Südafrika, Februar 2000

Zielorte:
Dauer:
Reiseveranstalter:

Zeitraum:
Südafrika (Gartenroute/Karoo)
16 Tage
selbstorganisierte Tour mit eigenem PKW
08.02.2000 - 23.02.2000

Bericht mit Fotos (1,82 MB)

Eine selbstorganisierte Tour von Kapstadt aus ostwärts entlang der Gartenroute und zurück durch die Große Karoo. Der Schwerpunkt unseres Interesses lag dabei auf Naturerlebnissen, Wanderungen und Tierbeobachtungen. Es war nicht unser erster Besuch des Südens von Südafrika und sicher auch nicht unser letzter! Die Gartenroute hat viel zu bieten. Viel mehr, als man beim flüchtigen Durchfahren der Route erahnen mag. Es lohnt sich genauer hinzuschauen und sich vorab gut zu informieren. Wer glaubt die Gartenroute in nur einer Woche kennenlernen zu können, irrt. Selbst bei unserem dritten Besuch gab es wieder viel Neues und Interessantes zu entdecken.


1. Tag: Montagu


Zusammen mit unseren Freunden aus Deutschland, Karlheinz und Hannelore, brechen Simone und ich am Morgen bei herrlichem Sonnenschein mit unserem vollbeladenen Wagen auf und fahren durchs Weinland nach Worcester ins Breede-River-Valley. Dort führt uns unser erster Abstecher in den Karoo National Botanic Garden, ca. 3 km nördlich von Worcester an den südlichen Ausläufern der Hexrivierberge gelegen. Der botanische Garten beherbergt die größte Sammlung einheimischer Sukkulenten und Wüstenpflanzen in Südafrika. Neben den bizarren Köcherbäumen, Dornakazien und unzähligen weiteren fremdartig aussehenden Pflanzen, die es dort zu bewundern gibt, ist dort auch eine nachgebaute Behausung der San (Buschmänner) und ein Wanderweg durch ein Naturschutzgebiet mit niedrig wachsenden Karoo-Büschen von Interesse. Bei schönem Wetter lohnt sich der Besuch des botanischen Gartens nicht nur für Pflanzenfreunde, sondern auch vor allem für Fotographen, die dort wunderbare Motive vorfinden.

Auch wenn Worcester von der Lage her noch nicht zur Karoo-Halbwüste gehört, kann es dort im Sommer doch sehr heiß werden, wie wir am eigenen Leib zu spüren bekommen. Deshalb versorgen wir uns in der Stadt mit Erfrischungsgetränken und fahren weiter über Robertson am Rande der Langeberge entlang bis zur Schlucht Kogmanskloof, durch die eine Paßstraße nach Montagu, unserem ersten Tagesziel, führt.

Das nette kleine Städtchen mit den zahlreichen schön renovierten alten Häusern ist immer wieder eine Reise wert. Wir quartieren uns wieder in einer der preiswerten Villas des Montagu Springs Resort ein, das in unmittelbarer Nähe der heißen Mineralquellen liegt. Bevor wir aber die Bäderanlage besuchen, machen wir den obligatorischen Spaziergang auf dem Lover's Walk durch die ca. 2 km lange Schlucht des Keisie-River, bei dem wir das Flüßchen mehrfach, auf Steinen balancierend, überqueren müssen. Dabei lernt Hannelore zum ersten Mal die südafrikanische Auslegung des Wortes „Spaziergang“ kennen, nachdem sie fast ins Wasser gefallen ist ;-).

Am Ende des Weges treffen wir auf die großen Landschildkröten, denen man in dieser Region öfters begegnen kann. Der Rückweg ist dann auch rasch wieder geschafft, und anschließend erholen wir uns noch etwas im warmen Thermalwasser der Bäderanlage.

Abends schlemmen wir mal wieder in unserem Lieblingsrestaurant Prestons in der Bath Street. Nach dem Essen steige ich dann im Dunkeln noch mal für ein Stündchen ins Thermalbad. Bitter ist es nur, aus dem 38°C warmen Wasser hinaus und durch die kühle Nachtluft zu gehen. Brrrr!!! Aber dafür schläft man dann gut.


2. Tag: Gamka Mountain Nature Reserve


Am nächsten Morgen frühstücken wir im Hof des Landhotels Montagu Country Inn, bevor wir uns auf die Weiterfahrt in die Kleine Karoo begeben, wo wir die Panoramastrecke über Barrydale und Ladysmith nach Calitzdorp wählen. Die Landschaft auf dieser Strecke, der „Route 62“, ist außerordentlich reizvoll. Die wenigen Farmen und Orte in dieser Gegend haben sich seit dem Bau der Nationalstraße N2 vor 40 Jahren kaum verändert und somit ihren Charakter bewahrt. Besonders eindrucksvoll ist auch die Paßstraße über die Kleinen Swartberge und durch die Schlucht des Huisrivier kurz vor Calitzdorp.

Calitzdorp ist ein sehr ländlicher Ort, der bekannt ist für seine guten Portweine. Auch die übrigen Weine sind nicht schlecht, wie wir bei den Kellerproben zweier Weingüter feststellen können. Wir versorgen uns mit Wein, Brot und Grillsachen, denn an diesem Abend werden wir uns selbst versorgen müssen. Unser nächstes Ziel ist nämlich das Buschcamp des Gamka Mountain Nature Reserve, in der Wildnis der Kleinen Karoo gelegen. Die Piste dorthin ist teilweise in sehr schlechtem Zustand und stellt unseren Wagen auf die erste harte Bewährungsprobe. Wir wünschen uns insgeheim einen Geländewagen. Aber unser Kombi hält zum Glück ohne Reifenschaden durch.

