen hier in absehbarer Zeit aufhört, werfen wir unsere ganze Tourplanung über den Haufen und fahren noch weitere 80 km bis zum Abel-Erasmus-Paß in Richtung Blyde River Canyon.



Hinter dem beeindruckenden Bergpaß haben wir besseres Wetter, auch wenn noch dicke Wolken über der ganzen Gegend hängen. Mit unserem Handy haben wir kurzfristig ein Chalet im Aventura-Blydepoort-Resort reservieren lassen. Genau in diesem Resort waren wir schon vor zwei Jahren auf unserer ersten Südafrikarundreise. Diesmal haben wir sogar ein größeres und besser ausgestattetes Häuschen bekommen, direkt am Rand des Canyons gelegen. Vom Schlafzimmerfenster aus haben wir einen genialen Blick auf die Gipfel der „3 Rondavels“.

Den Rest des Tages besuchen wir noch einen der Aussichtspunkte und ruhen uns anschließend aus. Leider ist das Buffet im Restaurant des Aventura-Resorts in den letzten zwei Jahren nicht viel besser geworden, obwohl man sich beim Service und der Vielfalt der Speisen viel Mühe gibt.


11. Tag: Blyde River Canyon / Graskop



Am nächsten Morgen lacht schon wieder die Sonne! Nach einem selbstbereiteten Frühstück sehen wir uns von den Aussichtspunkten den bis zu 850 m tiefen Canyon an, den der Fluß Blyde im Laufe der Zeit ins Gestein gefressen hat. Dieser Canyon zählt ganz sicher zu den herausragendsten landschaftlichen Höhepunkten im südlichen Afrika.



Auch die prächtig blühenden Bougainvilleas und Jacarandabäume in der Gegend haben ihren Reiz. Als nächstes statten wir den Burke's Luck Potholes einen Besuch ab. Dabei handelt es sich um tiefe Löcher im Gestein, die durch die Wasserkraft der Kaskaden am Zusammenfluß der Flüsse Treur und Blyde entstanden sind. Auch wenn dieser Ort täglich hunderte von Touristen anlockt, lohnt sich ein Besuch aufgrund der landschaftlichen Schönheit auf alle Fälle.



Vorbei an God's Window, einem bekannten Aussichtspunkt von der steil abfallenden Abbruchkante der nördlichen Drakensberge auf die Weite des darunterliegende Lowvelds, erreichen wir Graskop. Dieser nette, kleine Ort liegt am südlichen Ende des Blyde River Canyon Nature Reserves und ist ein guter Ausgangspunkt für Unternehmungen in der Region.

In der Touristen-Info fragen wir nach einer günstigen Unterkunft und landen bei den Blyde Chalets mitten im Ort. Diese Selbstversorger-Chalets sind einfach ausgestattet, aber für ein oder zwei Nächte in Ordnung.

Am Nachmittag machen wir noch einen kleinen Ausflug zum 80 m hohen Berlin-Wasserfall, zum Rock-Pinnacle, einer aus dem Urwald ragenden Felsnadel, und zu den schönen Lisbon-Wasserfällen. An vielen Sehenswürdigkeiten der Gegend gibt es an den Parkplätzen Verkaufsstände der einheimischen Bevölkerung. Es werden hauptsächlich aus Holz geschnitzte Kunstwerke und Haushaltsgegenstände, wie Schalen und Schneidebretter verkauft. Diese Artikel sind in diesem Teil Südafrikas wesentlich günstiger als beispielsweise in Kapstadt. Deshalb kaufen wir auch einige schöne Dinge für unser Häuschen ein. Gehandelt wird hier kaum, da die Preise schon recht niedrig angesetzt sind. Außerdem wollen wir es auch nicht übertreiben, denn immerhin lebt ein nicht unerheblicher Teil der hiesigen schwarzen Bevölkerung von diesen Handarbeiten.



In Graskop finden wir am Abend ein wirklich sehr empfehlenswertes Restaurant namens Notty Pine, wo wir ganz phantastische Forellen serviert bekommen.


12. Tag: Hazyview / Betlehem


Wir wollen heute den „Jock of the Bushveld“-Trail entlang laufen, der an einigen Orten und Landschaftsmerkmalen vorbei führt, die in dem populären südafrikanischen Roman „Jock of the Bushveld“ erwähnt werden. Aber schon zum zweiten Mal auf unserer Tour spielt das Wetter nicht mit, denn am Morgen ziehen dichte Regenwolken auf, die sich hier am Rande des Highvelds zusammenballen. Da sich das Wetter in den Bergen sehr rasch wieder ändern kann, beschließen wir zunächst einmal abzuwarten und uns eine neue Unterkunft im preiswerten städtischen Touristencamp zu suchen, denn der Wanderweg beginnt auch von dort. Doch leider haben wir beim Verlassen unseres Chalets wieder Ärger mit dem Auto. Jetzt läßt sich außer dem Rückwärtsgang auch der 1. und 2. Gang nicht mehr korrekt einlegen! Langsam reicht es uns!!

