Südafrika / Gartenroute, Januar 2001

Zielorte:
Dauer:
Reiseveranstalter:

Zeitraum:
Südafrika (Gartenroute)
6 Tage
selbstorganisierte Tour mit eigenem PKW
11.01.2001 - 16.01.2001

Bericht ohne Fotos (33 KB)

Diese einwöchige Tour an die Gartenroute (unser 4. Besuch dieser Gegend Südafrikas) steht ganz im Zeichen sportlicher und erholsamer Tätigkeiten wie Wandern und Kajakfahren. Wir haben uns diesmal die ganze Woche in Zade's „C“ Lodge einquartiert, in einer Traumlage direkt am langen Strand von Wilderness. Wilderness ist ein prima Ausgangspunkt zum Erkunden der Gartenroute, da mehr oder weniger alle interessanten Orte dieses Gebiets in Reichweite von Tagesausflügen liegen.

Zum ersten Mal haben wir auf einer mehrtägigen Reise auch unser Doppelkajak dabei, das wir auf dem Dach unseres Kombis transportieren können. Das Seengebiet des Wilderness-Nationalparks und die vielen Flüsse und Lagunen an der Gartenroute eignen sich bestens dazu mit dem Boot erkundet zu werden.


Donnerstag, 11.01.2001: Wilderness


Alles fertig gepackt und das Kajak auf dem Dachgepäckträger fest gezurrt, fahren wir am frühen Morgen von zuhause in Kapstadt aus auf direktem Weg nach Swellendam, der drittältesten europäischen Ansiedlung Südafrikas, vor dem Hintergrund der Langeberge. Dort frühstücken wir erstmal in aller Ruhe, bei herrlichem Sonnenschein draußen im Garten sitzend, im gemütlichen „Old Mill“-Restaurant (am Ortseingang direkt an der ruhigen Hauptstraße gelegen. Empfehlenswert sind hier vor allem die gefüllten Pfannkuchen).



Zwei weitere Fahrstunden bringen uns an Mossel Bay vorbei, wo offiziell die Gartenroute beginnt, jener Küstenstreifen, der so ungleich viel mehr Niederschlag erhält wie das halbwüstenartige Gebiet der Kleinen Karoo, das sich unmittelbar hinter den hoch aufragenden Gebirgen der Outeniquas, und weiter östlich, der Tsitsikamma-Berge erstreckt. Dieser Niederschlag, der bevorzugt auch in den Sommermonaten auftritt, sorgt dafür, das sich eine üppig grüne Pflanzenwelt diesseits der Berge bilden konnte. Die größten noch verbliebenen Urwaldgebiete des Landes bedecken die Hügel und die Berghänge von George, über Knysna bis hin zum Tsitsikamma-Nationalpark ganz im Osten der Gartenroute. Zusammen mit den zahlreichen Flüsschen, die sich dem Indischen Ozean entgegen schlängeln, den Seen und Lagunen und den vielen, nahezu unberührten Sandstränden machen diese landschaftlichen Merkmale den Reiz dieses Gebietes aus. Hinzu kommt natürlich noch die nahezu perfekte Infrastruktur und ein riesiges Angebot an guten Unterkünften und Restaurants, so dass aus touristischer Sicht kaum Wünsche offen bleiben.

Mit (Schwarz-)Afrika hat dieses Gebiet natürlich nichts zu tun, es ist relativ dicht besiedelt, und nur noch in den zahlreichen Schutzgebieten wirklich ursprünglich. Viele Touristen durchqueren dieses Gebiet allerdings nur rasch auf der Schnellstraße N2, ohne auch nur einen dieser speziellen Plätze zu sehen oder auch nur etwas davon zu ahnen. Daher kann ich jedem Besucher der Gartenroute nur raten, sich erstens Zeit zu nehmen (mind. 1 Woche) und zweitens, wenn möglich, nicht auf die Wanderschuhe im Gepäck zu verzichten. Die Gartenroute ist nämlich eines der schönsten Wandergebiete der Welt! Dazu ein Buchtipp: „Best Walks of the Garden Route“ von Colin Paterson-Jones, erhältlich in vielen Buchläden z.B. in Kapstadt. Dieses Büchlein enthält genaue Beschreibungen und Karten der schönsten Wanderungen, sowie kurze Erläuterungen über Flora und Fauna (vor allem die reichhaltige Vogelwelt) des Gebiets.

