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Diese Tour führt uns in die Provinz Eastern Cape und in die Transkei, ehem. Homeland und Stammesgebiet der Xhosa. An der unberührten Wild Coast wollen wir zusammen mit Alide und Wolfgang, zwei Freunden aus Bremen, eine geführte Vier-Tages-Wanderung unternehmen. Anschließend besuchen wir zum ersten Mal das Königreich Lesotho, das komplett vom Staatsgebiet Südafrikas umgeben ist. Auf dieser Reise werden wir für uns viel Neues kennen lernen. Vor allem die Transkei ist für uns noch ein weißer Fleck auf der Landkarte, den wir nach und nach erkunden möchten.
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15.02.2002: Swellendam / Mossel Bay |
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Auf dem ersten Teil der Route begleitet uns Dirk, der sich ebenfalls in Südafrika niedergelassen hat. Mit zwei PKWs fahren wir früh am Morgen von Kapstadt aus über Worcester und Robertson in Richtung Swellendam. Diese Strecke ist landschaftlich reizvoller als die N2 und führt durch das weitläufige Breede-River-Valley. Vor allem die Szenerie auf der Strecke Robertson-Bonnievale-Swellendam hat uns besonders gut gefallen. Die zahlreichen Weingüter entlang der Route laden zu einem Besuch mit Weinprobe ein. Schade, dass wir nur auf Durchreise sind! Allein in dieser Gegend könnte man gut schon ein paar Tage verbringen. |
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In Swellendam setzen wir uns bei dem herrlichen Wetter in den Garten des Old Mill Restaurants und stärken uns erstmal ordentlich mit einem guten Frühstück. Dann fahren wir in einem Rutsch ca. 200 km weiter nach Mossel Bay, das wir bislang immer links haben liegen lassen, wenn wir die Gartenroute besuchten. Zugegeben, die große Erdgasraffinerie kurz davor sieht nicht gerade einladend aus, der Ort selbst ist aber ganz nett, wenn auch schon ziemlich touristisch. |
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Die bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Mossel Bay sind der alte Post Office Tree, an dem schon vor Jahrhunderten Seefahrer ihre Briefe hinterlassen haben, und das interessante Bartholomeu-Diaz-Museum, in dem sich die originalgetreue Nachbildung jenes Segelschiffes befindet, mit dem Bartholomeu Diaz 1488 auf Entdeckungsreise ging. |
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Schön fanden wir, dass man das Schiff betreten und genauer inspizieren kann. Erst wenn man auf den Planken dieses seetüchtigen Nachbaus steht, wird einem klar, wie viel Mut und seemännisches Geschick damals dazu gehörten, eine solch monatelange Reise ins Unbekannte zu wagen. |
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Die Umgebung von Mossel Bay hat aber noch mehr zu bieten: Vom Leuchtturm am Cape St. Blaize aus führt ein Wanderpfad an der beeindruckend schroffen Felsenküste entlang. Peitschender Wind und das Krachen der Brandung lassen uns die Elemente hautnah spüren. |
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Dem einfachen Pfad kann man bis zu 5 Stunden lang nach Westen folgen, wenn man genügend Zeit und ein Fahrzeug am anderen Ende zur Verfügung hat. Wir beschränken uns auf wenige Kilometer und drehen dann um, da wir an diesem Nachmittag noch weiter nach Wilderness fahren wollen. Zuvor lassen wir uns aber noch ein Bierchen in einer Kneipe am Cape St. Blaize mit Blick auf's Meer schmecken. |
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Eine halbe Stunde später treffen wir in Wilderness ein, wo wir, wie schon so oft, ein Appartement in Zades C Lodge beziehen. Es ist immer wieder herrlich, den Blick auf die üppig grünen Hügel von Wilderness auf der einen Seite, und auf die Weite des Indischen Ozeans auf der anderen Seite der Dünen von Zades Haus aus zu genießen. Das Abendessen nehmen wir im Wilderness Grill ein. Das Essen ist gut, aber wir müssen leider ziemlich lange darauf warten. |
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16.02.2002: Wilderness / Goukamma Nature Reserve |
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Am nächsten Morgen nehmen Dirk und ich unmittelbar nach dem Aufwachen zuerst ein erfrischendes Bad im Meer. Das ca. 20°C warme Wasser und die enormen Wellen vertreiben innerhalb kürzester Zeit jede noch vorhandene Müdigkeit! |
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Nach dem Frühstück fahren wir entlang der Seen des Wilderness Nationalparks zum Startpunkt des Brownhooded-Kingfisher-Trails, der dem Verlauf des Duiwe River in eine bewaldete Schlucht folgt. Diesen idyllischen, zweistündigen Wanderweg bin ich schon im letzten Jahr gelaufen, als wir eine Woche in Wilderness Urlaub gemacht haben. Für Dirk und Simone ist dieser Weg jedoch neu. Immer wieder müssen wir das schmale Flüsschen auf Steinen überqueren. |
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Am Ende des Pfades, wo sich die Schlucht verengt, befindet sich ein Felsenpool, in den sich ein kleiner Wasserfall ergießt. Das ziemlich kalte Wasser hält jedoch Dirk nicht davon ab, ein Bad zu nehmen. |
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Nach der Wanderung fahren wir nach Sedgefield, wo wir eine Unterkunft für Dirk für die nächsten Tage suchen. In der sehr schönen Myoli Beach Lodge, in unmittelbarer Nähe des weitläufigen Strandes von Sedgefield gelegen, wird Dirk fündig. Mittagspause machen wir in der Forest Lodge & Pub (nette Atmosphäre, Bier vom Fass), bevor wir die wenigen Kilometer weiter ins Goukamma Nature Reserve fahren, das sich zwischen Knysna und Sedgefield befindet. |
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Dort überqueren wir die Lagune des Goukamma Rivers mithilfe eines Fährbootes, mit dem wir uns selbst ans andere Ufer ziehen müssen. Bis zum Strand des Indischen Ozeans laufen wir knapp anderthalb Kilometer auf einem Sandpfad durch dichten Küstenbewuchs. Den kilometerlangen feinen Sandstrand haben wir komplett für uns, da keine Menschenseele weit und breit zu sehen ist. Nur unberührte Natur umgibt uns. Dirk und ich lassen uns natürlich nicht davon abhalten im Meer zu schwimmen. Das Wasser ist von der Nachmittagssonne aufgewärmt und einfach herrlich! Hier herrscht auch nicht so eine tückische Unterströmung wie am Strand von Wilderness. |
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Die Zeit vergeht jedenfalls wie im Flug. Da das Nature Reserve schon um 18 Uhr die Tore schließt, müssen wir uns sputen. Wir wollen den südlichen Teil der Lagune am Meer entlang umgehen, allerdings stellt sich dieser Weg als ziemlich weit heraus. Also kommen wir auf die Idee, am Rande der Lagune entlang zurück zur Fähre zu laufen. Dummerweise wird aus dem zunächst festen Sandufer schilfbewachsenes Sumpfland, so dass wir bald gezwungen sind, durch die Süßwasserlagune zu waten. |
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Zum Glück ist das Wasser der Lagune recht warm, aber es wird immer tiefer und tiefer, bis uns das Wasser bald bis zum Hals reicht. Warum wir nicht einfach ans andere Ufer schwimmen? Leider haben wir unsere Rucksäcke dabei, die alles andere als wasserdicht sind. Da wir auf diese Weise wohl nicht weiter kommen, packe ich Dirks Sachen in meinen Rucksack, damit er die Lagune durchschwimmen kann, um für uns ein Boot zu organisieren. Ja, mit uns erlebt man schon so manches Abenteuer! |
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Mit Simone kämpfe ich mich die nächste halbe Stunde weiter am Ufer der Lagune entlang, halb im, halb außerhalb des Wassers. Gut, dass wir unsere Trekkingsandalen haben, denn wir müssen uns immer wieder unseren Weg durch im Wasser liegende Äste und Baumstämme bahnen. Die Pflanzen am Ufer wachsen so dicht, dass dort auch kein Durchkommen möglich ist. Schließlich trennen uns nur noch ca. 200 m von der Fähre, als Dirk endlich mit einem geliehenen Kanu heran gepaddelt kommt und uns errettet. Irgendwie erinnert uns die Situation an einen der alten Winnetou-Filme: Old Shatterhand erscheint als Retter in letzter Not! Für heute haben wir jedenfalls alle genug vom Wasser. Wir sehen zu, dass wir am Auto wieder trockene Klamotten anziehen können. War aber auch eigentlich ganz lustig! Zumindest haben Simone und ich nun schon die Generalprobe für alle künftigen Fluss-Durchquerungen auf unserer anstehenden Wild-Coast-Wanderung hinter uns. Wieder aufgewärmt und erholt entspannen wir uns am Abend in Wilderness bei einem hervorragenden Abendessen im Riverside Kitchen, unweit von Zade's C Lodge. Früher hieß dieses Restaurant noch Pirate's Creek. Auf jeden Fall eine empfehlenswerte Küche! |
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17.02.2002: Wilderness / Sedgefield / Monkeyland |
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Nach dem Frühstück in Wilderness fahren wir zum Aussichtspunkt Dolphin Point an der N2 oberhalb der Mündung des Kaimaans River und warten auf den Outeniqua-Choo-Tjoe, der die schmale Eisenbahnbrücke über den Schwarzwasserfluss um kurz vor 10 Uhr überqueren soll. Leider vergeblich, da wir nach einer Viertelstunde Wartezeit erfahren, dass der Zug sonntags nicht fährt. Pech! |
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Aber wir haben ja noch einen anderen Aussichtspunkt auf Lager: die Map of Africa, deren Zufahrt von der Straße zu den Wilderness Heights abzweigt. Von einer Hügelkuppe aus überblickt man eine Flußschleife des Kaimaans River, die, mit einiger Phantasie, ungefähr die Form des afrikanischen Kontinents bildet. Auf jeden Fall ist der Ausblick auf das bewaldete Tal und die Bergkette der Outeniquas im Hintergrund sehr lohnend. |
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Anschließend packen wir bei Zade unsere Sachen, verabschieden uns von ihr und fahren mit Dirk nach Sedgefield, wo wir uns nochmal gemeinsam in der Forest Pub niederlassen. Danach verabschieden wir uns von Dirk, der die nächsten Tage in der Myoli Beach Lodge bleiben wird. Simone und ich besuchen nochmal kurz den einsamen Strand von Sedgefield, brechen dann auf Richtung Osten und fahren über Knysna und Plettenberg Bay zum Monkeyland-Reservat. |
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Bei Monkeyland handelt es sich um ein mehrere Hektar großes Freilandgehege, bestehend aus einheimischem Wald, in dem alle möglichen Affenarten aus aller Welt leben. Die Tiere werden gefüttert, können sich aber fast alle frei im Wald bewegen. Betreten darf man das Gelände nur im Rahmen einer gebuchten Tour in Begleitung eines Wildhüters, der viel Wissenswertes über die verschiedenen Affenarten erzählt. |
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Auch wenn es sich im Grunde genommen nur um einen großen Zoo handelt, geht es den Tieren hier doch vergleichsweise gut. Da sie ziemlich an Menschen gewöhnt sind, kann man recht gute Nahaufnahmen von den Affen machen. |
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Besonders gefallen haben uns die kleinen Totenkopf-Äffchen aus Südamerika und die Lemuren aus Madagaskar. Auch einheimische Affenarten wie die grüne Meerkatze und der seltene Samango-Monkey kommen hier vor. |