Im Nature Reserve angekommen finden wir im dortigen Büro niemanden mehr vor. Pech gehabt. Wir finden das Buschcamp aber auch auf eigene Faust und stellen fest, daß wir uns um Schlüssel und dergleichen keine Sorgen machen müssen: es gibt nämlich keine. Das Buschcamp besteht aus einer rietgedeckten Holzhütte mit einer kleinen Küche und Betten für insgesamt 8 Personen. Es gibt eine große Lapa (Grillplatz) mit zentraler Feuerstelle und Sitzbänken, ein rustikales Buschklo (behindertengerecht!), eine Buschdusche, und man höre und staune, sogar eine Art Schwimmbecken in einem runden Wasserreservoir. Das fließende Wasser ist trinkbar, stammt vom Gamkaberg und wird mit Gasbrennern erhitzt. Strom gibt es natürlich keinen, aber für Licht ist in Form von Gaslaternen gesorgt. Nur den gasbetriebenen Kühlschrank bekommen wir nicht so recht in Gang. Aber ansonsten ist das Buschcamp der reine Luxus, wenn man bedenkt, daß man sich hier mitten in der Wildnis befindet! Allzu empfindlich darf man allerdings nicht sein, sonst ist man hier fehl am Platz! Auf einem Zettel in der Hütte wird man darauf hingewiesen, daß das Buschcamp auch von ca. 10 cm großen, für Menschen harmlosen Regenspinnen bewohnt wird, die ebenfalls unter Naturschutz stehen und denen man dementsprechend kein Haar krümmen darf.

Uns gefällt es hier jedenfalls großartig! Nur die extrem hohe Temperatur ist sehr bedrückend. Am Nachmittag laufen wir den eineinhalbstündigen Pied Barbed Trail, der durch Spekboomveld und andere interessante Vegetationsformen führt. Dabei messen wir eine Schattentemperatur von 42°C. Dementsprechend hoch ist auch unser Getränkebedarf.

Am Abend entzünden wir dann unser Lagerfeuer. Karlheinz und ich kümmern uns ums Grillen, während Simone und Hanne Salat und Knoblauchbrot zubereiten. Den Rotwein können wir zwar nur aus Plastikbechern genießen, aber uns schmeckt es trotzdem sehr gut. Später, als das Feuer langsam erlischt, werden wir zudem noch mit einem phantastischen Sternenhimmel belohnt und in der Ferne, an den Swartbergen, wird der Himmel immer wieder von den Blitzen eines Gewitters erhellt.

Auch in der Nacht will die Luft kaum unter 25°C abkühlen, so daß ich vor dem Schlafengehen noch mal im Schein einer Laterne eine Dusche nehme und dabei eine Begegnung mit einem besonders prächtigen Exemplar einer Regenspinne habe, die über mir am Holzgebälk sitzt. Sie tut mir nichts und ich tue ihr auch nichts, also vertragen wir uns ganz prima, und ich kann beobachten, wie sie sich an den durch das Licht angelockten Faltern und Fliegen gütlich tut.


3. Tag: Tierkloof / Oudtshoorn


Kurz nach Sonnenaufgang werden wir alle wach. Ich habe ziemlich unruhig geschlafen. Ob es an der Wärme lag oder an meinen Träumen, weiß ich nicht mehr. Jedenfalls spritze ich mir etwas Wasser ins Gesicht und bin kurz danach wieder fit. Karlheinz, Hanne und ich packen rasch unsere Rucksäcke und wir brechen kurz danach auf zu unserer 12 km langen Wanderung in die Schlucht Tierkloof. Noch sind die Temperaturen recht angenehm, aber im Laufe des Vormittags wird es wahrscheinlich wieder sehr heiß. Schon am Eingang zur Schlucht, der von senkrecht aufragenden Steilfelsen gebildet wird, begegnet uns ein Bergzebra, das ebenso überrascht ist wie wir und sofort die Flucht ergreift.

Der weitere Weg führt durch dichte Vegetation und kreuzt immer wieder das ausgetrocknete Flußbett. Die ersten zwei Kilometer weisen eine dramatische Szenerie auf. Gewaltige rötliche Sandsteinfelsen ragen auf beiden Seiten in die Höhe, und stellenweise ist die Schlucht nur einige Meter breit. Später verbreitert sie sich etwas, und der Pfad führt stellenweise durch so dichten Busch, daß man das Gefühl hat, durch einen Pflanzentunnel zu gehen. Der vielfältige Gesang von Vögeln umgibt uns, doch nur selten können wir einen entdecken. Auch die meisten anderen Tiere, die hier im Naturreservat vorkommen, bleiben unsichtbar. Dafür finden wir die Losung von Pavianen, Elen-Antilopen und anderen Säugetieren. An einer Stelle im Sand des trockenen Flußbetts stoßen wir sogar auf eindeutige Spuren eines Leoparden.

Nach etwa 2 Stunden erreichen wir schon unseren Wendepunkt, einen Felsüberhang an der rechten Schluchtwand, die an dieser Stelle ungefähr 400 m über uns aufragt. Der Blick von der Höhle hinab in die Schlucht ist beeindruckend, und so verweilen wir eine ganze Zeit lang an diesem schönen Pausenplatz. Als die Sonne langsam höher steigt machen wir uns aber wieder auf den Rückweg zum Buschcamp.

Wir kommen dort gerade rechtzeitig wieder an, kurz bevor unser Wasservorrat zur Neige geht. Ich kühle mich im kleinen Schwimmbecken ab, dessen etwas grünlich aussehendes Wasser von der Sonne richtig aufgewärmt ist, und nach einer Dusche und einer Stunde Ruhe im Schatten geht es uns wieder ganz prima.

Am Mittag bepacken wir wieder unseren Wagen und finden diesmal sogar beim Verlassen des Reservats jemanden im Büro- und Informationsgebäude vor, so daß wir den Restpreis unserer Übernachtung noch zahlen können. Wie unkompliziert hier alles läuft! Im Gästebuch des Buschcamps sehen wir anhand der Eintragungen, daß hier normalerweise nur Südafrikaner hinkommen. Meiner Meinung nach ist das Gamka Mountain Nature Reserve ein echter Geheimtip. Hier kann man noch für wenig Geld echtes Wildnisgefühl erleben. Und wenn man sich entsprechend vorbereitet, fehlt es hier an nichts.

