Südafrika 1997

Zielorte:
Dauer:
Reiseveranstalter:

Zeitraum:
Südafrika und Swaziland
4 1/2 Wochen
Karawane Individuelles Reisen
05.12.97 - 04.01.98

Dies ist die erste Reise durch unsere neue Wahlheimat. Wir haben uns zuvor zwar schon intensiv mit Hilfe mehrerer Reiseführer mit Südafrika beschäftigt, doch wollen wir bei unserer ersten großen Rundreise in der Hochsaison Dezember keinen Streß mit Unterkunftssuche und dergleichen haben. Deshalb haben wir uns für eine komplette Mietwagenrundreise mit vorgebuchten Unterkünften von Johannesburg bis Kapstadt entschieden. Der Vorteil einer Selbstfahrerreise ist, daß man eben allein unterwegs ist und nicht in einer eventuell nervenden Reisegruppe. Man kann leicht Abstecher von der vorgesehenen Route machen und selbst entscheiden, wie und was man tut, solange man nur rechtzeitig am Abend den nächsten Übernachtungsort erreicht.

Selbstverständlich bietet der Veranstalter viele Tips und Vorschläge an, doch das sind natürlich nur Richtlinien, die sehr stark vom persönlichen Geschmack abhängen. Unumgänglich ist auf jeden Fall der Blick in diverse Reiseführer, und es lohnt sich, unterwegs auch andere Leute (Touristen und Einheimische) zu befragen. Hier und da schnappt man einen guten Tip auf, der zu einem besonders schönen und lohnenden Ort führt, von dem man vorher vielleicht noch nichts gehört hat.

Zum Thema Sicherheit auf einer Selbstfahrerreise: Wir haben uns praktisch überall sehr sicher gefühlt, einzige Ausnahme war die Stadt Durban, doch das war nur unsere persönliche Einschätzung. Wenn man die grundlegenden Sicherheitsregeln beachtet, kann man in Südafrika genauso selbstverständlich reisen wie in Europa oder in den USA. Dazu gehört aber die Einhaltung einiger Regeln, z.B. daß man nach Einbruch der Dunkelheit keine weiten Strecken mehr fährt, daß man potentiell gefährliche Gegenden wie Townships und dunkle Nebenstraßen in den Städten meidet, und man nicht mit teurem Schmuck, Foto- und Videoausrüstung behangen durch die Innenstädte spaziert. Südafrikanische Landstriche, die man als Neuling besser meiden sollte (wie z.B. die Transkei, oder das Hinterland von Kwazulu/Natal) lagen nicht auf unserer Route, und stellten daher kein Problem dar.

Doch nun genug der Vorworte, kommen wir lieber zum eigentlichen Bericht:

05.12.1997
Jede Fernreise beginnt normalerweise auf dem Flughafen, in unserem Fall auf dem Frankfurter. Simone und ich sind diesmal bepackt wie noch nie, da wir neben unserem normalen Reisegepäck noch Mitbringsel und Geschenke für unsere beiden Freunde in Südafrika, Bruno und Frauke, mitzunehmen haben. Insgesamt bringt unser Gepäck 57 kg auf die Waage. Wir haben zwar eine Anmeldung für unser Übergepäck bei South African Airways, aber beim Einchecken ist ein Teil des Computersystems im Flughafen ausgefallen, so daß das nicht überprüft werden kann. Trotzdem haben wir keine Probleme mit dem Gepäck und die Dame am SAA-Schalter ist überaus freundlich.

Also starten wir pünktlich um 21.45 Uhr mit einer Boeing 747 namens Lebombo (Gebirgskette in Südafrika) nach Johannesburg. Der Nachtflug zieht sich wie üblich in die Länge, an Schlafen ist kaum zu denken, denn die Sitze in der Touristenklasse sind doch immer eine Spur zu eng. Aber nach 10 Stunden Flug ist alles überstanden und die Maschine setzt um 8.45 Uhr Ortszeit zur Landung an.

06.12.1997
Im Johannesburger Flughafen werden wir bei Sonnenschein und angenehmen 24°C von Bruno und Frauke in Empfang genommen. Die beiden wohnen nun schon seit ein paar Monaten in Kapstadt und sind extra nach Johannesburg geflogen, um mit uns zusammen einige Tage im Krügerpark zu verbringen und alte Freunde zu besuchen. Nach einer Tasse Tee im Flughafengebäude tauschen wir erstmal Geld und übernehmen unseren Mietwagen, einen Honda Ballade 1.5si mit Klimaanlage und Automatikgetriebe. Da ich vorher noch nie links gefahren und mit den Verkehrsregeln in Südafrika noch nicht so vertraut bin, fährt uns Bruno mit unserem Wagen aus dem Flughafengelände und durch den dichten Verkehr nach Midrand, einem zwischen Johannesburg und Pretoria gelegenen Ort, zum Haus von Lotte, einer alten Freundin von Frauke. Auf der Fahrt fallen uns die guten Straßen, viele Neubauten (auch von deutschen Firmenniederlassungen) und die gepflegten Rasen und Gärten auf. Keine Slums, kein Schutt, keine Müllberge und auch keine bewaffneten Banden von Kriminellen, die laut deutschen Zeitungsberichten in Südafrika überall zu finden sein sollen. Alles wirkt mehr mitteleuropäisch als afrikanisch. Natürlich gibt es in und um Johannesburg auch üblere Gegenden, und die Innenstadt selbst gilt auch nicht als sicher. Ich will damit nur sagen, daß wir nach den Berichten über die extrem hohe Kriminalitätsrate und anhand der Tatsache, daß wir uns in einem Land befinden, daß zur 3. Welt gehört, mit Schlimmeren gerechnet haben.

In Lottes Haus (mit Tennisplatz und Swimmingpool) nehmen Simone und ich erstmal eine Dusche, die einem nach dem langen Flug wieder munter macht. Lotte bewirtet uns sehr nett, doch da wir noch ein Stückchen Weg vor uns haben, fahren wir kurz danach auf der Autobahn N1 weiter in Richtung Nordprovinz und passieren dabei die Regierungshauptstadt Pretoria.

Pretoria wäre laut gebuchter Reise eigentlich unser erster Übernachtungsstop gewesen. Da Bruno und Frauke aber etwas Besonderes mit uns vorhaben, haben wir schon vor Antritt der Reise die erste Übernachtung storniert, und harren nun gespannt der Dinge, die da auf uns zu kommen. Auf einer Autobahnraststätte machen wir fliegenden Fahrerwechsel und probieren zum ersten Mal Biltong, das ist getrocknetes und gewürztes Wild- oder Rindfleisch. Dann werde ich auf den mittlerweile sehr ruhigen Verkehr losgelassen und nach einer knappen dreiviertel Stunde erreichen wir den kleinen Farmerort Settlers. In einem sehr ländlichen Hotel treffen wir uns in der Bar mit Joe und Robby, zwei weiteren alten Freunden von Frauke und Bruno, die in der Nähe eine Farm besitzen. Joe war mal eine Arbeitskollegin von Frauke bei der Vertretung von SAA in Frankfurt. Zusammen trinken wir erstmal ein paar Schluck, und lernen dabei noch kurz ein paar weitere Leute aus Settlers kennen. Irgendwie fühlt man sich sofort heimisch hier, dabei befanden wir uns gestern noch im winterlichen Deutschland und hatten noch gar keine große Urlaubsstimmung. Aber die netten Menschen hier in Südafrika machen es einem leicht, sich einzugewöhnen.

Draußen vor dem Hotel findet gerade eine kleine Feier unter den schwarzen Farmarbeitern statt. Leicht angetrunken tanzen sie ausgelassen zu rhythmischer Musik. Wir schauen ihnen noch etwas zu, bevor wir weiter zu unserem unbekannten Übernachtungsort fahren. Wenn man sich das Leben hier auf dem Land betrachtet, glaubt man gar nicht, daß es mal eine Apartheid und Unterdrückung gegeben hat. Zwar sind die Farmbesitzer fast alle Weiße, aber das Verhältnis zwischen Weiß und Schwarz ist durchaus offen und freundlich zu nennen. Sicherlich ist das nicht überall in Südafrika so, aber es läßt einen trotzdem hoffen, daß sich die einzelnen Volksgruppen in Zukunft besser gegenseitig respektieren und akzeptieren werden.

Anschließend fahren wir über eine Schotterpiste zu einem Farmgelände in der Nähe von Settlers mitten im Busch, wo wir zu unserem Erstaunen eine Lapa, eine afrikanische Rundhütte mit Holzpalisade vorfinden. Wir sind begeistert! Die erste Nacht in Südafrika im Busch, praktisch unter freiem Himmel zu nächtigen, ist schon was Besonderes, vor allem wenn man dazu noch eine Felddusche mit heißem(!) Wasser, eine Buschtoilette (Plumsklo) und natürlich einen Grillplatz mit Lagerfeuer vorfindet. Robby hat alles selbst gebaut und wirklich genial konstruiert. Das heiße Wasser zum Beispiel wird mit einem unter dem Lagerfeuer eingegrabenen Wassertank erzeugt. Das Wasser stammt aus einem Brunnen. Elektrizität gibt es natürlich nicht, aber wir haben ja unsere Taschenlampen, das Feuer und genügend Kerzen. Vor dem guten und reichhaltigen Abendessen (es wird natürlich über offenem Feuer gegrillt) unternehmen wir noch eine kleine Pirschfahrt auf dem Farmgelände in Robbys Pickup. Dabei entdecken wir sogar Schakale, Kudus und die Wohnlöcher von Stachelschweinen.

Nach dem Essen und einigen Flaschen guten südafrikanischen Rotwein lassen wir den Abend am Lagerfeuer ausklingen. Geschlafen wird auf Feldbetten, die unter einem kleinen Unterstand aufgereiht sind. Später braut sich ein Gewitter zusammen, das in dieser Gegend im Sommer häufig auftritt, und heftige Blitze zucken über den Nachthimmel. Es bleibt aber zum Glück trocken, und wir lassen uns von den Nachtgeräuschen in den Schlaf wiegen. Eine solche Nacht haben wir an einem Nikolaustag wohl noch nicht erlebt.

07.12.1997
Am nächsten Morgen brechen Simone und ich alleine auf, nachdem wir uns von den anderen verabschiedet haben. Bruno und Frauke bleiben noch einen Tag bei Joe und Robby. Übermorgen wollen wir uns am einem der Eingänge zum Krügerpark wieder treffen. Also fahren wir über einsame Straßen, durch die Orte Marble Hall und Groblersdal nach Lydenburg, einem netten Städtchen am Rande des Highvelds. An das Linksfahren habe ich mich mittlerweile ganz gut gewöhnt, an unseren Wagen mit Automatikgetriebe allerdings weniger. An jedem leichten Anstieg wird er langsamer und langsamer, so daß man ständig die Stufen des Automatikgetriebes umschalten muß. Etwas mehr Power stände diesem Wagen wirklich nicht schlecht, aber was soll's, wir kommen vorwärts.

Nach einer kurzen Mittagspause mit ein paar gefüllten Pies (Blätterteigtaschen mit Fleisch- oder Gemüsefüllung, die es allerorten zu kaufen gibt) fahren wir die gut ausgebaute Straße über den 1800m hohen Long-Tom-Paß, der tolle Ausblicke bietet, nach Sabie, einem sehr schön Ort, umgeben von Wäldern und Bergen mit vielen Wasserfällen. Nördlich von Sabie schauen wir uns die MacMac-Wasserfälle neben der Straße nach Graskop an, wo ein Flüßchen in einem Doppelfall in eine tiefe Schlucht stürzt. Dann geht es weiter nach Graskop und von dort noch ein Stückchen zum südlichen Ende des Blyde River Canyons zum Aussichtspunkt „God's Window“. Leider meint es das Wetter nicht so gut mit uns, und dichter Wolkennebel verwehrt uns die Sicht auf das 1000m tiefer gelegene Lowveld und den Krügerpark. Etwas enttäuscht steuern wir den nächsten Aussichtspunkt namens „Wonder View“ an und keine 15 Minuten später lichtet sich die Wolkendecke und wir sehen die weiten Ebenen unter uns, die bis nach Mosambik reichen. Also nutzen wir die Gelegenheit und fahren rasch zurück zum „God's Window“, wo sich der Nebel ebenfalls gelichtet hat. Ein phantastischer Ausblick: hier bricht das Highveld steil ab und viele urwaldbewachsene Schluchten sind unter uns zu erkennen. An einem solchen Ort halten natürlich viele Touristen und aus diesem Grund gibt es auf dem Parkplatz auch entsprechend viele Souvenirhändler, die typische afrikanische Kunstartikel wie geschnitzte Holztiere und Masken anbieten. Die Verkäufer sind aber keinesfalls aufdringlich und man kann in Ruhe die Sachen betrachten. Kaufen wollen wir aber vorerst noch nichts, da sich später die Gelegenheit sicher noch häufiger ergibt.

Die Straße führt weiter nördlich entlang des beeindruckenden Canyons zu unserem Ressort Aventura Blydepoort, das direkt am Rand des Canyons vor einem der besten Aussichtspunkte liegt. Auf dem Weg mache ich sehr viele Foto- und Videostops, was Simone dann doch etwas nervt, da sie vor Einbruch der Dunkelheit die Unterkunft erreicht haben will. Wir erreichen das Ressort aber noch rechtzeitig und bekommen ein Chalet mit Küche, Schlafzimmer und Bad, das inmitten der schön angelegten Anlage am Hang liegt. Nur die hoch wachsenden Büsche vor der Hütte versperren die freie Sicht in den Canyon.

08.12.1997
Heute Morgen fahren wir in aller Frühe zu einem absoluten landschaftlichen Höhepunkt, dem innerhalb des Ressortgeländes liegenden Aussichtspunkt „World's End View“ mit freiem Blick auf den 800m tiefer liegenden Blyde River und die drei seltsam geformten Berggipfel mit der treffenden Bezeichnung „3 Rondavels“ (Rondavel = Rundhütte). Unbeschreiblich!

Nach diesem Highlight packen wir unseren Rucksack und wandern in den Canyon hinab. Der Weg ist mit auf den Felsen gemalten weißen Fußstapfen markiert und führt durch eine paradiesische Landschaft mit Urwäldern, Wasserfällen und Felsenplateaus eine Seitenschlucht hinunter. Manchmal ist es gar nicht so einfach die nächste Markierung zu finden, aber abgesehen von einigen kurzen Abstechern in die falsche Richtung (einmal zum oberen Ende eines 6m hohen Wasserfalls, wo es nur noch mit einem Seil weiter geht), kommen wir ganz gut zurecht. Auf dem Rückweg macht uns allerdings die brennende Sonne ganz schön zu schaffen und der Aufstieg ist sehr schweißtreibend. Zurück im Aventura-Ressort lassen wir es uns im großen Swimmingpool gutgehen. Simone und ich sind uns einig: der Weg hat sich gelohnt! Die ganze Zeit ist uns kein Mensch begegnet, was wir als sehr angenehm empfanden. Auch wenn es Ausnahmen gibt, gewinnt man den Eindruck, daß Südafrika noch weit vom Massentourismus entfernt ist. Dieser Eindruck soll sich auch im weiteren Verlauf unserer Reise kaum ändern.

Mittags fahren wir mit dem Wagen zu den Echo-Caves, einer großen, auf 800m begehbaren Höhle, in der schon in der Steinzeit Menschen gewohnt haben. Wir haben dort zum ersten Mal ein längeres Gespräch mit einem Schwarzen (unserem Tour-Guide). Er hat in Johannesburg studiert und ist sehr interessiert, als wir ihm erzählen, daß wir aus Deutschland kommen. Er will sehr viel wissen über unsere Lebensgewohnheiten, Politik, die deutsche Geschichte, usw. Leider gerät durch die lange Unterhaltung die eigentliche Führung durch die Höhle etwas in den Hintergrund, so daß wir für die „halbstündige“ Tour fast 1,5 Stunden benötigen. Da wir uns an diesem Tag noch ein paar andere Dinge ansehen wollen, werden wir dann doch langsam etwas ungeduldig und sparen uns den Besuch des Museums mit den in der Höhle gefundenen Requisiten der ursprünglichen Bewohner.