Nun aber wieder zurück zum eigentlichen Bericht:

Eine halbe Stunde Fahrzeit hinter Mossel Bay passieren wir die Abfahrt nach George, fahren den kurvigen Kaimaans River Pass nach Wilderness hinab zum Meer und treffen wenige Minuten später in Zade's „C“ Lodge ein, wo uns unsere gute Bekannte und Gastgeberin Zade herzlich begrüßt. Von ihrem Haus aus, das direkt auf den üppig bewachsenen Sanddünen oberhalb des kilometerlangen Strandes von Wilderness liegt, werden wir die nächsten Tage einige schöne Touren in die Umgebung starten.



Wir haben wieder das Appartement im ersten Stock mit freiem Blick auf den Indischen Ozean, wo fast täglich Delfine vorbei ziehen. Ein privater Strandzugang lädt zu einem Bad im Meer ein, allerdings sollte man die starke Brandung und Strömung nicht unterschätzen.

Am Nachmittag bringen wir unser Kajak an die Lagune des Touws River nahe der Mündung und paddeln von dort aus flussaufwärts in den Wilderness Nationalpark. Ganz schön anstrengend gegen die Strömung, aber wir können uns ja Zeit lassen. Nachdem wir die beiden benachbarten Nationalpark-Camps Ebb & Flow South und -North passiert haben, gelangen wir in das kleine urwaldbewachsene Flusstal, durch das auch der Giant Kingfisher Trail führt, den wir schon mehrmals entlang gewandert sind. Vom Wasser aus gesehen hat man allerdings eine ganz andere Perspektive. Man kann fast lautlos langsam vorwärts paddeln und hat auf diese Weise beste Aussichten Vögel zu beobachten. Wunderschön und sehr erholsam. Wir entdecken Kingfisher und einen farbenfrohen Knysna Lorie, der über die Baumwipfel hinweg fliegt. Leider wird das Flüsschen nach kurzer Zeit schon so flach, dass wir unser Boot ein Stück über eine Sandbank schieben müssen. Wenige hundert Meter weiter ist dann kein Weiterkommen möglich. Wir machen eine kurze Pause an Land und fahren anschließend wieder flussabwärts, wobei wir uns in aller Ruhe von der leichten Strömung trieben lassen können.

Am Ausgang des Tals biegen wir in den Serpentine ein, einem kanalartigen Nebenflüsschen, das sich in zahllosen Windungen zum Onder Langvlei schlängelt, einem Süßwassersee, nur wenige hundert Meter vom Meer entfernt. Doch der Weg dorthin übers Wasser ist weit, so dass wir nach knapp eineinhalb Stunden umdrehen und gemütlich zurück zu unserem Anlegeplatz an der Lagune paddeln. Nach fast drei Stunden Kajakfahren spürt man seine Arme ganz schön, und die Hände bekommen auch schon die ersten Schwielen. Für heute ist es also genug. Es hat aber wirklich sehr viel Spaß gemacht und dies wird nicht unsere letzte Paddeltour in dieser Gegend gewesen sein.

Das Abendessen nehmen wir im „Kingfisher“-Restaurant in Wilderness ein. Es gibt gegrillte Prawns, Calamari und gefüllte Straußenfilets. Sehr lecker!


Freitag, 12.01.2001: Kranshoek-Walk


Heute sind wir früh aufgestanden, haben uns selbst eine Kleinigkeit zum Frühstück gemacht, und sind gleich darauf über Knysna in Richtung Plettenberg Bay gefahren. Wir wollen heute eine neue Wanderung ausprobieren, den Kranshoek-Walk, an der dramatischen Felsenküste auf halbem Weg zwischen der Knysna-Lagune und der Robberg-Halbinsel gelegen. An der Abzweigung zur Harkerville Forest Station führt eine Schotterpiste ein paar Kilometer zur Kranshoek Nature Reserve & Picknick Site, an dessen Zufahrt eine kleine Eintrittsgebühr fällig ist. Kurz darauf führt die Piste durch herrlichen Urwald hinab zum Küstenplateau, wo man an den Picknickplätzen unter Bäumen parken kann.