Wir stoßen nach einigen Kilometern holpriger Piste und Betonstraße durch ländliches Gebiet wieder auf die R62 nach Oudtshoorn, der Straußenzucht-Metropole Südafrikas. Dort versorgen wir uns im Supermarkt mit Lebensmitteln und Getränken und nehmen noch eine kleine Mahlzeit in einem Straßencafé ein. Anschließend fahren wir zur ca. 12 km außerhalb gelegenen Straußen- und Gästefarm Thylitshia-Villa, wo wir die nächste Nacht gebucht haben.

Die Zimmer im Farmhaus-Stil und das Hauptgebäude der Farmerfamilie Du Toit gefallen uns sehr gut. Auch der Swimmingpool im Garten sieht sehr einladend aus. Da wir vier dort nicht die einzigen Gäste sind, lernen wir an diesem Nachmittag noch eine kleine Gruppe junger Leute aus Finnland und einen deutschen Landwirt namens Hans-Gerd kennen, der Südafrika auf eigene Faust und ohne Englischkenntnisse erkundet. Es handelt sich um einen netten, aufgeschlossenen Kerl, der sich schon irgendwie durchschlägt. Wir versorgen ihn noch mit einer Menge Tips und buchen für ihn telefonisch eine Unterkunft in Knysna, seinem nächsten Ziel.

Stark enttäuscht werden wir jedoch von der im Übernachtungspreis eingeschlossenen Weinprobe und Führung über die Straußenfarm. Die Führung verdient den Namen nicht, denn außer der Brutkammer bekommen wir gerade mal ein Gehege mit einigen jungen Straußen zu sehen, und das war's auch schon. Information gleich null. Simone und ich kennen zwar schon alles Wissenswerte über Strauße und ihre Haltung, aber für Karlheinz und Hanne ist das alles noch ziemlich neu. Deshalb entschließen wir uns, am nächsten Tag eine richtige Showfarm in Oudtshoorn aufzusuchen. Auch der auf der Farm hergestellte Wein ist nicht gerade überwältigend. Der hauseigene Schnaps mit 60% Alkohol schmeckt noch furchtbarer, aber immerhin ist die erheiternde Wirkung in Sekundenschnelle da.

Nicht zuletzt wegen meines Alkoholspiegels entschließen wir uns, an diesem Abend auf der Farm zu essen und nicht mehr nach Oudtshoorn zu fahren. Eine schlechte Entscheidung! Die gegrillten Straußensteaks, die uns im Speisezimmer der Thylitshia-Villa serviert werden, sind zäh wie Leder und die Beilage besteht aus pampigem Gemüse. Und das für 65 Rand pro Person!! Da hilft auch die nette Atmosphäre mit Kerzenlicht nichts. Dabei sind Straußensteaks (richtig zubereitet) normalerweise so lecker!

Fazit: Die Übernachtung auf der Farm ist recht schön, aber Abendessen und Führung sollte man woanders machen.


4. Tag: Oudtshoorn / Wilderness


Nach dem Frühstück packen wir unsere Sachen und geleiten Hans-Gerd zur Cango-Ostrich-Ranch, nördlich von Oudtshoorn an der Straße zu den Cango-Caves gelegen. Karlheinz, Hanne und Hans-Gerd nehmen an der (deutschsprachigen) Führung teil, die wir schon von vergangenen Besuchen recht gut kennen, während Simone und ich uns die Zeit mit Lesen, Herumtelefonieren und Gesprächen mit anderen Touristen vertreiben.

Im Anschluß an die Führung, die allen gut gefallen hat, verabschieden wir uns von Hans-Gerd und entscheiden gemeinsam mit Karlheinz und Hanne, uns die Gegend um Oudtshoorn genauer anzuschauen. Oudtshoorn ist ein Ziel, das von kaum einem Touristen, der die Gartenroute besucht, ausgelassen wird. Das hat vor allem zwei Gründe: Erstens die zahlreichen Straußen-Showfarmen im der Umgebung der Stadt, zweitens die bekannten Cango-Tropfsteinhöhlen, die täglich hunderte Touristen anlocken. Aber neben diesen populären Attraktionen gibt es noch einen dritten Grund, nämlich die herrliche Landschaft der gewaltigen Swartberge nördlich von Oudtshoorn.

Da sich unsere Freunde weniger für das Höhlensystem interessieren und wir beide sie schon früher besucht haben, lassen wir die Cango-Caves links liegen und fahren über eine Schotterpiste in Richtung des Rus-en-Vrede-Wasserfalls. Dabei kommen wir an zahlreichen größeren und kleineren Straußenfarmen und an einem großen Stausee vorbei. Diese Strecke wird von den meisten Touristen kaum beachtet, obwohl sie sicher zu den landschaftlich reizvollsten zählt. Die Ausläufer der Swartberge sind hier üppig grün bewachsen, was auf den wesentlich höheren Niederschlag im Gegensatz zum Rest der Kleinen Karoo zurückzuführen ist. Weiden mit hunderten von Straußen haben wir jedenfalls ganz für uns alleine.

An der Abzweigung zum Wasserfall wird eine kleine Eintrittsgebühr fällig (Naturschutzgebiet). Ein paar Kilometer auf einer steinigen und kurvenreichen Piste führen uns zum Ausgang einer kleinen Schlucht, wo wir den Wagen parken können. Zum Wasserfall selbst ist es dann nur noch ein kurzer Spaziergang. Die 74 m hohe Kaskade stürzt in ein Becken mit glasklarem Wasser, in dem Schwimmen allerdings verboten ist, da das Wasser zur Trinkwasserversorgung von Oudtshoorn gehört. Da ich es nicht lassen kann, klettere ich vorsichtig die steile Schluchtwand hinauf und versuche zum oberen Ende des Wasserfalls zu gelangen. Leider ist das nicht so ohne weiteres möglich, so daß ich zur Umkehr gezwungen werde. Aber der Abstecher hat trotzdem Spaß gemacht.