Anschließend fahren wir rasch weiter über den sehr schönen Robbers Pass nach Pilgrim's Rest, einem renovierten Goldgräbernest mit netten Häuschen. Der ganze Ort ist ein Nationalmonument und bringt seine Gäste nur in Quartieren im Stil der Goldgräbertage unter. Pilgrim's Rest ist sicher sehenswert, allerdings wirkt es schon ziemlich touristisch. Leider haben wir etwas Pech mit dem Wetter. Es fängt an zu regnen, und ganz plötzlich wird es bitterkalt, so daß wir uns nicht sehr lange dort aufhalten und weiter nach Graskop fahren. Dort kaufen wir in einem Spar-Markt (diese Supermarkt-Kette gibt es hier auch) unser Abendessen ein.

Auf dem Rückweg zum Aventura-Ressort halten wir noch bei den 92m hohen Lisbon-Wasserfällen abseits der Straße, die dank der Regenfälle sehr beeindruckend sind. Dann müssen wir jedoch aus Zeitgründen und wegen des schlechten Wetters an den Berlin-Falls und an den Bourke's Luck Potholes vorbei fahren, die sich wahrscheinlich sehr gelohnt hätten, um noch vor der Dunkelheit das Ressort zu erreichen.

09.12.1997
Heute geht es in den Krügerpark, wo wir uns zu einer verabredeten Zeit wieder mit Frauke und Bruno treffen werden. Daher brechen wir sehr früh (6.45 Uhr) auf und statten den beiden Aussichtspunkten „World's End View und „3 Rondavels“ einen kurzen Besuch ab, um uns vom Blyde River Canyon zu verabschieden. Zurück im Ressort packen wir unsere Sachen zusammen und beobachten eine ganze Horde Paviane, die rund um unser Chalet einfällt, alle Abfalleimer durchstöbert und teilweise versucht, in die Chalets einzudringen. Man muß dazu sagen, daß im Aventura Blydepoort Ressort Warnschilder stehen, die sehr ernst davor warnen, daß Paviane gefährlich werden können, und daß man sie unter keinen Umständen füttern darf. Da dies in der Vergangenheit wohl öfters vorgekommen ist, haben die Affen ihre natürliche Scheu vor den Menschen verloren und veranstalten daher in unregelmäßigen Abständen regelrechte Überfälle auf das Ressort. Selbstverständlich wird man dazu angehalten, alle Türen und Fenster, durch die Paviane eindringen können, geschlossen zu halten. Da Simone in der Küche eine Zigarette rauchen will, hat sie das vergitterte Fenster zwecks Frischluftzufuhr leicht geöffnet. Sofort taucht ein großes Pavianmännchen auf, springt von außen ans Fenster und versucht sich durch die Gitterstäbe hindurch zu quetschen! Simone flüchtet vor lauter Schreck ins Badezimmer und verrammelt alle Türen hinter sich. Ich stehe plötzlich alleine da, schnappe mir den nächsten Stuhl und versuche den Eindringling zu vertreiben, der sich schon halb in der Küche befindet. Eine vorgetäuschte Attacke, und der Pavian flüchtet zum Glück. Zugegeben, so ein zähnebleckender großer Pavian ist schon respekteinflößend!

Nach unserer kleinen netten Tierbegegnung lachen wir über Simones Heldenverhalten und verlassen das Ressort in Richtung Krügerpark. Wir fahren durch die beeindruckende Gebirgslandschaft der nördlichen Drakensberge über den Abel-Erasmus-Paß ins Lowveld ca. 800m tiefer. Kaum haben wir den träge dahin fließenden Olifants-River erreicht, befinden wir uns plötzlich in Afrika! Ich meine damit Afrika, wie man es sich vorstellt: Buschlandschaft, Baobab-Bäume, Schirmakazien. Die Gebirgslandschaft oberhalb des Blyde River Canyon hätte sich nämlich ebenso gut in Europa oder in Nordamerika befinden können. Auch die Temperaturen und das Klima sind mittlerweile fast tropisch.

Um 10.30 Uhr erreichen wir schließlich das Orpen-Gate, eines der Eingangstore zum Krügerpark, wo Bruno und Frauke mit ihrem Mietwagen ebenfalls wenige Minuten später eintreffen. Vor dem Tor sichten wir schon die ersten Gnus. Nach den Eintrittsformalitäten fahren wir dann mit beiden PKWs los in den weltbekannten Nationalpark, der ungefähr die Fläche Hessens aufweist. Zunächst geht es über geteerte Straßen, später über Schotterpisten in Richtung Lower Sabie im Südteil des Parks. Da die Geschwindigkeit begrenzt ist auf 40 - 50 km/h und da man natürlich ständig Tiere sieht und anhält, fahren wir insgesamt 7 Stunden durch die wunderschöne grüne Busch- und Baumlandschaft, bis wir schließlich gegen 18.15 Uhr das Camp Lower Sabie am Sabie-Fluß erreichen. Die Vielfalt der Tiere, die uns auf dem Weg begegnen, hätten wir vorher nicht für möglich gehalten (teilweise aus nächster Nähe, d. h. nur wenige Meter vom Auto entfernt). Da wir ein Bestimmungsbuch dabei haben (das ist in einem Tierpark auch dringend anzuraten), folgt nun eine Auflistung der Tiere, die wir allein während dieser einen Pirschfahrt gesehen haben: Gnus, Kudus, Büffel, Zebras, Blesböcke, Giraffen, Impalas, Wasserböcke, Elefanten, Flußpferde, Warzenschweine, Paviane, Schakale, Moschusböckchen, Warane, Schildkröten, Mistkäfer (mit tennisballgroßen Mistkugeln), faustgroße Schnecken, 20cm lange Tausendfüßler und unzählige Vögel wie Silberreiher, Sattelstörche, Jacanas, Marabus, Natalfrankolin, Riesentrappen, Perlhühner, Waffenkibitze, Ohrengeier, Kampfadler, Kaptauben, Schildraben, Gelbschnabeltokos, Vierfarbenwürger, Dominikanerwitwen, Rotschulterglanzstare, Maskenweber, Graufischer, Zwergbienenfresser, Bindennektarvögel, Wiedehopfe, Schwalben, und noch einige andere, die wir nicht genauer bestimmen konnten.

Diese detaillierte Aufstellung soll nur einen Eindruck vermitteln, wie unglaublich Artenreich der Krügerpark ist und wie viel man bei einer Pirschfahrt zu sehen bekommen kann. Wer noch nie zuvor selbst durch ein Tierreservat gefahren ist, kann meine Begeisterung vielleicht nicht verstehen. Aber gerade der Reiz die Tiere selbst zu suchen und zu entdecken hat uns so gut gefallen. Dazu gehört allerdings auch etwas Geduld, denn manchmal sieht man über eine halbe Stunde lang kein Tier. Dafür ist es aber außerordentlich aufregend, wenn man eine Begegnung mit einem Tier hat, vor dem man auch in einem Auto nicht unbedingt sicher ist (z.B. Nashorn, Büffel oder Elefant). Mal so eben schnell aussteigen, wenn man auf die Toilette muß, geht natürlich nicht. Dafür muß man zu einem der Rastplätze oder zum nächsten Camp gelangen, das manchmal viele Kilometer entfernt sein kann.

Unser Camp, Lower Sabie, bietet viele schattenspendende Bäume und ist großzügig angelegt. Wir haben eine einfache Hütte mit Klimaanlage in der Nähe des Zauns. Selbst innerhalb des Camps sind viele kleine Tiere zu entdecken, wie z.B. Webervögel und farbige Eidechsen. Abends tauschen wir mit Bruno und Frauke unsere Erlebnisse und Gefühle beim Essen im Restaurant aus.

10.12.1997
Auch heute fallen wir wieder extrem früh aus den Federn. Schließlich sind wir in einem Tierpark und da schläft man nicht bis ultimo, denn mittags sieht man meistens nicht viel. Morgens nach Sonnenaufgang und spätnachmittags sind grundsätzlich die besten Zeiten für eine Pirschfahrt. Um 5.30 Uhr fahren wir mit Bruno und Frauke los in Richtung Skukuza. Schon nach kurzer Zeit sehen wir eine große Gruppe Paviane, die mitten auf der Straße sitzt. Sie haben einige putzige Babys dabei, die wir aus dem Auto heraus extrem nah beobachten können. Plötzlich wird die Gruppe unruhig und einige Männchen stoßen Warnschreie aus. Im Rückspiegel sehe ich, wie ein Löwenpaar aus dem Dickicht auftaucht. Faul und vollgefressen legt es sich auf den Asphalt, und wir können unser Glück kaum fassen. Wir wenden schnell und fahren auf 3 Meter an sie heran, ohne daß sie sich von uns stören lassen. Nur das Weibchen trottet nach einer Weile weiter ins Gebüsch, während uns das Löwenmännchen eher gelangweilt betrachtet. Einfach spitze! Auf dem Rückweg zum Camp sehen wir außer den fast immer und überall zu sehenden Impalas noch ein paar Giraffen und einen Elefanten, der die Straße überquert.

Nach dem Frühstück legen wir uns in der Vormittagshitze etwas zur Ruhe. Nachmittags fahren wir erneut los, diesmal allerdings mit beiden Autos, zu einem südöstlich gelegenen Damm. Dort können wir Fischadler und viele Flußpferde beobachten, außerdem laufen uns noch Giraffen, Gnus und Zebras über den Weg. Zu Fraukes Schrecken (sie hat wahnsinnige Angst vor Schlangen) begegnet uns auch noch eine große Python. Ich kann gar nicht verstehen, wie man sich vor so einem schönen Reptil ekeln kann. Auf der Rückfahrt halten wir noch mal auf der Staumauer beim Lower Sabie Camp und entdecken im Wasser ein riesiges Krokodil und eine ca. 50cm große Schildkröte.

Am Abend bekommen wir im Camp noch Besuch von einem dreisten Pavian, der über den Zaun geklettert ist. Er entreißt blitzschnell unserem Hüttennachbarn eine Proviantkiste, setzt sich ins Gras und beginnt in aller Seelenruhe den Inhalt zu verspeisen. Als unser Nachbar mit einem Stock den Pavian vertreiben will, geht das Tier zum Angriff über. Wir rufen unserem Nachbarn zu, er soll vorsichtig sein, da gereizte Paviane wirklich gefährlich werden können. Aber als er die Zähne des Pavians sieht, läßt er freiwillig von ihm ab und nimmt die Beine in die Hand. Nach einiger Zeit trottet der Pavian gesättigt wieder von dannen. Mit so etwas muß man im Krügerpark halt rechnen.

11.12.1997
Um 5.00 Uhr morgens, noch vor Sonnenaufgang, stehen wir auf, packen unsere Sachen und verabschieden uns von Frauke und Bruno, die wieder nach Johannesburg fahren, um dann zurück nach Kapstadt zu fliegen. Wir werden uns in knapp 8 Tagen an der Gartenroute wiedersehen, wenn nichts dazwischen kommt. Unser nächstes Ziel ist Swaziland südlich vom Krügerpark. Also fahren wir südwärts in Richtung Crocodile Bridge, dem Tor, durch das wir den Park verlassen wollen. Auf dem Weg haben wir noch ein paar schöne Tierbegegnungen: eine Hyäne, Büffel, Paviane, Giraffen, Zebras, verschiedene Antilopen und als Krönung eine Löwin, die ganz gemächlich die Straße entlang trottet, so daß wir hinter und neben ihr herfahren und sie aus 2m Entfernung filmen und beobachten können. Kurz vor Crocodile Bridge besuchen wir noch in Begleitung eines bewaffneten Wildhüters einen Hippo-Pool, wo man sehr dicht am Ufer Flußpferde (Hippos) beobachten kann. Der Weg führt ein paar hundert Meter durch den Busch am Flußufer entlang. Es ist schon wahnsinnig spannend, sich zu Fuß durch den Krügerpark zu bewegen. Überall kann auch ein gefährliches Tier lauern. Wir entdecken sogar die Fährte eines Leoparden, der durch ein Bachbett gewandert ist.

Mit einem leicht wehmütigen Gefühl verlassen wir anschließend den Krügerpark. Nach den unzähligen Tieren, die wir hier in Freiheit gesehen haben, können Simone und ich es uns kaum vorstellen, jemals wieder einen Zoo zu besuchen. Von den Big Five (Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe, Leopard) fehlen uns zwar noch das Nashorn und der Leopard, aber wir besuchen auf unserer Reise ja noch mehr Tierreservate. Außerdem sind es gerade die kleineren, weniger bekannten Tiere, die besonders faszinieren.

Auf dem Weg zur Nationalstraße N4 passieren wir Zuckerrohrplantagen und Felder mit Bananenstauden. Kurz vor dem Ort Malelane verlassen wir die N4 und fahren nach Süden zum Grenzort Jeppe's Reef. Dort erhalten wir Visa für den Grenzübergang nach Swaziland, einem kleinen Königreich, das von Südafrika und Mosambik begrenzt wird. Auf dem ganzen Weg sowie an der Grenze ist so wenig los, daß wir fast daran zweifeln, ob vor uns schon mal ein Tourist hier gewesen ist.

In Swaziland erwartet uns ein anderes, ein ursprünglicheres Afrika. Weiße sind nirgends zu sehen, die Landbevölkerung lebt in traditionellen Rundhütten, ständig winken uns Kinder bei der Vorbeifahrt zu. Nichtsdestotrotz ist die Straße ausgezeichnet und führt zunächst über landschaftlich beeindruckende Hügel und Berge durch Piggs Peak und Motjane nach Mbabane, der Hauptstadt von Swaziland. Die Straße zieht sich über etliche Bergpässe, vorbei an kleinen Ansiedlungen mit Rundhütten der Swazi und an Zuckerrohr- und Ananasplantagen. Alles ist sehr grün und fruchtbar. Es gibt zwar kaum nennenswerten Verkehr, aber man muß trotzdem die ganze Zeit sehr vorsichtig fahren, da hinter der nächsten Kurve am Bergpaß durchaus eine Rinderherde auf der Straße stehen kann! Zäune für Vieh gibt es hier nur sehr selten. Das ist halt Afrika live! Zwischendurch halten wir mal an der Straße bei einigen Hütten von Steinmetz-Künstlern, die sehr schöne Tierfiguren und Steinköpfe zu wirklich günstigen Preisen verkaufen.

Die Hauptstadt Mbabane, die sich malerisch über grüne Hügel erstreckt, ähnelt wieder eher einer südafrikanischen Stadt. Auffällig ist, daß es hier so gut wie keine Townships und Squattersiedlungen gibt. Wir durchqueren das Tal von Ezulwini und erreichen das Lugogo-Sun-Hotel, unsere nächste Unterkunft für zwei Nächte. Das Hotel ist zwar von außen nicht besonders schön, hat aber schöne große Zimmer und einen Swimmingpool. Außerdem liegt es sehr zentral nahe der Hauptstadt und am Rande des Mlilwane-Nationalparks.

Am Abend fahren wir ein paar Kilometer in die Stadt zum Restaurant Calabash, das von einem deutschen Spitzenkoch geführt wird, und so exotische Spezialitäten wie Rippchen mit Kraut und andere europäische Gerichte anbietet. Das Restaurant ist wirklich erstklassig! Wir haben in Deutschland noch nie zuvor so gut gegessen wie hier. 5-Sterne-Qualität zu Preisen einer Dorfkneipe! Simone und ich teilen uns eine Platte mit einer Riesenportion Châteaubriand, zum Nachtisch gibt es ein göttliches Schokoladenmousse. Absolut Empfehlenswert! Auf dem Rückweg zum Hotel überrascht uns ein gewaltiges Gewitter mit Platzregen, das die Sichtweite in der Dunkelheit auf wenige Meter reduziert, doch wir kommen eine halbe Stunde später heil im Hotel wieder an.

12.12.1997
Nach dem umfangreichen Frühstücksbuffet im Lugogo-Sun besuchen wir zunächst den Markt von Mbabane und kaufen ein paar schöne Souvenirs (Holzmasken, Tierfiguren, Tücher) ein. Der Markt ist sehr ursprünglich und aufgrund des geringen Tourismus sind die Preise wirklich noch sehr niedrig. Die Menschen sind sehr nett, keineswegs aufdringlich. Einmal sprach uns eine ältere Swazifrau auf der Straße an, woher wir kommen würden, ob wir verheiratet seien und Kinder hätten. Wir sprachen kurz miteinander und die freundliche Frau wünschte uns zum Abschied eine gute Reise und ging weiter. Das hat uns verblüfft. Oftmals geht man als Tourist sofort in eine Abwehrhaltung, weil man erwartet, etwas kaufen zu sollen oder angebettelt zu werden. Nicht so hier in Mbabane. Hoffentlich bleibt das auch so.