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Ein weiteres Highlight ist die längste Hängebrücke im südlichen Afrika, die in ca. 30 Meter Höhe zwischen den Baumwipfeln gespannt ist. Eine etwas wacklige Angelegenheit, aber die Überquerung macht schon Spaß. Am Nachmittag fahren wir weiter über den kurvenreichen Bloukrans Pass, der ein tiefes Flusstal durch den Urwald überwindet, bevor wir wieder auf die N2 stoßen. Den Tsitsikamma-Nationalpark lassen wir diesmal ohne Aufenthalt hinter uns, denn unser Ziel für heute ist Jeffreys Bay, ein Surfer-Paradies, nicht weit entfernt von der Hafenstadt Port Elizabeth. |
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Unsere Unterkunft für heute ist das A1 Kynaston B&B, eine preiswerte, familiäre Unterkunft mit einem prachtvollen Blick auf den Ort, den Strand und die große Meeresbucht. Jeffreys Bay ist viel größer als wir erwartet haben. Leider sind in der Nebensaison die meisten Restaurants geschlossen, auch das bekannte Open-Air-Restaurant De Walskipper. Aber wir finden dann nach einigem Suchen doch noch ein gutes Restaurant. |
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18.02.2002: Jeffrey's Bay / Port Elizabeth / Addo Elephant Park |
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Am Morgen bin ich schon sehr früh wach und werde Zeuge eines wunderbaren Sonnenaufgangs. Nach einem reichlichen und sehr guten Frühstück bei unseren Gastgebern, machen wir am Vormittag einen gemütlichen Strandspaziergang. Simone ist begeistert von den vielen Muscheln, die man dort findet. Kurz vor Mittag fahren wir weiter zum Flughafen von Port Elizabeth. Dort holen wir Alide und Wolfgang ab, die direkt aus Deutschland via Johannesburg hierher geflogen sind. |
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Nachdem wir ihr Gepäck in unserem Kombi verstaut haben, fahren wir gemeinsam zum Addo-Elephant-Nationalpark, der sich ca. 80km nordöstlich von Port Elizabeth befindet. Dort gibt es leider Ärger beim Einchecken, da wir trotz entsprechender Buchung keinen Bungalow mit 2 Schlafzimmern erhalten. Außerdem gibt es in der uns zugewiesenen Hütte einige Punkte zu bemängeln. Wir haben schon öfter im Camp des Addo-Parks übernachtet, aber so etwas ist uns bisher noch nicht passiert. |
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Nach unserer Beschwerde und einiger Diskussion einigen wir uns auf einen Kompromiss: Für die erste Nacht bekommen wir zwei nebeneinander liegende Bungalows, die zweite Nacht müssen wir eben zu viert in einem Raum übernachten. Nicht so toll finden wir allerdings den Versuch der Dame an der Rezeption, uns für den zweiten Bungalow nochmal zusätzlich Geld abzuknöpfen. Allen Ärger zum Trotz wollen wir uns jedenfalls nicht die Urlaubsstimmung verderben lassen. Also entspannen wir uns auf der Veranda unserer Hütte mit kühlen Getränken, bevor wir zur ersten Nachmittags-Pirschfahrt aufbrechen. |
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Diese ist dann auch schon nach kurzer Zeit von Erfolg gekrönt. Am Hapoor-Wasserloch tummeln sich schon die ersten Elefanten, darunter auch viele Babys. Auch Zebras, Warzenschweine und Kuhantilopen halten sich rund um das Wasserloch auf, müssen aber immer wieder den Elefanten weichen, die sich anscheinend einen Spaß daraus machen, die anderen Tiere zu verscheuchen. Hier erkennt man sofort, wer im Addo den Ton angibt. |
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Ansonsten können wir auf der weiteren Pirschfahrt noch große Landschildkröten, Mangusten, Schakale, Strauße und viele andere Vögel entdecken. Das Abendessen im Camp findet sehr improvisiert außen in einer Boma statt, da das Restaurant zur Zeit gerade umgebaut wird. Während unserer Mahlzeit läuft direkt an unserem Tisch im Dunkeln ein Streifenmarder vorbei, ein Tier, das man sonst nur sehr selten zu Gesicht bekommt. |
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Die Highlights des Abends werden dann noch unsere Sichtungen am beleuchteten Wasserloch des Camps. Wir sehen Kudus, Warzenschweine und vor allem Büffel. Die Büffel im Addo sind im Gegensatz zu ihren Verwandten im Krügerpark nachtaktiv. Die beste Chance sie zu sehen hat man definitiv am späten Abend am großen Wasserloch des Camps. Wir haben auch großes Glück und können sogar mehrere Gruppen dieser schweren Tiere beobachten, die nacheinander am Wasserloch eintreffen. |
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19.02.2002: Addo Elephant Park |
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Wir beginnen den Tag unmittelbar nach Sonnenaufgang mit einer Frühpirsch. Die Luft ist noch erstaunlich kalt, aber die Sonne steigt rasch höher und taucht die gesamte Landschaft in ein wunderbar warmes Licht. Schon kurz nach der Einfahrt in den Park überquert vor uns ein großes Kudu-Männchen die Piste; eine prachtvolle Antilope mit großen, geschwungenen Hörnern. |
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Diesmal fahren wir die lange Gorah-Schleife, die in den Ostteil des Addo-Elephant-Parks führt. Wir begegnen Straußen, Warzenschweinen und zahlreichen Schakalen. Die meisten Tiere sind schon putzmunter, bis auf einen jungen Schakal, der unmittelbar am Rand der Piste ein Nickerchen hält. Auch Vervet-Monkeys (grüne Meerkatzen), Buschhasen, Kudus und Kuhantilopen können wir auf der weiteren Fahrt entdecken. Nur Elefanten und die (sehr seltenen zu entdeckenden) Nashörner bleiben uns an diesem Morgen verborgen. |
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Nach drei Stunden Pirschfahrt kehren wir hungrig zum Camp zurück. Leider ist das Frühstück im improvisierten Open-Air-Restaurant noch enttäuschender als das Abendessen: es gibt nur ein kaltes Continental Frühstück (Müsli, Dosenfrüchte, Marmelade, Brot und Tee/Kaffee). Außerdem ist das Frühstück nicht mehr, wie früher, im Übernachtungspreis enthalten. Sehr schade! Am Vormittag können wir am Wasserloch des Camps eine Gruppe Elefanten beim Trinken beobachten. |
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Kaum haben wir uns vom Wasserloch abgewandt, laufen uns mitten im Camp einige Erdmännchen nach, die keinerlei Angst vor uns zeigen. Sie lassen sich streicheln wie kleine Kätzchen. Sicher sind die Tiere angefüttert worden. Sie sind jedenfalls total putzig! |
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Gegen Mittag wird es richtig heiß. Da wir die nächste Pirschfahrt erst am Nachmittag vorhaben, legen wir uns alle vier an den Swimmingpool des Camps und verbringen zwei, drei Stunden mit Sonnenbaden, Lesen und Faulenzen. |
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Außer einigen wenigen Touristen hält sich nur eine große Landschildkröte auf dem Gelände des Schwimmbads auf. Vom saftigen Gras angelockt hat sie sich unter der Umzäunung durchgegraben. |
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Am Nachmittag ziehen wir wieder gemeinsam los zur nächsten Pirschfahrt. Zunächst besuchen wir einen Aussichtspunkt auf einer Anhöhe des Parks. Auf dem Weg läßt sich kaum ein Tier blicken. Von dem Hügel aus können wir aber in der Ferne viele große graue Leiber erkennen, die sich in der Nähe des Hapoor-Wasserlochs versammelt haben. Das sieht nach einer sehr großen Elefantenherde aus! |
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Und tatsächlich wimmelt es am und in der Umgebung des Hapoor-Wasserlochs von den eindrucksvollen Dickhäutern. Wir zählen ca. 150 Tiere, die nacheinander zum Trinken, Schlammbaden und Plantschen an die Wasserstelle kommen. Vor allem den verspielten Jungtieren zuzuschauen, ist die reinste Freude. Hin und wieder nähert sich uns auch ein größerer Bulle, so dass unser Adrenalinspiegel gehörig ansteigt. |
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Wir sind natürlich nicht das einzige Fahrzeug, und müssen alle am Wasserloch verharren, da die Elefanten die weiterführende Piste komplett blockieren. Erst nach über einer guten dreiviertel Stunde, in der uns im Auto ganz schön warm wird, geben die Tiere nach und nach den Weg frei. |
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Weitere Elefantenkolonnen kommen noch hinzu, so dass wir die Zahl der Tiere auf über 200 schätzen. So viele Elefanten auf einem Fleck haben wir erst ein einziges Mal gesehen, aber noch nie aus dieser Nähe. Wir werden jedenfalls weitgehend von den Dickhäutern ignoriert. Irgendwie scheint nichts diese Tiere aus der Ruhe bringen zu können. |
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Am Abend wird in der Boma ein traditionelles Braai (Grillen) veranstaltet. Diesmal ist das Essen auch wirklich gut, und es gibt eine reichliche Auswahl an Fleischsorten, Salaten und sonstigen Beilagen. Bevor wir uns anschließend nochmal ans beleuchtete Wasserloch setzen, läuft uns eine flinke, langschwänzige Ginsterkatze über den Weg. Wie am Abend zuvor erscheinen auch wieder Büffel an der Wasserstelle. |
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20.02.2002: Sunshine Coast / East London / Cintsa East |
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Früh am nächsten Morgen verlassen wir den Addo-Park und nehmen die Route über Paterson und Alexandria, bis wir bei Kenton On Sea die sog. Sunshine Coast am Indischen Ozean erreichen. Heute macht die Sunshine Coast ihrem Namen aber keine Ehre, denn die Sonne ist hinter einer dichten Wolkendecke verborgen. In dem netten Lagunen-Städtchen Port Alfred frühstücken wir erstmal bei Mama Temba, im Gebäude der Touristen-Info, bevor wir weiter der R72 die Küste entlang folgen. Die Vegetation wird langsam üppiger und subtropischer. Wir überqueren die Mündung des Great Fish River und passieren bald einige einladende Strände. Wenn das Wetter etwas besser wäre, könnte man hier sicher länger verweilen. Bald bleibt die Küste hinter uns zurück und wir fahren landeinwärts in das Gebiet des ehemaligen Homelands Ciskei. Dieses fast ausschließlich von Xhosas bewohnte Gebiet unterscheidet sich auf Anhieb vom weißen Südafrika, in dem wir uns auf der bisherigen Tour aufgehalten haben. Die Region ist sichtlich ärmer. Mangels Weidezäunen läuft das Vieh kreuz und quer über die Straße, und auf fast allen Hügelkuppen befinden sich die Behausungen der hier lebenden Schwarzen, teils gemauerte Hütten mit Blechdach, teils traditionelle Rundhütten mit Rieddächern. Die hügelige Landschaft hat durchaus ihren Reiz. Attraktiv ist auch die kurvenreiche Straße, die sich durch das Tal des Keiskamma Rivers windet. Kurz vor der Abzweigung nach Kidd's Beach endet dieser Teil der Ciskei und wir nähern uns rasch der größeren Stadt East London, auch Buffalo City genannt, da sie sich an der Mündung des gleichnamigen Flusses befindet. |
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East London hat eine multikulturelle Bevölkerung, was sich auch am geschäftigen Straßenbild bemerkbar macht. Mir ist die lebendige Stadt auf Anhieb sympathisch. Unsere Unterkunft, das B&B Meander Inn, finden wir ziemlich problemlos. Ein tolles Haus mit Garten und einladendem Pool in einer ruhigen Wohngegend nördlich vom Zentrum. |