Da wir noch immer gute 2000 km von Kapstadt entfernt sind, versuchen wir so rasch wie möglich eine geeignete Werkstatt aufzusuchen, die in der Lage ist, das Problem zu beheben. Die nächst größere Stadt ist Nelspruit im Süden. Also fahren wir den kurvenreichen Kowyn-Paß herab und erreichen 900 m tiefer wieder den subtropisch gelegenen Ort Hazyview. Dabei können wir von Glück reden, daß der Paß nur bergab führt, denn vollbeladen wie wir sind, könnte es ohne die ersten beiden Gänge bei einem steilen Anstieg problematisch werden.



In Hazyview tanken wir auf und besorgen uns auf dem Obst- und Gemüsemarkt für die Weiterfahrt Bananen und leckere Macadamia-Nüsse. Da diese Produkte in der Umgebung von Hazyview in Mengen wachsen, ist der Preis dafür lächerlich gering. Wieder kommen wir trotz der Sorge um unseren Wagen nicht umhin, an einigen der prachtvoll blühenden Bougainvilleas anzuhalten und Fotos zu machen. Wir kaufen einem Straßenhändler noch einen aus Holz geschnitzten Vogel ab und staunen abermals über den günstigen Preis. Die schwarze Bevölkerung hier in der Gegend ist wirklich sehr arm. Viele müssen davon leben, den zahlreich durch Hazyview kommenden Touristen, die unterwegs zum Krügerpark sind, ihre Handarbeiten zu verkaufen. Es werden wirklich sehr schöne Sachen angeboten, und am liebsten würden wir noch viel mehr kaufen. Der Erlös landet hier nämlich nicht in den Taschen der vielen Zwischenhändler, sondern direkt bei den Herstellern.

Die weitere Fahrt nach Nelspruit durch die vielen grünen Bananenplantagen und Wälder ist landschaftlich wunderschön. In der Stadt angekommen finden wir schnell eine Opel-Werkstatt. Doch vergebens! Es ist Samstag und selbstverständlich hat die Werkstatt geschlossen! Da wir nicht vorhaben, das gesamte Wochenende in Nelspruit zu verbringen, entscheiden wir uns für die Weiterfahrt nach Kapstadt und hoffen, daß die Schaltung so lange durchhält. Im Moment funktionieren sogar zufälligerweise alle Gänge wieder. Trotzdem geht uns die ständige Ungewißheit auf die Nerven!

Nach einem Blick auf die Landkarte wählen wir unser nächstes Ziel aus. Im 90 km entfernten Badplaas gibt es heiße Mineralquellen und eine Aventura-Ferienanlage mit Schwimmbädern. Das wäre doch genau das richtige, um sich den Rest des Tages zu entspannen!

Eineinhalb Stunden später, nach der Überwindung einiger Bergpässe auf engen Straßen, erreichen wir den nicht weit vom Königreich Swaziland gelegenen Ort und werden schon wieder enttäuscht: die Ferienanlage ist völlig ausgebucht! Es ist eben Wochenende. Auch alle Alternativen in dem schönen Ort sind schon belegt. Also wird wohl nichts aus dem gemütlichen Nachmittag! Dabei strahlt die Sonne wieder vom herrlich blauen Himmel herab.

Entmutigt von unserem Pech fahren wir weiter und versuchen wenigstens, noch ein gutes Stück Wegstrecke hinter uns zu bringen. Da kaum Verkehr herrscht, kommen wir sehr rasch vorwärts und nach etlichen hundert Kilometern steuern wir am späten Nachmittag die Stadt Bethlehem an. Der in der Nähe liegende Golden Gate Nationalpark, den wir im Februar schon besucht haben, bietet sich für eine Zwischenstopp an.

Per Handy erfahren wir von der Camp-Rezeption, daß erst ab morgen wieder eine Hütte frei wird. Deshalb übernachten wir in Bethlehem in einem netten B+B namens Aan't Kloof, das von einem älteren südafrikanischen Ehepaar geführt wird. An diesem Abend sind wir zu müde, um noch mal auszugehen. Also lassen wir uns gemeinsam mit unseren Gastgebern ein paar Pizzas bringen und gehen anschließend schlafen.