Gegen Mittag machen wir einen Ausflug ins wunderschöne Pine-Valley nördlich der Stadt und lassen die landschaftliche Ruhe auf uns wirken. An einem schönen kleinen Wasserfall macht Simone einen Mittagsschlaf, während ich mir die Gegend anschaue. Später fahren wir zurück und besuchen das Mlilwane Wildlife Sanctuary unweit des Hotels. Nicht weit hinter dem Eingang führt eine Schotterpiste zum authentischen Nachbau eines alten Swazikrals. Etwas seltsam ist uns schon zumute, denn wieder sind wir die einzigen Touristen. Wir nehmen an einer kurzen Führung durch das Dorf teil, bewundern die Bauweise der Rundhütten, die die Temperatur innen kühl in der Mittagshitze und warm in der Nacht halten.. Unsere Führerin, eine Swazifrau mit einem spitzen Strohhut auf dem Kopf, der sehr an einen chinesischen Strohhut erinnert, ist uns irgendwie suspekt. Als wir weiterfahren wollen, um einen Wasserfall anzuschauen und vielleicht einige Tiere im Park zu erspähen (immerhin gibt es hier z.B. auch Nashörner), warnt sie uns vor Kriminellen und beunruhigt damit auch Simone. Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, daß innerhalb des Parks dubiose Gestalten ihr Unwesen treiben sollen. Also fahren wir noch zum wirklich sehenswerten Mantenga-Wasserfall, der spektakulär in ein grünes Flußtal herabstürzt, umgeben von hügeligem Urwald. Plötzlich steht ein Schwarzer mit einem Gewehr vor uns auf der Piste. Aber keine Sorge, es handelt sich nur um einen Wildhüter, der uns zu Fuß zum Fluß geleitet, damit wir den Wasserfall aus der Nähe anschauen können. Im Wasser gibt es nämlich Krokodile und Flußpferde, und ein Nashorn könnte uns ja auch über den Weg laufen. Nachdem wir ein paar Bilder geschossen haben, hören wir Lärm und Gegröle von einer Gruppe Schwarzer, die anscheinend etwas angetrunken mit ihren Frauen ebenfalls den Fußpfad herunterkommen. Offensichtlich ein feuchtfröhlicher Ausflug. Als wir von den Betrunkenen in der Sprache der Swazi angesprochen werden, geben wir dem Wildhüter noch schnell ein Trinkgeld und verschwinden lieber. Nicht daß es sich um Kriminelle gehandelt hätte, aber irgendwie war uns die Sache doch nicht so geheuer und wir wollten Ärger auf alle Fälle vermeiden. Eigentlich sehr schade, denn die Umgebung ist wirklich traumhaft schön. Trotzdem sind wir etwas erleichtert, als wir wieder im Auto sitzen und uns auf den Rückweg machen.

Zum Abendessen gehen wir nochmals in das phantastische Calabash-Restaurant, das uns am Abend zuvor so begeistert hat.

13.12.1997
Wir checken nach dem Frühstück aus dem Hotel aus und nach einem anschließenden kurzen Halt bei einigen Straßenhändlern fahren wir die relativ verkehrsreiche Straße nach Manzini, dem wirtschaftlichen Mittelpunkt von Swaziland und von dort weiter über ländliche Gegenden nach Big Bend. Dann geht es südwärts weiter entlang der Lebombo-Berge vorbei an endlosen, wogenden Zuckerrohrfeldern und einsam dastehenden Schirmakazien. Immer wieder sieht man Rundhütten der Swazi-Landbevölkerung. Kurios sind die Kinder: sobald man irgendwo auch nur mal kurz anhält, um zum Beispiel ein Foto zu schießen, kommen immer von irgendwo her ein paar Kinder gelaufen, um Süßigkeiten oder kleine Geschenke zu erbitten. Die Gegend kann noch so einsam sein, Kinder sind trotzdem immer sofort da. Manchmal kommt es einem so vor, als warteten sie die ganze Zeit nur auf uns. Anfangs ist das noch ganz amüsant, aber als unser Vorrat an Süßigkeiten und sonstigen Kleinigkeiten aufgebraucht ist, sehen wir immer zu, rechtzeitig wieder zu verschwinden, bevor die nächste Kinderhorde unser Auto erreicht hat. So herzlos das vielleicht klingt, aber man muß dazu anmerken, daß die Menschen in Swaziland nicht so ärmlich leben, wie man vielleicht vermutet. Sie leben zwar auf dem Land noch unter sehr einfachen Bedingungen, aber in einem sehr fruchtbaren Land mit angenehm warmen Klima, und es gibt genügend zu Essen.

Am späten Vormittag erreichen wir den etwas heruntergekommen wirkenden Grenzort Golela, wo wir nach den üblichen Visa-Formalitäten, die hier etwas umständlich gehandhabt werden, wieder nach Südafrika in die Provinz Kwazulu/Natal einreisen. Nach wenigen Kilometern kommen wir auf die Nationalstraße N2, die auf dem Weg nach Süden derart viele Schlaglöcher aufweist, daß man ständig gezwungen ist zickzack zu fahren um schlimmeren Schaden zu vermeiden. Dafür entschädigt aber das sonnige Wetter und die wunderschöne, naturbelassene Landschaft. Bewaldete Hügel und Bergketten umgeben den riesigen Pongolapoort-Stausee. In der ganzen Gegend gibt es kaum menschliche Ansiedlungen, dafür um so mehr Nationalparks und Schutzgebiete, wie das Mkuzi-Wildreservat, den großen St. Lucia Wetland Park und einige kleinere private Tierparks. Unser Weg führt zum Hluhluwe/Umfolozi Game Reserve, einem Schutzgebiet mit einer gewaltigen Nashorn-Population (über 2000 Exemplare). Einmal kommen wir auf der Straße in eine Polizeikontrolle, wo verschiedene Fahrzeuge nach Waffen durchsucht werden. Als Touristen dürfen wir jedoch sofort passieren.

An der Abfahrt nach Hluhluwe (sprich: „Schluschlue“) biegen wir ab und kommen in ein Gebiet, wo wir einige Ananasplantagen und kleine Ansiedlungen der hier heimischen Zulus antreffen. Auch hier herrscht der Bau von traditionellen Rundhütten vor. Nachdem wir das Tor des Hluhluwe-Parks durchquert haben, sind wir von der landschaftlichen Schönheit dieses Reservats beeindruckt: Hügel und Flußtäler, alles grün und dicht bewachsen. Die Vegetation wirkt tropischer als im Krügerpark. Schon nach 10 Minuten auf der Schotterpiste tauchen die ersten Nashörner auf. Wegen der Mittagshitze befinden sich die meisten Tiere im Schatten der Bäume, bzw. liegen bewegungslos in schlammigen Wasserlöchern. Dennoch sehen wir neben den Nashörnern noch Zebras, Impalas, Nyalas, Büffel, Wasserböcke, Warzenschweine und viele Vögel auf dem Weg zum Hilltop Camp.

Das Camp liegt, wie der Name schon andeutet, auf einer Hügelkuppe mit tollem Blick auf den umliegenden Park. Beim Einchecken wird uns eine kleine 2-Bett-Hütte ohne Dusche und WC zugewiesen, was uns angesichts des schönen Camps doch sehr enttäuscht. Da in unseren Buchungsunterlagen von einem großen Chalet die Rede ist, reklamieren wir an der Rezeption und tatsächlich stellt sich ein Fehler bei der Buchung heraus: statt dem Chalet Nr. 36 haben wir das Rondavel Nummer 63 bekommen (kleiner Zahlendreher). Als alles aufgeklärt ist, beziehen wir unser Chalet mit großem Schlafzimmer, eigenem Bad und Veranda und sind um einiges glücklicher, da wir hier immerhin 3 Nächte verbringen werden.

Nachmittags erfrischen wir uns etwas im Swimmingpool des Camps und unternehmen dann noch mal eine kleine Pirschfahrt, wo uns eine Gruppe Giraffen, ein stolzes Nyala-Männchen und eine drohend aufgerichtete Kobra begegnen. Eine überflutete Furt zwingt uns zum Rückzug und wir kehren ins Camp zurück.

Zum Abendessen im Restaurant probieren wir sehr leckere Antilopen-Medallions, bevor wir relativ früh zu Bett gehen, da am nächsten Morgen wieder Frühpirsch angesagt ist.

14.12.1997
Pünktlich zur Morgendämmerung (4.30 Uhr) stehen wir auf und fahren gezielt einige Wasserlöcher im südlichen Teil des Parks an, wo wir neben einigen Tierherden mit neugeborenen Jungen (Gnus, Zebras und Impalas) auch ein paar Nashörner entdecken. Ein Nashorn kommt auf wenige Meter an unseren Wagen heran, so daß unser Adrenalinspiegel ganz schön in die Höhe schnellt. Löwen, Leoparden oder Elefanten begegnen uns zwar nicht, aber dafür genießen wir die abwechslungsreiche Landschaft, die wir über Schotterpisten mit teilweise abenteuerlichen Steigungen befahren, so daß unser Honda-Mietwagen gehörig ins Schnaufen gerät. Der Hluhluwe-Park ist mit knapp 230 qkm um Größenordnungen kleiner als der Krügerpark (19.000 qkm), aber dafür ist es möglich innerhalb von zwei Tagen alle Pisten des Parks zu befahren. Das garantiert zwar nicht gerade die Big Five zu sehen, aber man hat einen besseren Überblick und das Gelände ist hügeliger und sehenswerter als der verhältnismäßig flache Krügerpark.

Leider verläßt uns das Glück mit dem Wetter etwas, da es anfängt zu regnen. Daher kehren wir zurück ins Camp und frühstücken erstmal in aller Ruhe. In Hoffnung auf besseres Wetter legen wir uns bis kurz nach Mittag schlafen und als die Sonne nachmittags wieder zum Vorschein kommt, starten wir eine erneute Pirschfahrt, die uns zu Gnus, Zebras, Impalas, Nyalas, Nashörnern, Meerkatzen, Pavianen und einigen anderen Tieren führt.

Die Begegnung mit einer ganzen Herde Büffel, die vor uns mitten auf der Piste steht, zwingt uns wieder einmal zum Rückzug. Büffel sind sehr leicht reizbar und können ein Auto durchaus beschädigen. Also fahren wir im Rückwärtsgang 2 km zurück zur letzten Abzweigung und wählen einen anderen Weg. Mit solchen „Zwischenfällen“ muß man in einem Wildreservat natürlich immer rechnen.

Beim Abendessen im Hilltop-Restaurant lernen wir kurz eine deutsche Reisegruppe kennen, die zum größten Teil aus Behinderten besteht. Sie haben die Tour bei einem speziellen Reiseveranstalter für Behindertenreisen gebucht und sind nun mit einem großen Bus inklusive Anhänger mit Rollstühlen unterwegs durch Südafrika. Wir finden es bewundernswert, daß Menschen mit solchen körperlichen Einschränkungen die Energie aufbringen, eine derartige Fernreise zu unternehmen. Im Gespräch erfahren wir, daß dies bei einigen Mitgliedern der Gruppe nicht die erste große Reise ist. Zudem erstaunt uns, daß es gerade in Südafrika sehr viele behindertengerechte Unterkünfte gibt. Das Personal ist ebenfalls sehr freundlich und rücksichtsvoll. Während meiner Zeit als Zivildienstleistender im Behindertenfahrdienst habe ich in Deutschland oft genug das Gegenteil erlebt.

15.12.1997
Heute steht der Umfolozi-Park auf dem Programm. Bei herrlichem Wetter brechen wir zeitig nach dem Frühstück auf, um den verhältnismäßig weiten Weg durch das Hluhluwe-Wildreservat nach Süden zum benachbarten Umfolozi Game Reserve zurückzulegen. Kurz nach Verlassen des Hilltop-Camps läuft uns erstmal eine große Fleckenhyäne über den Weg, unser erstes großes Raubtier hier im Hluhluwe-Park. An der Brücke über den Hluhluwe-Fluß haben wir eine halbe Stunde später eine Begegnung der unangenehmeren Art: drei große Büffel stehen direkt auf der schmalen Brücke und denken gar nicht daran, uns vorbeizulassen. In einiger Entfernung bleiben wir zunächst mal stehen und warten ab. Zwei weitere Fahrzeuge kommen in der folgenden halben Stunde hinzu und haben natürlich das gleiche Problem wie wir. Niemand traut sich, näher heran zu fahren. Erst nach 45 Minuten geruhen die Herrschaften Büffel so langsam die Brücke zu verlassen und am Wegesrand zu grasen. Schließlich halten wir es nicht länger aus, pirschen uns langsam mit dem Wagen an die schweren Tiere heran und kaum sind wir fast greifbar nahe neben ihnen, geht's mit Vollgas an ihnen vorbei über die Brücke. Zum Glück fühlen sich die Büffel nicht durch uns gestört und ignorieren uns.

Schließlich erreichen wir den Umfolozi-Park und fahren ein sehr langes Stück bis zum Mpila-Camp, das ebenfalls auf der Spitze eines großen Hügels liegt. Zunächst erscheint uns der Umfolozi-Teil des Wildreservats recht arm an Tieren zu sein, da wir außer ein paar vereinzelten Zebras, diversen Antilopen und Warzenschweinen nichts außergewöhnliches sehen. Aber plötzlich läuft uns, bevor wir es richtig fassen können, ein Gepard ca. 5m vor uns über den Weg. Wahnsinn!

Im Mpila-Camp machen wir eine kurze Pause, besorgen uns etwas zu Essen und Trinken im kleinen Shop und tanken unseren Wagen neu auf. Die Tanksäule im Mpila-Camp arbeitet noch mit Handbetrieb. Der alte Tankwart kommt auf Krücken angehumpelt und fängt an zu pumpen, was bei der Hitze im Park sicher kein Vergnügen ist. Dafür hat er sich ein Extra-Trinkgeld verdient!

Die Fahrt geht weiter auf einem ca. 50 km langen Rundweg, der den Aussagen der Wildhüter im Mpila-Camp nach der wildreichste Teil von Umfolozi sein soll. Und tatsächlich, wir entdecken wieder sehr viele Tiere, trotz der Mittagshitze. Die schönste Begegnung haben wir an einem Wasserloch, in dem 2 weiße Nashörner im Schlamm baden. Insgesamt scheint es in diesem Teil des Parks noch mehr Nashörner zu geben als in Hluhluwe. Über 30 sehen wir allein auf dieser Rundfahrt. Auch Simones Lieblingstiere, die Giraffen, zeigen sich immer wieder.

Am späten Nachmittag fahren wir zum Hilltop-Camp zurück und sind froh, endlich aus dem Auto heraus zu kommen, denn nach über 8 Stunden Pirschfahrt läßt doch die Konzentration und Beobachtungsgabe stark nach. Zur Erholung genehmigen wir uns beim Abendessen dann zum Abschied vom Hluhluwe/Umfolozi Game Reserve noch eine gute Flasche südafrikanischen Rotwein.

16.12.1997
Das Wetter an diesem Morgen ist mal wieder umwerfend: strahlend blauer Himmel ohne die kleinste Wolke. Mit leichtem Bedauern verlassen wir heute das Hilltop-Camp und den Hluhluwe/Umfolozi-Park, denn auf dieser Reise war dies das letzte große Tierreservat. Wir sind ziemlich sicher, daß die zurückliegenden Tage mit den vielen Tierbegegnungen den Höhepunkt unserer Südafrika-Reise darstellen. Dafür können wir uns heute bei dem Superwetter auf eine Badepause im Indischen Ozean in Durban freuen. Die Fahrt führt südwärts auf der schlaglochreichen Nationalstraße N2 entlang wogender Zuckerrohrfelder. Beiderseits der Straße bieten viele Händler vom Stamm der Zulu handwerkliche Arbeiten und Körbe voller Ananas zu Pfennigbeträgen an. Hinter der Stadt Empangeni wird die Nationalstraße zur gebührenpflichtigen Zollstrecke bis nach Durban. Dafür ist der Straßenzustand aber einwandfrei, und wir kommen nun wesentlich flotter vorwärts.

