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Diesmal
führte uns die Fahrt ins Namaqualand, das sich von der Mündung
des Olifants River im Süden bis zur Grenze Namibias im Norden
erstreckt. Im Frühjahr erblüht das sonst trockene Buschland
in allen Farben, wenn Millionen Wildblumen und Sukkulenten ihre
Blüten der Sonne entgegenstrecken. Die widerstandsfähigen
Samen der Pflanzen ruhen während der Trockenzeit in der Erde und
keimen erst nach den Winter-Regenfällen im August und September.
Dieses Jahr war die Frühjahrsblüte ganz besonders
eindrucksvoll, da die Niederschlagsmenge im Winter weitaus höher
war als in den Jahren zuvor.
Da Bilder bekanntlich mehr als
tausend Worte sagen, habe ich den folgenden Bericht als dokumentierte
Fotosammlung gestaltet (man verzeihe mir bitte die langen
Ladezeiten... ;-)).
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In Kapstadt regnete es noch in Strömen, als wir auf der N7 nach Norden aufbrachen. Kurz hinter Malmesbury lockerte die Bewölkung schon etwas auf. Wir staunten nicht schlecht, als wir durch das sog. Swartland fuhren. Bis zum Horizont sahen wir nur sattgrüne Felder und Weideland und überall dazwischen riesige Pfützen und Tümpel, in denen sich das Regenwasser gesammelt hatte. |
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Wir kannten dieses Gebiet bislang nur als karges, trockenes Weideland für Schafe. Die sonst vorherrschenden Brauntöne der Landschaft hatten sich nach den Winter-Regenfällen in ein fruchtbares Grün verwandelt. |
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Einen besonders schönen Ausblick auf das grüne Farmland hatten wir vom Piekenaarskloof-Pass kurz vor Citrusdal. |
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Unmittelbar hinter dem Pass erreichten wir das fruchtbare Tal des Olifants-River. Die ersten Anzeichen des Frühlings zeigten sich dort schon in Form blühender Büsche, Bäume und Proteen. |
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Im südafrikanischen Winter findet in dieser Region die Haupterntezeit der Zitrusfrüchte statt. Entsprechend voll hingen die Orangenbäume auf den Plantagen. 7kg-Säcke mit zuckersüßen Orangen werden hier für umgerechnet 1 Euro verkauft. |
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An der Strecke zwischen Citrusdal und Clanwilliam gab es schon die ersten Wildblumen zu sehen. |
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Der Olifants-River, im Sommer nur ein kleines Rinnsal, hatte sich in einen breiten Strom verwandelt. Hinter dem Fluss steckten die Gipfel der Cederberge noch in den Wolken, aber je weiter wir nach Norden kamen, desto mehr kam die Sonne durch. Auch der Staudamm von Clanwilliam war so sehr gefüllt, dass man schon dabei war, große Mengen an Wasser abzulassen. |
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Nach Klawer ließen wir das Tal des Olifants-River hinter uns und erreichten kurze Zeit später Vanrhynsdorp. Selbst hier, am Rande des Namaqualandes, erwarteten uns anstelle trockener Halbwüstengebiete nur saftig grüne Wiesen und Blumen. |
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Von nun an führte die N7 durch kaum besiedeltes Gebiet schnurstracks weiter nach Norden. |
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Immer wieder hielten wir mal am Straßenrand, um die Wildblumen zu betrachten. |
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Die ungewöhnlich geformten Bokkeveldberge, die die Grenze zwischen Namaqualand und der Karoo-Halbwüste bilden, blieben bald hinter uns zurück. Wir genossen die Fahrt durch die unberührte und reizvolle Landschaft. Gebirgiger wurde es wieder rund um Kamieskroon, wo wir in den nächsten Tagen noch Station machen würden. |
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Aber unser erstes Übernachtungsziel war das Gästehaus Annie's Cottage im weiter nördlich gelegenen Springbok, der Hauptstadt des Namaqualandes mit rund 15.000 Einwohnern. Annie's Cottage ist zwar ein liebevoll ausgestattetes Gästehaus, allerdings fanden wir dafür den Zimmerpreis zu hoch, und die sanitären Anlagen waren stellenweise verbesserungsfähig. Unsere Erwartungen an eine von SATOUR ausgezeichnete Unterkunft wurden jedenfalls etwas enttäuscht. |
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Den Swimmingpool konnten wir noch nicht nutzen, da es um diese Jahreszeit definitiv noch zu kühl war. In der Nacht sanken die Temperaturen nochmals drastisch auf ca. 0°C. Zum Glück hatten wir einen elektrischen Heizkörper im Zimmer. Am Abend folgten wir der Empfehlung von Annies Sohn und besuchten das gemütliche, neue Restaurant Carne Casa in Springbok, wo wir bei Kaminfeuer ein ausgezeichnetes und sehr preiswertes Essen genossen. |