13. Tag: Golden Gate National Park



Nach dem Frühstück verabschieden wir uns von unseren Gastgebern und fahren gleich am Vormittag in die Malutiberge zum Golden Gate Highlands Nationalpark, mit seinen charakteristischen, hoch aufragenden Sandsteinfelsen. Im Camp Glen Reenen, das an der in über 2000m Höhe durch die Berge führende Paßstraße liegt, beziehen wir eine der gemütlichen, bunt bemalten Rundhütten. Jetzt, nach dem Wochenende, sind wir mal wieder fast die einzigen Gäste.

Das Wetter ist wunderbar sonnig und es ist nicht zu heiß. Also schnüren wir auch gleich unsere Wanderschuhe und laufen 3 Stunden lang die Wege zu den Sehenswürdigkeiten rund um das Camp ab. Dazu gehören die röhrenartige Echo-Schlucht, der Brandwag-Steilfelsen, die Boskloof-Schlucht und die imposanten Mushroom Rocks. Alles sehr lohnende und auch relativ einfache Pfade.

Wieder zurück im Camp wird der Rest des Nachmittags mit Lesen, Faulenzen und Postkarten schreiben verbracht. Zum Abendessen suchen wir unser Lieblingsrestaurant im nahegelegenen Ort Clarens auf, das Street Cafe. Das Essen dort ist mal wieder vorzüglich.


14. Tag: Highlands / Aliwal North



Die weitere Fahrt am nächsten Tag führt uns wieder in südwestlicher Richtung durch die Highlands-Route an der Grenze des gebirgigen Königreichs Lesotho entlang. Bis zum Mittag haben wir Aliwal North erreicht, einen größeren Ort am Fluß Oranje, genau an der Grenze zwischen den Provinzen Ostkap und Freistaat. Etwas außerhalb von Aliwal North gibt es heiße, schwefelhaltige Quellen und ein dazugehöriger großer Schwimmbadkomplex. Dort kann man auch in recht günstigen Selbstversorger-Chalets übernachten.

Wir mieten uns eine dieser Hütten und nach einem Mittagssnack besuchen wir das große Schwimmbad, zu dem wir freien Eintritt haben. Wieder einmal sind wir völlig allein dort. Wir haben ein Freibad in Olympiagröße mit angenehm warmen Wasser nur für uns. Trotzdem fühlen wir uns nicht so richtig wohl, denn der gesamte Komplex wirkt sehr heruntergekommen und ungepflegt. In den Hochglanzprospekten am Eingang sah eben alles etwas netter aus. Ins Hallenbad mit 38°C warmen, stark nach Schwefel riechenden Wasser setzen wir keinen Fuß, da es absolut renovierungsbedürftig ist. Wenigstens im riesigen Freibad kann man schön schwimmen.

Dieses Bad ist ein typisches Beispiel dafür, welche Folgen ein mangelhaftes Management haben kann. Verständlich, daß außer uns niemand hier ist. Würde man mehr darauf achten, daß alles in Schuß ist, kämen sicher auch wieder mehr zahlende Gäste, so wie in den Prospekten abgebildet. Wirklich schade! Aber man braucht sich nur die Arbeitsmoral der Gärtner anzuschauen: als wir gegen Mittag kamen, lagen alle im Schatten unter einem Baum und haben geschlafen. 3(!) Stunden später haben sie sich dann langsam erhoben und in einem Schneckentempo begonnen, das Laub zusammenzufegen. Nach einer weiteren Stunde hatten sie dann wohl Feierabend und sind gegangen. Arbeitsleistung gleich null. So funktioniert das einfach nicht. Unter einem ordentlichen Management wird darauf geachtet, daß alles läuft. Mentalität der Schwarzen hin oder her, daran alleine liegt es nicht. Es gibt schließlich mehr als genug Beispiele in Südafrika, wo alles bestens funktioniert.

Ebenso sind die Chalets zu bemängeln. Es gibt zwar ein Bad mit Dusche, aber den Duschvorhang hat man weggelassen. Als wir im Büro darauf aufmerksam machen, beruhigt man uns, wir sollten uns keine Gedanken machen, das Bad würde am nächsten Morgen schon aufgewischt werden. Schön und gut, aber das Bad wird beim Duschen so unter Wasser gesetzt, daß die ganze Brühe unter den Teppich des Flurs läuft, der natürlich längst verrottet ist. Das ist doch keine Lösung! Die Installation eines simplen Duschvorhangs würde schon reichen. Jetzt muß ein neuer Teppich her und der Bodenbelag des Badezimmers ist auch hin!