In der Hafenstadt Durban erschlägt uns zunächst der dichte Verkehr und wir erleiden den reinsten Kulturschock. In den letzten Tagen waren wir nur in der Natur unterwegs gewesen, Autos und Menschen sind uns nur in geringer Zahl begegnet. Jetzt inmitten der Millionenstadt, umgeben von Hochhäusern und sechsspurigen Straßen, fühlen wir uns einfach unwohl. Wir finden unser Hotel, das Holiday Inn North Beach direkt an der Beachfront von Durban mit seinen bekannten Stränden. Unser Zimmer liegt im 22. Stockwerk und wir haben einen weiten Ausblick auf den Indischen Ozean. Trotzdem sind uns die hübschen Chalets und Hütten, die wir bisher hatten (außer in Swaziland) wesentlich lieber gewesen.

Nachdem wir uns frisch gemacht haben, machen wir erstmal einen Spaziergang an der Beachfront. Durban ist eine sehr laute und hektische Stadt. Man könnte sie als eine Mischung aus Miami Beach und Delhi bezeichnen, mit den für südafrikanische Städte typischen Townships am Stadtrand. Prächtige Hindu-Tempel und die überwiegend indischstämmige Bevölkerung, sowie das warme feuchte Klima erinnern einen doch sehr an Asien. Leider haben wir an diesem Tag das große Pech, daß es sich um einen arbeitsfreien Feiertag handelt. Die Strände sind so menschenüberfüllt, daß wir im Traum nicht daran denken, hier im Meer zu baden. Selbst am Mittelmeer habe ich noch nie so volle Strände gesehen. Wir begnügen uns damit, den Wellenreitern im Wasser zuzusehen. Der weitere Spaziergang wird uns verleidet, nachdem wir einen Polizeieinsatz mitbekommen, der sich inmitten der Menschenmenge abspielt. Eine Person steigt nach heftiger Debatte mit einigen Polizisten plötzlich in seinen Wagen und fährt mit Vollgas davon, mitten durch den Fußgängerbereich. Die Leute schaffen es gerade noch zur Seite zu springen. Die Polizei nimmt natürlich die Verfolgung auf und kurz danach hört man nur noch die Sirenen und Blaulichter. Die Vielzahl der Menschen hier läßt die Stimmung sehr gereizt erscheinen und wir fühlen uns alles andere als sicher.

Also ziehen wir uns erstmal ins Hotel zurück und beschließen die Sonne am Swimmingpool auf dem Dach des 30-stöckigen Gebäudes zu genießen. Von dort oben sieht alles schon wieder ganz anders aus. Nachdem wir uns ein paar Stunden so richtig schön die Sonne auf den Pelz haben brennen lassen, genehmigen wir uns in einem Restaurant in der Nähe des Hotels einen Snack. Urplötzlich schlägt das Wetter um, Wolken ziehen herauf und ein Gewittersturm bricht innerhalb weniger Minuten herein. Die Menschen an der Beachfront fliehen wie die Ameisen, jeder sucht Schutz vor dem Regen, die Auslagen der Straßenhändler werden vom Sturm in alle Richtungen und über die Straße geweht. Ein kleines Chaos bricht aus. Kurz danach legt sich der Sturm wieder und die armen Händler suchen ihr Hab und Gut zusammen. Dabei erleben wir noch fast einen Fall von Selbstjustiz, als eine wütende Menschenmenge aus irgendwelchen Gründen einen Mann verfolgt, der ins Foyer eines benachbarten Hotels flüchtet. Kurz danach sind wieder Polizeisirenen zu hören. Nein, wir fühlen uns in Durban wirklich nicht sehr wohl. Es mag sein, daß ich dieser sicherlich auch sehr interessanten Stadt Unrecht tue, aber wir befinden uns hier wahrscheinlich einfach zur falschen Zeit am falschen Ort. An anderen Tagen ist vielleicht alles viel ruhiger.

Meine Vorliebe für indisches Essen (dafür ist Durban geradezu prädestiniert) kann Simone leider nicht nachvollziehen, daher laufen wir abends noch zu einem in der Nähe des Hotels gelegenen China-Restaurant mit vorzüglichem Essen. Auf dem Rückweg zum Hotel haben wir noch eine witzige Unterhaltung mit einigen Einwohnern Durbans, die sehr hilfsbereit einige Fragen von uns beantworten.

17.12.1997
Da uns Durban am Tag zuvor nicht so begeistern konnte, beschließen wir heute sehr früh aufzustehen und nach dem Frühstück zu den Natal-Drakensbergen zu fahren. Das über Nacht herein gezogene schlechte Wetter bestärkt uns noch in diesem Entschluß, denn es regnet in Strömen. Also verlassen wir den Großraum Durban und fahren auf der N3 an der Provinzhauptstadt Pietermaritzburg vorbei nach Nordwesten. Kurz hinter Pietermaritzburg halten wir in Howick, einem kleinen Städtchen am Rande eines sehenswerten, 110m hohen Wasserfalls. Der Regen hat zwar noch nicht aufgehört, aber er läßt schon langsam nach. Nach dem Besuch des Falls geht es weiter durch eine fruchtbare Landschaft, die irgendwie sehr stark an den Allgäu erinnert. Die schwarzweiß gefleckten Kühe auf den Weiden verstärken diesen Eindruck nur noch.

Dann verlassen wir die Nationalstraße in Richtung des Royal Natal Nationalparks, durchqueren die hübschen Orte Winterton und Bergville und sehen vor uns die gewaltige Bergkette der Drakensberge aufragen. Die Sonne scheint mittlerweile wieder von einem strahlend blauen Himmel, und wir sind sehr froh darüber diese lange Tour auf uns genommen zu haben (immerhin 350 km einfacher Weg von Durban). Vor der Einfahrt in den Nationalpark machen wir eine kurze Pause im herrlich gelegenen Karos Mont-aux-Sources Hotel, um uns kurze Kleidung anzuziehen, denn mittlerweile ist es richtig heiß geworden. Anschließend fahren wir an vielen kleinen Ansiedlungen der Zulus vorbei zum Eingangstor des Nationalparks. Der Nationalpark wird von einer halbkreisförmigen, imposanten Bergwand mit der passenden Bezeichnung Amphitheater überragt. Diese Kulisse aus ineinander verzahnten, über 3000m hohen Gipfeln verschlägt uns fast die Sprache.

Wir parken am Rande des Flusses Tugela, der in einem hohen Wasserfall vom Amphitheater herabstürzt, und beginnen unsere Wanderung, die in die Schlucht hineinführt. Das Panorama ist einfach unbeschreiblich! Sicher trägt das helle Sonnenlicht sehr zu diesem fast unwirklich Aussehen der Landschaft bei. Leider müssen wir gegen Abend wieder in Durban sein, daher bleiben uns nur knappe 2 - 3 Stunden zum Wandern in diesem Paradies. Aber dieser Ausflug soll uns ja nur einen Eindruck von den Natal-Drakensbergen vermitteln. Wir nehmen uns jedoch fest vor, daß wir irgendwann mal wieder hierher zurückkommen, um alles ausführlicher zu genießen. Nach ca. 1,5 Stunden kehren wir also um und, ehrlich gesagt, viel länger hätten wir es wohl kaum bei der brennenden Sonne ausgehalten.

Die ca. 3-stündige Rückfahrt nach Durban ist recht ereignislos. Da das Wetter mittlerweile auch in Küstennähe wieder besser ist, halten wir nochmals in Howick am Wasserfall, um noch ein paar Fotos zu schießen und um ein paar Kleinigkeiten einzukaufen. In der Dämmerung erreichen wir schließlich Durban, sind aber dann doch so müde, daß wir nach der Dusche nur noch rasch zu unserem Chinesen Essen gehen und dann ins Bett fallen.

18.12.1997
Heute endet der erste Teil unserer Mietwagenrundreise. Wir fahren zum Flughafen von Durban, geben unseren Honda ab (war der vorher nicht mal weiß?) und fliegen mit einer Boeing 737 der SAA nach Port Elizabeth. Von dort wollen wir die Gartenroute bis nach Kapstadt durchqueren. Nach dem knapp einstündigen Flug landen wir auf dem kleinen Flughafen von Port Elizabeth und werden mal wieder von sonnigem Wetter empfangen. Man merkt aber gleich, daß die Luftfeuchtigkeit hier nicht mehr so hoch ist wie in Durban.

Unser neuer Mietwagen ist ein Toyota Corolla, der zum Glück etwas mehr Motorleistung aufweist als der Honda. Also fahren wir nach der Übernahme des Autos mittags auf der Nationalstraße N2 nach Westen zum Tsitsikamma-Nationalpark. Nach etwas mehr als einer Stunde halten wir auf einem Rastplatz an der 139m hohen Paul-Sauer-Brücke, die die tiefeingeschnittene Schlucht des Storms River überspannt. Wenn man sich vorstellt, daß von dieser Brücke einer der höchsten (oder eher tiefsten) Bungee-Jumping-Sprünge der Welt veranstaltet wird, überkommt einen schon der Adrenalinstoß.

Nach der Rast fahren wir ab zu unserer nächsten Unterkunft, dem Tsitsikamma Forest Inn. Dieses im Jahre 1850 errichtete Hotel liegt, wie der Name schon andeutet, am Waldrand und wird von riesigen Bäumen flankiert. Die Anlage besteht aus mehreren viktorianischen Häuschen, die teilweise auch Erinnerungen an den Goldgräberort Pilgrim's Rest hervorrufen. Nachdem wir unser Gepäck abgeladen haben, wollen wir noch den Nachmittag nutzen und dem Tsitsikamma Coastal Nationalpark an der Mündung des Storms River einen Besuch abstatten.

Die Fahrt ist nur kurz und führt durch einige große Anpflanzungen von Pinien. Kaum haben wir jedoch das Tor des Parks passiert, ändert sich die Landschaft schlagartig: eine kleine Paßstraße führt hinab durch dichten einheimischen Urwald an die Küste des Indischen Ozeans. Das dortige Camp besteht aus einem sehr großzügigen Campingplatz, einigen direkt am Meer gelegenen rustikalen Häuschen und einem Restaurant mit Shop. Hier hätte es uns auch gut gefallen. Die tosende Brandung des Indischen Ozeans, die ständig gegen die Felsenküste anschlägt ist unbeschreiblich. Manchmal spritzen Fontänen 10 - 12m in die Höhe. Direkt hinter dem Restaurant beginnt der kurze Spazierweg durch den Urwald zur Mündung des Storms River, die von einer Hängebrücke überspannt wird. Sehenswert!! Anschließend setzen wir uns an die Küste, schauen der Brandung zu und genießen noch einen zauberhaften Sonnenuntergang.

Zurück im Tsitsikamma Forest Inn besuchen wir nach der Dusche das gemütliche Restaurant und feiern den heutigen Geburtstag von Simone mit einem vorzüglichen Essen.

19.12.1997
An diesem Morgen haben wir uns viel vorgenommen, deshalb stehen wir recht früh auf und fahren nach dem Frühstück nochmals in den Nationalpark. Wir wollen die erste Etappe des populären Otter-Trails laufen. Beim Otter-Trail handelt es sich um eine 5-Tages-Wanderung, die von Storms River bis zum Nature's Valley an der schroffen Küste entlang führt. Normalerweise benötigt man für den vollständigen Weg eine kostenpflichtige Erlaubnis, die man schon etwa ein Jahr im voraus buchen muß, aber die erste Etappe bis zu einem Wasserfall ist davon ausgenommen.

Also schnallen wir uns den Rucksack auf und beginnen die Wanderung. Anfangs ist der Weg sehr leicht und führt über einen guten Trampelpfad. Doch schon bald ist man gezwungen über Sandsteinfelsen zu klettern und zu springen. Zum Wasserfall sind es nur ca. 3 km, trotzdem benötigen wir dafür ganze 1,5 Stunden. Simone hat größere Schwierigkeiten beim Felsenspringen als ich, da sie doch etwas kürzere Beine hat. Als wir den Wasserfall erreichen, sind wir ziemlich durchgeschwitzt, denn die Sonne brennt ganz schön stark auf uns herab. Aber zum Glück gibt es einen schönen Felsenpool unterhalb des Wasserfalls mit eiskaltem Wasser, der uns dann wieder erfrischt. Der Weg zurück kommt mir irgendwie einfacher und kürzer vor. Leider hole ich mir dabei einen leichten Sonnenbrand, da ich der Hitze wegen das T-Shirt ausgezogen habe. Man darf die Sonne hier wirklich nie unterschätzen. Abgesehen davon hat sich diese Wanderung voll gelohnt. Die wilde, urwaldbewachsene Steilküste des Tsitsikamma Nationalparks ist schon phantastisch.

Auf dem Campingplatz nutzen wir die sauberen sanitären Anlagen und machen uns wieder frisch für die Weiterfahrt. Wir befinden uns jetzt auf der Gartenroute, die so genannt wird, weil sie ein sehr niederschlagsreiches und fruchtbares Gebiet ist. Gebirgsketten trennen die Gartenroute vom trockenen Landesinneren. Weite unberührte Strände und der größte noch vorhandene Urwaldbestand des Landes zeichnen diese Gegend ebenfalls aus. Der gesamte Landstrich wird hauptsächlich von Weißen bewohnt, entsprechend weniger afrikanisch wirkt hier alles. Der Kontrast zur Provinz Kwazulu/Natal ist schon gewaltig.

Kurz hinter Storms River verlassen wir die Nationalstraße N2 und fahren über den Bloukrans Paß, durch Nature's Valley und über den Grootrivier Paß, um dort wieder auf die Autobahn zu treffen. Dieser Abstecher ist ein kleiner Umweg, aber die Strecke ist wirklich einmalig und durchquert dichte Urwälder mit gigantischen Baumriesen. Überall möchte man am liebsten einige Tage verweilen, um zu wandern, oder die Strände und das Meer zu genießen. Doch unsere Fahrt geht erst noch ein Stück weiter über Plettenberg Bay und Knysna bis nach Wilderness, einem Gebiet, das aus vielen Seen, Flüssen, Bergen und Sandstränden besteht. Fast die gesamte Umgebung steht unter Naturschutz.

Unser nächster Übernachtungsort, die Villa Sentosa, liegt am Berghang und bietet eine Spitzenaussicht auf ganz Wilderness. Das riesige Gästehaus hat einen Swimmingpool und ist sehr modern und elegant ausgestattet. Außerdem sind wir fast die einzigen Gäste und haben alles für uns allein. Am späten Nachmittag warten wir am Pool auf Bruno und Frauke, die uns aus Kapstadt entgegen gefahren sind. Die Wiedersehensfreude ist groß, und wir erzählen von unseren Erlebnissen der zurückliegenden Tage. Bruno und Frauke haben ein Bed & Breakfast direkt auf den Sanddünen oberhalb des riesigen Strandes von Wilderness empfohlen bekommen. Also fahren wir erstmal gemeinsam zu ihrer Unterkunft und lernen die Gastgeberin Zade kennen. Man kann vom Haus aus direkt über eine Treppe zum Strand runtersteigen und sich in die Wellen werfen. Da es heute dafür schon zu spät ist, gehen wir noch zusammen im kleinen Ort Wilderness essen und lassen den Abend gemütlich ausklingen.

20.12.1997
Wieder einmal geht es heute recht früh los, denn wir wollen mit der alten, von einer Dampflokomotive gezogenen Eisenbahn Outeniqua-Choo-Tjoe fahren, die noch regelmäßig die Städte George und Knysna verbindet. Daher holen wir Bruno und Frauke nach dem Frühstück ab und fahren mit ihnen zusammen zum Bahnhof der in der Nähe gelegenen Stadt George. Karten haben wir schon telefonisch reserviert, also erwarten wir mit Spannung die Einfahrt des dampfschnaubenden Ungetüms.