Die Wanderung führt uns am Wasserfall des Kranshoek-River vorbei und hinab in die dichtbewaldete Schlucht, die sich etwa einen Kilometer weiter zur Mündung ins Meer öffnet. Der Pfad hinunter zum Boden der Schlucht ist relativ steil, aber gut befestigt. Trotzdem machen die zahlreichen Stufen Simones Knien zu schaffen. Am Grunde der Schlucht folgen wir dem Bachlauf und fühlen uns in ein Naturparadies versetzt. Kein Mensch weit und breit, nur die typischen Geräusche des Waldes und das Plätschern des sauberen Wassers hören wir um uns herum. Es ist heute sehr warm (ca. 33°C), und daher genießen wir es mehr als einmal, unsere Füße in dem kalten Wasser abzukühlen.

Das dichte Blätterdach öffnet sich über uns, kurz bevor wir das Meer erreichen. Der Bach plätschert hier über große rundgeschliffene Steinbrocken in den Ozean. Dieser Küstenabschnitt gehört zu den bizarrsten und dramatischsten Felsenküsten, die wir bisher gesehen haben. Die geologischen Kräfte haben hier in der Vergangenheit die Gesteinsschichten fast vertikal nach oben gedrückt. Durch die starke Erosion des Sandsteins sind phantastische Formen entstanden. Wie die Klauen eines gigantischen Ungeheuers ragen die verwitterten Felsen ins Meer hinaus. Wir genießen die beeindruckende Szenerie und beobachten eine Gruppe Paviane, die auf der anderen Seite der Bucht verspielt über die Felsen springt.



Nach der Pause beginnt der anspruchsvollere Teil der Wanderung. Über die Felsen führt der Pfad stetig auf und ab, die Sonne und die Hitze machen uns ganz schön zu schaffen. Aber nach jeder Hürde belohnt uns ein neuer, meist noch eindrucksvollerer Ausblick auf die unwegsame Küste.

Mal taucht der Pfad in dichtes Buschwerk ein, dann steigt er wieder über 100 Höhenmeter an, um einen extrem steilen Felsenabbruch zu umgehen, und führt wieder hinab auf Meereshöhe. Immer begleitet uns dabei das Geräusch der brechenden Wellen. Der Weg ist einfach traumhaft, wenn auch ziemlich anstrengend!



Einmal verfehlen wir den Pfad auf dem felsigen Untergrund und sind gezwungen ein steiles Geröllfeld hinauf zu klettern. Das ist gar nicht so ohne, aber es ist uns einfach zu heiß, ein längeres Wegstück zurück zu gehen, um den verlorenen Pfad wieder zu finden. Dabei löst sich ein Steinbrocken unter meinem Fuß, was eine kleine Lawine auslöst. Zum Glück klettert Simone nicht unmittelbar unter mir. Das Gelände erfordert wirklich große Trittsicherheit und viel Aufmerksamkeit. Aber wir erreichen ohne weitere Probleme erneut den Pfad, und von da an wird es wieder wesentlich einfacher.

Der Rest des Weges führt mehr oder weniger gemütlich bergab und auf ebenerem Gelände entlang der See bis zu einer zweiten, kleinen Flußmündung, wo die Felswände einer bewaldeten Schlucht weichen. Nach einer letzten Pause folgen wir dem Verlauf des Pfades, der an dieser Stelle in zahllosen Kehren steil durch den Wald bergauf führt. Nach ca. 200 Höhenmetern haben wir wieder die Höhe des Küstenplateaus erreicht, und können nochmal den atemberaubenden Blick hinunter in die Schlucht bewundern. Der Weg zurück zum Fahrzeug zieht sich dann nochmal ziemlich in die Länge und bietet uns keinen Schatten. Eine gelegentlich auftretende kühle Prise und der völlig ebene Pfad machen den Rückweg für uns dann doch noch recht angenehm. Insgesamt handelt es sich bei dem Kranshoek-Walk um eine fast vierstündige, ordentlich anstrengende Wanderung, zumindest bei dieser Hitze. Aber die spektakuläre Landschaft entschädigt voll dafür.



Heute Abend haben wir uns das Essen im Restaurant „Pirate's Creek“, nur wenige hundert Meter von Zades Haus entfernt, auch wirklich verdient. Ich beschreibe jetzt nicht wieder all die Leckereien, die wir uns eingefahren haben!