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Da unsere Gastgeber außer Haus sind, fahren wir nach dem Einchecken am Mittag noch nach Cintsa East, einem kleinen Ort am Meer nordöstlich von East London. Die Lage des in dichtes Grün eingebetteten Ortes ist wirklich zauberhaft. Leider löst sich die starke Bewölkung aber auch am Nachmittag noch nicht auf, so dass alles ein wenig trübe aussieht. |
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Besonders gut gefällt uns das hoch auf einer Hügelkuppe liegende Restaurant Michaelas, wo wir ein leckeres Mittagessen zu uns nehmen. Eine echte Empfehlung! Wenn es nicht gerade angefangen hätte zu regnen, würden wir sicher draußen auf der aussichtsreichen Terrasse sitzen. |
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Nachdem der Regenschauer aufgehört hat, machen wir noch einen ganz kurzen Spaziergang am Strand von Cintsa East, bevor wir uns auf die Rückfahrt nach East London begeben. Im Meander Inn treffen wir auf unsere netten Gastgeber Liesl und William, die uns am frühen Abend eine ausführliche Einweisung zu unserer gebuchten Mehrtageswanderung in den nächsten Tagen geben. Zum Abendessen folgen wir einem Tipp von Liesl und schlemmen so richtig gut im unter schweizer Führung stehenden Restaurant Ernst's in East London. |
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21.02.2002: Transkei / Wild Coast / Kob Inn |
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Nachdem wir am Morgen unsere Wanderrucksäcke fertig gepackt und gemütlich gefrühstückt haben, verladen wir vier das übrige Gepäck in unseren Kombi. Obwohl wir unserer Meinung nach nur das nötigste mitgenommen haben, wiegen unsere vollen Rucksäcke inkl. Trinkflaschen jeweils 8 10 kg. Unser Wagen wird anschließend in einer bewachten Parkgarage in East London untergebracht. Dann fährt uns J.P. von Wild Coast Holiday Reservations mit einem VW-Bus auf der N2 in die Transkei, dem wohl noch ursprünglichsten und touristisch unerschlossensten Teil Südafrikas. |
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Landschaftlich sehr reizvoll sind die Kei Cuttings, wo die N2 in vielen Kurven das tiefe Flusstal des großen Kei Rivers durchquert. Wegen des starken Gefälles gehört dieser Streckenabschnitt zu den unfallreichsten des Landes, obwohl die Straße mittlerweile ziemlich gut ausgebaut ist. Der Fluss Kei bildete früher die Grenze des eigenständigen Homelands Transkei, einem infrastrukturell von der damaligen Apartheitsregierung völlig vernachlässigten Gebiet, das den Stammesangehörigen der Xhosa und Pondo zugewiesen wurde. Mittlerweile ist die Transkei zwar vollständig in die Provinz Eastern Cape integriert worden, aber nach wie vor leben dort die fast ausschließlich schwarzen Bewohner in ärmlichen Verhältnissen, die typisch sind für ein Drittweltland. Die Arbeitslosigkeit ist extrem hoch, und die meisten Menschen sind ohne (Schul-)Ausbildung. Tradition und Kultur der Xhosa spielen im Alltag noch eine große Rolle. |
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Wichtigster Besitz der Menschen ist ihr Vieh (hauptsächlich Rinder und Ziegen), das praktisch überall frei herum läuft und die grasbewachsenen Hügel abweidet. Daraus resultierende Probleme wie ausgedörrter Boden und starke Erosion sind an vielen Orten sichtbar. In kleinen Ort Willowvale finden wir überraschend ein altes Landhotel, das von einer weißen Familie geführt wird. Willowvale ist trotz seiner geringen Größe ein wichtiger Handelsposten und ein Versorgungszentrum für die unterentwickelte Umgebung. |
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Wir lernen den Besitzer der Unterkunft kennen, erfahren etwas über die Geschichte des Hotels und bekommen auch ein wirklich sehr reichhaltiges und leckeres Mittagessen serviert. An einem Tisch werden Waren und Kunsthandwerk örtlicher Xhosa-Frauen angeboten: hübscher Perlenschmuck, Holzpfeifen und Korbwaren, alles zu wirklich günstigsten Preisen. Was uns auf der weiteren Fahrt auffällt, ist die relativ flächendeckende Besiedlung des Landes. Kaum ein Hügel, auf dem sich nicht einige Hütten befinden. Die meisten dieser Ansiedlungen sind auf keiner Landkarte verzeichnet. |
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Wir finden die Landschaft jedenfalls wunderschön. Jetzt im Sommer (Regenzeit) sind die endlosen Hügel sattgrün, in den Tälern ist die Vegetation geradezu üppig dicht, und je weiter man sich von der N2 entfernt, desto ursprünglicher scheinen uns die Menschen und die traditionellen Rundhütten zu werden. Irgendwie begeben wir uns auch auf eine Art Zeitreise. Schwarzafrika, wie man es sich vorstellt! |
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Lasten werden, wie bei den meisten Afrikanern üblich, auf dem Kopf getragen, Babys mit festen Tüchern auf den Rücken gebunden. Die Gesichter einiger Xhosa sind mit einer Art weißer Lehmmaske eingeschmiert. Die genaue Bedeutung dieser Farbe konnte uns bisher niemand einleuchtend erklären. Es hat vermutlich etwas mit Jungfräulichkeit zu tun, andere sprechen von Trauer, wieder andere von Mannbarkeits-Ritualen. |
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Die Piste zur Küste wird immer holpriger und schlechter. Mit unserem Kombi hätten wir diese Fahrt wohl nicht geschafft. Tiefe, ausgewaschene Spurrillen und Schlaglöcher bedecken die Lehmstrasse und lassen sie während heftiger Regenfälle oft unpassierbar werden. Aber wir haben strahlend blauen Himmel, richtiges Traumwetter, und es gibt keine Schwierigkeiten unsere erste Unterkunft an der Wild Coast zu erreichen, das Ressort Kob Inn an der Mündung des Flusses Qora. Trotzdem benötigten wir für die knapp 70 km lange Strecke von Idutywa (an der N2) bis hierher gute zweieinhalb Stunden. |
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Das Kob Inn ist sehr gepflegt und geschmackvoll angelegt. In einem Garten mit subtropischen Pflanzen verteilen sich riedgedeckte Hütten. Es gibt ein Restaurant und eine großzügige Bar mit Blick auf das Meer. Selbst ein kleiner Swimmingpool fehlt nicht, den wir zur Abkühlung gleich ausprobieren. Unsere Hütte befindet sich nur wenige Dutzend Meter vom Meer entfernt, ein kurzer Fußpfad führt zur Flußmündung mit Sandstrand. |
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Auf einem Spaziergang erkunden wir die nähere Umgebung südlich des Ressorts. Die Überquerung des Qora (zu Fuß oder per Boot?) wird morgen gleichzeitig den Start unserer Wanderung darstellen. |
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Ja, jetzt sind wir endlich an der fast unberührten Wild Coast angelangt, die mangels küstennaher Pisten praktisch nur zu Fuß erkundet werden kann. Wir sind alle schon sehr gespannt auf die Wander-Etappen der nächsten Tage. |
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Den Rest des Nachmittags verbringen wir mit Relaxen. Da bietet es sich doch an, einen Drink an der Bar mit Blick aufs Meer zu genießen, oder eine kleine Runde Dart zu spielen. Am Abend werden in der Bar übrigens (kostenlos) frisch gefangene Austern mit Zitronensaft und Tabasco als kleiner Snack serviert. Sie schmecken einfach herrlich, obwohl ich normalerweise gar nicht so wild darauf bin. |
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Das mehrgängige Abendessen im Restaurant ist auch ziemlich gut. Verhungern werden wir jedenfalls ganz sicher nicht. Bevor wir zu Bett gehen, entdecken wir an einer von einem Scheinwerfer erleuchteten Wand einen riesigen Nachtfalter mit einer Flügelspannweite von gut 10cm. |
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22.02.2002: Kob Inn / Mazeppa Bay |
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Unmittelbar nach Sonnenaufgang bin ich schon auf den Beinen und besteige die Hügelkuppe hinter dem Ressort. Der Rundumblick von dort auf die Flußmündung und die Küste ist echt spitze! Dabei begegne ich einigen singenden Xhosa, die schon auf dem Weg zur Arbeit im Kob Inn sind. Da sich so gut wie keiner der Einheimischen ein Fahrzeug leisten kann (und bei den Straßenverhältnissen hier ohnehin nur geländegängige Fahrzeuge brauchbar sind), müssen von ihnen täglich weite Strecken zu Fuß zurück gelegt werden. |
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Ich mache noch einen Spaziergang zur Bucht nördlich des Ressorts und entdecke dabei, neben einem herrlichen Sandstrand, ein auf den Felsen aufgelaufenes, rostiges Wrack einer Segelyacht. Die Wild Coast ist bekannt für die vielen Havarien und Schiffswracks entlang der 280 km langen Küstenlinie. Auf dem Rasen vor den Hütten bieten einige Xhosa-Frauen handgearbeiteten Schmuck an. Bevor Simone sich richtig versieht, wird sie mit Perlenbändern und -kettchen geradezu überhäuft. Sie entscheidet sich für das eine oder andere schöne Stück, das umgerechnet etwa nur 1 Euro kostet. Für die Xhosa-Frauen ist es aber eine wichtige, vielleicht sogar die einzige Einnahmequelle. |
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Nach dem Frühstück machen wir noch eine kleine Bootsfahrt auf dem Qora River, die vom Kob Inn aus angeboten wird. Auf der Ladefläche eines Bakkies sitzend werden wir über den Hügel zur Anlegestelle am Fluss gebracht. |
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Dort wartet am sandigen Ufer schon ein Motorboot auf uns, das wir mit vereinten Kräften ins Wasser schieben. Dann fahren wir langsam den Fluss entlang, dessen Ufer mit dichtem Urwald bewachsen sind. Wir begegnen zwei angelnden River Rangern mit ihrem Boot. Dabei handelt es sich um ein staatliches Projekt zur Förderung der Selbsthilfe. Die Boote und die notwendige Ausrüstung zum Fischen wird von der Provinzregierung zur Verfügung gestellt, damit Leute aus der hier lebenden Bevölkerung durch Fischfang und -verkauf ihren Lebensunterhalt bestreiten können. |
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Leider ist der Erfolg dieses Projektes eher ernüchternd, da hier mal wieder die für uns Europäer so wenig verständliche, schwarzafrikanische Mentalität zur Geltung kommt: Viele der Boote liegen wochenlang ungenutzt am Ufer herum, da sich kaum jemand findet, der auf diese Weise sein Geld verdienen will. Das Festhalten an den alten Traditionen dieses Hirtenvolks erweist sich oft als Hemmschwelle. Dabei wimmelt es im Fluss geradezu von Fischen! |
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An einigen Stellen kommen die Fische so zahlreich vor, dass sie, aufgeschreckt durch unser Boot, in Gruppen aus dem Wasser springen. Einer landet dabei sogar fast auf Alides Schoß, was ihr einen ganz gehörigen Schrecken einjagt. Auch der Vogelreichtum ist recht groß. Wir sehen Giant Kingfisher und einige andere sich von Fischen ernährenden Vögel. Trompeter-Hornvögel fliegen hoch oben in den Bäumen von Wipfel zu Wipfel. |
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Als Alternative zur Rückfahrt per Boot entscheiden wir vier uns zur Wanderung durch den Urwald entlang des Flussufers zurück zum Kob Inn. Der Weg durch den dichten Wald, entlang an Felswänden, die von Wurzeln und Ranken überwuchert sind, ist auch sehr interessant. Wir begegnen großen, 15cm langen Tausendfüsslern, wie man sie auch in den Wäldern an der Gartenroute oder im Krügerpark findet. |