Die historischen Waggons sind schnell besetzt, doch ich finde einen günstigen Platz am Fenster zum Filmen und Fotografieren der herrlichen Landschaft, die bald gemächlich an uns vorbei rauscht. Selbstverständlich wird mein öfters aus dem Fenster heraushängender Kopf nach und nach immer schwärzer vom Ruß, doch das gehört schließlich dazu, wenn man mit einer alten Dampflok unterwegs ist. Die Strecke führt zunächst zum Meer und schlängelt sich direkt an der Küste entlang. Hin und wieder werden über schmale Brücken malerische Flußmündungen überquert. Hinter dem Bahnhof von Wilderness geht es dann landeinwärts weiter, entlang an kleinen Orten, Wäldern, Seen und Bergen im Hintergrund. Die ganze Palette der Landschaftsvariationen der Gartenroute ist auf der Fahrt vertreten. Nach 2 Stunden gerät die Lokomotive mächtig ins Schnaufen, da die Stecke nun kurvenreich bergauf geht. Schließlich ist der Anstieg geschafft, und auf der anderen Seite des Berges geht es nun relativ rasant hinab zur Lagune von Knysna. Die flache Lagune wird auf einer äußerst schmalen Brücke überquert und dann ist das Ziel, der Bahnhof von Knysna, erreicht.

Knysna ist ein sehr lebendiges, touristisches Städtchen. Der nahe am Bahnhof liegende Hafen ist nach dem Vorbild Kapstadts renoviert worden und wird jetzt auch Waterfront genannt. Das Umland von Knysna ist äußerst schön. Hinter Knysna liegen urwaldbedeckte Hügel und Täler und die große Lagune wird an ihrem Ausgang zum Indischen Ozean von zwei Steilfelsen, den Knysna-Heads, flankiert. Im Urwald, übrigens der größte des Landes, lebten bis vor wenigen Jahren noch wilde Waldelefanten. Leider gelten sie heutzutage als ausgestorben. Das Skelett eines ihrer Exemplare ist im Museum zu bewundern.

Da wir nicht sehr viel Zeit haben bis unser letzter Zug zurück fährt, spazieren wir mittags noch etwas an der Waterfront entlang und setzen uns anschließend in ein Café. Die Rückfahrt mit dem Outeniqua-Choo-Tjoe bekomme ich nur noch halb mit, denn ich habe mir einen kleinen Schnupfen eingefangen und schlafe die meiste Zeit. Brunos Tip: Bei Schnupfen am besten ab ins Meer und die Nase so richtig vom Salzwasser durchspülen lassen. Deshalb folgen wir seinem Rat und fahren nach Ankunft in George mit dem Auto zurück nach Wilderness zu Zades Haus am großen Sandstrand.

Die Brandung ist gewaltig. Obwohl Simone und ich nicht sehr weit rein gehen, werden wir von den Wellen teilweise umgerissen und durchgewirbelt. Phantastisch! Das Wasser ist außerdem relativ warm und angenehm. Bruno (ehemaliger Rettungsschwimmer) schwimmt weit hinaus durch die Wellen, bis wir seinen Kopf nicht mehr sehen können. Frauke, Simone und ich machen uns Sorgen, da er nach 20 Minuten immer noch nicht zu sehen ist, denn am Strand von Wilderness gibt es gefährliche Strömungen. Schließlich kehrt Bruno wieder zurück wie ein Delphin im Wasser. Er ist von der Strömung über 1 km abgetrieben worden! Erleichtert über seine Rückkehr fahren wir zu unserer Villa Sentosa zurück, duschen dort und besuchen am Abend mit Bruno und Frauke in George ein interessantes Restaurant, das in einem alten Eisenbahnwaggon eingerichtet wurde.

21.12.1997
Nach dem Frühstück treffen wir uns wieder im Haus von Zade mit Bruno und Frauke. Simone und ich wollen mit Bruno im Ort Wilderness Kanus mieten, um ein bißchen auf den Flüssen und Seen herum zu paddeln. Kaum haben wir einen Verleiher gefunden, fängt es leider kräftig an zu regnen und wir verzichten dann doch notgedrungen auf unsere Bootstour. Frauke schlägt vor nach George zu fahren, da dort ein Craft-Market (Handarbeitsmarkt) stattfindet. Auf dem Weg nach George regnet es weiter in Strömen, und wir entscheiden uns deshalb gemeinsam dazu, vorerst Abschied zu nehmen und allein weiter nach Oudtshoorn, in die Straußenmetropole Südafrikas, zu fahren. In Kapstadt werden wir die beiden ohnehin wieder treffen.

Den gut ausgebauten Outeniqua-Paß über die Bergkette nördlich von George können wir nur sehr langsam und vorsichtig befahren, da der strömende Regen und aufziehende Wolkennebel die Sichtweite auf 30m reduzieren. Schade, denn uns entgeht sicher eine schöne Aussicht. Hinter den Bergen läßt der Regen nach und wir kommen in die Kleine Karoo, eine halbwüstenartige Region, die von allen Seiten von langen Gebirgsketten umgeben ist. Einige Kilometer vor Oudtshoorn tauchen die ersten großen Farmgelände mit Straußen auf. Wir halten an und machen ein paar lustige Fotos von diesen riesigen Laufvögeln.

In Oudtshoorn kommen wir im alten Queen's-Hotel unter, in dem vor ca. 100 Jahren die Königin von England mal genächtigt haben soll. Die Stadt Oudtshoorn selbst ist nicht so interessant, abgesehen davon, daß sich alles irgendwie um Strauße und deren Produkte dreht. Daher brechen wir nachmittags sogleich auf und fahren vorbei an einigen Straußenfarmen durch eine Schlucht zu den bekannten Cango-Caves, einem großen Tropfstein-Höhlensystem in den Swartbergen. Dort angekommen bekommen wir einen leichten Schock, als wir auf dem Parkplatz mehrere Reisebusse und Hundertschaften an Autos sehen. So ein Touristenandrang ist uns in Südafrika bisher noch nicht begegnet! Die Höhlentouren an diesem Tag sind ohnehin schon alle ausgebucht, deshalb fällt es uns nicht schwer, den Besuch auf den nächsten Morgen zu verschieben und lieber die Gegend etwas anzuschauen.

Unser erstes Ziel soll ein schöner Wasserfall in der Nähe sein, der im Reiseführer empfohlen wurde. Leider verpassen wir die richtige Abfahrt von der Schotterpiste und folgen unter großem Gerüttel dem schmalen, hügeligen Weg etliche Kilometer bis zu einer einsam gelegenen Straußenfarm. Dort ist man sehr hilfsbereit und man zeigt uns den Weg nach De Rust und zur beeindruckenden Schlucht Meiringspoort. Diese Schlucht mit senkrechten Steilwänden und sensationell verformten Gesteinsschichten zieht sich über 10 km quer durch die Swartberge. Wirklich sehenswert! Der Weg zurück nach Oudtshoorn zieht sich noch etwas in die Länge, doch zum Glück ist die Landschaft sehr interessant.

Am Abend essen wir im Restaurant des Queen's-Hotel ... was wohl? Natürlich leckere Straußensteaks!

22.12.1997
Das Frühstück im Hotel ist wirklich königlich und findet in einem netten Innenhof mit Springbrunnen statt. Gesättigt brechen wir wieder mal auf und besuchen zunächst, weil die Höhlen noch nicht geöffnet haben, die Krokodil- und Geparden-Ranch am Ortsausgang von Oudtshoorn. Dort werden wir aber in mehrfacher Hinsicht enttäuscht. Zunächst finden wir den Eintrittspreis recht hoch, dann deprimieren uns die kleinen Gehege der Raubkatzen und überhaupt die geringe Größe dieses Zoos. Krokodile gibt es zwar viele zu sehen, außerdem auch niedliche Zwergflußpferde, aber insgesamt deprimiert uns die ganze Anlage doch erheblich. Mag sein, daß wir dies so schlimm empfinden, weil wir in den zurückliegenden Tagen so viele Tiere in Freiheit in den großen Nationalparks gesehen haben. Wie schon erwähnt, wer mal einen richtigen Tierpark besucht hat, hat Schwierigkeiten wieder in einen Zoo zu gehen. Ich weiß, daß Zoos auch eine wichtige Rolle zur Arterhaltung vieler Tierarten spielen, aber trotzdem: Tiere gehören unserer Meinung nach in die Freiheit!

Als nächstes fahren wir erneut zu den Cango-Caves, und diesmal ist es kein Problem Eintrittskarten für eine Führung zu bekommen. Die großen Tropfsteinhöhlen sind schon sehr sehenswert und die Führung ist ebenfalls recht interessant, aber die Cango-Caves als „eines der größten Wunder der südlichen Hemisphäre“ zu bezeichnen, wie man in manchen Reiseprospekten lesen kann, halten wir dann doch für etwas übertrieben. Von den drei Touren, die in den Höhlen angeboten werden, ist aber zweifelsfrei die Adventure-Tour am ehesten zu empfehlen. Nur bei dieser Tour bekommt man den gesamten, für Besucher begehbaren Teil der Höhlen zu sehen. Allerdings sollte man nicht zu beleibt sein und keine Probleme mit Raumangst haben, da einige Stellen sehr eng sind (die schmalsten Stellen sind ein 3m hoher Kamin mit 40 - 50cm Durchmesser und ein 25cm hoher Felsspalt). Zum Glück ist die Höhle überall sehr gut beleuchtet und relativ trocken.

Nach unserem Höhlenabenteuer sind wir wieder ganz froh ins blendende Sonnenlicht zu treten. Mittags schauen wir uns nach einer Erfrischung die Cango Ostrich Ranch, die kleinste der drei Show-Straußenfarmen bei Oudtshoorn an. Die Führung ist auf Wunsch sogar deutschsprachig. Man erfährt viele wissenswerte Dinge über die Riesenvögel und deren Zucht. Strauße werden praktisch vollständig verwertet: aus der Haut wird ein sehr teures und hochwertiges Leder gewonnen, die Federn finden z.B. als Staubwedel Verwendung, das Fleisch ist vorzüglich und sehr gesund, da es fast kein Fett und Cholesterin enthält, die Knochen werden zu Knochenmehl (Dünger) verarbeitet, außerdem kann man auch die riesigen Eier essen, und deren Schalen sind ein beliebtes Souvenir. Außerdem erfahren wir, was man unter einem „Straußenkuß“ und unter „Straußenknutschen“ versteht. Insgesamt macht die Führung großen Spaß, abgesehen von der Unsitte des Straußenreitens, die wir als unnötige Tierquälerei ansehen.

Nun wird es Zeit für die Weiterfahrt, denn wir haben heute noch 480 km Fahrtstrecke vor uns. Zunächst müssen die über 2000m hohen Swartberge auf dem historischen Paß überquert werden. Der Weg ist nicht asphaltiert und sehr schmal. In engen Kurven und Serpentinen führt der Weg hinauf auf die Paßhöhe in ca. 1600m Höhe. Wenn man auf dem Weg weiter oben Gegenverkehr erblickt, muß man sofort die nächstbeste breitere Stelle aufsuchen, um aneinander vorbei zu kommen. Die Aussicht von der Paßhöhe ist atemberaubend. Das Abenteuer mit dem PKW setzt sich jedoch noch fort, denn die steile Abfahrt in eine tiefe Schlucht geht stellenweise nur in Schrittempo. Die Hitze und die Trockenheit nimmt auf dem Weg ständig zu, da man nun in die Region der großen Karoo-Halbwüste kommt. Am Ende des Passes verengt sich die Schlucht so stark, daß links und rechts nur noch die wild gefalteten Gesteinsschichten senkrecht aufragen. Man fühlt sich in eine fremde Welt versetzt. Dann verbreitert sich die Schlucht wieder, und wenige Kilometer weiter erreicht man den einsam gelegenen Ort Prince Alfred am Rande der weiten Ebenen der Karoo.

Die Landschaft der Großen Karoo erinnert sehr stark an den Westen der USA. Die Nationalstraße N1 zieht sich hunderte von Kilometern durch diese trockene Hochebene, die mit ihrer Weite und den erodierten Bergkuppen bei uns eine starke Faszination ausübt. Nach 3 Stunden erreichen wir den Rand der Hochebene und fahren den Hex-River-Paß hinab in das fruchtbare Tal unterhalb der Hex-River-Berge. Nun haben wir das Obst- und Weinanbaugebiet des Westkaps erreicht. Das Gebiet wird intensiv bewässert und ist sehr grün. Weiße Farmhäuser in kapholländischer Bauweise liegen inmitten von Weinfeldern und Obstbäumen und erinnern an die zurückliegende Kolonialzeit.

Langsam beginnt es zu dämmern. Die Berge werden von der Sonne rötlich angestrahlt und schaffen eine beeindruckende Atmosphäre. Da wir den Weinort Paarl noch vor der Dunkelheit erreichen wollen, kürzen wir die Strecke ab und durchfahren den mit über 3 km Länge größten Straßentunnel Südafrikas. Hinter dem Tunnel taucht dann auf der rechten Seite Paarl auf, die größte Stadt der Weingegend, die von den gewaltigen Granitfelsen Paarl-Rock und Britannia-Rock überragt wird, denen der Ort seinen Namen (Paarl = Perle) verdankt. Wir erreichen unsere Unterkunft, die Rodeberg-Lodge, die in einem schönen viktorianischen Haus untergebracht ist. Später machen wir einen langen Spaziergang in der Dunkelheit entlang der Hauptstraße von Paarl, um noch ein Restaurant für das Abendessen zu finden. Die vielen kapholländischen und viktorianischen Häuser entlang der Straße gefallen uns sehr gut. Wir könnten uns sehr gut vorstellen in einem solchen Haus zu wohnen.

23.12.1997
Während des familiären Frühstücks in der Rodeberg-Lodge haben wir ein nettes Gespräch mit unseren Gastgebern über Südafrika und das Weinland
. Letzteres wollen wir uns heute auf einer Rundfahrt ansehen. Um einen Überblick über die Umgebung zu bekommen, besuchen wir zuerst das Sprachenmonument von Paarl, ein 60m hohes, monumentales Denkmal aus Granit und Beton auf der Kuppe eines Hügels. Von dort haben wir freien Blick auf die Bergketten des Weinlandes und sogar der berühmte Tafelberg von Kapstadt ist am Horizont zu erkennen.

Anschließend fahren wir an Weinfeldern entlang nach Stellenbosch, der zweitältesten Stadt Südafrikas. Auf einer Kreuzung sehen wir einen Schwarzen, der aus gebogenem und geflochtenen Draht hergestellte Weihnachtsbäume mit Kerzenhalter verkauft. Wir finden das äußerst originell und nach kurzer Verhandlungszeit sind wir auch schon im Besitz eines solchen südafrikanischen Weihnachtsbaums. Schließlich ist morgen Heiligabend, und damit haben wir auch gleich ein Gastgeschenk für Bruno und Frauke, bei denen wir Weihnachten in Kapstadt verbringen werden. Jetzt fehlen nur noch passende Kerzen und ein paar blaue Bänder zur Verzierung.

Im Zentrum von Stellenbosch parken wir an der Touristeninfo und bewundern die schönen kapholländischen Häuser rings herum. Dann klappern wir einige Geschäfte ab auf der Suche nach blauen Kerzen. Zunächst Fehlanzeige. In einem Geschäft bekommen wir den Tip einer Kundin, wo wir das Gewünschte finden werden. Da wir uns in Stellenbosch nicht auskennen, führt sie uns der Einfachheit halber 10 Minuten lang durch die Straßen zu dem gesuchten Laden. Wir sind beeindruckt von dieser Freundlichkeit, die uns in diesem Lande schon so oft begegnet ist. Nach unserem Einkauf machen wir noch Mittagspause in einem Straßencafé, dann verlassen wir Stellenbosch in Richtung False Bay, der großen Meeresbucht südöstlich von Kapstadt. Das Wetter ist mal wieder phantastisch, daher drängt es uns, einen kleinen Abstecher an den Strand zu machen. In dem Ort Strand (passender Name) finden wir einen riesigen weißen Sandstrand vor, der trotz der Ferienzeit nicht überfüllt ist.