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Am nächsten Morgen machten wir nach dem Frühstück einen Rundgang durch das Städtchen, das von reizvollen Granitkuppen umgeben ist. Die Mehrzahl der Einwohner sind Nachkommen der Nama, einem Volk der Khoisan, die damals auch Hottentotten genannt wurden. |
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Das Touristenbüro von Springbok ist interessanterweise in einer alten Kapelle untergebracht. Dort ist viel Infomaterial über die nähere und weitere Umgebung zu finden. |
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Am späten Vormittag fuhren wir dann in das einige Kilometer außerhalb von Springbok gelegene Goegab Natur Reserve, einem der Highlights unserer Flowertour. |
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Noch war es ziemlich bewölkt, und die meisten Blüten waren leider noch geschlossen. Aber die Halbwüstenlandschaft mit den fremdartigen Köcherbaum-Aloen hatte auch ohne Sonnenschein ihren Reiz. Wir beschlossen den 12km langen Ian Meyers Hiking Trail zu laufen, einem Rundweg, der in die hinter dem Office liegenden Berge führt. |
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Auf dem Pfad sahen wir viele interessante Pflanzen, die sich perfekt an die Gegebenheiten der Halbwüste angepasst hatten. |
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Die Weite der unbesiedelten Landschaft erinnerte uns stark an Namibia. Während im Sommer die Temperaturen hier oft 40°C erreichen, und der Boden völlig ausgetrocknet ist, hatten wir jetzt im Winter zum Wandern angenehme 18° - 20°C. Überall kamen zwischen den Sukkulenten kleine Wildblumen zum Vorschein. |
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Auf dem Weg trafen wir Werner und Margret wieder, ein nettes Ehepaar aus Deutschland, das wir schon am Abend zuvor in Annie's Cottage kennen gelernt hatten. |
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Uns faszinierte immer wieder die Farbenpracht der kleinen Wildblumen. Deren Samen lagern manchmal jahrelang im ausgetrockneten Boden, bis die Regenmenge im Winter ausreicht, sie keimen zu lassen. |
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Kurz vor dem Ende des Trails lockerte die Bewölkung plötzlich auf, und die Sonne konnte ihre Kraft entfalten. Genau darauf schienen die Wildblumen gewartet zu haben, die ihre Blüten zur Mittagszeit nun gänzlich öffneten. Das folgende Naturschauspiel konnte man wirklich als Fest für jeden Fotographen bezeichnen. |
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Nach der schönen Wanderung machten wir noch eine kleine Pause am Office, dann stiegen wir ins Auto und versuchten auf einem Rundkurs durch das Naturreservat noch das eine oder andere Tier aufzuspüren. |
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In diesem Gebiet leben neben zahlreichen Reptilien auch noch 45 Säugetierarten, wie z.B. das Bergzebra, Oryx-Antilopen, Springböcke, Klipspringer, Ducker und Steinböckchen. |
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Leider bekamen wir in der kurzen Zeit keines dieser Tiere zu sehen, dafür aber eine traumhaft schöne Halbwüstenlandschaft mit Blumenfeldern, die stellenweise wie farbige Teppiche den Boden bedeckten. |
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Am Nachmittag verließen wir das Goegab Nature Reserve und fuhren wieder südwärts nach Kamieskroon, das in einem gebirgigen Hochtal liegt, umgeben von Granitkuppen. Das Gebiet um Kamieskroon gilt als die beste Gegend, um die Namaqualand-Blüte zu bestaunen. |
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Der Ort ist sehr klein und besteht fast nur aus einer Ansammlung von Häusern um eine kleine Kirche. Selbst inmitten des Ortes hatten die Blütenteppiche den kargen Boden in ein Farbenmeer verwandelt. |
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Wir übernachteten im Kamieskroon Hotel, einem einfachen, kleinen Landhotel am Rande des Ortes, das in der Hochsaison während der Blütezeit schon lange im voraus gebucht werden sollte. Der Eigentümer der Unterkunft ist ein bekannter Fotograph, der seinen Gästen auch professionelle Fotokurse und Vorträge über das Namaqualand anbietet. Sehr gut fanden wir auch das Frühstück und das Abendessen (mehrgängiges Menü), das uns im kleinen Restaurant des Hotels reserviert wurde. |