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Später kreuzen einige Trampelpfade von Rindern unseren Weg, so dass wir fast den richtigen Pfad aus den Augen verlieren. Aber nach ca. einer Stunde gelangen wir wieder zur Sandbank der Bootsanlegestelle. Die helle Mittagssonne läßt den Sand fast weiß erstrahlen. Das türkisblaue Wasser der Flusslagune und die subtropische Vegetation schaffen eine Szenerie, wie man sie sich eher auf einer Südseeinsel vorstellt. |
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Ein kurzer Fußweg über den Hügel bringt uns zurück zur Unterkunft, wo wir unsere Rucksäcke packen, und anschließend an der Bar bei kühlen Getränken auf unseren ersten Führer für die heutige Halbtagesetappe nach Mazeppa Bay warten. Anstelle eines Führers bekommen wir eine Führerin. Die junge Xhosa-Frau in der Kleidung einer River Rangerin heißt Ivy und wirkt auf uns ziemlich schüchtern. |
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Wir wollen sie kurz zum gegenseitigen Kennenlernen auf eine Cola einladen, doch bevor sie uns in die Bar folgen kann, mischt sich ihr (weißer) Vorgesetzter ein und verbietet ihr strikt, die Bar auch nur zu betreten. Dort sei der Zutritt nur für Gäste erlaubt. Wir finden diesen Rückfall in alte Apartheidszeiten ziemlich bescheuert und ärgern uns sehr darüber. Um Ivy aber keine Probleme zu bereiten, verzichten wir auf eine Diskussion, kaufen eine Coladose und nehmen sie einfach für sie mit. Wir geben sie ihr, wenn wir auf der Wanderung alleine unter uns sind. Da gerade Flut herrscht, werden wir nacheinander mit einem Ruderboot ans andere Ufer der Flußlagune gebracht. |
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Nachdem wir unsere Rucksäcke geschultert haben, kann die Wanderung auf dem Meander-Trail beginnen! Die heutige Etappe ist nur 6 km lang, also eher etwas zum Warmlaufen. Warm ist es auch wirklich, denn die Mittagssonne brennt mit aller Kraft, so dass wir trotz des einfachen Weges über den Sandstrand schon ganz schön ins Schwitzen kommen. Schon auf dem zweiten Strandabschnitt begegnen wir einigen Rindern, die es anscheinend genießen, am Strand zu liegen und sich zu sonnen. Der wirkliche Grund für den Strandaufenthalt der Rinder dürfte wohl eher die kühlere Luft am Meer sein, die sich schon spürbar von der Hitze im hügeligen Inland unterscheidet. |
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Eigentlich hätten wir für den heutigen, einfachen Weg am Meer entlang wirklich keine Führung benötigt, aber es handelt sich ja auch um eine Art Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für die örtliche Gemeinschaft. Schade ist, dass sich die Unterhaltung mit Ivy etwas schwierig gestaltet, da sie nur ein paar Wörter Englisch versteht. Vielleicht ist sie aber auch nur zu schüchtern, und hat als Job-Neuling gewisse Berührungsängste uns gegenüber. |
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Wir genießen jedenfalls den herrlichen Weg, vorbei an gewaltigen, bewachsenen Sanddünen und an einer versandeten Flußmündung. Die Brandung des Meeres ist das einzige Geräusch um uns herum, ansonsten begegnen wir keinem Menschen. |
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Nach der Mittagspause, bei der wir unsere Lunchpakete vom Kob Inn aufessen, lassen wir den Strand hinter uns und wandern einen grasbewachsenen Hügel hinauf zur kleinen Ansiedlung bei Mazeppa Bay. Dabei hüpfen uns im Gras auch immer wieder einige dieser farbenprächtigen Heuschrecken über den Weg. |
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Vor dem Eingang des Mazeppa-Bay-Ressorts verabschieden wir uns von Ivy, die sich sogleich wieder auf den Rückweg macht. An der Rezeption werden wir freundlich begrüßt, und man zeigt uns sofort unsere Zimmer. Das etwas in die Jahre gekommene Ressort hat zwar bestimmt schon bessere Tage gesehen, aber die Lage ist einfach wunderbar. |
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Die im mediterranen Stil erbauten Zimmer liegen unmittelbar nebeneinander, mit Blick auf's Meer. Das gesamte Hauptgebäude mit Restaurant und Bar wird zur Zeit gerade umgebaut und mit einem hohen Rieddach versehen. So wie der Bau aussieht, wird die Anlage richtig toll werden, wenn sie erstmal fertig gestellt ist. |
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Durch einen tropischen Garten mit vielen Palmen und wilden Bananen führt ein Pfad von den Zimmern hinunter zu einem traumhaften Sandstrand. Alide, Wolfgang und ich stürzen uns sogleich ins Meer, das aber viel kälter ist, als wir zunächst erwartet haben. Mehr als 16°-17°C dürfte das Wasser hier nicht haben. Die Folge einer kühlen Meeresströmung, die hier bis zur Küste gelangt. Ansonsten beträgt die Wassertemperatur des Indischen Ozeans an der Wild Coast mehr als 20°C, und es wird wärmer, je weiter man nach Nordosten kommt. |
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Vom Strand führt eine Hängebrücke zu einer kleinen, felsigen Halbinsel namens Shark Island, die bei Flut vom Festland getrennt ist. Leider ist die alte Brücke nicht mehr begehbar, aber wir haben Glück, denn dank totaler Ebbe können wir trotzdem trockenen Fußes die Halbinsel erreichen. |
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Delfine, die sich häufig in dem Gewässer rund um die Landspitze tummeln, bekommen wir heute leider nicht mehr zu sehen. Ein kräftiger, kühler Wind lässt uns dann auch nicht mehr allzu lange auf der Halbinsel verweilen. |
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Den Rest des Nachmittags verbringen wir ziemlich entspannt, indem wir uns an einer windgeschützten Stelle auf die angenehm warmen Felsen legen und uns die Sonne ins Gesicht scheinen lassen. Herrlich! Am Abend suchen wir vor dem Essen noch die improvisierte Bar auf, die ulkigerweise während der Umbauarbeiten in den Children's Dining Room umziehen musste. Das mehrgängige Abendessen mundet uns anschließend auch sehr gut. Um 21 Uhr liegen wir dann schon in der Falle. Da uns morgen die längste Tagesetappe (22 km) erwartet, wollen wir schon kurz nach Sonnenaufgang losziehen, um der Mittagshitze zu entgehen. |
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23.02.2002: Mazeppa Bay / Wavecrest |
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Das Aufstehen fällt uns gar nicht schwer, was vermutlich an der freudigen Erwartung auf die heutige Wanderung liegt. Das Frühstück müssen wir heute ausfallen lassen, da es erst ab 8.00 Uhr serviert wird. Wir bekommen dafür ein extra großes Lunchpaket eingepackt. Sam, unser nächster Xhosa-Führer, steht wie abgemacht pünktlich um 6.30 Uhr bereit. |
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Es handelt sich um einen netten, jungen Kerl, der uns im sanften Licht des Morgens in südwestlicher Richtung den Hügel hinab, über die versandete Mündung des Gcina Rivers zu einem einsamen, paradiesischen Strandabschnitt führt. |
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Die Strahlen der niedrig stehenden Sonne werfen unsere langen Schatten auf den feinen, von der Feuchtigkeit der zurückweichenden Flut noch festen Sand, auf dem es sich sehr angenehm laufen läßt. |
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Das Gewicht meines zusätzlich mit einigen Litern Trinkwasser beladenen Rucksacks, macht sich trotz des einfachen Weges schon bald unangenehm bemerkbar. Es war auf jeden Fall eine gute Entscheidung, so zeitig mit der Wanderung zu beginnen. Erst ab ca. 8 Uhr zeigt die strahlende Sonne langsam ihre Kraft. Doch bis dahin haben wir die ersten fünf oder sechs Kilometer schon hinter uns. |
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Die Vegetation entlang der Küste ist üppig grün und besteht aus dichtem Dünenwald mit dazwischen wachsenden, einheimischen Palmenarten und wilden Bananenpflanzen. Auf den grünen Hügeln, die die einzelnen Strandabschnitte abtrennen, wachsen zum Teil rot blühende Aloen. Alles wirkt so unberührt und ursprünglich, als sei hier außer uns noch nie zuvor ein Mensch gewesen. Das Volk der Xhosa scheint jedenfalls wenig Interesse am Meer zu haben, denn die ersten Behausungen finden sich erst kilometerweit landeinwärts. |
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Gelegentlich kreuzen wir kleine Flußmündungen und Lagunen, die aber meist nur einen schmalen Ausgang zum Meer haben, mit höchstens knöcheltiefem Wasser. Deren Überquerung ist natürlich ein Kinderspiel. An Tieren sehen wir außer zahlreichen Seevögeln eine faustgroße Landschnecke, einen Krebs und natürlich immer wieder die obligatorischen Kühe am Strand. Weiße Sanddünen mit phantastischen, vom Wind erzeugten Wellenmustern liegen auf unserem Weg, eine herrlicher als die andere. |
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In der Nähe der Mündung des Gqunqe Rivers machen wir Frühstückspause am Stony Point, wo einige Felsen ein Stück weit ins Meer hinein ragen. Hier sehen wir auch zum ersten Mal auf unserer heutigen Wanderung andere Menschen: es handelt sich um zwei weiße Südafrikaner, die mit langen Angelruten ausgestattet, ihr Glück versuchen. Nicht selten werden an der Wild Coast Fische (hauptsächlich Kabeljau) mit bis zu 30kg Gewicht gefangen. Nach 2 km über grasbewachsenes Weideland passieren wir die kleine Ansiedlung Cebe, dann folgt wieder ein mehrere Kilometer langer Sandstrand. Die Hitze nimmt nun spürbar zu. Langsam werden auch die Beine müde vom langen Gehen im Sand, und mein Nacken beginnt vom Gewicht des Rucksacks zu schmerzen. Warum habe ich auch soviel mitgenommen? |
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Bald erreichen wir ein beeindruckendes Dünenfeld beim Sandy Point. Im Schatten der Bäume der bewachsenen Dünen ruhen wir uns aus und machen Mittagspause. Nun trennen uns nur noch wenige Kilometer von unserer nächsten Unterkunft, dem Wavecrest-Hotel, an der Mündung der beiden Flüsse Ngqusi und Nxaxo gelegen. Die letzte Etappe des heutigen Weges erweist sich aber doch noch als ganz schön anstrengend, da wir die ganze Zeit auf weichem Sand laufen müssen. |
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Schließlich erreichen wir kurz nach Mittag, nach insgesamt nur 6 Stunden Marsch, den Nxaxo River. Nachdem wir uns von Sam verabschiedet haben (der heute Nachmittag noch die kompletten 22 km zurück laufen will!), werden wir mit Hilfe eines kleinen Ruderbootes hinüber zum Hotel gebracht. Für uns ist der Rest des Tages nur noch zum Erholen vorgesehen. Alide hat sich eine ordentliche Blase am Zeh geholt, ich habe mir meinen Schritt wund gescheuert, und erschöpft sind wir allesamt. Obwohl der Weg selbst ziemlich einfach war, machten uns die Intensität der Sonne und die hohe Luftfeuchtigkeit schon arg zu schaffen. |
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Unsere sehr großzügig dimensionierten Zimmer im Wavecrest-Hotel haben wieder Mal eine wunderbare Lage mit Blick auf den Fluss, die bewachsenen Sanddünen und auf den tiefblauen Ozean. Am frühen Abend treffen wir uns alle wieder in der Bar, spielen eine Runde Dart, trinken kaltes Bier und Pina Colada, und freuen uns schon sehr auf das heute angekündigte Seafood-Buffet. Dieses läßt dann auch nichts zu wünschen übrig, bis auf Langusten gibt es wirklich alles, was das Herz begehrt. Sehr lecker! |