Nach einem einstündigen Strandspaziergang haben wir genug Sonne getankt und es geht weiter auf der N2 zum Sir Lowry's Paß, von dem wir ebenfalls eine atemberaubende Aussicht auf das Meer, die Weinberge und die ganze Kaphalbinsel haben. Von der Paßhöhe sehen wir auch den Start eines Paragleiters. Das wäre natürlich auch mal reizvoll! Weiter geht es durch Grabow und entlang vieler Obstplantagen über die Berge des Helderberg Mountain Reserve. An einem malerisch gelegenen Stausee machen wir kurz halt und fahren dann einen Bergpaß hinab zum wesentlich größeren Theewaterskloof Dam. Rund herum liegen viele Apfel- und Pfirsich-Plantagen. Die Berghänge sind reich an Proteen und anderen blühenden, einheimischen Pflanzen. Dazwischen liegen Pinienplantagen, die ein wenig das Gefühl vermitteln, daß diese Landschaft auch in Südeuropa liegen könnte. Der Höhepunkt der heutigen Fahrt ist jedoch zweifellos der Franschhoek-Paß, der sich in vielen Kurven den Berg hinauf zieht. Kurz hinter der Paßhöhe hat man einen traumhaften Ausblick auf das grüne Tal von Franschhoek, dem von ausgewanderten französischen Hugenotten gegründeten Weinort.

Dieser gepflegte Ort beeindruckt uns besonders mit seinem Flair. Wir besichtigen das Hugenottendenkmal und das Museum. Rund um den Ort gibt es dutzende von Weinfarmen, die meisten davon haben eine bildschöne Lage und bestehen aus historischen Häusern in kapholländischer Bauweise. Es fällt uns schließlich schwer spätnachmittags die Rückfahrt nach Paarl anzutreten. Wir können uns jedenfalls kaum ein schöneres Weinanbaugebiet vorstellen als dieses in der Umgebung von Kapstadt.

24.12.1997
Nach dem Frühstück verabschieden wir uns von unseren netten Gastgebern in der Rodeberg-Lodge und starten zur letzten Etappe nach Kapstadt, eine der am schönsten gelegenen Städte der Welt. Die Nationalstraße N1 führt durch grünes Farmland und schon nach weniger als einer halben Stunde tauchen die ersten Vororte von Kapstadt auf. Leider verschlechtert sich das Wetter sehr rasch und dichte Wolken verbergen das Wahrzeichen der Stadt, den über 1000m hohen Tafelberg. Kurz darauf fängt es an zu regnen. Etwas enttäuscht von dieser feuchten Begrüßung machen wir zunächst einen Abstecher in den großen Vorort Bellville im Osten der Stadt. Vor Antritt unserer Reise haben wir zufällig im Internet ein Ferienhaus in Bellville gefunden, daß wir für 10 Tage während der Dauer unseres Aufenthalts in der Stadt an den beiden Ozeanen angemietet haben. Das Haus liegt in einem Wohnpark in direkter Nachbarschaft zum größten Einkaufszentrum in Kapstadt, dem Tyger Valley Center. Dort lernen wir kurz unsere Internet-Kontaktpersonen kennen, die uns das Haus vermittelt haben, da diese ebenfalls gerade in Kapstadt Urlaub machen und in zwei Tagen abreisen.

In der Hoffnung auf besseres Wetter fahren wir kurze Zeit später weiter in die Innenstadt zu unserer nächsten Unterkunft für zwei Tage, die Villa Lutzi. Diese Unterkunft gehört noch zu unserer gebuchten Mietwagenrundreise. Das Haus in Bellville übernehmen wir dann erst nach Weihnachten für die übrige Zeit bis zu unserem Abflug am 5. Januar. Die Villa Lutzi ist ein sehr schönes, von Deutschen geführtes Gästehaus, daß sich in einem am Hang gelegenen Villenviertel mit guter Aussicht auf den Lion's Head befindet, einem beeindruckenden kegelförmigen Berg, der sich auf einer Seite des Tafelbergs inmitten der Stadt erhebt. Die Sonne kommt wieder zum Vorschein und schon sieht alles viel freundlicher aus.

Etwa eine Stunde später, nachdem wir es uns in unserem Zimmer gemütlich gemacht haben, bekommen wir Besuch von Bruno und Frauke, mit denen wir den heutigen Heiligabend zusammen verbringen wollen. Nach der freudigen Begrüßung nehmen uns Bruno und Frauke zu einer kleinen Rundfahrt in den südlichen Teil der Stadt mit, um Zapfen von Nadelbäumen zu sammeln, die sich vorzüglich als Grillholz verwenden lassen. Schon diese Fahrt läßt uns erahnen, in welch phantastischer landschaftlicher Lage Kapstadt erbaut wurde. Östlich geht es am Tafelberg vorbei nach Rondebosch, wo sich die Universität von Kapstadt am Fuße des mächtigen Devil's Peak befindet. Vom in der Nähe gelegenen Rhodes Memorial, einem im Stil eines griechischen Tempels gebauten Denkmal zu Ehren des verstorbenen reichsten Mannes im südlichen Afrika, Cecil Rhodes, genießen wir einen weiten Ausblick auf den gesamten Ostteil von Kapstadt, den Cape Flats. Dort befinden sich die meisten Townships und Wohnsiedlungen der farbigen Bevölkerung der Stadt. Im Süden liegt die False Bay, die wärmere Meeresbucht östlich der Kaphalbinsel. Scheinbar endlos breitet sich unter uns das Stadtgebiet aus bis zu den Bergen des Weinlands im Hintergrund.

Die Fahrt geht weiter durch den noblen, sehr grün bewachsenen Villenvorort Constantia und dann auf einer Stadtautobahn südwärts nach Tokai. In diesem Vorort besitzen Bruno und Frauke ein großes Haus im kapholländischen Stil, das sie im Moment vermietet haben. Sie selbst wohnen in einem Häuschen nördlich von Kapstadt am langen Bloubergstrand. Über eine Paßstraße fahren wir auf die gebirgige Kaphalbinsel nach Simon's Town, einem idyllisch an der False Bay gelegenen Yacht- und Marinehafen. Über einen weiteren kleinen Paß fahren wir auf die Westseite der Halbinsel zum Atlantischen Ozean nach Scarborough. Auf dem Weg sammeln wir zusammen eine ganze Menge am Straßenrand herumliegende Zapfen und abgebrochenes Holz auf für das Lagerfeuer am Abend.

Im verschlafenen Ort Scarborough laufen wir kurz über einen schönen einsamen Sandstrand, dann geht die Fahrt wieder zurück quer über die Kaphalbinsel nach Norden zur Table Bay, wo sich der große Hafen von Kapstadt befindet. Einige Vororte werden noch durchquert, dann erreichen wir schließlich Bloubergstrand, wo Bruno und Frauke zuhause sind. Frauke hat schon alles für unser Picknick in den weißen Sanddünen vorbereitet. Wenn wir an Heiligabend keinen Schnee bekommen können, nehmen wir halt mit schneeweißem Sand vorlieb. Das Picknick ist lecker und der Sonnenuntergang mit Blick auf den Tafelberg gehört zu den unvergeßlichsten Erlebnissen. Auf diese Art haben wir auch noch keinen Heiligabend gefeiert! Ein kräftiger kühler Wind vereitelt all unsere Versuche, die Kerzen unseres „Weihnachtsbaums“ anzuzünden. Deshalb kehren wir in den Garten von Brunos und Fraukes Haus zurück und beschließen den Abend mit Rotwein am Lagerfeuer, Brunos musikalischer Untermalung mit seiner Mundharmonika und freuen uns wahnsinnig über unsere Geschenke, Eintrittskarten für das südafrikanische Musical Ipi Ntombi in Kapstadt. Spät am Abend kehren wir schließlich müde in die Innenstadt zurück zur Villa Lutzi, wo wir auf unserem Zimmer sogar ein kleines Geschenk von unserem aufmerksamen Gastgeber vorfinden.

25.12.1997
Heute wollen Simone und ich mal auf eigene Faust auf Erkundungstour in Kapstadt gehen. Nach dem sehr deutschen Frühstück mit Müsli, Wurst und Käse fahren wir die Straße an der Atlantikküste entlang. Wir passieren zunächst das größtenteils aus Golfplätzen, Sportplätzen und Stadien bestehende Stadtviertel Green Point, dann geht es weiter durch das dicht besiedelte Sea Point mit einem genialen Blick auf den Lion's Head, der von dieser Seite ganz besonders interessant aussieht. Durch Clifton mit seinen gern besuchten Stränden hindurch gelangen wir in den noblen Vorort Camps Bay. Dort machen wir kurz halt und spazieren den schönen palmengesäumten Sandstrand
entlang. An diesem Strand gehen auch viele schwarze und farbige Familien baden, die Atmosphäre wirkt sehr entspannt und irgendwie erinnert der ganze Ort mit seinen Straßencafés und den vielen jungen Leuten an eine lebendige Stadt am Mittelmeer. Nur daß hier ein viel größeres Völkergemisch herrscht und die Landschaft fast unübertrefflich schön ist.

Kurz hinter Camps Bay gibt es einen riesigen Straßenverkauf an Handarbeiten, Kunstgegenständen und Souvenirs. Man kann dort eine ganze Zeit lang stöbern. Und auch wer daran nicht so interessiert ist, wird zumindest Gefallen an der Brandung des Atlantiks und den beeindruckenden Bergvorsprüngen der Westseite des Tafelbergs, 12 Apostel genannt, finden. Die Küstenstraße wird nach jeder Kurve schöner und steigt etwas an. Hier am Hang liegt der Millionärsort Llandudno, dessen Villen auf einen traumhaftem Strand und eine felsige Bucht hinab schauen. Der nächste Ort, Hout Bay, ist größer und liegt an einer tief eingeschnittenen Meeresbucht. Im Fischerhafen von Hout Bay finden wir das gute Fischrestaurant Mariner's Wharf vor, wo wir mit Blick auf den Strand und die Berge gegrillte Garnelen und Muscheln zum Mittagessen genießen. Das Restaurant ist zwar nicht ganz billig, aber das Essen empfehlenswert.

Nach der Mittagspause folgt die absolut schönste Straße, die wir je befahren haben, der Chapman's Peak Drive. Aus dem Sandstein einer Bergwand herausgesprengt und oberhalb der steil abfallenden Granitfelsen in ca. 120m über dem Meeresspiegel erbaut, bietet diese kurvenreiche schmale Straße gewaltige Ausblicke auf den tiefblauen Atlantik und auf die Bucht von Hout Bay. Nach 10 km biegt die Straße wieder ab ins Landesinnere, bietet aber an ihrem Ende noch ein Bonbon, nämlich den Blick auf den größten Strand der Kaphalbinsel, den breiten weißen Strand von Nordhoek. Nordhoek selbst ist ein weitläufiger, grün bewachsener Ort mit vielen Pferdefarmen, die auch Ausritte am Strand anbieten. Nachdem wir uns den Ort etwas genauer angeschaut haben kehren wir wieder über den Bergpaß durch das Silvermine Nature Reserve und über die M3 nach Norden zurück zur Innenstadt von Kapstadt.

Den Nachmittag verbringen wir in dem renovierten alten Hafen von Kapstadt, der Viktoria & Alfred Waterfront. Das Panorama und das Flair dieser geschmackvoll restaurierten und neugebauten Hotels, Restaurants, Einkaufszentren und Freizeiteinrichtungen vor der Kulisse des Tafelbergs, in Verbindung mit dem geschäftigen Treiben der vielen Boote und Segler in den Hafenbecken ist einfach eindrucksvoll. Zwar laufen hier massenhaft Touristen herum, doch man sieht auch viele Einheimische aller Rassen. Die Stimmung wirkt entspannt, und auf Freilichtbühnen werden Musik und künstlerische Darbietungen aufgeführt.

Etwa eine Stunde vor Sonnenuntergang treffen wir uns wieder mit Bruno und Frauke in der Villa Lutzi. Kurz darauf fahren wir gemeinsam auf den nahegelegenen Signal Hill, der einen phantastischen Ausblick auf die Lichter des abendlichen Kapstadts, auf die Table Bay und den Tafelberg bietet. Der Sonnenuntergang am heutigen ersten Weihnachtstag ist unbeschreiblich. Das Farbenspiel der rötlich angestrahlten Wolkenbänder mit Blick auf diese landschaftliche Szenerie wirkt wie ein Traum. Der gute südafrikanische Rotwein, den Bruno mitgebracht hat, tut ein übriges, um den Zauber dieses Ortes zu unterstreichen. Das klingt vielleicht jetzt alles etwas kitschig, aber jeder, der so etwas schon mal erlebt hat, wird mich verstehen. Vielleicht bin ich auch nur ein hoffnungsloser Romantiker...

Zum Abschluß des Abends genehmigen wir uns noch eine gute Pizza beim St. Elmos in der Innenstadt und feiern den offiziellen Abschluß unserer Rundreise. Den Rest der Zeit bis zum Abflug werden wir in Kapstadt verbringen.

26.12.1997
Beim Verlassen der Villa Lutzi nach dem Frühstück haben wir eine interessante Unterhaltung mit dem deutschen Eigentümer des Gästehauses über Immobilienkäufe in Kapstadt. Er gibt uns einige Tips, die wir in den nächsten Tagen bei unserer Immobiliensuche sicher im Hinterkopf behalten werden.

Anschließend fahren wir nach Bellville ins Tyger Valley und übernehmen unser gemietetes Haus. Das Häuschen ist komplett ausgestattet und gefällt uns sehr gut. Wir fühlen uns auf Anhieb sehr wohl in unseren „eigenen 4 Wänden“.

Da wir noch Weihnachten haben, können wir erst morgen auf Häusersuche zu verschiedenen Maklern gehen. Deshalb legen wir heute einen ganz ruhigen Tag ein und machen es uns zunächst mal im Haus gemütlich. Mittags schauen wir uns das gewaltige Tyger Valley Einkaufscenter an, in dem ca. 200 Geschäfte und Restaurants untergebracht sind. Nach dem Einkaufsbummel fahren wir wieder zum Bloubergstrand zu Frauke und Bruno und machen am Nachmittag einen langen Spaziergang über den kilometerlangen Strand von Table View bis zur Big Bay, einer kleinen Bucht, die unter Windsurfern aufgrund ihrer Wind- und Wellenverhältnisse weltbekannt ist. Der Südostwind zeigt sich heute auch wirklich von seiner besten Seite und bläst mit enormer Stärke über den Strand. Ein typisches Zeichen dafür ist die auf dem Plateau des Tafelbergs liegende dicke Wolkendecke, das sog. Tischtuch.

In der Big Bay zeigen entsprechend viele Windsurfer ihr Können. Mit rasender Geschwindigkeit über die Wellen fegen, Luftsprünge ausführen, sich von der Gewalt der Elemente treiben lassen, wer wünscht sich das nicht mal?

Der Wind hat große Flugsanddünen aufgeworfen, die sich weiter nördlich erstrecken und teilweise an die Sahara erinnern, wenn man vom weißen Sand und dem natürlichen Dünenbewuchs absieht. Auf jeden Fall ist es ein wunderbarer und selbst jetzt in der Hochsaison keineswegs überfüllter Strand, der zudem einen der besten Blicke auf den Tafelberg ermöglicht.

Ein kühles Bier vom Faß (allerdings englisch, d.h. ohne Schaum serviert) im Blue Peter, einer Trendkneipe am Strand, mit Blick auf die Wellen und die Surfer, alles garniert mit strahlend blauem Himmel, was will man mehr? Ein schöner Sonnenuntergang gehört natürlich auch dazu, auch wenn er heute nicht ganz so spektakulär ist wie am Vortag.

Abends sitzen wir noch lange bei Bruno und Frauke im Haus beim Abendessen und klönen noch einige Zeit, bis wir wieder im Dunkeln zurück nach Bellville fahren.

27.12.1997
Zum heutigen Tag gibt es aus Touristensicht nicht viel zu sagen, da wir heute den ganzen Tag in Table View und Bloubergstrand herumgefahren sind, um uns einen Überblick über das Immobilienangebot zu verschaffen. An vielen Häusern steht draußen ein Verkaufsschild. Das ist hier ganz normal, da die meisten Südafrikaner nicht sehr lange in ein und demselben Haus wohnen. Kaufen und Verkaufen, Umziehen, und sein Leben teils aus persönlichen, teils aus beruflichen Gründen woanders zu verbringen ist hier an der Tagesordnung. Entsprechend viele Maklergesellschaften und –büros sind überall zu finden.