Unser weiterer Weg führt uns eine gute halbe Stunde später nach De Rust, einem kleinen netten Ort am Ausgang der Schlucht Meiringspoort. Durch diese ca. 17 km lange Schlucht führt eine wichtige Verbindungsstraße zwischen der Kleinen Karoo im Süden und der trockeneren Großen Karoo im Norden. Wir durchqueren die spektakuläre Schlucht und biegen ab in Richtung Prince Albert. Der landschaftliche Kontrast ist gewaltig. Während auf der meistens bewölkten Südseite der Swartberge fruchtbares grünes Farmland vorherrscht, überwiegt auf der anderen Seite die von Sonne und Hitze ausgedörrte Landschaft der Halbwüste.

Prince Albert ist ein typisches Karoo-Städtchen mit einer Reihe sehenswerter alter Gebäude im Kolonialstil. Wir schlendern etwas durch den Ort und genießen den strahlend blauen Himmel. In einem Straßencafé werden Simone und Hanne leider schwer enttäuscht, als sie nach endlos langer Wartezeit eine kalte und halbrohe Mahlzeit serviert bekommen. Selbstverständlich weigern wir uns in diesem Fall die Rechnung zu bezahlen, was aber auch akzeptiert wird.

Um wieder zurück nach Oudtshoorn zu gelangen, fahren wir über den atemberaubenden Swartbergpaß. Diese ungeteerte Paßstraße wurde zwischen 1881 und 1888 von Thomas Bain gebaut und zählt zweifellos zu seinen Meisterwerken. Durch eine enge Schlucht mit senkrechten Steilfelsen windet sich die schmale Straße über zahllose Kurven auf eine Höhe von ca. 1600 m. Der höchste Punkt des Passes ist in dichte Wolken gehüllt und ein eiskalter Wind fegt über die schroffen Berggipfel. Trotzdem ist das Panorama auf der abenteuerlichen Abfahrt über die steilen Serpentinen recht eindrucksvoll. Am Fuße der Berge ist es kühl und es regnet leicht aus einer geschlossenen Wolkendecke, während nur 20 km weiter nördlich bei strahlendem Sonnenschein Temperaturen um die 30°C herrschen! Diese krassen Gegensätze im Wetter sind aber typisch für diese Region und die ganze Gartenroute. Das Wetter kann sich innerhalb von Stunden total ändern und zwischen geographisch benachbarten Orten völlig gegensätzlich sein. Ähnlich wie in Kapstadt!

Den Rest des Nachmittags haben wir jedenfalls kein Glück mehr mit dem Wetter. Auf der Strecke zwischen Oudtshoorn und George regnet es in Strömen. Kurios ist, daß wir nun schon zum dritten Mal in drei Jahren den Outeniqua-Paß vor George überqueren und noch nie den Ausblick genießen konnten, weil es jedesmal auf der Strecke pausenlos geregnet hat. George am Fuße der Outeniqua-Berge ist sicher eine der regenreichsten Städte Südafrikas. Dafür ist die Umgebung aber auch total grün und bewaldet.

Unser nächstes Übernachtungsziel ist aber nicht George, sondern Wilderness am warmen Indischen Ozean. Wir wählen trotz des Dauerregens nicht die gut ausgebaute Nationalstraße nach Wilderness, sondern fahren über die kurvenreiche Old Passes Road durch den dichten Urwald des Groeneweide-Forest. Aus der tollen Aussicht von den Hügeln der Wilderness-Heights auf das Meer wird leider auch nichts. Die Wolken hängen tief und alles ist grau in grau. So ein Pech! Wilderness ist unter normalen Umständen einer der schönsten Orte an der ganzen Südküste. Deshalb ist unsere Stimmung, dem Wetter entsprechend, etwas getrübt.

Unsere Unterkunft, Haus Wilderness, liegt direkt auf den Dünen des kilometerlangen Sandstrandes mit Blick auf das Meer. Zu schade, daß wegen der Wolken und des Nebels fast nichts zu sehen ist! Edda, unsere deutschsprachige Gastgeberin, kann uns auch für den nächsten Tag leider keine besseren Wetteraussichten melden. Wenige Tage vor unserer Ankunft war es hier noch schön heiß und sonnig.


5. Tag: Wilderness / Knysna


Auch der nächste Tag bringt, wie erwartet, keine Wetterbesserung. Die Wanderung in Wilderness, die wir uns vorgenommen haben, lassen wir daher für heute ausfallen. Nach dem Frühstück fahren wir in Hoffnung auf Sonnenschein ostwärts in Richtung Knysna. Auch dort regnet es. Mein Vorschlag, eine Rundfahrt durch den Knysna-Urwald zu machen (immerhin handelt es sich ja dort um Regenwald, passend zum Wetter) wird abgelehnt. Statt dessen ziehen Karlheinz, Hanne und Simone ihre Regenklamotten an und machen einen Bummel durch die Geschäfte der Innenstadt. Ich verspüre weniger Lust dazu und schlafe lieber eine Runde im Wagen. Als die drei zurückkommen, entschließe ich mich dann doch, sie etwas zu begleiten. Wir laufen noch ein wenig durch die zahlreichen Ladenpassagen und Souvenir-Geschäfte, fahren anschließend an die Waterfront von Knysna und setzen uns für einen kleinen Snack in ein an der Lagune gelegenes, überdachtes Panini-Bistro.

Am frühen Nachmittag kehren wir wieder zurück nach Wilderness, wo der Regen mittlerweile etwas nachgelassen hat. Da wir ohnehin schon naß sind, steigen wir über einen steilen Pfad die Dünen herunter und machen einen ausführlichen Strandspaziergang. Das Wasser des indischen Ozeans ist wärmer als die Lufttemperatur, wie ich rasch feststelle, als eine Welle über meine Wanderschuhe spült. An Schwimmen ist trotzdem nicht zu denken, aber dafür genießen wir den wunderbaren Strand mit seinen steilen Felsklippen und Dünenkämmen. Auf dem Sand werden wir Zeugen eines kleinen Naturschauspiels, als wir sehen, wie eine große angeschwemmte Qualle von hunderten kleiner Meeres-Schnecken aufgefressen wird. Die Schnecken bewegen sich dabei alles andere als langsam. Schaurig! Aber die Natur verwertet auf diese Weise überflüssiges organisches Material und säubert somit die Umgebung.