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24.02.2002: Wavecrest / Trennery's |
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Unmittelbar nach Sonnenaufgang sind wir schon auf den Beinen. Wolfgang und ich schnappen uns jeweils eines der bereitstehenden Kajaks, und kurz darauf wird paddelnd ein Stückchen des Flusses erkundet, an dessen Ufern Mangroven wachsen. Gleich am Anfang segelt eine ganze Oystercatcher-Familie über unsere Köpfe hinweg. Auch Kingfisher und einige andere, in Wassernähe lebende Vogelarten können wir ganz gut beobachten. Die Zeit vergeht wie im Flug, so dass wir bald umkehren müssen. Unmittelbar nach dem Frühstück wollen wir unsere Wanderung fortsetzen. |
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Unser heutiger Führer trägt den schönen Namen Thimbalani, was in Xhosa soviel wie Hoffnung bedeutet. Es spricht sehr gut englisch und weiß eine Menge zu erzählen. Schon kurz nach 8 Uhr treiben uns die Sonne und die hohe Luftfeuchtigkeit den Schweiß aus den Poren. Zunächst müssen wir ein Stückchen landeinwärts eine Hügelkuppe überwinden. Nicht der geringste Lufthauch, nur drückende Hitze ist zu spüren. Wenn nur der schwere Rucksack nicht wäre... Anschließend führt uns ein Pfad durch ein subtropisches Waldstück, an großen Strelitzien, wilden Bananen und wilden Dattelpalmen vorbei. Ein bunter Knysna-Lourie flattert über uns in die Baumkronen. |
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Thimbalani führt uns hinunter zum Meer, wo uns eine angenehm kühle Prise entgegen weht. So läßt es sich schon gleich viel besser aushalten! Kurz darauf erreichen wir die Mündung des Flusses Kobonqaba, der den südlichsten Mangrovenbestand der Welt beherbergt. Es herrscht gerade Flut, was zur Folge hat, dass kaltes Meerwasser in die Flussmündung hinein strömt, und eine Durchquerung zu Fuß wegen der Wassertiefe für uns unmöglich macht. |
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Thimbalani organisiert für uns aber ein Ruderboot und bringt Simone und Wolfgang samt Gepäck ans andere Ufer. Alide und ich lassen uns vom kalten Wasser nicht abschrecken und schwimmen unter dem munteren Gelächter einiger Xhosa-Kinder, die wie aus dem Nichts aufgetaucht sind, ganz heldenhaft hinter dem Boot her. Brrrr, kaum vorstellbar, dass uns noch vor ca. einer Stunde so heiß war! Auf der anderen Seite angekommen, machen wir erstmal eine Pause, ziehen wieder trockene Klamotten an und wärmen uns langsam wieder auf. |
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Als wir unseren Weg fortsetzen, bekommen wir mit, wie einige Jungen ihren kleinen Hund mit einem Stöckchen schlagen, was vor allem Simone ziemlich wütend macht. Die Kinder schauen auf Simones Protest hin verdutzt drein und trollen sich. Hier treffen wohl sehr unterschiedliche Mentalitäten und Ansichten, wie man Tiere zu behandeln hat, aufeinander. Eigentlich steht es uns - meiner Meinung nach - aber auch nicht zu, darauf Einfluss zu nehmen. Schließlich sind wir nur Gäste in diesem Land. Der weitere Weg führt auf einer Sandpiste entlang, die ca. 100 Meter landeinwärts parallel zur Küste verläuft, immer in Sichtweite des Meeres. |
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Geschrei und Bewegungen im Gebüsch erwecken plötzlich unsere Aufmerksamkeit: eine Gruppe Vervet-Monkeys kreuzt den Pfad vor uns und verschwindet innerhalb von Sekunden wieder in der subtropischen Vegetation. Kurz darauf führt uns der Pfad hinunter zum Meer. Vor uns taucht unvermittelt das große Wrack der Jacaranda auf, eines im Jahre 1971 gestrandeten Frachters, der nun an einem von Dolerit-Felsen eingerahmten Strandabschnitt vor sich hin rostet. Genau der richtige Ort für unsere Mittagspause. |
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Das imposante Wrack lockt außer uns auch noch weitere Schaulustige an: einige Xhosa-Kinder und -Frauen nutzen den Strand zum Baden, und mit Hilfe eines Geländewagens hat auch eine weiße Familie den Weg hierher gefunden. |
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Wir ziehen mit Thimbalani an der Spitze weiter. Der Pfad windet sich eine zeitlang über Grasland und zwischen dunklen, quaderähnlichen Dolerit-Felsen hindurch, die uns mit ihren vielfältigen Formen faszinieren. Schließlich kommen wir zu einen langen Strand, auf dem sich eine ganze Rinderherde niedergelassen hat. Die Tiere scheinen wenig erfreut, aus ihrer Ruhe gerissen zu werden, lassen uns aber bereitwillig vorbei. |
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Am nächsten felsigen Küstenabschnitt begegnen wir einem Angler, der aber heute noch keinen großen Fang an Land gezogen hat. |
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Gegen Mittag erreichen wir die Lagune und die Mündung des Qolora-Rivers. Den Abfluss zum Meer hin können wir mit Leichtigkeit durchwaten. Die Hütten des Trennery's Hotel liegen hinter der Lagune auf einem Hügel, fast verborgen in einem Bestand dichten Buschwerks. |
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Während Thimbalani wieder den Rückweg antritt, checken wir im Trennery's ein, wo man uns sogleich ein kühles Willkommensgetränk reicht. Die riedgedeckten Hütten sind ganz gemütlich ausgestattet. Wegen der hohen Luftfeuchtigkeit riecht es innen ein wenig muffig. Ein Swimmingpool lädt zum Baden ein, aber ich bevorzuge erstmal eine kalte Dusche und fühle mich danach wieder richtig erholt. |
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Am Nachmittag ziehen ein paar Gewitterwolken auf. Ungeachtet dessen laufen wir gemeinsam zum benachbarten, am Meer gelegenen Seagulls-Hotel und nehmen dort an der Bar einen Drink zu uns. Wir hätten bei der Buchung der Wanderung auch die Möglichkeit gehabt, im Seagulls zu übernachten, aber die gesamte Anlage ist schon ziemlich alt und etwas renovierungsbedürftig, so dass wir mit unserer Entscheidung für das Trennery's doch ganz zufrieden sind. Auf dem Rückweg bekommt Simone starke Schmerzen in ihren Knien, was vermutlich auf die Belastung der letzten Tage zurückzuführen ist. Hoffentlich wird das bis morgen wieder besser. |
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Unser Hüttennachbar, ein Tierarzt, versorgt Simone mit einer Salbe für ihr Knie. Was Pferden gut tut, wird Menschen bestimmt nicht schaden! Am Abend beginnt es zu regnen. Bisher hatten wir mit dem Wetter ja auch wirklich großes Glück. Immerhin ist der Sommer in dieser Region die niederschlagreichste Zeit. Nach dem guten, mehrgängigen Essen, gehen wir auch gleich ins Bett. So eine Wandertour macht müde! |
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25.02.2002: Trennery's / Morgan Bay |
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Kein Aufenthalt im Trennery's wäre komplett ohne eine Wanderung auf Trevor's Nature Trail. Trevor ist ein seit Jahrzehnten hier lebender Südafrikaner, der die Umgebung samt Flora und Fauna genau kennt. Simone muss ihr Knie noch schonen und bleibt im Trennery's, während Alide, Wolfgang und ich mit Trevor und zweien seiner Leute ein Boot besteigen und um eine Flussbiegung des Qolora-Rivers fahren. Schon auf der kurzen Bootsfahrt sehen wir eine ganze Seeadler-Familie, die majestätisch über uns kreist bzw. wachsam von den Klippen aus den Fluss überblickt. |
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Wir legen an und wandern durch den artenreichen Wald im Flusstal. Unsere Führer wissen eine Menge über einzelne Pflanzen und Baumarten zu berichten. |
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Zweimal kreuzen wir den Fluss über Trittsteine und einen kleinen Damm, folgen einem Jeeptrack, in dem das Wasser vom Regen der letzten Nacht noch tief in den Spurrillen steht, bis wir wieder ans Ufer eines aufgestauten Bereiches des Flusses gelangen. |
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Dort steht ein weiteres kleines Boot bereit. Nachdem Trevors Begleiter den Außenboarder montiert haben, fahren wir langsam zu den sogenannten Gates. Dabei handelt es sich um einen tiefen Spalt im Dolerit-Gestein, der sich durch Faltung gebildet hat. Das Wasser des Flusses folgte dem kürzesten Weg und fließt nun durch die enge Schlucht. Kurz nachdem unsere Führer das Boot zwischen den senkrecht aufragenden Felswänden hindurch gesteuert haben, legen wir an, und haben die Möglichkeit, im lehmbraunen Wasser des Qolora zu baden. |
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Unsere Führer, und auch wir, wagen einige mehr oder weniger hohe Sprünge von den Felsenklippen in das tiefe Wasser, das zu unserem Erstaunen angenehm warm ist. |
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Nach der Badepause kehren wir mit dem Boot wieder um und fahren zu dem kleinen Damm. Auf einem Baumstamm im Wasser liegt eine Schildkröte, unterhalb des Dammes krabbelt ein Wasser-Leguan ans Ufer. Dieses Flusstal beherbergt wirklich eine Vielzahl an Tier- und Pflanzenarten. Alleine dafür ist diese nette kleine Wanderung schon zu empfehlen. Auf dem Rückweg nehmen wir einen alternativen Pfad, wandern einen Hang hinauf und können von den grünen Hügeln oberhalb sehr gut das bewaldete Flusstal überblicken. |
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Gegen Mittag sind wir wieder zurück im Trennery's, wo uns schon ein gutes Bobotie (traditionelles Kapgericht) zum Mittagessen erwartet. Dann wird es Zeit zum Aufbruch, denn immerhin liegen noch über 12km der letzten Etappe unserer Wanderung vor uns. Unser Führer für heute heißt Inod, ein etwas älterer, freundlicher Xhosa mit einem herzlichen Lachen, der uns gleich sehr sympathisch ist. |
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Am Nachmittag nimmt die Bewölkung wieder zu, was uns aber wenig stört, da es dadurch auch nicht so heiß wird. Der Weg ist jedoch ziemlich beschwerlich, denn die ersten Kilometer führen über sehr weichen Sand. Nicht gerade die besten Bedingungen für Simones Knie, aber sie kommt ganz gut damit zurecht, trotz des ganz ansehnlichen Tempos, das unser Führer vorlegt. Inod zeigt uns auf dem Weg Spuren menschlicher Besiedlung aus der Steinzeit (Abfallgruben mit gesammelten Muschelschalen, sog. Middens). Überhaupt ist dieser Strandabschnitt sehr interessant für Sammler, denn an vielen Stellen findet man Überreste großer Muscheln und Meeresschnecken. |
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Am Gxarha River erzählt uns Inod die Geschichte des Xhosa-Mädchens Nongqawuse, die im Jahre 1857 eine Vision an diesem Fluss hatte, dass das Volk der Xhosa die vorrückenden britischen Kolonisten zurück schlagen könnte, wenn es im Gegenzug als Opfergabe sein gesamtes Vieh töten würde. Die Folgen waren verheerend: nachdem die Xhosa über 300.000 Rinder und Ziegen in den Tod getrieben hatten, kam es im Anschluss zu einer Hungersnot, bei der über 20.000 Xhosa starben. Ein Beispiel aus der Vergangenheit, wie sehr der Aberglaube in der Kultur mancher afrikanischer Völker (auch heutzutage noch) verankert ist. |