Samstag, 13.01.2001: Groeneweide-Forest


Über Nacht ist eine Kaltfront heran gezogen und hat den Sommer kurzzeitig beendet. Draußen regnet es und die Temperaturen liegen nur noch bei ca. 18°C. Kaum fassbar, aber diese heftigen Temperatur- und Wetterunterschiede von einem Tag auf den anderen haben wir an der Gartenroute schon öfter erlebt. Zum Glück haben wir auch ein paar lange Klamotten eingepackt, und eine Regenjacke gehört sowieso immer ins Gepäck. Auf das Bootfahren, wie ursprünglich geplant, müssen wir heute natürlich verzichten. Da Simone aber ohnehin unter heftigem Muskelkater von der gestrigen Wanderung leidet, legen wir heute ganz einfach einen Ruhetag ein.

Den ganzen Tag nur mit Lesen und Faulenzen zu verbringen ist aber doch nicht ganz mein Ding, so dass ich später die wenigen Kilometer hinauf zu den Wilderness Heights fahre und von dort die Abzweigung zur alten Passstraße nach George nehme, die hinab in den Groeneweide-Urwald führt und dort über viele Kurven zwei tief eingeschnittene Flusstäler überwindet. Diese Strecke ist sehr schön und eine gute Alternative zur Schnellstraße N2, die George und Wilderness verbindet.



Am Ende des Passes, wenige Kilometer außerhalb von George liegt das Saasveld-College. Auf dem Universitätsgelände dort parke ich unseren Wagen und beginne die Wanderung in den Urwald, der von einem Netz von schmalen Pfaden durchzogen wird. Schon nach kurzer Zeit beginnt es wieder zu regnen, erst wenig, dann immer heftiger. Auch wenn das dichte Blätterdach des Waldes einiges von dem Wasser abhält, bin ich doch nach einigen Kilometern trotz Regenjacke ziemlich durchnässt. Aber Regen passt ja auch am besten zum Regenwald, nicht wahr?

Die Vögel und Affen (Meerkatzen und Paviane) und sonstigen Tiere, die man hier im Wald antreffen kann, scheinen sich alle vor dem Regen verkrochen zu haben. Verständlich! Der Pfad wird immer matschiger und an den steileren Stellen entsprechend rutschig. Nach einiger Zeit habe ich daher genug vom vielen Wasser und mache mich wieder auf den Rückweg. Die komplette 15km-Rundwanderung habe ich zwar nicht geschafft, aber auch der halbe Weg gab schon mal einen guten Eindruck von der Schönheit der ursprünglichen, einheimischen Wälder dieser Gegend, bevor dieses Gebiet von Europäern besiedelt wurde.

Eines sollte man übrigens bei Urwaldwanderungen niemals unterschätzen: ohne Karte und guten Orientierungssinn kann man sich innerhalb kürzester Zeit leicht verirren, denn der Wald ist sehr dicht, und es gibt außer den Flußtälern, die aber alle recht ähnlich aussehen, so gut wie keine landschaftlichen Merkmale, die man sich leicht einprägen kann. Außerdem existieren oft viel mehr kleine Pfade, als selbst in den besten Karten eingezeichnet sind. Daher ist es auch auf jeden Fall empfehlenswert, den Permit-Schein am Beginn des Weges auszufüllen und jemanden davon zu unterrichten, welchen Weg man ungefähr einschlagen will. Diesen Ratschlag sollte man auch unbedingt beachten, wenn man sich in den – wesentlich größeren - Wäldern rund um Knysna bewegt.

Am Ende komme ich jedenfalls klatschnass wieder am Auto an und freue mich schon wie verrückt auf eine heiße Dusche und auf ein kaltes Bier in unserer Unterkunft. Aber die Bewegung heute tat trotz des bescheidenen Wetters gut.


Sonntag, 14.01.2001: Prince-Alfred's-Pass


Auch heute Morgen zeigt sich die Sonne noch nicht von ihrer strahlenden Seite. Die Wanderschuhe sind noch nass, zum Kajakfahren ist es zu kühl, also halten wir es für eine gute Idee eine Autorundfahrt über eindrucksvolle Pass-Straßen zu machen. In der Kleinen Karoo ist das Wetter auch bestimmt besser. Wir fahren also zunächst nach George, kaufen uns dort beim Pick'n Pay etwas zum Frühstück bzw. Picknick für unterwegs ein, und wollen als nächstes den alten Montagu-Pass überqueren, der die Outeniqua-Berge parallel zur neuen Schnellstraße N12 überwindet. Die Schotterpiste des Montagu-Passes ist aber leider gesperrt. Vermutlich ist die Piste wegen des starken Regens von gestern beschädigt.