Als wir uns auf dem Rückweg zum Haus Wilderness machen, öffnet der Himmel erneut seine Schleusen, so daß wir wirklich klatschnaß dort eintreffen. Aber nach einer heißen Dusche geht es uns schnell wieder gut. Am Abend fahren wir ins Pirates Creek, einer kleinen Ferienanlage an der Lagune von Wilderness. Im dortigen Restaurant gibt es recht gutes Essen. Wir probieren Straußenmedaillons in Amarula-Soße und frischen Kingklip.


6. Tag: Wilderness / Knysna


Am nächsten Morgen hat der Regen aufgehört, aber der Himmel ist immer noch bedeckt. Wir verabschieden uns von unserer netten Gastgeberin Edda und ihrer Familie und bevor wir weiter nach Knysna fahren, statten wir dem Aussichtspunkt an der Nationalstraße N2 vor Wilderness einen kurzen Besuch ab. Von dort hat man auf der einen Seite einen schönen Blick auf den langen Strand und auf der anderen Seite auf eine Flußmündung und die schmale Brücke des Outeniqua-Choo-Tjoe, der alten Dampflok-Eisenbahn, die noch regulär die beiden Städte George und Knysna verbindet. Leider haben wir den Zeitpunkt schon verpaßt, an dem der Zug die Brücke überquert. Dafür erregen aber einige freche Klippschliefer unsere Aufmerksamkeit.

Als nächstes holen wir unsere Wanderung auf dem Giant-Kingfisher-Trail nach, der beim Nationalpark-Camp Ebb and Flow beginnt und durch das dicht bewaldete Flußtal des Touw-River führt. Der Weg führt an den Hängen des Tals entlang, stößt aber immer wieder auf den Fluß, auf dem man auch vorzüglich mit dem Kanu paddeln kann. Das Wasser des Flusses ist, wie fast überall entlang der Gartenroute, nahezu schwarz gefärbt. Die Färbung stammt von organischen Stoffen, die von Pflanzenwurzeln produziert werden. Das Wasser ist trotz seines colafarbenen Aussehens jedoch völlig sauber und trinkbar.

Weiter flußaufwärts beginnen die ersten Kaskaden des Touw-River. Entlang des Weges wachsen beeindruckende Exemplare von Urwaldbäumen (Yellowwood und andere Hölzer) aus dessen Wipfeln zahlreiche Vogelstimmen zu vernehmen sind. Der Pfad windet sich etwas höher und an einer Stelle ist eine Leiter und ein ausgesetztes Stück entlang eines Wasserrohrs zu überwinden. Am Ende des Pfades erreichen wir dann die Wasserfälle, die zwischen gewaltigen Granitfelsen herab rauschen. Nach einer längeren Pause laufen wir den knapp 4 km langen Weg zurück. Dabei begegnen uns zwei wunderschöne Knysna-Louries, eine bunt gefiederte Vogelart, die es nur in den Wäldern entlang der Gartenroute gibt. Obwohl wir kein optimales Wetter hatten, kann man diese leichte, dreistündige Wanderung nur empfehlen!

Am Nachmittag treffen wir dann wieder in der Lagunenstadt Knysna ein, wo wir zu viert das schöne neue Gästehaus der Zauberberg Cottage beziehen. Die Zauberberg Cottage wird von der deutschen Familie Meister geführt, die ihren Gästen sehr hilfsbereit zur Seite steht. Auf den Hügeln oberhalb der Stadt gelegen, hat man einen tollen Blick auf die Lagune. Hier begegnet uns auch wieder Hans-Gerd, der allein reisenden Landwirt, der ein paar Tage länger in Knysna geblieben ist.

Da sich die Wolken langsam verziehen, machen wir von der Waterfront von Knysna aus eine Bootsfahrt auf der Lagune zu den Knysna Heads, den zwei Steilfelsen, die den Ausgang der Lagune zum Ozean flankieren. Im Anschluß daran fahren wir hoch zum östlicheren Head, auf dem prachtvolle Häuser stehen und genießen von dort den Ausblick auf das Meer und die Lagune. Unserer Meinung nach lohnt sich die Bootsfahrt nicht so sehr, da die Aussicht von den Felsen selbst wesentlich beeindruckender ist.

Am Abend folgen wir dem Tipp von Herrn Meister und besuchen in der Stadt das Fischrestaurant Oysters, dessen Küche und aufmerksame Bedienung uns sehr gut gefallen.


7. Tag: Robberg Nature Reserve


Endlich haben wir wieder tolles Sommerwetter! Nach dem leckeren Frühstück in der mit Terrasse und Kamin ausgestatteten Gästelounge, packen wir unsere Sachen zusammen und fahren weiter nach Plettenberg Bay, wo uns eine besonders schöne Wanderung im Robberg Nature Reserve auf der schmalen Halbinsel Beacon Island erwartet.

Die Vielzahl landschaftlicher Eindrücke, die uns auf der Wanderung erwarten, läßt sich kaum in Worte fassen. Herrliche weiße Sandstrände, beeindruckende Sandsteinfelsen und die prächtige Küstenfynbos-Vegetation sind nur einige der Attraktionen des Robberg Nature Reserves.

Die 11 km lange Wanderung dauert inklusive Pausen ca. 4 - 5 Stunden. Der Weg setzt auf jeden Fall Trittsicherheit und mittelmäßige Fitneß voraus. Einige ausgesetzte Stellen können Wanderern, die unter Höhenangst leiden, Schwierigkeiten bereiten. Unangenehm sind (vor allem für Simone) auf dem ersten Teil des Weges auch die unzähligen Ameisen, die überall kreuz und quer herumlaufen, zu Dutzenden auf unsere Wanderschuhe krabbeln und hin und wieder auch zubeißen. Ein Südafrikaner klärt uns später auf, daß die Ameisen durch die Regenfälle der letzten Tage außergewöhnlich aktiv sind.