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Die Nächte im Hochtal von Kamieskroon sind im Winter regelmäßig so kalt, dass wir morgens eine richtige Eisschicht vom Auto abkratzen mussten (womit wir natürlich ein Problem hatten, da Eiskratzer in Südafrika nicht gerade zur Standardausrüstung eines Fahrzeugs gehören). Warme Klamotten sind also in dieser Zeit unbedingt notwendig, da die Häuser hier landesüblich auch keine Heizungen besitzen. Die Menschen, die hier leben, habe sich einfach an die extremen Temperaturunterschiede gewöhnt. |
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Am nächsten Tag standen wir schon zum Sonnenaufgang morgens um 6 Uhr auf und begannen nach dem Frühstück eine Rundfahrt, die uns zunächst wieder nordwärts in Richtung Springbok führte. Interessant anzusehen waren die dichten Nebelschwaden, die überall noch in den Tälern lagen und sich erst langsam in der Sonne auflösten. |
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Das Wetter war einfach perfekt. Strahlend blauer Himmel und angenehme Wärme machten unsere Fahrt durch die menschenleere Landschaft zum reinen Vergnügen. |
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Das erste Highlight auf der Strecke waren der Messelpad- und der Wildeperdehoek-Pass südwestlich von Springbok, eine völlig einsame Piste durch ein ausgetrocknetes Flusstal mit eindrucksvoller Halbwüstenvegetation. |
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Der eindrucksvolle alte Pass wurde in mühsamer Arbeit von Sträflingen errichtet. Die Ruinen des alten Gefängnisses waren noch auf dem Weg zu besichtigen. |
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Die Piste führte anschließend vom Hochland herab zur Küstenebene. Diese Gegend zählt zu den einsamsten und abgelegensten Gebieten des Landes. Nur ein oder zwei Fahrzeuge auf dem Weg und einige kleine Farmhäuser waren die einzigen Spuren menschlicher Besiedlung, die wir sahen. |
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Das einzig für Menschen Interessante in diesem Teil Südafrikas ist der Abbau von Diamanten, der hier beginnt, und bis weit nach Namibia hinein, vor allem rund um die Mündung des Oranje, betrieben wird. |
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Kurz vor dem trostlosen Ort Hondeklipbaai am Atlantik ist die ganze Umgebung durch den Diamantenabbau praktisch umgegraben worden. Die kalte Strömung des südlichen Atlantiks trägt dazu bei, dass die ganze Küstenregion meistens in Nebel gehüllt ist. Vor dem kleinen Hafen von Hondeklipbaai lagen einige wenige Boote von Langustenfischern vor Anker. |
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Das geschäftliche Zentrum des Ortes bestand lediglich aus diesem Postamt mit einer Benzin-Zapfsäule davor. Wir hatten hier das Gefühl irgendwo am Ende der Welt zu sein. |
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Die Rückfahrt in Richtung Kamieskroon fanden wir dagegen wieder um so schöner. Die staubige Piste schlängelte sich hinauf in die westlichen Kamiesberge, vorbei an kleinen Farmen und durch grüne Täler. |
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Im Hochland gab es wieder überall Unmengen an Wildblumen zu entdecken. Kaum vorstellbar, dass sich die Umgebung während der heißen Trockenzeit in den übrigen Monaten des Jahres wieder in eine karge Halbwüste zurück verwandelt. |
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Nach einem Tankstopp in Kamieskroon besuchten wir gegen Mittag den neuen Namaqualand Nationalpark (auch Skilpad genannt), der sich nur ca. 20 km außerhalb von Kamieskroon befindet. |
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Dort wurden selbst unser kühnsten Erwartungen übertroffen. Das gesamte Gebiet des kleinen Schutzgebietes bestand praktisch aus einem einzigen, natürlich entstandenen Blütenmeer. |
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Daisies, Aloen, Lilien und zahllose andere endemische Blütenpflanzen, insgesamt mehr als tausend Arten, wachsen hier. Ein einzigartiges Schauspiel, das auf der Welt seinesgleichen sucht. Wir hatten das wahnsinnige Glück, eine der besten Blütezeiten seit vielen Jahren zu erleben, eine Folge des regenreichen Winters in den westlichen Kapprovinzen. |
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Unsere Kamera stand jedenfalls nicht mehr still. Das Schauspiel übertraf in der Realität sogar bei weitem die Bilder der Blütezeit, die wir sonst nur von Postkarten her kannten. |