Etwas enttäuscht nehmen wir also die Schnellstraße und fahren über den Outeniqua-Pass, der auch beeindruckende Aussichtspunkte bietet, aber bei weitem nicht so abenteuerlich ist wie die alte Passstraße.



Es ist das erste Mal, dass wir den Outeniqua-Pass nicht im strömenden Regen überqueren, dabei sind wir diesen Pass in der Vergangenheit schon dreimal gefahren, jedesmal mit einer Sichtweite von höchstens 50 Metern (Leser unserer älteren Reiseberichte werden sich vielleicht erinnern).

Hinter den Bergen biegen wir bald darauf ostwärts auf die N9 in Richtung Uniondale ab. Obwohl wir uns hier schon in der ländlichen Gegend der Kleinen Karoo befinden, immerhin eine Art Halbwüste mit wesentlich geringerem Niederschlag als an der Gartenroute, bleibt der Himmel weiterhin bedeckt, und es ist für diese Jahreszeit ziemlich kühl. Nach über 80km Fahrt erreichen wir den Ort Uniondale, ein Nest, in dem sich normalerweise kaum ein Tourist verirrt. Ohne anzuhalten fahren wir in südliche Richtung durch den sehenswerten Uniondale Poort, eine Schlucht, die die für die Randgebirge der Kleinen Karoo typischen Faltungen im Gestein aufweist.

Kurz hinter dem kleinen Ort Avontuur beginnt der schon im Jahre 1880 fertig gestellte Prince-Alfred's-Pass, ein straßenbauliches Meisterwerk, der das Gebirge an dieser Stelle überwindet und durch das bewaldete Vorgebirge und Hügelland bis nach Knysna führt. Auf diese wunderbare Strecke habe ich mich heute am meisten gefreut. Leider scheint uns das Wetter abermals einen Strich durch die Rechnung zu machen, denn es fängt wieder kräftig an zu regnen, und bei starkem Regen ist der ungeteerte Pass für normale PKWs kaum befahrbar. Aber da wir schon so weit bis hierher gefahren sind, wollen wir nicht einfach umkehren, ohne es zumindest versucht zu haben. Den Fahrer eines entgegen kommenden Fahrzeugs befragen wir nach dem Straßenzustand. Man versichert uns, dass wir keine großen Probleme haben werden. Nur Mut! Den spektakulärsten Teil des Passes, der durch eine sehr schmale Schlucht hinab führt, meistern wir auch ohne Schwierigkeiten, obwohl die Strecke ziemlich holprig ist und viele wassergefüllte Schlaglöcher aufweist.

Den Oberlauf des Keurbooms River überqueren wir bei einer Farmer-Ansiedlung names Die Vlug. Von dort aus steigt die Piste wieder an und führt anschließend über zahllose Kurven bergauf und bergab im ständigen Wechsel in Richtung Knysna. Da man selten schneller als 30 – 40 km/h fahren kann, benötigt man schon gute 2 – 3 Stunden für die ca. 80 km lange Passstraße. Kurz vor Kruisvallei, wo die Piste die Pinienplantagen der Holzwirtschaft hinter sich läßt und in dichten einheimischen Urwald eintaucht, ist unsere Rundfahrt allerdings unweigerlich zu Ende: ein riesiger Baum ist umgestürzt und versperrt mit seinem Stamm die Piste. So ein unerwartetes Pech aber auch! Im dichten Wald haben wir keine Chance daran vorbei zu kommen, geschweige denn, den tonnenschweren Baumstamm mit all den Ästen beiseite zu räumen. Außerdem fängt es in diesem Moment wieder wie aus Eimern zu regnen an. Das ist eben mal wieder ein Beispiel für Murphy's Law! Wir schaffen es nach einigem Hin und Her auf der schmalen Piste zu wenden und sind gezwungen, fast die komplette Strecke wieder zurück zu fahren. Das bedeutet ein Umweg von ca. 150 km! Das ist halt Südafrika! Nichts kommt so wie man denkt!