Aber warum rege ich mich eigentlich darüber auf? Fazit kann nur sein, diesen Ort nicht mehr zu besuchen.


15. Tag: Graaf Reinet / Große Karoo


Gleich am Morgen verlassen wir Aliwal North und nähern uns hinter dem freundlichen Städtchen Burgersdorp bald wieder der Karoo-Halbwüste. Nach dem endlosen, langweiligen Ackerland und den Viehweiden für Rinder und Schafe, freuen wir uns wieder richtig auf die interessanten Gebirge und weiten Ebenen, die für die Landschaft der Großen Karoo so typisch sind.



In Middelburg in der Provinz Ostkap stoßen wir auf die Nationalstraße N9, die uns über zwei Bergpässe nach Graaff-Reinet, der sog. „Perle der Karoo“ führt. Diese historische Stadt, die viertälteste des Landes, weist eine Vielzahl alter, sehr schön restaurierter Kolonialgebäude auf.

In der Umgebung liegen das Karoo Nature Reserve und sehenswerte landschaftliche Besonderheiten, wie die Spandaukoppe und das stark zerklüftete Valley of Desolation.



Wir machen eine verspätete Frühstückspause im Hof des kapholländischen Kolonialhotels Drostdy, sehen uns auf einem kleinen Spaziergang noch ein paar der schönen Häuser an und fahren schließlich entlang des Massivs der Sneeuberge 200 km durch die Halbwüste bis nach Beaufort West.



Am Rande der Stadt Beaufort West liegt der Karoo National Park, in dem wir die letzten beiden Tage unserer Tour verbringen wollen. Dieser Nationalpark umfaßt einen Teil der Nuweveld-Berge und der weiten Karoo-Ebene davor. Der Nationalpark wurde zum Schutz der vielfältigen Pflanzen- und Tierwelt der Karoo-Halbwüste eingerichtet, die sich den rauhen Bedingungen ihrer trockenen Umgebung angepaßt hat. Hier leben zahlreiche Vogelarten, Reptilien und Insekten und auch eine Reihe größerer Säugetiere, wie beispielsweise Springböcke, Kudus, Bergzebras, Kuhantilopen, Gnus, Paviane, Elen- und Oryx-Antilopen und sogar einige wenige Büffel und schwarze Nashörner.



Das Hauptcamp des Nationalparks besteht aus einigen großen Chalets im kapholländischen Stil, die voll ausgestattet sind mit Küche, Schlaf- und Badezimmer. Es existieren ein schönes Restaurant, ein Shop, sowie Informations- und Vorlesungsräume, in denen auch regelmäßig Filme über diverse Naturthemen gezeigt werden. An Aktivitäten werden Nacht-Pirschfahrten und geführte Geländewagentouren angeboten. Besonders freuen wir uns auch über den großen Swimmingpool in der Nähe unseres Chalets.

Alles ist im Topzustand. Ein derart luxuriöses Camp haben wir noch in keinem Nationalpark Südafrikas angetroffen. Der Ausblick von der Veranda der Hütten auf die Berge ist genial. Das Wetter ist, passend dazu, absolut perfekt: wolkenloser blauer Himmel, ca. 28°C und angenehme, trockene Luft. Hier kann man es wirklich aushalten! Müde von der langen Fahrt hierher legen wir uns den ganzen restlichen Nachmittag an den Pool, den wir ganz für uns alleine haben. Das Wasser ist zwar ziemlich kühl, aber für ein paar erfrischende Schwimmzüge genau richtig.

Vor dem Abendessen machen wir eine kleine Pirschfahrt hoch auf das mittlere Plateau des Gebirges, um uns die interessante Landschaft anzuschauen und ein paar Tiere aufzuspüren. Wir sehen Kudus, Zebras, Klipspringer, Reedböcke und einen schwarzen Adler. Faszinierend ist auch die absolute Ruhe, die uns umgibt.


16. Tag: Karoo National Park



Am Morgen gehe ich nach dem Frühstück auf Wanderschaft und erklimme zu Fuß das mittlere Plateau auf dem 11 km langen Fonteintjieskloof-Trail. Der Weg führt zunächst durch ein ausgetrocknetes Flußbett, das dicht von bedrohlich aussehenden Dornakazien gesäumt wird. Am Ende der Schlucht führt ein kurzer anstrengender Anstieg auf das ca. 1400m hohe Mittelplateau. Von dort hat man eine prima Aussicht auf das Camp und die Weite der Karoo-Ebenen. Ein schöner Weg, den man allerdings nicht unbedingt in der Mittagshitze laufen sollte.