Aber die Belohnung für die Mühe ist eine der schönsten Wanderungen, die die Gartenroute zu bieten hat. Wir sehen hunderte von Seehunden und Robben im Wasser und an Land, einige Mungos und zahlreiche Vögel. Auch Delphine und Wale lassen sich hier oft blicken und bestens beobachten.

Nach dem Erreichen des Cape Seal führt der Rückweg auf der anderen Seite der Halbinsel über eine phantastische Felslandschaft, die hin und wieder leichtes Klettern erfordert, zu einem feinen Sandstrand mit kräftiger Brandung. Es ist einfach herrlich an einem so sonnigen und warmen Tag die Wanderung zu unterbrechen, in die Wellen zu springen und das warme Wasser zu genießen!

Auch die Vegetation ist interessant. Besonders gefallen uns die fremdartig wirkenden roten Blütenpflanzen, die stark den Flammenlilien der Kaphalbinsel ähneln.

Schließlich gelangen wir wieder zu unserem Ausgangspunkt. Die Sonne hat uns ganz schön zugesetzt. Aber diese Wanderung stellt ganz sicher einen der Höhepunkte unserer Tour da. Wer Plettenberg Bay besucht und gut zu Fuß ist, sollte sich das Robberg Nature Reserve unter keinen Umständen entgehen lassen (Badesachen nicht vergessen!).

Am Nachmittag versorgen wir uns noch in Plettenberg Bay mit Verpflegung und Getränken, bevor wir weiter nach Nature's Valley fahren, im Westen des Tsitsikamma-Nationalparks. Der Grootrivier-Paß führt hinab in das Tal und zum Meer. Nature's Valley ist einfach paradiesisch! Obwohl im Jahr zuvor die Berghänge durch ein großes Buschfeuer abgebrannt sind, hat der Ort kaum etwas von seiner Schönheit verloren. In den Flußtälern wuchert immer noch dichter Urwald mit riesengroßen Bäumen, die Lagune des Groot River und der kilometerlange, unberührte Sandstrand am wilden Indischen Ozean laden zum Schwimmen und zu Strandspaziergängen ein. Ein Feriendorf liegt versteckt hinter den Dünen, aber trotzdem ist kaum eine Menschenseele zu sehen.

Wir übernachten aber nicht im Feriendorf, sondern im Nationalpark-Camp De Vasselot, im Wald unmittelbar an der Lagune gelegen. Dort beziehen wir zwei sehr einfach ausgestattete Holzhütten ohne Strom- und Wasserversorgung. Waschgelegenheiten gibt es beim dazugehörigen Campingplatz. Schon kurz nachdem wir unser Gepäck in die Hütten gebracht haben bekommen wir schon Besuch von einem Äffchen, einer grünen Meerkatze.

Zum Abendessen fahren wir ins Feriendorf von Nature's Valley. Dort gibt es ein kleines, einfaches Restaurant mit gutem Essen (leckere Spare-Ribs). Den übrigen Abend verbringen wir auf der Veranda unserer Hütte bei Kerzenlicht und einer Flasche Rotwein.


8. Tag: Tsitsikamma-Nationalpark: Nature's Valley


Kurz nach Sonnenaufgang klingelt schon mein Wecker, da ich die 16 km lange Wanderung über den Keurpad Trail zur Mündung des Salt River vor mir habe. Die anderen drei wollen den Tag lieber ruhig angehen und einen kürzeren Weg laufen. Ich freue mich jedenfalls schon riesig auf meine Tour, die sehr große landschaftliche Abwechslung verspricht.

Nach der Besorgung des Permits am Eingang zum Camp nehme ich zunächst den Pfad, der parallel zur Paßstraße durch den dichten Urwald mit den gewaltigen Baumriesen führt, Kalander Trail genannt. Man kommt sich ganz klein und bedeutungslos vor, wenn man neben den mehrere hundert Jahren alten Bäumen steht. Der Pfad ist zwar ganz gut sichtbar, aber es gibt einige Abzweigungen, die einen in die Irre führen können. Spätestens wenn es ohne Buschmesser nicht mehr weitergeht, weiß man, daß man die richtige Abzweigung übersehen hat. Nach einiger Zeit läuft man über Steine hüpfend durch ein Bachbett, bis man unerwartet zu einer Ansammlung wilder Bananenpflanzen kommt, die an einem Berghang wachsen. Von dort führt der Pfad im Zickzack den Berghang hinauf und ca. 200 Höhenmeter weiter oben hat man einen tollen Ausblick über das ganze Nature's Valley.

Nun verläuft der Pfad durch das abgebrannte Gebiet, in dem die verkohlten Reste des Bergfynbos noch gut zu sehen sind. Es ist schon erstaunlich, wie schnell die Natur sich nach den Bränden erholt. Überall sprießt schon wieder neues Grün und farbenprächtige Watsonias blühen in großer Zahl. Nach der Überquerung der Paßstraße laufe ich den Keurpad entlang. Rechts von mir und vor mir liegt das tiefe Flußtal des Salt River, aus dem die Warnrufe einer Gruppe Paviane herüber schallen. Auf einem steilen Pfad geht es hinab durch dichtes Gehölz zum Fluß, den ich an dieser Stelle über Steine hüpfend leicht überqueren kann. Dann folgt der zweite größere Anstieg auf der Wanderung, denn der Weg führt die andere Seite des Flußtales wieder hinauf. Überall auf dem Weg sind die Losungen von Buschböcken und Buschschweinen zu finden, aber die Tiere selbst verstecken sich offenbar sehr gut im dichten Unterholz. Kilometer um Kilometer folge ich dem gut sichtbaren Pfad durch den Wald und genieße die friedliche Atmosphäre der Natur fernab der Zivilisation. Schließlich beginnt der Weg langsam bergab zu führen, und ungefähr eine halbe Stunde später komme ich an eine kleine Lichtung am Berghang, wo sich mir ein atemberaubender Blick auf die Mündung des Salt River bietet. Allein dieser Aussicht wegen hat sich die Wanderung schon gelohnt! Der Fluß umfließt im 180°-Winkel eine weiße Sandbank und mündet dann in den blauen Indischen Ozean, umgeben von den urwaldbewachsenen Hängen des Flußtals. Im Hintergrund ragt die Gebirgskette der Tsitsikamma-Berge auf. Das Panorama ist so phantastisch, daß ich eine halbe Stunde lang dort sitzen bleibe, meine mitgebrachten gegrillten Hühnerschenkel aufesse und die Szenerie förmlich in mich aufsauge.