Nach langer Fahrt wieder zurück in Wilderness, mache ich noch einen langen Spaziergang am Strand. Simone spürt immer noch ihren Muskelkater und bleibt lieber im Appartement bei Zade. Hin und wieder schaut sogar die Sonne wieder durch die Wolken. Auf dem Spaziergang komme ich zufällig in Kontakt mit drei netten Südafrikanerinnen (Coloureds) aus Kimberley, die auch gerade Urlaub an der Gartenroute machen. Für sie sind die kühlen Temperaturen und der Regen die reinste Freude. Verständlich, wenn man bedenkt, wie heiß und trocken es im Sommer monatelang in diesem Bergbauort in der Karoo-Halbwüste ist.

Am Abend gönnen Simone und ich uns gemeinsam eine feine Fischplatte mit Linefisch, Muscheln, Calamari, Prawns und Languste im Restaurant Oysters in Knysna. Kein billiges Vergnügen, aber sehr lecker!


Montag, 15.01.2001: Keurbooms River und Noetzie


Ein neuer Tag, neues Glück: die Sonne strahlt von einem makellos blauen Himmel herab. Beste Bedingungen für eine Bootsfahrt. Also schnappen wir uns nach dem Frühstück das Kajak, schnallen es auf dem Kombi fest und fahren erneut nach Plettenberg Bay. Dort setzen wir unser Boot ins dunkelblaue Wasser des breiten Keurbooms River, unmittelbar gegenüber des Aventura-Resorts. Die nächsten zwei Stunden paddeln wir stromaufwärts und dringen tiefer in die urwaldbewachsene Schlucht des Flusses ein. Bald sind auch die letzten Motorboote mit Wasserskiern hinter uns zurück geblieben und nur noch Ruhe und Natur umgeben uns. Gewaltige Yellowwood-Bäume, mit langen Flechten bewachsen, ragen mit ihren Ästen über uns in den Himmel. Hinter der nächsten Flussbiegung tauchen dann wieder steilwandige Felsen auf, in deren Spalten große Aloen wachsen. Wir finden die Landschaft einfach faszinierend. Hin und wieder können wir an Sandbänken anlegen und uns ausruhen. Sogar an Grillplätze mit Holztischen und -Bänken und an Abfalleimer hat man an diesen Ruheplätzen gedacht, die wirklich nur mit dem Boot erreichbar sind.



Wir könnten bestimmt noch stundenlang weiter dem Verlauf des Flusses folgen, wenn nicht wieder das Wetter uns davon abhielte, denn genau über dem Flusstal tauchen nach und nach immer dichtere Wolken auf . Da man beim Paddeln permanent nass wird, ist man ohne Sonnenschein doch ziemlich schnell unterkühlt. Also kehren wir um und paddeln im Eiltempo wieder flussabwärts, so dass wir mit der Strömung nach einer knappen Stunde wieder am Anlegeplatz ankommen. In der Nähe der Mündung herrscht auch wieder strahlend blauer Himmel! Typisch! Aber drei Stunden auf dem Wasser sind eigentlich auch genug, der nächste Muskelkater läßt schon grüßen. Es hat sich jedenfalls total gelohnt. Der Keurbooms River ist einfach traumhaft schön per Boot zu erkunden.

Um uns wieder richtig aufzuwärmen, fahren wir nach Plettenberg Bay, lassen uns auf der Terrasse eines Cafés die Sonne ins Gesicht scheinen und verspeisen Kuchen und heiße Schokolade.

Auf der Rückfahrt statten wir dem Brackenhill-Wasserfall einen kurzen Besuch ab, der zwischen Eukalyptus-Plantagen in eine steile Schlucht stürzt. Wegen des niedrigen Wasserstandes nicht umwerfend, aber ansonsten ganz nett.



Anschließend biegen wir von der N2 kurz vor Knysna auf eine holprige Piste ab, die uns nach wenigen Kilometern nach Noetzie bringt. Vom Parkplatz dieser kleinen Ansiedlung führt ein steiler Pfad hinunter zum einsamen Strand am Indischen Ozean, an dem einige wohlhabende Privatleute sich mehrere Aufsehen erregende Häuser im Stil von Burgen gebaut haben. Die Lage ist wirklich einmalig, der feine Sandstrand ein Traum, und zudem gibt es eine geschützte Lagune zum Baden, die sich vom Strand aus bis zu einer bewaldeten Schlucht erstreckt. Sicher ein Ort, den die meisten Touristen seiner versteckten Lage wegen links liegen lassen. Uns kann es nur recht sein, denn so können wir die Schönheit der Natur in aller Ruhe genießen.