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Wir folgen der Küste zur breiten Mündung des großen Kei Rivers. Ein Stückchen landeinwärts warten wir am Ufer des Flusses auf ein Fährboot, das uns auf die andere Seite bringen soll. Inod bleibt noch bei uns, bis die Fähre anlegt. Dann verabschieden wir uns von ihm, und er macht sich eilig auf den Heimweg, bevor der Himmel seine Schleusen öffnet, denn die Bewölkung ist mittlerweile sehr dicht geworden. |
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Das kleine Fährboot wird mit uns und einigen Xhosa bis zur Grenze der Kapazität voll geladen, dann überqueren wir für ganze R1,- pro Person die braunen Fluten des Kei. Damit lassen wir das Gebiet der Transkei hinter uns. Nun ohne Führer, wandern wir zum Nahe gelegenen Ort Kei River Mouth. Auf dem Weg dorthin hält ein Geländewagen neben uns. Dessen Insassen bieten uns an, uns die letzten 6 km zur nächsten Unterkunft bei Morgan Bay mitzunehmen, da sie ohnehin auf dem Weg dorthin sind. Aber wir lehnen (unvernünftigerweise, wie sich kurz danach heraus stellt) dankend ab, vielleicht aus Stolz, damit wir uns später nicht nachsagen lassen müssen, wir seien den Meander-Trail nicht komplett gelaufen. |
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Es kommt natürlich wie es kommen muss: kaum ist das Fahrzeug außer Sichtweite, beginnt es zu regnen. Nun, ein kleiner Schauer wird uns schon nichts ausmachen, denken wir, schließlich sind unsere Klamotten in den Rucksäcken wasserdicht verpackt, wir haben Regenjacken dabei und aus Zucker bestehen wir ja auch nicht. Aber natürlich bleibt es nicht bei einem kurzen Schauer, sondern es regnet sich richtig ein. Uns bleibt also nichts anderes übrig, als im strömenden Regen weiter zu marschieren. Es ist schon später Nachmittag, und wir müssen unser Ziel erreichen, bevor es dunkel wird. Sich irgendwo unterzustellen und abzuwarten hat keinen Sinn, da der Regen, so wie es aussieht, noch stundenlang andauern wird. Trotz Regenschutz werden wir mit der Zeit triefend nass bis auf die Haut, wie nach einer Dusche. Auf einer Schotterpiste wandern wir über eine große Hügelkuppe hinweg und nähern uns der Incharha-Lagune, an deren anderem Ufer uns das Morgan Bay Hotel erwartet. Irgendwie kommen uns diese 6 km verdammt lang vor! Bei jedem Schritt habe ich das Gefühl, in einen nassen Schwamm zu treten, so durchnässt sind meine Schuhe. Wir trösten uns damit, dass wir bis jetzt ja wirklich Glück mit dem Wetter auf unserer Wanderung hatten. Die letzte Hürde des heutigen Tages liegt schließlich vor uns: der prasselnde Regen hat den Wasserstand der Lagune ansteigen lassen, so dass wir zunächst befürchten, dass wir die Lagune durchwaten müssen. Aber an der Mündung erweist sich das Wasser zum Glück nur als knöcheltief. Andererseits: viel nasser als wir gerade sind, hätten wir ohnehin nicht werden können! Im Morgan Bay Hotel werden wir schließlich warm empfangen. Nachdem wir unsere nassen Sachen im Hotelzimmer zum Trocknen aufgehangen und uns heiß geduscht haben, fühlen wir uns schnell wieder wohl. Das Abendessen erweist sich auch als sehr lecker. Später lassen wir den Abend an der Bar in aller Ruhe ausklingen. Es war wirklich ein tolles und unvergessliches Erlebnis. Den Meander-Trail können wir wirklich uneingeschränkt empfehlen! |
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26.02.2002: Morgan Bay / East London / Hogsback |
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Im Laufe der Nacht haben sich die Regenwolken langsam aufgelöst, und wir erleben am Morgen einen herrlichen Sonnenaufgang. |
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Jetzt, im Sonnenlicht, können wir den phantastischen Meerblick aus unserem Zimmer erst richtig genießen. |
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Noch vor dem Frühstück mache ich einen kleinen Spaziergang zu den Klippen südlich von Morgan Bay. Die Luft ist nach dem Regen kristallklar und der Himmel tiefblau. Ideales Wetter, um ein paar schöne Fotos zu schießen. |
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Ein kleiner Pfad führt den grasbewachsenen Hügel hinauf und folgt der Küstenlinie direkt am Rand der steil zum Meer abfallenden Klippen. Der Blick von hier oben ist atemberaubend. Ganz unerwartet so früh am Morgen kommt mir auf dem Pfad Wolfgang entgegen, der ebenfalls die Idee zu einem morgendlichen Spaziergang hatte. Im Schlepptau hat er zwei kleine Hunde, die uns auf dem Rückweg zum Hotel auf Schritt und Tritt nachlaufen. |
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Unterwegs entdecken wir im Gras diese nahezu faustgroßen Landschnecken, die sich von uns beim Akt der Paarung aber nicht stören lassen. |
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Beim fürstlichen Frühstück im Hotel leisten uns die beiden Hunde, die unzweifelhaft hierher gehören, immer noch Gesellschaft. Anschließend verbringen wir die übrige Zeit, bis man uns abholt, am langen Strand von Morgan Bay. Wirklich schade, dass wir hier nicht länger bleiben können, denn es gibt in der Umgebung viele Möglichkeiten für interessante Aktivitäten (z.B. Kanufahrt auf dem Incharha, Wanderungen zu landschaftlichen Leckerbissen wie Double Mouth im Süden oder in den Küsten-Urwald des Kei Mouth Nature Reserve). In einem Kleinbus fährt man uns schließlich am späten Vormittag über eine anfangs sehr staubige Piste in rasantem Tempo wieder zurück nach East London. |
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In der Tourist-Info der Stadt besuchen wir Helen und Nita Ross von Wild Coast Holiday Reservations, berichten begeistert von unserer Tour und sammeln neue Ideen für künftige Wanderungen in der Transkei. Dann holen wir unseren Opel ab, machen noch einen kurzen Abstecher zu William im Meander Inn, um ihm am Notebook ein paar digitale Fotos unserer Tour zu zeigen, und bringen Alide u. Wolfgang anschließend zum Flughafen zur Autovermietung Avis. In den nächsten Tagen gehen wir wieder getrennte Wege, da die beiden nochmal die Gartenroute besuchen wollen, während Simone und ich uns Richtung Lesotho bewegen. In Kapstadt werden wir uns in ein paar Tagen jedenfalls wiedersehen, so dass der Abschied nur von kurzer Dauer ist. |
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Es ist für uns richtig ungewohnt, nach den gemeinsam verbrachten Tagen wieder ganz alleine zu sein. Es hat mit den beiden wirklich sehr viel Spass gemacht. Bis heute Abend wollen wir noch bis zu dem kleinen Ort Hogsback in den Amatola-Bergen kommen. Also verlassen wir die Stadt East London nach einem kleinen Mittags-Snack an einem Supermarkt, wo wir uns deftig gefüllte Teigtaschen in der Bäckerei kaufen. Auf der Schnellstrasse N2 erreichen wir in Windeseile King Williams Town, dort biegen wir ab auf die R63 Richtung Alice. Kurze Zeit später befinden wir uns wieder im Gebiet der ehemaligen Ciskei. Am Horizont im Norden tauchen schon die Amatola-Berge auf. |
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Eine halbe Stunde später ragen vor uns die bewaldeten Hänge der Berge auf und wir fahren den anfangs noch geteerten Hogsback-Pass hinauf, von dem aus man einen eindrucksvollen Ausblick hat. Leider darf man auf der kurvenreichen Straße wegen Unfallgefahr nirgends anhalten. Unvermittelt geht die Straße in eine Schotterpiste über und taucht in die Düsternis dichten Urwaldes ein. Wegen der vielen tiefen Schlaglöcher können wir nur noch sehr langsam und vorsichtig fahren. Plötzlich kommt uns auf der schmalen Piste mit ziemlich großer Geschwindigkeit ein Holztransporter entgegen. Zum Ausweichen ist wegen der Bäume kaum Platz, so dass der LKW nur um Haaresbreite an unserem Wagen vorbei saust. Das war knapp! |
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Kurz darauf tauchen die ersten Gebäude von Hogsback auf. Der Ort besteht im Grunde nur aus einer mehreren Kilometer langen Piste, die sich weiter den Berg hinauf durch den Wald windet, und einigen Häuschen und Unterkünften auf beiden Seiten der Straße, jeweils im Abstand von ein paar hundert Metern. Wir suchen uns eine Herberge, die unseren Preisvorstellungen entspricht, und werden bei der Arminel Mountain Lodge fündig. Diese vermietet preiswert nette kleine Cottages für 2 Personen inkl. Frühstück und Abendessen. Nach Sonnenuntergang wird es innerhalb kürzester Zeit lausig kalt. Man berichtet uns, dass es in Hogsback sogar im Sommer manchmal schneit. Immerhin befinden wir uns hier im Gebirge auf über 1400m Höhe. Der Gegensatz zur subtropischen Wärme der Küstengebiete des Eastern Cape könnte jedenfalls kaum größer sein. |
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27.02.2002: Hogsback / Aliwal North / Lesotho |
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Trotz warmer Fleece-Kleidung und elektrischer Heizdecke im Bett haben wir die ganze Nacht über gefroren. Und das in Afrika! Unglaublich! Daher fällt es uns um so leichter, früh morgens kurz nach Sonnenaufgang aufzustehen, und noch vor dem Frühstück einen Spaziergang in den Wald zum 39-Steps-Wasserfall zu machen. Nach der nächtlichen Kälte begrüßen wir jeden wärmenden Sonnenstrahl. |
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Der Waldweg ist sehr idyllisch. Vögel zwitschern um uns herum in den Baumwipfeln, und da und dort gibt es ein paar prächtige Blüten zu bewundern. Verständlich, warum Hogsback damals bei den englischen Kolonisten als Erholungsort so beliebt war. Obwohl die Gegend für Wanderer einiges zu bieten hat, ist es uns hier für einen längeren Aufenthalt aber definitiv zu kühl. |
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Nach dem Frühstück (mit unzähligen hausgemachten Marmeladen) brechen wir wieder auf und versuchen die Strecke über den steilen Michel's Pass abzukürzen, der nach Seymour führt. Anfangs ist die ungeteerte Nebenstrasse auch noch in ganz gutem Zustand. Von der Höhe aus haben wir einen beeindruckenden Ausblick auf die nördlichen Hänge der Amatola-Berge. Wir bekommen mit unserem Kombi allerdings echte Probleme, als wir den steilsten Teil des Passes mit ca. 14% Gefälle hinab fahren müssen. Starke Regenfälle haben die Piste ausgewaschen und tiefe Rillen in Richtung der Fahrspur erzeugt. Wenn wir dort mit den Reifen hinein geraten, kommen wir aus eigener Kraft nicht mehr heraus. |
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Der Rückweg ist uns auch versperrt, da dieser Pass bergauf ohne Geländewagen kaum befahrbar sein dürfte. Wir müssen also irgendwie durch! Simone steigt aus und lotst mich, während ich an den schwierigen Stellen im Schneckentempo versuche, Zickzack fahrend vorwärts zu kommen. Manchmal müssen wir beide zunächst große Steinbrocken zusammen suchen, um damit die bis zu 50cm tiefen Spurrillen auszufüllen, wenn wir die Spur kreuzen müssen. Das kostet Nerven. Nach ca. zwei Stunden(!) haben wir dann die nur 15km lange Strecke nach Seymour ohne Schaden überwunden. Das waren ja Pistenverhältnisse, wie wir sie bisher nur von Namibia her kannten! |