Obwohl die südlichen Vororte an der Kaphalbinsel landschaftlich reizvoller sind, haben wir uns doch dazu entschlossen in der Gegend des Bloubergstrands nach einem Haus zu suchen, da die Einkaufsmöglichkeiten und die Verkehrsanbindung in den nördlichen Stadtteilen von Kapstadt besser sind. Außerdem wohnen auch Bruno und Frauke in direkter Nähe.

28.12.1997
Heute haben wir uns eine Liste mit für uns interessanten Häusern erstellt und
suchen zwei verschiedene Makler auf, mit denen wir herumfahren und nach Absprache mit den Eigentümern einige Besichtigungen vornehmen. Uns fällt auf, daß viele Häuser, die von außen einen guten Eindruck machen, innen etwas verwohnt, stark renovierungsbedürftig oder einfach ungünstig geschnitten sind. Auf die Existenz eines Swimmingpools im Garten legt Simone zwar großen Wert, ich bin allerdings nicht so sehr davon begeistert, da ein Pool auch hohe Kosten und viel Arbeit mit sich bringt.

Schließlich bleiben zwei Objekte übrig, die für uns definitiv interessant sind: Ein kleineres Haus mit Pool in einem Neubaugebiet auf den weitläufigen Sanddünen von Bloubergsands und ein etwas größeres, gepflegtes Haus mit großem schönen Garten in Table View. Wir entscheiden uns schließlich für das Zweite, da uns dieses Haus letztlich doch besser gefällt.

Wer uns nun für total verrückt hält, innerhalb von ein oder zwei Tagen einfach ein Haus in Kapstadt zu kaufen, der muß wissen, daß wir diesen Plan schon vor der Abreise nach Südafrika entsprechend verfolgt und vorbereitet haben. Bruno und Frauke sind auch ein wenig daran beteiligt. Immerhin haben wir mit ihnen eine Informationsquelle aus erster Hand, da es bei ihnen ähnlich abgelaufen ist. Ich muß erwähnen, daß Frauke in Südafrika aufgewachsen ist und einen starken Bezug zu diesem Land hat. Wir selbst haben uns schon im Vorfeld sehr intensiv mit Südafrika, speziell mit Kapstadt, beschäftigt. Diese Reise diente in erster Linie auch dazu, uns einen Eindruck vor Ort von diesem Land zu schaffen und wir wurden im Verlauf unserer Rundreise nur darin bestätigt, daß diese Entscheidung für uns das Richtige war. Aber ich will an dieser Stelle nicht zu sehr ins Detail gehen und lieber mit unserem Reisebericht fortfahren.

29.12.1997
Da unsere Kaufentscheidung nun feststeht, haben wir heute eine Menge Dinge zu erledigen. Unser erster Weg führt am Morgen zusammen mit Bruno und Frauke zur Bank in Kapstadts Fußgängerzone, der St. George's Mall. Dort richten wir diverse Konten ein und klären alles für die Anzahlung und spätere Kaufpreiszahlung des Hauses ab. Danach bummeln wir zusammen noch etwas durch die quirlige Innenstadt, in der viele Straßenhändler ihre Waren anbieten und Chöre aus den Townships ihre Gesangskünste zeigen. Die Innenstadt ist tagsüber sehr belebt und von den Volksgruppen her sehr bunt gemischt. Weiße, Schwarze, Mischlinge, Asiaten und diverse Touristen aus allerlei Ländern. Kirchen stehen neben Synagogen und Moscheen, man ist sehr religionstolerant. Auch die Architektur der Gebäude ist sehr durcheinander gewürfelt und bunt: Alte viktorianische Häuser mit verzierten Balkonen stehen neben modernen Hochhäusern und Deco-Art-Gebäuden. Dazwischen gibt es viele Straßencafés, kleine Geschäfte und Kneipen.

Auf einem der schönsten Plätze der Stadt, dem Green Market Square, findet ein dauerhafter Markt statt, auf dem alles mögliche angeboten wird, hauptsächlich aber Souvenirs und Kleidung. Nebenan, im Hinterhof einer alten Kunstgalerie mit holzvertäfelten Wänden, finden wir ein schönes Café.

Mittags steht der Vertragsabschluß in Bloubergstrand an. Dazu muß man sagen, daß der Hauskauf in Südafrika etwas anders abläuft als in Deutschland. Der Vertrag wird nicht beim Notar unterschrieben, sondern in unserem Falle ganz formlos auf einem zweiseitigen Papier am Küchentisch in Frauke und Brunos Haus! Nur die Maklerin überwacht die Aktion. Erst die eigentliche Umschreibung des Hauses und die Entgegennahme und Zahlung des Kaufpreises wird von einem Notar vorgenommen.

Diese unkomplizierte Art zeichnet die Südafrikaner aus, und genau das imponiert uns in diesem Land so sehr. Die Leute sind nicht so steif und distanziert, wie man es in Deutschland gewohnt ist. Frauke weist uns jedoch darauf hin, daß es auf Behörden und Ämtern auch oft nicht besser abläuft als in Good Old Germany.

Da wir nun unsere Geschäfte erfolgreich erledigt haben, können wir die restlichen Tage in Kapstadt wieder richtig Urlaub machen. Morgen steht dann endlich die noch ausstehende Besteigung des Tafelbergs an.

30.12.1997
Das Wetter zeigt sich heute wieder einmal von der besten Seite: wolkenloser blauer Himmel und fast völlige Windstille. Der ideale Tag für eine Bergwanderung, finde ich. Simone ist davon weniger begeistert, doch nach einem Telefonat mit Bruno und Frauke erklärt sich Bruno dazu bereit, mit mir hoch zu laufen. Simone macht derweil zusammen mit Frauke einen Bummel durch die Waterfront. Später wollen die beiden mit der Seilbahn hochfahren, um sich mit uns an der Bergstation zu treffen.

Ich packe meinen Rucksack (Wasserflasche, Verpflegung, Jacke, Hose, Ersatz-T-Shirt, Handtuch, Fotoapparat, Videokamera, Taschenmesser), ziehe meine Wanderschuhe an, und eine halbe Stunde später stehen wir bei Bruno und Frauke bereit zur Abfahrt. Bruno will den Berg von der Rückseite her besteigen, deshalb fahren wir am Botanischen Garten von Kirstenbosch vorbei und parken am Rhodes Drive, nicht weit von Constantia Nek entfernt. Die Temperatur steigt rasend schnell an. Obwohl es noch relativ früh am Morgen ist (9.00 Uhr), setzt uns die Hitze schon nach kurzer Anstiegszeit ganz schön zu. Mein schwer bepackter Rucksack tut sein übriges dazu. Ich bereue schon, so viel Klamotten mitgenommen zu haben, da ich es mir nicht vorstellen kann, daß es heute zu einer drastischen Wetteränderung kommen kann. Laut Brunos Aussagen ist das in Kapstadt jedoch immer möglich, und wenn der Südostwind anfängt zu blasen, kann es auf dem Berg sehr rasch ziemlich kühl und neblig werden.

Leider habe ich keine Wanderkarte vom Tafelberg, und Brunos Ortskenntnis auf den vielen Wegen und Pfaden ist dann doch nicht so gut wie ich angenommen habe. So verlaufen wir uns relativ schnell und stehen plötzlich vor dem Begrenzungszaun von Kirstenbosch. Also gehen wir einen Teil des Pfades zurück zur letzten Abzweigung und probieren einen anderen Weg, erst hinauf, dann wieder eine Schlucht hinab und irgendwann erreichen wir einen sehenswerten moosbewachsenen Wasserfall. Das Wasser ist klar und trinkbar und eine willkommene Abkühlung, denn mittlerweile dürften die Temperaturen schon an die 30°C-Marke heranreichen. Der weitere Weg führt an der Ostflanke des Berges entlang und steigt immer mehr an. Entlang des Pfades sind die interessantesten Blütenpflanzen zu sehen, vor allem Erica- und Protea-Arten, die überall am Hang wild wachsen. Schließlich erreichen wir einen Wald aus angepflanzten Pinien und begegnen auch ein paar anderen Wanderern, die uns den richtigen Weg nach oben weisen. Ihr Hinweis, daß der Weg bis zur Bergstation der Seilbahn noch sehr sehr weit ist, nehmen wir in unserem Leichtsinn nicht allzu ernst. Wir treffen auf einen steilen, asphaltierten Jeep-Track und folgen ihm über mehrere Serpentinen nach oben, bis wir auf der Rückseite des Berges einen kleinen Staudamm erreichen. Dort finden wir an einer Versorgungshütte neben dem Damm einen Wasserhahn mit sauberem Trinkwasser vor, wo wir unseren Durst stillen. An dieser Stelle machen wir einen großen Fehler, denn wir verzichten darauf, unsere schon halbleeren Trinkflaschen aufzufüllen, nichts ahnend, daß wir von unserem Ziel noch gute 3 - 4 Stunden entfernt sind.

Der Weg ist nun fast eben und sieht im weiteren Verlauf sehr einfach aus. Wir passieren zwei weitere kleine Stauseen mit fast colafarbenem Wasser. Die Färbung wird durch natürliche Farbstoffe einiger Pflanzenwurzeln hervorgerufen und ist unbedenklich. Ohne Filterung läßt sich das Wasser aus den Seen allerdings nicht trinken. Nach einer Rast kommen wir eine knappe Stunde später an zwei noch größeren Staudämmen vorbei. Die vielen Stauseen auf dem Tafelberg waren früher für die Trinkwasserversorgung Kapstadts notwendig. Heutzutage reicht deren Kapazität allerdings nicht mehr aus.

Der breite Fußpfad endet und wieder müssen wir den weiteren Weg erraten. Über eine Sandverwehung geht es bergauf und etwas später erreichen wir das obere Ende der Skeleton-Gorge, einer bewaldeten Schlucht, die vom Botanischen Garten herauf führt. Von nun an ist der Weg klar, da Bruno diesen Teil des Pfades schon mal gegangen ist. Mein Wasservorrat ist bereits erschöpft, die Sonne brennt erbarmungslos herab, und die Temperaturen dürften jetzt um die Mittagszeit ca. 35°C erreicht haben. Meine Annahme, daß der Tafelberg ein großes flaches Plateau besitzt, auf dem es relativ einfach zu laufen sein wird, erweist sich leider als falsch. Von nun an geht es ständig weiter aufwärts und manchmal wieder ein gutes Stück runter, wenn eine Schlucht quer über den Weg verläuft. Nach einer weiteren Stunde mit beeindruckender Aussicht auf den Ostteil Kapstadts wird mir der Wassermangel langsam zum Verhängnis. Bruno schwitzt nicht so viel wie ich und teilt noch den Rest seiner Getränke mit mir, aber ich fühle mich trotzdem völlig ausgelaugt und meine Mund fühlt sich staubtrocken an. Ich hätte nie gedacht, daß man so rasch dehydrieren kann. Jeder Schritt ist von nun an eine Qual. Einerseits genieße ich die Ausblicke, die Felsformationen und die interessante Pflanzenwelt, andererseits wünsche ich mir nichts mehr, als daß wir endlich unser Ziel erreichen und daß ich wieder etwas zu Trinken bekomme.

Nach mir endlos erscheinenden weiteren 1,5 Stunden Marsch und zwei oder drei kurzen Pausen im Schatten einiger Felsen erreichen wir schließlich den Gipfel des Tafelbergs, die Steinpyramide des Maclear's Beacon auf 1.086m Höhe. Die Aussicht auf die gesamte Kaphalbinsel von dieser Stelle ist schon gewaltig. Von hier aus ist die Bergstation der Seilbahn schon deutlich zu sehen und scheint fast greifbar nahe, so daß ich neue Kräfte mobilisieren kann.

Die letzten 4 Kilometer ziehen sich dann aber doch noch ganz schön, auch wenn es nun wirklich nicht weiter bergauf geht. Ganz plötzlich erreichen wir die Vorderseite des Tafelbergs und das Panorama der Innenstadt, gekrönt vom Lion's Head, breitet sich unter uns aus. Direkt am Abgrund entlang führt der Pfad bis zum tiefen Einschnitt der Platteklip-Schlucht. Dieser Teil des Wegs ist sicher nichts für Leute mit starker Höhenangst.

Ein letzter kurzer Anstieg ist noch zu überwinden, dann sind wir plötzlich von sehr vielen erholt aussehenden Touristen umgeben, die bequem mit der Seilbahn nach oben gekommen sind. Auch wenn diese Menschen keinen brennenden Durst haben und nicht annähernd so erschöpft sind wie wir, möchte ich dennoch nicht mit ihnen tauschen, denn sie können nicht nachempfinden, was es heißt, den Berg zu Fuß bezwungen zu haben. Aber im Moment interessiert mich nur, wie ich möglichst rasch meinen wahnsinnigen Durst stillen kann. Dank Murphy's Law bekomme ich an den Getränkeständen natürlich keinen Schluck, da heute der Hitze wegen alles ausverkauft ist. Ich brauche wohl nicht zu beschreiben, wie ich mich in diesem Moment gefühlt habe. Aber 5 Minuten später kommt meine Rettung: eine neue Lieferung wird mit der Seilbahn nach oben geschafft, und ich kaufe dem Lieferanten sofort einige Getränkedosen ab, die ich natürlich sofort leere. Kurz darauf kommen auch Frauke und Simone mit der Bahn nach oben und bringen weitere Getränke mit. Nachdem ich ca. 2 Liter getrunken habe, geht es mir rasch wieder besser. Zusammen spazieren wir noch einen kurzen Rundweg entlang zu einigen Aussichtspunkten, machen ein paar Erinnerungsfotos und beobachten die frechen Klipschliefer, die sich von den zahlreichen Touristen füttern lassen.

Die Abfahrt mit der Seilbahn, die einen in weniger als drei Minuten wieder nach unten bringt, ist zwar lohnenswert, aber irgendwie auch deprimierend, wenn man sich vorstellt, wie langwierig und anstrengend der Aufstieg war. Aber trotz allem weiß ich, daß ich nicht zum letzten Mal diesen Berg bestiegen habe. Das nächste Mal werde ich jedoch eine genaue Karte bei mir haben und die Wanderung besser planen.

Wir holen mit Brunos Wagen unser Auto vom Startpunkt ab und fahren erstmal nach Hause zum Duschen und Erholen. Abends treffen wir uns wieder mit Frauke und Bruno an der Waterfront und laden sie zum Essen in einem Fischrestaurant ein, um unseren Hauskauf zu feiern.

31.12.1997
Heute ist ein ganz erholsamer Vormittag angesagt. Wir schlafen lange, frühstücken, gehen mal kurz im Seven-Eleven (einer Supermarktkette, die es auch in den USA gibt) einkaufen, räumen im Haus ein wenig auf, usw. Mittags besuchen wir noch mal das riesige Tyger Valley Center, essen dort eine Pizza, bummeln etwas durch die Geschäfte und vertreiben uns die Zeit bis nachmittags, wo wir uns wieder bei Bruno und Frauke treffen.

Zur kleinen Silvesterfeier bei den beiden ist auch Dieter eingeladen, ein alter Freund und ehemaliger Vorgesetzter von Frauke während ihrer Zeit bei SAA. Dieter ist ein total netter und liebenswerter Kerl, der von einer ehemaligen deutschen Adelsfamilie abstammt und dementsprechend auch noch perfekt Deutsch spricht. Er ist zwar Südafrikaner, hat aber beruflich in der ganzen Welt zu tun gehabt und kennt daher fast jeden Fleck auf dem Globus.

Nach dem Kaffeetrinken machen wir zusammen einen Strandspaziergang am Bloubergstrand und erleben mal wieder einen dieser unbeschreiblich schönen Sonnenuntergänge, die hier anscheinend an der Tagesordnung sind. Selbst Dieter, der schon lange in Kapstadt lebt, genießt diesen Anblick in vollen Zügen.