Nach der langen Pause folgt der abenteuerlichste Teil der Wanderung: die Durchquerung des Salt River. Zum Glück habe ich mir meine Trekking-Sandalen in den Rucksack gepackt. Am Ufer angekommen suche ich mir eine halbwegs flache Stelle und wate durch das hüfttiefe Wasser, meinen Rucksack dabei über dem Kopf tragend. Zum Glück ist das Wasser nicht kalt. Dafür ist es so dunkel gefärbt, daß man seine Füße kaum erkennen kann. Nach ca. 20 m habe ich die Sandbank auf der anderen Seite erreicht und kann mich und meine Klamotten in der Sonne trocknen lassen. Leider völlig zwecklos, denn auf meinem weiteren Weg zur Mündung kommt die Flut herein und eine Welle durchnäßt mich wieder auf einen Schlag! Aber es ist ja nur Wasser.

Noch einen Kilometer führt der Pfad entlang der felsigen Küste, dann erreiche ich endlich den langen Strand von Nature's Valley, und nach einem gemütlichen Spaziergang über weißen Sand treffe ich auch wieder auf Simone, Karlheinz und Hanne, die mir am Strand entgegen kommen.

Jetzt ist mir nach einem Bad zumute, naß bin ich sowieso schon. Also gehen wir gemeinsam in der Lagune schwimmen, und nach einer halben Stunde fühle ich mich wieder völlig erholt. Die Lagune ist so herrlich, daß wir uns entschließen im Camp zwei Kanus zu mieten und noch ein bißchen im ruhigen Wasser herum zu paddeln. Schade ist nur, daß das Wetter am Nachmittag nicht mehr so richtig mitspielt. Die Bewölkung nimmt zu und die ersten Regentropfen fallen nach kurzer Zeit herab. So brechen wir unsere Bootstour schon nach einer Stunde ab und fahren in der Hoffnung auf besseres Wetter weiter nach Storm's River, in den östlichen Teil des Tsitsikamma-Nationalparks.

Wir nehmen den Weg über den Bloukrans-Paß, der in zahlreichen Kurven durch ein Tal im Urwald führt, und auf dem uns auch eine ganze Horde Paviane begegnet, die gerade die Straße überquert. Wieder auf der Nationalstraße N2 führt wenige Kilometer weiter eine Abzweigung zum Nationalpark-Camp an der Mündung des Storm's River. Mittlerweile regnet es hier in Strömen und es ist richtig kalt geworden.

Im Nationalpark erreichen wir wieder die Küste des Indischen Ozeans. Karlheinz und Hanne sind auf Anhieb beeindruckt von der Naturgewalt der Wellen, die sich an der felsigen Küste brechen. Das Meer ist durch das stürmische Wetter derart aufgepeitscht, daß die Fontänen manchmal 20 m hoch spritzen! Unsere vollausgestattete, gemütliche Holzhütte liegt nur wenige dutzend Meter vom Wasser entfernt, so daß wir auf der Veranda das Schauspiel voll miterleben können.

Zum Abendessen besuchen wir übrigens nicht das Restaurant des Camps, von dessen Küche wir bei unserem letzten Besuch nicht so begeistert waren, sondern fahren raus aus dem Nationalpark in den kleinen Ort Storm's River. Dort gibt es ein exzellentes Restaurant im Tsitsikamma Forest Inn, das wir nur empfehlen können.


9. Tag: Tsitsikamma-Nationalpark: Storm's River


Nach einer stürmischen Nacht scheint am nächsten Tag wieder die Sonne, wie es sich gehört! Heute steht ein besonderes Abenteuer an: Blackwater-Tubing in der Schlucht des Storm's River. Diese Tour haben wir vorher telefonisch bei Storm's River Adventures gebucht, einem Veranstalter für Extremtouren, der seinen Sitz in der gleichnamigen Ortschaft hat. Zum Blackwater-Tubing haben sich nur Karlheinz und ich angemeldet. Die Frauen wollen dieses Abenteuer uns Männern überlassen.

Was ist eigentlich Blackwater-Tubing? Im wesentlichen geht es dabei um die Durchquerung einer engen Schlucht, die auf anderem Wege nicht zugänglich ist (analog zum Canyoning oder Kloofing). Der Unterschied ist hier der, daß man große Teile der Schlucht nicht schwimmend durchquert, sondern sich in einem großen aufgeblasenen Gummiring sitzend (dem Tube) auf dem Wasser treiben läßt. Springen aus verschiedenen Höhen, über Felsen laufen und klettern und das Durchqueren von wildem Wasser gehören selbstverständlich auch dazu. Das „Blackwater“ in dem Begriff stammt übrigens von dem fast schwarz gefärbten Wasser des Storm's River.

Nach der amüsanten Einweisung durch die erfahrenen Tour-Guides, suchen wir uns passende Neopren-Anzüge und Sicherheitshelme aus, und schon geht es mit einem umgebauten LKW samt Ausrüstung auf einer Schotterpiste zum Startpunkt unseres Abenteuers, der Schlucht des Storm's River südlich der großen Paul-Sauer-Brücke. Der Abstieg in die steile Schlucht führt über eine Art Strickleiter, die am Boden befestigt ist. Wegen der wärmenden Anzüge und dem Tube, das jeder auf der Schulter mitnehmen muß, wird der Abstieg zu einer schweißtreibenden Angelegenheit. Schließlich sind wir alle in der Schlucht versammelt, und die Tour-Guides geben die letzten Anweisungen.