Auf der Heimfahrt begegnet uns an der Lagune von Knysna zufällig der Outeniqua-Tjoe-Choo, der noch von einer alten Dampflokomotive gezogen wird. Dieser Zug pendelt mehrmals täglich zwischen den Städten George und Knysna hin und her.

Am Abend werden wir von Zade in ihr Lieblingsrestaurant im Nachbarort Sedgefield zum Essen eingeladen. Die dortigen Spezialitäten sind Calamari-Steaks und Espetadas (das sind Rumpsteak-Stücke am Spieß mit viel Knoblauch, ein Gericht der portugiesischen Küche). Sehr gut, vor allem, wenn man sehr hungrig ist.


Dienstag, 16.01.2001: Brownhooded-Kingfisher-Trail / Rückfahrt



Am Abreisetag, wie soll es anders sein, haben wir wieder absolutes Traumwetter! So stehe ich schon entsprechend früh auf und laufe morgens den Brownhooded Kingfisher Trail, eine ca. zwei- bis dreistündige Wanderung. Der verhältnismäßig einfache Weg führt durch Wald mit vereinzelten, riesigen Eukalyptusbäumen, die sich hierher verirrt haben, und dichtes Grün in das Flusstal des Duiwe River. Einzig der Pfad hoch zu zwei Aussichtspunkten strengt ein wenig an. Der Trail endet an einem kleinen Wasserfall, der sich in einen kalten Felsenpool ergießt. Eigentlich ein idealer Ort für ein erfrischendes Bad!



Wieder zurück in Zade's „C“ Lodge packen wir rasch unsere Sachen zusammen und verabschieden uns von unserer netten Gastgeberin. Bevor wir jedoch die Heimfahrt nach Kapstadt antreten, nutzen wir den herrlichen Sonnenschein noch aus und paddeln gute 3 Stunden lang rund um das Onder-Langvlei, wo wir wieder zahlreiche Wasservögel beobachten können. Der Nationalpark-See mit seinen schilfbewachsenen Ufern ist ebenfalls ein ideales Gewässer zum gemütlichen Bootfahren.



Am frühen Nachmittag geht es dann schweren Herzens wieder zurück nach Hause. Um die Strecke etwas zu variieren fahren wir über den Outeniqua-Pass nach Oudtshoorn, und von dort aus über die einsame Country-Route R62 durch die Kleine Karoo. Diese Strecke bietet reizvolle Landschaften, ist gut ausgebaut und weist wesentlich weniger Verkehr auf als die (langweiligere) N2. Calitzdorp, Ladysmith und Barrydale sind kleine ländliche Orte entlang der Route, und eine Pause in Ronnie's Sex Shop ist auch immer wieder nett (wer noch nicht dort war: Überraschung!)



Schließlich fahren wir über den Tradouws-Pass auf die andere Seite der Langeberge, wo sich hartnäckig dichte Wolken festgesetzt haben. Dort wird uns mal wieder eindrucksvoll bewusst, wie sehr die Gebirgsketten für die Wetterlage in den verschiedenen Regionen verantwortlich sind. Ist es in der Kleinen Karoo noch wolkenlos bei ca. 35°C, sinkt die Temperatur auf der anderen Seite der Berge unter bewölktem Himmel auf ca. 20°C. Entfernung zwischen diesen beiden Orten: nur 25 km!

Von Swellendam aus bis nach Hause sind es nur noch knapp 220km, die wir in weiteren zweieinhalb Stunden zurück legen. Gegen 20.30 Uhr treffen wir dann endlich in Kapstadt ein. Wieder haben wir festgestellt, dass die Gartenroute ein Gebiet ist, das auch nach mehrfachem Besuch noch viel Neues und Interessantes bietet. Und unser Kajak werden wir dort sicher nicht zuletzt eingesetzt haben. Bessere Bedingungen kann man sich zum Paddeln kaum wünschen.

- E N D E -

Mario Anthes
E-Mail: anthes@iafrica.com

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