Bei Bruno und Frauke feiern wir ganz ruhig und gediegen diesen ersten Silvesterabend in Kapstadt. Entgegen unserer Vorstellung wird Silvester hier ohne Feuerwerk und Böller gefeiert, lediglich die eine oder andere Signalpistole wird um 24 Uhr abgefeuert. Bruno und Frauke haben uns davor gewarnt in der Silvesternacht in die Innenstadt zu fahren, da die vielen Menschen und der entsprechende Alkoholkonsum für eine unsichere Atmosphäre sorgen. Und gerade an Silvester will man ja nicht ausgeraubt werden, oder? Man darf, so schön diese Stadt auch ist, schließlich nicht vergessen, daß Armut und Reichtum hier sehr eng beieinander liegen.

01.01.1998
Natürlich sind wir heute Nacht nicht mehr in unser Mietshaus nach Bellville zurückgefahren, sondern haben bei Bruno und Frauke übernachtet. Zum ersten Tag im neuen Jahr haben wir uns etwas ganz besonderes vorgenommen: eine Fahrt mit dem Heißluftballon über das Weinland. Ein deutsches Pärchen aus Paarl bietet diese Tour an. Dazu gehört die Ballonfahrt und anschließend ein Champagnerfrühstück im Grand Roche, einem der besten Hotels im Lande.

Leider wird die Unternehmung früh am Morgen abgesagt, da die Windverhältnisse nicht in Ordnung sind. Ballonfahren ist nun mal sehr wetterabhängig. So ein Pech!

Immerhin können wir heute ausschlafen und in Ruhe ausführlich frühstücken. Später fahren wir zurück nach Bellville und statten dem Swimmingpool, der zum Villapark gehört, einen Besuch ab. Nach einem Mittagsschlaf lesen und faulenzen wir den Rest des Nachmittags und Abends, denn morgen wollen wir einen weiteren Höhepunkt von Kapstadt besuchen: das Kap der Guten Hoffnung.

02.01.1998
Zur klassischen Kaprundfahrt wollen uns Bruno und Frauke ebenfalls begleiten, deshalb holen wir sie nach dem Frühstück ab und fahren südwärts durch die Stadt am Tafelberg vorbei, auf dem sich ein gewaltiges Tischtuch gelegt hat.
Der Südostwind zeigt sich mal wieder von seiner besten Seite und macht die trockene Hitze noch erträglicher.

Unseren ersten Stop auf der Fahrt legen wir am Rande der Cape Flats in Marina Da Gama ein, einem modernen Wohnviertel, dessen Häuser fast alle direkten Zugang zum Wasser haben, da der ganze Stadtteil von Kanälen und kleinen Seen durchzogen wird. Die Häuser sind zwar teilweise renovierungsbedürftig, aber sie haben aufgrund ihrer Lage trotzdem ihren Reiz. Statt einem Auto liegen vor den meisten Häusern Boote im Wasser. Sicher ein Paradies für Kanu- und Kajakfahrer.

Auf der weiteren Fahrt durchqueren wir das Strandbad Muizenberg, das u. a. wegen seiner bunten Umkleidekabinen am langen Sandstrand der False Bay bekannt ist. Heute ist der Verkehr im Ort so dicht, daß es zu richtigen Staus kommt, da viele Leute anscheinend nach Neujahr noch Urlaub haben, und das schöne Sommerwetter treibt die Massen ans Meer. Aus den Townships im Osten der Stadt und aus den Wohngebieten der Farbigen kommt eine ganze Karawane der hier üblichen Minibustaxis mit gutgelaunten Insassen, die uns zuwinken und Lieder singen. Es ist in diesem Land immer wieder erstaunlich, wie freundlich und gut gelaunt viele dieser aus unserer Sicht in relativer Armut lebenden Menschen doch sind.

Die weitere Fahrt führt uns entlang der Küstenlinie der False Bay nach Süden durch die Fischerorte St. James und Kalk Bay bis nach Fish Hoek. Dieser Ort besitzt auch einen sehr schönen Sandstrand, an dem ebenfalls einige bunte Umkleidekabinen herumstehen. Da es hier nicht so voll ist, nutzen wir die Gelegenheit und machen einen Strandspaziergang. Eigentlich schade, daß wir heute unsere Badesachen nicht eingepackt haben, denn die Brandung lädt zu einer Abkühlung ein. Nach einem Mittagssnack (Fish and Chips) fahren wir weiter nach Simon's Town zu einer Edelsteinschleiferei mit der Bezeichnung Scratch Patch, die mittlerweile eine kleine Touristenattraktion geworden ist. Gegen ein Entgelt kann man sich eine Tüte oder einen Becher kaufen und glattgeschliffene, bunte Halbedelsteine, die massenhaft herumliegen, nach Herzenslust einsammeln. Das ist das Ideale für Simone und Frauke, die sich natürlich voller Sammlerlust auf die Steinchen stürzen. Bruno und ich interessieren uns mehr für die Anlagen der Schleiferei und die Edelsteinausstellung. Ein Souvenirladen und eine kleiner Imbiß komplettieren das Angebot.

Eine Stunde später fahren wir weiter zur nächsten Attraktion von Simon's Town, dem als winzigen Nationalpark geltenden Boulders Beach, der eine große Kolonie afrikanischer Pinguine beherbergt. Der Strand ist schon allein wegen seiner Schönheit sehenswert, da er von riesigen Granitfelsen flankiert wird. Wir entdecken einige auf den Steinen herumstehende Pinguine, die einen scheinbar tolpatschigen Eindruck machen. Daß dies eine Fehleinschätzung ist, merken wir, als wir eine Gruppe Pinguine im Wasser beobachten. Pfeilschnell und richtig graziös schießen sie durch die Fluten. Auch Wale lassen sich hier im Meer oft beobachten, allerdings nur von August bis Oktober, wenn sie den langen Weg von der Antarktis zur Küste von Südafrika zurückgelegt haben, um ihre Jungen zur Welt zu bringen.

Nach diesem Abstecher erreichen wir dann über eine steile Küstenstraße das eigentliche Ziel von heute: das Cape of Good Hope Nature Reserve. Hier an der Südspitze der Kaphalbinsel existiert die Pflanzenwelt noch so, wie sie bei Ankunft der ersten europäischen Siedler überall in der Gegend vorhanden war. Der typische Cape Fynbos (Afrikaans für „Feiner Busch“), dazu gehören hauptsächlich Proteen, Erika und Riedgewächse umfaßt eine der artenreichsten Pflanzengruppen auf der Welt. Besonders die knochig aussehenden, in vielen Farben blühenden Proteen fallen ins Auge. Auch eine Reihe von Tieren kann man hier antreffen: zu den größten gehören Strauße, Buntböcke, Elands und Paviane.

Eine geteerte Straße führt quer durch das Gebiet bis zum Cape Point, einer 300m hohen Steilklippe, auf der ein alter Leuchtturm thront. Auf dem Parkplatz treiben sehr oft räuberische Paviane ihr Unwesen, die teilweise trotz strenger Verbote von Touristen gefüttert werden. Die Folge ist, daß diese Tiere jede Scheu vor den Menschen verlieren, auf den Autos herum turnen und die Leute auf der Suche nach Nahrung belästigen. Nach unseren bisherigen Erfahrungen mit Pavianen haben wir gehörigen Respekt vor diesen Affen und gehen ihnen möglichst aus dem Weg. Nachdem wir die Treppen zum Leuchtturm bewältigt haben, bekommen wir eine Kostprobe, warum das Kap der Guten Hoffnung auch das Kap der Stürme genannt wird. An dieser windreichsten Stelle des afrikanischen Kontinents bläst es an manchen Stellen schon ganz enorm. Bruno kann als alter Kapumsegler ebenfalls ein Liedchen davon singen. Bruno und ich gehen noch einen etwa einstündigen Weg einen Steilhang entlang bis zum sogenannten Danger Point, einem Aussichtspunkt oberhalb des neuen Leuchtturms. An dieser Stelle zu stehen ist schon ein erhabenes Erlebnis. Die Aussicht ist überwältigend und der Wind bläst einem fast in Sturmstärke um die Ohren.

Aus Zeitgründen laufen wir anschließend nicht mehr zum eigentlichen Kap, daß sich ca. 2 km vom Cape Point entfernt befindet, obwohl dieser Weg oberhalb eines traumhaft gelegenen Sandstrandes sicher sehr lohnend ist.

Die Rückfahrt führt aus dem Reservat, an einigen interessanten Straßenständen vorbei, zunächst nach Scarborough und dann nach Kommetje, einem weiteren Ort an der Atlantikküste. Die Küstenstrecke ist wunderschön und die Ausblicke werden nach jeder Kurve beeindruckender. Kurzzeitig führt die Straße ein Stückchen ins Landesinnere nach Nordhoek, dann fahren wir nochmal den legendären Chapman's Peak Drive entlang nach Hout Bay. Im Nachmittagslicht vor der untergehenden Sonne ist das Panorama an der Atlantikküste einfach überwältigend. Man kann sich gar nicht satt sehen, obwohl wir diesen Weg schon kennen. Bis wir wieder über den kleinen Paß Kloof Nek die Innenstadt erreicht haben ist es schon dunkel. Eine halbe Stunde später sitzen wir dann wieder im Haus von Frauke und Bruno in Bloubergstrand und leeren zusammen noch die eine oder andere Rotweinflasche. Das ist ein Leben!

03.01.1998
Früh morgens um 4.00 Uhr werden wir vom Telefon geweckt. Frauke ist am Apparat und macht uns die traurige Mitteilung, daß auch am heutigen Tag wohl nichts aus der Ballonfahrt über die Weingegend wird, da die Windverhältnisse laut Aussagen der Touranbieter immer noch zu ungünstig sind. Wir hatten an Neujahr die Hoffnung noch nicht aufgegeben und die Tour auf heute verlegt. Leider vergeblich. Vielleicht können wir die Ballonfahrt ein anderes Mal nachholen, wenn wir wiederkommen. Enttäuscht sind wir aber schon, auch wenn wir noch so müde sind, daß wir im Moment gar nichts dagegen einzuwenden haben ausschlafen zu können. Das tun wir dann auch und da wir heute ansonsten tolles Wetter
haben, verabreden wir uns mit Bruno zu einem Badetag in Simon's Town bei den Pinguinen.

In Simon's Town am Boulders Beach angekommen, zahlen wir den Eintritt für das kleine Schutzgebiet und suchen uns zwischen den Granitfelsen eine schöne Stelle zum Sonnen auf dem schneeweißen Sand. Die Pinguine befinden sich in kleinen Grüppchen überall um uns herum. Es macht schon Spaß, in den kühlen Fluten der False Bay zusammen mit den Pinguinen zu schwimmen. Es ist schon erstaunlich, daß diese Pinguine kaum Scheu vor den zahlreichen Menschen haben, die den Strand hier besuchen.

Bruno ist mal wieder kaum aus dem Wasser herauszukriegen und ich schwimme mit ihm ein ganzes Stück heraus. Zum Glück ist das Wasser in der geschützten Bucht ziemlich ruhig, aber da es in der False Bay viele Haie gibt, traue ich mich dann doch nicht zu weit vom Strand weg.

Mittags haben wir genug Sonne getankt und wir besuchen eine Pizzeria an der historischen Meile von Simon's Town mit ihren vielen guterhaltenen, viktorianischen Gebäuden. Dort probieren wir frische Austern und sehr gute Calamari.

Danach setzen wir Bruno zuhause ab und fahren nach Bellville, um schon mal unsere Kofferrucksäcke zu packen und uns für den Musicalbesuch am Abend fertig zu machen. Wir sind schon sehr gespannt darauf. Später holen wir Bruno und Frauke wieder ab, da sie uns zum Musical begleiten werden. Das Musical Ipi Ntombi wird im Baxter Theatre in der Nähe der Universität in Rondebosch aufgeführt. Es ist ein südafrikanisches Musical, das im Johannesburger Township Soweto entstanden ist. Es handelt von einem schwarzen Minenarbeiter vom Stamme der Zulu, der in den Konflikt zwischen dem modernen Zivilisationsleben und dem traditionellen Leben des Stammes gerät. Die Musik und die Tanzaufführungen sind mitreißend und werden erstklassig dargeboten. Wir sind restlos begeistert und bedanken uns für diesen tollen Abend bei Frauke und Bruno. Die Musik auf CD werden wir uns in den nächsten Wochen sicher noch oft anhören.

04.01.1998
Unser Abreisetag ist gekommen und wehmütig denken wir an die zurückliegenden Wochen zurück, in denen wir so vielfältige Eindrücke gewonnen haben. Zuhause erwartet uns nur der kalte Winter und mich meine Diplomarbeit. Dafür meint es das kapstädter Wetter heute zum Abschied ganz besonders gut, denn schon früh am Morgen ist es sonnig und warm und laut Wetterbericht soll es 37°C heiß werden.

Die restlichen Sachen sind schnell eingepackt, und nach der Übergabe der Hausschlüssel an den Eigentümer sind wir schon wieder auf dem Weg zu Bruno und Frauke. Am heutigen Sonntag wollen wir zusammen im Botanischen Garten Kirstenbosch frühstücken und von dort aus direkt weiter zum Flughafen fahren, wo wir am Nachmittag abfliegen.

Im noblen Wohnviertel Constantia angekommen, fahren wir durch eichengesäumte Alleen und parken kurze Zeit später auf dem großen Parkplatz von Kirstenbosch. Die Lage dieses Botanischen Gartens ist wohl einmalig. Überragt vom über 700m hohen Castle Rock, der von weitem wirklich an eine mittelalterliche Burg erinnert, liegt der parkähnlich angelegte Garten in phantastischer Lage an den dichtbewachsenen und bewaldeten Hängen der Ostseite des Tafelbergs. Die Pflanzenvielfalt ist unbeschreiblich und zeigt die Vegetation der Kapprovinz, sowie fast aller anderen Gegenden von Südafrika. Über 9000 verschiedene Pflanzenarten existieren dort, von den kleinsten Blütenpflanzen, über urzeitliche Cycaden, bis zu den gewaltigen Yellowwood-Urwaldbäumen. Manche Pflanzen wachsen nur in diesem Garten und am Tafelberg, ansonsten nirgendwo auf der Welt, wie z. B der Silver Tree. Zwischendrin stehen sehr schön mit den Pflanzen harmonierende Steinskulpturen, die von Künstlern aus Zimbabwe stammen. Man kann stundenlang durch die riesige Anlage spazieren und deren Schönheit genießen. Ein Besuch von Kirstenbosch lohnt sich unserer Meinung nach auf alle Fälle. Nicht nur Touristen, auch die Kapstädter suchen diesen Park gerne auf, und man sieht viele Familien aller Hautfarben, die auf den vielen Grünflächen Picknick machen und sich erholen. Halbzahme Perlhühner laufen hin und wieder auf dem Rasen herum und man kann eine erstaunliche Vielfalt an Singvögeln entdecken, z.B. die kleinen bunten Honeybirds.

Das Frühstück im englischen Stil mit Steak, Eiern und Würstchen im Gartenrestaurant von Kirstenbosch ist preiswert und gut. Besonders empfehlen können wir dort auch den gedeckten Apfelkuchen mit Vanilleeis oder Sahne. Die sengende Hitze setzt uns nun ganz schön zu, was einerseits unseren Getränkekonsum in enorme Höhen treibt, und andererseits unseren Bewegungsdrang etwas einschränkt.

Trotzdem bedauern wir es sehr, als die Zeit zur Abfahrt gekommen ist. Frauke und Bruno begleiten uns noch zum Flughafen Kapstadts, der erstaunlich klein ist für so eine große Stadt. Wir geben unseren Mietwagen ab, checken ein und trinken noch gemeinsam eine Tasse Kaffee. Dann ist die Zeit für den Abschied gekommen, der bei Simone und Frauke tränenreich ausfällt. Unser gemeinsamer Trost ist jedoch, daß wir noch in diesem Jahr wiederkommen werden, um unser neu erworbenes Haus zu beziehen. Bruno und Frauke bleiben noch bis April im Land. Wir beneiden die beiden schon mal, wenn wir an den deutschen Winter denken, der uns erwartet.

Auf jeden Fall werden wir dieses sehenswerte Land und seine gastfreundlichen Bewohner in sehr guter Erinnerung behalten. Naja, wir können uns damit trösten, daß der Abschied nicht von langer Dauer sein wird. Im August sitzen wir wohl schon wieder im Flieger Richtung Kapstadt.

- E N D E -



Mario Anthes
E-Mail: anthes@iafrica.com


Urlaubsfotos unserer Südafrika-Rundreise

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