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Von Seymour geht es dann problemlos auf einer gut ausgebauten Teerstraße weiter über den sehenswerten Nico-Malan-Pass. Hinter dem Pass ändert sich das Landschaftsbild, denn wir erreichen ein wesentlich trockeneres Gebiet, das schon mehr an eine Halbwüste erinnert. Im Städtchen Queenstown kaufen wir uns ein paar Kleinigkeiten zum Essen und Trinken für unterwegs ein. Anschließend fahren wir auf der kaum befahrenen N6 in nördliche Richtung über den unspektakulären Penhoek-Pass, bis wir nach ungefähr eineinhalb Stunden Fahrt Aliwal North erreichen. Nach dem Besuch der dortigen, sehr gut mit Infomaterial ausgestatteten Touristinfo geht es am frühen Nachmittag weiter in die Provinz Free State. Vorbei an endlosen Weidezäunen und verhältnismäßig eintöniger Landschaft, erreichen wir am Nachmittag den Ort Wepener, nur wenige Kilometer von der Grenze Lesothos entfernt. |
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Der Grenzübertritt beim Van Rooyen's Gate nach Lesotho ist innerhalb von Minuten erledigt, nachdem man das typisch schwarzafrikanische Durcheinander erstmal durchschaut hat. An der Grenze nehmen wir auf die Bitte eines Beamten hin einen Anhalter mit zum nächstgrößeren Ort in Lesotho, dem kleinen Städtchen Mafeteng. Dieser rät uns, unbedingt die Geschwindigkeitsbegrenzung in Lesotho einzuhalten, da die Polizei diese streng kontrolliere. Allerdings scheinen wir die einzigen zu sein, die sich daran halten, da wir ständig von rasant fahrenden Minibus-Taxis überholt werden. Lesotho erinnert uns in vielerlei Hinsicht an die Transkei. Die meisten Bewohner sind relativ arm, leben hauptsächlich von geringfügiger Landwirtschaft für den Eigenbedarf, und wohnen in kleinen Hütten mit Ried- und Wellblechdächern, die über die Landschaft verstreut sind. |
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Weidezäune gibt es kaum, das Vieh läuft kreuz und quer über die Straßen. Besonders auffällig ist auch die große Zahl an Kindern überall, was ja ziemlich typisch für ein Drittweltland ist. Ebenso bemerken wir die Auswirkungen der starken Bodenerosion, die an vielen Stellen sichtbar sind. Der verhältnismäßig hohe Niederschlag in dem Gebirgsland hat im Lauf der Zeit tiefe Furchen in die durch Überweidung destabilisierten Hänge gerissen. Nach und nach verwandeln sich immer größer werdende Teile des Landes in unfruchtbaren Boden. Abgesehen von diesen negativen Tatsachen bekommt man als Besucher in Lesotho aber auch eine Menge vom traditionellen Leben der Bewohner mit. Den Kontrast zu unserer westlichen Lebensweise mit all der Technik und dem Wohlstand wird einem hier besonders bewusst. Kurz nach der Abzweigung zur Malealea-Lodge bei Motsekuoa werden wir von einer Polizeikontrolle angehalten. Nach einer kurzen Überprüfung unserer Papiere läßt man uns weiterfahren. Offensichtlich nur eine Routine-Kontrolle. Die Straßenverhältnisse sind erstaunlich gut. Erst kurz vor dem Gate-of-Paradise-Pass ändert sich das schlagartig, und wir müssen zahlreichen tiefen Schlaglöchern in der Piste ausweichen. Nach Erreichen der Passhöhe auf knapp über 2000m blicken wir in ein riesiges, weites Tal hinein, das auf allen Seiten von Bergen umschlossen ist. Lesotho ist übrigens eines der höchstgelegenen Länder der Welt. Selbst der tiefste Punkt des Landes liegt noch auf weit über 1000m Höhe. |
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Die Malealea-Lodge befindet sich weiter unten im Tal am Rande eines kleinen Basuto-Dorfes, das auf einer Anhöhe gelegen ist. Wenn es die Hinweisschilder nicht gäbe, würde man hier kaum eine Unterkunft vermuten. Ursprünglich handelte es sich bei Malealea um eine Handelsstation. Erst im Laufe der Zeit wurde diese Station erweitert und um komfortable Unterkünfte ergänzt. Die Lodge wird zwar von einer weißen Familie Lesothos geführt, aber viele Bewohner des Dorfes sind hier beschäftigt. Malealea hat sich zum wichtigsten Arbeitgeber im Tal entwickelt. Die weißen Besitzer engagieren sich auch sehr für die schwarze Bevölkerung des Tales. Mit Unterstützung der Regierung haben sie z.B. im Dorf eine Schule errichtet. Auch erfolgreiche Projekte zur Trinkwasserversorgung wurden ins Leben gerufen. |
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Wir übernachten in der Lodge in einem gemütlichen kleinen Rondavel, das von außen einer typischen Basuto-Hütte nachempfunden wurde. Am frühen Abend schauen wir uns etwas auf dem Gelände der Lodge um. Im Gegensatz zu vielen Touristen-Unterkünften in Südafrika, die oft mit Zäunen und Wachpersonal regelrecht abgeriegelt sind, haben hier die Dorfbewohner überall Zutritt. Es herrscht eine sehr entspannte Atmosphäre. Kriminalität ist in diesem Tal weitgehend unbekannt. Der Chor des Dorfes führt in der Lodge fast jeden Abend seine Gesangs- und Tanzkünste vor. Beides ist bei Schwarzafrikanern normalerweise untrennbar miteinander verbunden. Die Menschen haben eben einfach Rhythmus im Blut. Anschließend spielt die Band des Dorfes einige Stücke auf improvisierten Instrumenten, die sie sich aus alten Öltonnen, Ölkanistern und ähnlichem recycelten Material gebastelt haben. |
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Am Ende werde ich auch zum Tanzen aufgefordert, was die Mitglieder der Band zu herzlichem Lachen veranlasst. Leider spielen sie nicht sehr lange, da heute nur sehr wenige Zuschauer vorhanden sind. Selbstverständlich bittet man die Touristen um kleine Spenden als Alternative zum Eintrittsgeld. Da man weiß, dass die Einheimischen kaum Verdienstmöglichkeiten haben, gibt man allerdings gerne ein paar Rand. Das Abendessen findet in Form eines einfachen Buffets im Speisesaal der Lodge statt. Bei den Gästen handelt es sich hauptsächlich um Deutsche, Amerikaner und Südafrikaner. Viele von ihnen bereisen schon seit Wochen das Südliche Afrika. |
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27.02.2002: Lesotho / Malealea Lodge |
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Bekannt geworden ist die Malealea-Lodge in erster Linie durch ihr Pony-Trekking-Centre. Von hier aus kann man ein- oder mehrtägige Reittouren mit den kleinen, zähen Basuto-Ponys zu besonderen landschaftlichen Sehenswürdigkeiten im Land unternehmen. Diese Tiere sind auch heutzutage noch die wichtigste und zum Teil auch einzige Fortbewegungsmöglichkeit durch das gebirgige Gelände. Simone und ich haben uns heute aber für die lange Tageswanderung zum Botso'ela-Wasserfall und zu Buschmann-Zeichnungen entschieden. |
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Auch in Lesotho ist es empfehlenswert, für Wanderungen einen örtlichen Führer anzuheuern. Wir sprechen uns mit einem netten jungen Mann aus dem Dorf namens Peter ab, der uns am Morgen nach dem Frühstück am Tor der Lodge erwartet. |
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Er führt uns durch das Dorf, wo wir zum ersten Mal hautnah einen Eindruck vom Leben in diesem Tal bekommen. Elektrizität gibt es im ganzen Tal ausschließlich in der Lodge, erzeugt von einem eigenen Generator. Ein Auto kann sich kaum jemand leisten. Lange Wege werden im Allgemeinen zu Fuß oder auf dem Rücken eines Ponys zurück gelegt. Es gibt ohnehin nur wenige Straßen in Lesotho, und die abgelegeneren Gebirgstäler sind, wenn überhaupt, nur mit Geländefahrzeugen erreichbar. |
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Im Grunde hat sich seit Jahrhunderten nur wenig am alltäglichen Leben der Basuto auf dem Land geändert. Der Reichtum eines Basuto wird hauptsächlich an der Zahl seiner Nutztiere (Ponys, Rinder, Ziegen und Hühner) gemessen. Der lehmige Boden ist zwar fruchtbar, und es wird Mais, Obst und Gemüse angebaut, aber für eine größere landwirtschaftliche Nutzung ist das Gelände zu unwegsam. |
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Wir steigen ca. 200 Höhenmeter hinab zur Talsohle und folgen Peter entlang eines Flüsschens in ein Seitental. Die Landschaft um uns herum ist einfach großartig und erinnert uns stark an das Maluti-Gebirge beim Golden-Gate-Nationalpark an der nördlichen Grenze Lesothos. |
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Lesotho mangelt es nicht an Wasser. Aufgrund der Hochgebirgslage kommt es auch im Sommer fast täglich zu heftigen Gewittern mit starken Niederschlägen. Zahllose Wasserläufe durchziehen das Land, und auch die größten Flüsse Südafrikas entspringen hier. An manchen Stellen haben Flüsse das Gestein wie ein Messer durchschnitten und dabei tiefe Schluchten und ungewöhnlich geformte Auswaschungen erzeugt. |
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Wir folgen dem Lauf eines schmalen Nebenflusses stromaufwärts durch eine weitgehend unberührte und reizvolle Landschaft. |
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Das Seitental verengt sich zu einer Schlucht, und wir müssen immer wieder das Flüsschen springend und über Steine balancierend überqueren. Simone hat aufgrund ihrer kürzeren Beine dabei allerdings größere Schwierigkeiten als Peter und ich, aber mit gegenseitiger Unterstützung kommen wir alle prima voran. |
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Beim Laufen durch dichtes Gestrüpp bekomme ich einen Schreck, als ich plötzlich einen beißenden Schmerz am Hals verspüre. Aber es handelt sich zum Glück nur um einen Insektenstich, vermutlich von einer Wespe, die ich unbewusst aufgeschreckt habe. Schließlich erreichen wir nach ca. 2 Stunden Wanderung den Botso'ela-Wasserfall. Da das Wasser ziemlich kalt ist, und die Schlucht noch im Schatten liegt, verzichten wir auf ein Bad unterhalb der Fälle. |
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Dafür legen wir eine lange Pause ein und genießen in aller Ruhe dieses herrliche Fleckchen Erde. Peter erweist sich als sehr sympathischer Begleiter. Sein Englisch ist anfangs etwas schwer zu verstehen, aber im Laufe des Tages klappt es immer besser mit der Verständigung. |
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Als wir die Seitenwand der Schlucht hinauf steigen, bekommen wir zu spüren, wie heiß es bereits geworden ist. Schon bereuen wir, dass wir beim Wasserfall nicht schwimmen waren. Wir begegnen einigen Gästen der Malealea-Lodge, die gerade mit ihren Ponys und deren Führern oberhalb des Wasserfalls angekommen sind. Es ist wirklich erstaunlich, wie gut die Basuto-Ponys in diesem bergigen Gelände voran kommen. |
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Wir wandern wieder aus dem Seitental hinaus und verschnaufen oberhalb des Flusses für ein paar Minuten. Wir müssen eine ganze Menge trinken, und uns kommt es so vor, als kämen wir schneller aus der Puste wie gewöhnlich. Vermutlich hängt das mit der trockenen Höhenluft zusammen, an die wir uns erst gewöhnen müssen. |
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Wir überqueren eine Hügelkuppe, laufen durch ein kleines Dorf hindurch, in dem sich aber kaum jemand aufzuhalten scheint, und wandern ca. 2 weitere Stunden lang zur Schlucht des Makhaleng, des größten Flusses im Tal. Beim Makhaleng handelt es sich übrigens um den Quellfluss des Oranje Rivers, des längsten Flusses Südafrikas. |