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Einzig schade war, dass der Nachmittag viel zu schnell verging. Daher konnten wir leider keine längere Wanderung mehr beginnen, sondern wir beschränkten uns auf einen Spaziergang auf einem kleineren Rundweg. Die Blumen bedeckten den Boden fast derart lückenlos, dass man es gar nicht vermeiden konnte, auf die zarten Pflanzen zu treten, was uns irgendwie leid tat. |
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Am nächsten Morgen verließen wir Kamieskroon und fuhren auf einer holprigen Schotterpiste über den Kamiesberg-Pass in die östlichen Kamiesberge, eine Region, die auch die Garten Route of Namaqualand genannt wird, da die durchschnittliche Niederschlagsmenge und -häufigkeit dort erheblich höher ist als im übrigen Namaqualand. |
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Wie feine Nebelschleier lagen im Hochland da und dort Wolken über den Bergkuppen. Ansonsten schien die Sonne von einem wunderbaren blauen Himmel herab. Was hatten wir doch ein Glück mit dem Wetter, denn ringsherum sahen wir noch die Reste der Regenschauer von vergangener Woche in Form von riesigen Pfützen. Anfangs war die Piste noch in ausgezeichnetem Zustand, doch je tiefer wir in die einsame Bergregion fuhren, desto mehr Schlaglöcher tauchten auf. Die Strecke war vom Regen sehr stark in Mitleidenschaft gezogen worden. |
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Nach einiger Zeit, und ohne zuvor auch nur einem anderen Fahrzeug zu begegnen, erreichten wir die alte Missionsstation Leliefontein, ein kleines Nest, in dem fast ausschließlich Nama wohnen. Auch wenn die Leute dort mittlerweile auch die meisten Häuser aus Stein errichten, findet man dazwischen noch einige der traditionellen, kuppelförmigen Riethütten der Nama. |
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Die weitere Fahrt erinnerte uns wieder lebhaft an unsere Namibia-Tour im letzten Jahr. Nicht nur, dass die Landschaft hier ebenso dünn besiedelt und genauso reizvoll war, ohne geländegängiges Fahrzeug hatten wir teilweise größere Schwierigkeiten manche Hindernisse zu überwinden. Am spannendsten war das Durchfahren gewaltiger Pfützen, denen man zuvor nicht ansehen konnte, wie tief sie waren. Durchquerungen von sandigen Abschnitten und kleineren Flußläufen waren dagegen geradezu harmlos. |
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Belohnt wurden wir dafür wieder mit reichlich Blumen und viel unberührter Natur. Am eindrucksvollsten waren die Wildblumen in der Umgebung der Farm Karas. Abgesehen vom Ralley-Feeling der Fahrt übernahm Simone den sportlichen Teil unserer Tour, da sie mindestens 20 mal geschlossene Viehgatter öffnen und wieder schließen musste, die uns den Weg versperrten. |
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Irgendwie hatten wir es dann nach ca. dreieinhalb Stunden und ungezählten Farmtoren später geschafft, die knapp 100 Kilometer auf Schotter- und Sandpiste bis nach Garies zu überwinden, wo wir wieder auf die geteerte N7 stießen. Trotz der strapaziösen Fahrt hatte sich der Abstecher in diese außerordentlich schöne, touristisch völlig unbekannte Region des Namaqualandes gelohnt. Die weitere Fahrt nach Süden unterbrachen wir nur noch da und dort, um die vielen Wildblumen zu fotografieren, deren Blüten bei diesem Traumwetter erst richtig zur Geltung kamen. |
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Am frühen Nachmittag erreichten wir wieder Clanwilliam im Tal des Olifants River. Nach einer kurzen Tank- und Einkaufspause überquerten wir auf dem spektakulären, ungeteerten Pakhuis-Pass die nördlichen Cederberge. Als nächste Ziele waren zunächst das blütenreiche Biedow-Valley und die abgelegene Missionsstation Wuppertal geplant, aber da die Zeit schon zu weit fortgeschritten war, und wir nach der langen Fahrerei das Bedürfnis hatten, uns mal wieder etwas zu bewegen, machten wir unterwegs bei der Farm Traveller's Rest halt, um uns die alten Felszeichnungen der San anzusehen. |
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Die Zeichnungen sind alle entlang des Sevilla Trails zu erreichen, einem einfachen Wanderweg durch die bemerkenswerte Landschaft der Cederberge mit den eindrucksvollen Felsformationen. Obwohl es sich bei großen Teilen des Gebietes um privates Farmland handelt, hat die Landschaft ihre Ursprünglichkeit kaum verloren. Nur der große Wildreichtum und die Ureinwohner sind seit der Besiedlung durch die Europäer praktisch verschwunden. |
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Bei den San, auch unter der Bezeichnung Buschmänner bekannt, handelte es sich um die Ureinwohner Südafrikas, die schon seit Jahrtausenden in diesem Gebiet als Jäger und Sammler gelebt hatten. Gerade in den Cederbergen kann man noch viele alte Felszeichnungen dieses Volksstammes entdecken. |