Nach meiner Rückkehr verbringen wir erstmal ein paar Stunden am Swimmingpool. Nachdem wir in den letzten beiden Wochen ständig auf Achse waren, genießen wir die Ruhe und das angenehme Klima der Karoo. Nachmittags schaue ich mir noch an, was die Umgebung des Hauptcamps noch zu bieten hat. Es gibt einen schilfbewachsenen Teich mit einer Vogelbeobachtungshütte und noch zwei kleine Spazierwege. Der eine Pfad ist 800m lang und führt an vielen typischen Karoo-Pflanzen vorbei, die z. T. mit kleinen Namensplaketten versehen sind. Auf dem Weg entdecke ich auch eine riesige, rote Heuschrecke und eine Echse, die ein Sonnenbad auf einem Stein nimmt.



Der zweite Spazierweg ist eine Art Lehrpfad, der an einigen hier gefundenen Fossilien kleinerer Dinosaurierarten vorbei führt. Dieser Weg ist sogar blindentauglich angelegt worden.

Vor dem Abendessen schauen wir uns noch im Vorführraum einen interessanten halbstündigen Film über die Ökologie der Großen Karoo an. Nach dem sehr reichhaltigen Essen im Restaurant genießen wir auf unserer Veranda unter Sternenlicht noch eine guten Flasche Rotwein. Wir sind uns beide einig, daß der Aufenthalt im Karoo-Nationalpark einen schönen Abschluß unserer Tour dargestellt hat.


17. Tag: Oudtshoorn / Kleine Karoo



Bevor wir am nächsten Morgen den Nationalpark verlassen, läuft uns noch eine große Herde Springböcke über den Weg. Zum ersten Mal sehen wir auch einige der Tiere ihre charakteristischen hohen Luftsprünge ausführen, denen sie ihren Namen verdanken.

Dann bricht die letzte größere Etappe unserer Tour an. Trotz der nach wie vor vorhandenen Probleme mit der Gangschaltung unseres Wagens fahren wir nicht den kürzesten Weg nach Kapstadt, sondern steuern zunächst die im Süden liegende Kleine Karoo an.

Die hoch vor uns aufragende Swartberg-Kette überwinden wir durch die spektakuläre Schlucht Meiringspoort. Die ca. 17 km lange Schlucht zeichnet sich besonders durch die senkrecht aufragenden, roten Gesteinsschichten aus. Hinter den Swartbergen beginnt die Kleine Karoo, ebenfalls eine trockene Gegend, aber landwirtschaftlich intensiv genutzt. Hier wird z. B. Wein angebaut, aber auch Obst und Gemüse. Am auffälligsten sind sicher die zahlreichen Straußenfarmen. Eine halbe Stunde später erreichen wir dann auch die Stadt Oudtshoorn, die Straußenmetropole Südafrikas. Hier besorgen wir uns ein frisches Straußenei (ganze 1,5 kg schwer), um es unseren nächsten Gästen in Form eines Omelettes aufzutischen.

Da wir ohnehin gerade in Oudtshoorn sind, suchen wir auch die Straußen- und Gästefarm Thylitshia-Villa auf, in der wir im Februar nächsten Jahres zusammen mit Freunden übernachten wollen. Die gepflegten Farmgebäude sehen schon mal sehr vielversprechend aus.

Calitzdorp, der nächsten Ort auf unserer Route, ist bekannt für seinen guten Portwein. Den müssen wir natürlich testen und so kommen wir um eine Weinprobe nicht herum. Die Weine der Kleinen Karoo schmecken uns so gut, daß wir auch noch einige neu erworbene Weinflaschen in unseren Kofferraum quetschen, bevor wir unsere Fahrt nach Kapstadt fortsetzen.

Die nächsten 150 km führen uns durch eine wunderbar einsame Landschaft nach Barrydale, wo wir eine Mittagspause einlegen. Nach dem Tradouws-Paß durch die Langeberge lassen wir auch die Kleine Karoo hinter uns und passieren die Stadt Swellendam am Breede River. Die letzten 230 km auf der Nationalstraße N2 sind dagegen relativ unspektakulär. Im Kapstadt kommen wir schließlich gegen Nachmittag an und danken dem Herrn, daß uns unser etwas mitgenommener Wagen heil nach Hause gebracht hat.

- E N D E -

Mario Anthes
E-Mail: anthes@iafrica.com


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