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In der Schlucht sind auf einem sehr steilen Pfad einige Felsüberhänge zu erreichen, in denen die Ureinwohner des Südlichen Afrika, die San, zahlreiche Felszeichnungen hinterlassen haben. Das Alter dieser Buschmannzeichnungen ist schwer feststellbar. Die letzten San in diesem Gebiet dürften vor etwa 500 Jahren hier gelebt haben. Einige Zeichnungen könnten aber auch über tausend Jahre alt sein. |
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Dargestellt werden hauptsächlich Jagdszenen, rituelle Tätigkeiten und zum Teil auch Phantasiegestalten. Die am besten erhaltene Zeichnung stellt die Jagd auf eine Gruppe Elen-Antilopen dar. Die große Elen-Antilope galt bei den Buschleuten als Inbegriff für Stärke und Ausdauer. Dass die Farben dieser Zeichnung noch so gut erhalten sind, dürfte hauptsächlich an der sehr versteckten und geschützten Lage der Höhle liegen. Andere, leichter zugängliche Zeichnungen sind leider schon stark beschädigt. |
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Kaum haben wir die Schlucht verlassen, braut sich am Himmel ein Gewitter zusammen. Wir beeilen uns auf dem Rückweg zur Lodge, um nicht wieder in einen heftigen Regenschauer zu geraten. Unterwegs werden wir Zeugen einer Ausbesserungsmaßnahme nach Lesotho-Art: 4 Ochsen schleifen einen alten, beschwerten Gummireifen hinter sich her, um den Weg zu glätten. Kaum haben wir Malealea erreicht, beginnt das Gewitter zu toben und es fängt an zu gießen wie aus Eimern. Da haben wir ja nochmal Glück gehabt! |
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01.03.2002: Lesotho / Malealea Lodge |
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Am nächsten Morgen scheint die Sonne wieder von einem makellos blauen Himmel herab. Zunächst hatten wir vor, heute eine Pony-Trekkingtour zu unternehmen. Aber da ich (als blutiger Anfänger) die Befürchtung habe, danach drei Tage lang nicht mehr sitzen zu können, und Simone zu Beginn auch eine etwas kürzere Reittour bevorzugen würde, entscheiden wir uns für eine Wanderung am Morgen und einen kürzeren, einfachen Ritt am Nachmittag. |
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Unser heutiger Weg führt uns zur Pitseng-Gorge. Peter ist wieder unser Führer. Auf einem vom gestrigen Regen noch aufgeweichten und matschigen Weg laufen wir zum Rand der Schlucht, vorbei an kleinen Maisfeldern und Sisal-Algarven. |
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Dann folgt der Abstieg in die ca. 250m tiefer gelegene Pitseng-Schlucht. In der Schlucht begegnen uns einige Basuto-Frauen, die wohl auf dem Weg zum Dorf bei Malealea sind. Was für uns eine mehrstündige Wanderung bedeutet, ist für die Menschen hier der alltägliche Fußweg. |
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Wir folgen den Windungen der Schlucht, dank unserer Trekkingsandalen die meiste Zeit durchs fließende Wasser watend, das uns gerade bis über die Fußknöchel reicht. Wie sehr der Wasserstand hier anschwellen kann wird uns bewusst, wenn man sich den durch Erosionskräfte fast zu einer Röhre geformten Fels der Schluchtwand betrachtet. Das Gestein wurde durch im Wasser mitgeführte Sand- und Schlammmassen im Laufe der Zeit völlig glatt geschliffen. Wir kommen zu einer Stelle mit der Bezeichnung Cascades, wo sich eine kleine Seitenschlucht mit der Pitseng-Gorge vereint. An diesem Ort hat das Wasser kreisrunde Felsenpools, sog. Potholes, geschaffen, in die jeweils ein kleiner Wasserfall hinein fließt. Wäre das Wasser vom nächtlichen Regen nicht so schlammig, würden die natürlichen Whirlpools auf uns viel einladender wirken. Aber ein Bad zum Abkühlen muss schon mal sein! Simone und Peter verhalten sich dagegen eher wasserscheu. |
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Nach der langen Pause steigen wir auf einem steilen Pfad aus der Schlucht hinaus. Über das glatte Felsgestein machen wir sogar einen kleinen Wettlauf, gewinnen dadurch in null komma nichts an Höhe und können von weiter oben einen grandiosen Ausblick auf die Schlucht und die ganze Umgebung genießen. Auf dem Rückweg haben wir eine lange Unterhaltung mit Peter, der sich an vielen Dingen sehr interessiert zeigt. Besonders über das politische Weltgeschehen hat er viele Fragen, insbesondere zum Terroranschlag vom 11. September 2001 in New York und den daraus resultierenden Folgen. Da es keinen Fernseher und keine Zeitung in diesem Tal gibt, hat er damals nur Gerüchte davon vernommen. |
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Für uns, in der modernen westlichen Medienwelt aufgewachsenen Europäer, ist es mittlerweile so selbstverständlich, über solche wichtigen Ereignisse genauestens informiert zu sein. Dafür erfahren wir im Gegenzug einiges über die Geschehnisse im Jahr 1998, als es in Lesotho zu politischen Unruhen und Plünderungen in der Hauptstadt Maseru kam, bei denen auch eine unter südafrikanischer Leitung stehende multinationale Eingreiftruppe unter Beschuss geraten ist. Darüber dürften z.B. die meisten Europäer nur wenig wissen. |
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Wieder zurück in der Malealea Lodge setzen wir uns noch gemeinsam an die Bar und zeigen Peter anschließend am Notebook einige Fotos von der Digitalkamera (von denen er natürlich gerne einige Bilder nachgemacht haben möchte). Am Nachmittag machen wir zusammen mit ein paar anderen Touristen einen geführten Rundgang durchs Dorf. Anfangs besuchen wir eine typische Shebeen, wo wir selbst gebrautes Hirsebier und eine Art Traubenmost probieren können. Besonders groß ist die Freude bei einer Basuto-Familie, als Simone unsere gesammelten Bonbons unter den kleinen (und einigen großen) Kindern verteilt. |
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Innerhalb kürzester Zeit zieht am Nachmittag wieder ein Gewitter auf, was aufgrund des einsetzenden Regens zu einem jähen Abbruch unseres Dorfrundgangs führt. Nach dem Abendessen sitzen wir noch ein Weilchen auf der überdachten Veranda vor der Bar zusammen und verabschieden uns von den anderen Gästen, die wir hier kennen gelernt haben. Wir haben vor, am nächsten Morgen schon sehr früh aufzubrechen, um die 1.100 km nach Kapstadt möglichst an einem Tag zurück zu fahren. |
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02.03.2002: Lesotho / Karoo-Halbwüste / Kapstadt |
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An das Aufstehen kurz nach Sonnenaufgang, morgens um 6 Uhr, haben wir uns im Verlauf der Tour ja schon lange gewöhnt. Da wir am Abend zuvor schon alles zusammen gepackt haben, sind wir eine halbe Stunde später bereits unterwegs. Im Dorf nehmen wir eine junge Basuto-Dame mit, die unser Auto anhält. Es handelt sich um eine Lehrerin aus Maseru, die ihre Familie in diesem Tal wegen eines Trauerfalls besucht hat. Auf dem Weg nach Motsekuoa kommt es beinahe zu einem Zusammenstoß mit einem jungen Esel, der keinen Schritt von der Straße weicht, noch nicht mal dann, als unser Wagen nach einer Vollbremsung höchstens einen Meter vor dem Tier zum Stehen kommt. Erst anhaltendes Hupen vertreibt den störrischen Esel von der Fahrbahn. |
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Am Minibus-Taxistand von Motsekuoa, wo morgens schon hektische Betriebsamkeit herrscht, setzen wir die Lehrerin ab. Eine knappe halbe Stunde später erreichen wir schon den Grenzübergang. Bis auf die Kleinigkeit, dass man uns zunächst ein falsches Ausreisedatum in den Pass stempelt, haben wir keinerlei Probleme beim Grenzübertritt nach Südafrika. Kurz nach dem Ort Wepener überqueren wir den Caledon River und biegen auf die Schotterstrasse R701 ab, die uns am Caledon Nature Reserve vorbei durch das weite Farmland des Free State führt. |
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Im kleinen Ort Smithfield an der N6 finden wir einen tollen Bäckerladen, der frische, total leckere Backwaren verkauft, noch dazu zu einem Spottpreis. Genau das Richtige für ein Frühstück für unterwegs! Weiter führt uns der Weg, vorbei am Tussen die Riviere Game Reserve und dem großen Gariep-Staudamm, bis wir auf die Nationalstrasse N1 stoßen. Hinter Colesberg folgt stundenlanges Fahren geradeaus auf der N1 durch relativ eintönige, karge Landschaft, die sich zur Großen Karoo-Halbwüste ausweitet. Interessanter wird die Umgebung erst wieder, als wir die Three Sisters erreichen, drei auffällige Bergkuppen, an der Abzweigung zur N12. |
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Kurz nach Mittag durchfahren wir die Karoo-Stadt Beaufort West am Rande des Karoo-Nationalparks. Nun trennen uns nur noch ca. 5 Stunden Fahrt von Kapstadt. |
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Dann folgt lange Zeit kein Ort mehr, und wir fahren durch die trockene, endlos wirkende, aber dennoch faszinierend schöne Halbwüste. Südlich von uns ragen die Swartberge auf, hinter denen die Kleine Karoo beginnt. Die Tankanzeige neigt sich immer mehr dem Ende zu. Vielleicht hätte ich doch auf Simone hören und den Wagen in Beaufort West zur Sicherheit nochmal voll tanken sollen. Als die Warnlampe aufleuchtet, werden wir jedenfalls langsam nervös. Eigentlich müsste die Tankfüllung noch bis zur nächsten Tankstelle in Laingsburg reichen, aber einige Kilometer davor beginnt der Wagen zu stottern und die Zylinder zünden nicht mehr gleichmäßig. |
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Wie so oft haben wir aber wieder Glück: das letzte Stückchen Weg nach Laingsburg führt bergab, so dass wir mit dem letzten Tropfen Benzin bis zur nächsten Tankstelle rollen können. Simones Kommentar an dieser Stelle erspare ich dem Leser lieber. In Matjiesfontein, ca. 30 km hinter Laingsburg gelegen, benötige ich mal eine Pause von der langen Fahrt. Diese leicht zu übersehende, winzige Ortschaft an der Bahnlinie Kapstadt-Johannesburg lohnt immer einen Besuch. Der ganze Ort ist praktisch ein Freiluftmuseum alter britischer Kolonialbauten. |
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Paradestück im Ort ist das Lord Milner Hotel, in dem man als Gast noch von Angestellten in weißen Spitzenhäubchen bedient wird. Man fühlt sich ein Stück in die Vergangenheit zurück versetzt. |
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Aber auch die übrigen Gebäude sind sehr sehenswert. |
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Alles ist sehr geschmackvoll restauriert worden: selbst diese alten Shell-Zapfsäulen mit Handpumpe. |
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Dank dem Hinweisschild am alten Postgebäude finden wir schließlich auch den Weg nach Hause. ;-) Eine Stunde später gelangen wir über den Hex-River-Pass ins grüne Hex-River-Valley, den Beginn des Weinlandes. Die letzten 150 km über Worcester und durch die Gebirgsketten der Weinregion legen wir dann auch noch rasch zurück, so dass wir am Abend noch vor Sonnenuntergang wieder unser Häuschen in Kapstadt erreichen. Unsere Tour ist damit zwar zu Ende, aber in Kapstadt und Umgebung warten ja in den nächsten Tagen noch einige schöne Unternehmungen zusammen mit Alide und Wolfgang auf uns, die übermorgen bei uns eintreffen werden. - E N D E - Mein besonderer Dank gilt Wolfgang Peters, der mir netterweise eines seiner Fotos zur Verfügung gestellt hat. |
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Mario Anthes |