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Dank des trockenen Klimas haben die Zeichnungen viele Jahrhunderte oder gar Jahrtausende überstanden. Während die Zeit den Kunstwerken kaum geschadet hat, geht heutzutage eine größere Gefahr von Vandalismus durch Touristen aus. Zum Glück waren die meisten Zeichnungen noch in gutem Zustand. Anderswo ist es leider schon notwendig geworden, solche Felszeichnungen hinter Glas und Gittern zu schützen. |
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An diesem Nachmittag staunten wir auch nicht schlecht, wie warm es geworden war. Satte 27°C zeigte das Thermometer, und das im Wintermonat August. Nach der hochinteressanten Wanderung fuhren wir wieder über den Pakhuis-Pass zurück nach Clanwilliam. |
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Von dort ging es wieder südwärts bis nach Citrusdal. An der Abzweigung zu unserem nächsten Übernachtungsziel, The Bath, nahmen wir noch einen Anhalter mit, der uns gleich den richtigen Weg zeigte. |
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Das kleine Thermalbad liegt etwas versteckt in einer bewaldeten Schlucht am westlichen Rand des Olifants River Valley. |
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In den Bergen entspringt eine Thermalquelle mit 42°C heißem Wasser, das in einem Bach die Schlucht hinunter fließt. In The Bath wird dieses Wasser einfach in große Schwimmbecken und Whirlpools geleitet. Rund herum gibt es einige schöne Unterkünfte und einen Campingplatz. Als Übernachtungsgast kann man bis spät in die Nacht hinein in den warmen Becken schwimmen gehen und sich herrlich entspannen. Zum Erfrischen gibt es auch Becken mit kaltem Wasser. |
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Unsere neue und sehr gepflegte Hütte (Wild Olive) lag zwar etwas abseits am Eingang der Schlucht, dafür hatten wir aber von der Veranda aus einen herrlichen Blick ins Tal und auf die südlichen Cederberge. |
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Wir hatten sogar eine eigene Open-Air-Badewanne, die auch von dem warmen Wasser gespeist wurde. |
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Auch zwei gute südafrikanische Freunde von uns, Yvonne und Francois, waren mit ihrem Wohnwagen am Campingplatz anwesend. Gemeinsam grillten wir am Abend und hüpften anschließend noch zusammen ins warme Thermalbecken. Jetzt in der Nebensaison waren außer uns nur relativ wenige andere Gäste anwesend, so dass wir fast alles für uns alleine hatten. |
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Am nächsten Vormittag bereiteten uns Yvonne und Francois ein leckeres, herzhaftes Frühstück zu, bevor wir zusammen eine kleine Wanderung machten, die uns zum oberen Rand der Schlucht führte. Von dort hatten wir eine tolle Aussicht auf The Bath und auf das Tal des Olifants River. |
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Auf dem Weg gab es auch einige interessante Tierchen und Pflanzen zu beobachten. Bei Wanderungen sollte man immer auch auf die Kleinigkeiten am Wegesrand achten. Man kann bei genauem Hinsehen eine ganze Menge entdecken. |
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Zum Beispiel diesen Klopfkäfer oder die winzige Blüte einer insektenfressenden Sonnentau-Pflanze. |
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Am Mittag machten wir noch einen kurzen Abstecher ins Tal, um uns dort die Blumen und die Orangenplantagen anzusehen. Den Rest des Tages verbrachten wir wieder mit Sonnen und Baden in The Bath. Entspannung pur bei fast sommerlichem Wetter! |
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Abends verwöhnten uns Yvonne und Francois wieder mit ihren Grill- und Kochkünsten. Wir zeigten ihnen unsere Blumenfotos am Notebook, und so saßen wir noch den ganzen Abend zusammen in ihrem kleinen Wohnwagen Mathilda und hatten noch viel Spaß miteinander. |
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Am nächsten Morgen war es dann vorbei mit dem herrlichen Sonnenwetter. Der Himmel hatte wieder die Schleusen geöffnet, so dass wir uns gleich in der Frühe von Yvonne und Francois verabschiedeten und bei strömendem Regen zurück nach Kapstadt fuhren. Wir hatten auf dieser kurzen Tour jedenfalls umwerfend schöne Eindrücke gewonnen, die uns noch lange in Erinnerung bleiben werden. |
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- E N D E -
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Mario Anthes |