Simone und Hanne frühstücken derweil im Restaurant des Nationalparks-Camps mit spektakulärem Ausblick von der Terrasse, bevor sie sich in aller Ruhe auf den Weg zur bekannten Hängebrücke machen. Kurz vor der Hängebrücke, bevor der Fluß in den wilden Indischen Ozean mündet, gibt es eine kleine Bootsanlegestelle, an der das Blackwater-Tubing endet.

Nach den ersten Übungen, wie man mit dem Tube ins Wasser springt, erreichen Karlheinz und ich zu Fuß den engen Teil der Schlucht. Die knapp 100 m hohen, senkrecht aufragenden Wände links und rechts sind nur wenige Meter voneinander entfernt. An dieser Stelle überwindet der Fluß in einer kleinen Kaskade einen Höhenunterschied von ca. 3 Metern. Dies ist der „point of no return“, denn ab hier gibt es keine Möglichkeit mehr die Schlucht zu verlassen außer flußabwärts an der Mündung.

Ein Sprung hinab ins Wasser und wir treiben auf dem langsam fließenden Storm's River durch die Schlucht. Die Perspektive von unten auf den schmalen Streifen Himmel und die Felsformationen ist schon gigantisch. Nach einiger Zeit wird der Fluß wieder etwas wilder. Wir müssen durch eine Stromschnelle, bei deren Durchquerung die drei Tour-Guides Hilfestellung geben. Trotzdem kentere ich und werde von einem Wirbel kurz unter Wasser gerissen und schlage dort eine Art Purzelbaum. Da der Fluß hier aber nicht sonderlich tief ist, komme ich rasch wieder hoch und kann auf einen Felsen klettern. Mein verlorenes Tube halte ich auch kurze Zeit später wieder in den Händen, und schon geht es weiter. Das Wasser ist zwar ziemlich kalt, aber unsere Neopren-Anzügen halten uns schön warm.

So bahnen wir uns weiter unseren Weg durch die Schlucht. An seichten Stellen müssen wir über glatte Steine klettern, kleine Kaskaden werden herunter gesprungen und zwischendurch treiben wir wieder im ruhigeren Wasser gemächlich dahin, so daß man die Szenerie der Schlucht voll in sich aufnehmen kann. Alles in allem ist das Blackwater-Tubing nicht schwierig, aber ein gesundes Maß an Fitneß und keine Angst vor Wasser sind trotzdem Voraussetzung für eine Teilnahme. Trotz guter Ausrüstung besteht Verletzungsgefahr, wenn man sich ungeschickt anstellt. Aber die erfahrenen Guides stehen hilfreich zur Seite, und auch unter den Teilnehmern wird entsprechend Rücksicht genommen.

Fast alle Stromschnellen und Sprünge sind optional und können notfalls umgangen werden. Und wenn man trotzdem mal ins tiefe Wasser fällt und sein Tube verliert, hat es schnell ein anderer wieder eingefangen und hilft beim „Einsteigen“. Untergehen kann man praktisch nicht, denn die Neopren-Anzüge verleihen zuviel Auftrieb. Aus diesem Grund werden auch keine Schwimmwesten benötigt. Gelegentlich erlauben sich die Guides auch Mal einen Spaß und bringen das Tube eines der Teilnehmer zum Kentern. Dann kommt es zu regelrechten Wasserschlachten.

An einer Stelle in der Schlucht hat man die Möglichkeit zu einer kleinen Mutprobe. An der Seitenwand der Schlucht kann man bis zu einer Höhe von ungefähr 12 m hinauf klettern und (natürlich ohne Tube) ins tiefe schwarze Wasser springen. Wer sich aus dieser Höhe nicht traut, kann auch aus niedrigerer Höhe abspringen oder es ganz sein lassen. Ich wage mich aus ca. 9 m Höhe zu springen. Der Aufprall auf's Wasser ist dabei schon gewaltig!

Etwa ein Kilometer vor der Mündung ins Meer kommt es zu einem seltsamen Phänomen. Wir paddeln gerade mit zunehmendem Tempo durch eine leichte Stromschnelle, als eine Gegenströmung einsetzt und uns die ganze Stromschnelle wieder rückwärts hoch treibt! Kurz danach setzt wieder die normale Fließrichtung des Flusses ein und es geht erneut vorwärts durchs wilde Wasser. Die Gegenströmung kommt durch die Kraft der Wellen der zunehmenden Flut, die selbst hier schon spürbar ist. Wegen der unberechenbaren Strömungsverhältnisse werden wir von einem entgegen kommenden Flußboot an eine lange Leine gehängt und bis zur Anlegestelle vor der Hängebrücke abgeschleppt.

Der Ausstieg aus dem Wasser gestaltet sich dann relativ schwierig, da wir ständig von den heftigen Wellen mehr als 2 m auf und ab gehoben werden. Nach und nach schaffen wir es aber alle im geeigneten Moment die Leiter zu ergreifen und heraus zu klettern.

Simone und Hanne erwarten uns schon an der Anlegestelle. Noch einen Kilometer Fußmarsch über den komfortablen Plankenweg durch den Küstenurwald, dann erreichen wir das Nationalpark-Camp und haben es geschafft. Niemand ist zu Schaden gekommen, aber alle sind ziemlich erschöpft. Morgen werde ich wohl durch das viele Paddeln einen ganz schönen Muskelkater an Armen und Rücken haben. Es hat auf jeden Fall total Spaß gemacht!

Nach dem gemeinsamen Mittagessen verabschieden wir uns von den Tour-Guides und laufen noch zum Aussichtspunkt am anderen Ufer des Storm's River, um von dort oben noch ein paar Fotos zu schießen. Der steile Weg hinauf auf ca. 200 m Höhe ist zwar sehr anstrengend, aber er lohnt sich. Den Rest des Nachmittags erhole ich mich dann mit Simone am direkt am Meer gelegenen Swimmingpool des Camps, während unsere Freunde noch einen Spaziergang machen.

Auch an diesem Abend besuchen wir wieder das schöne Restaurant im Tsitsikamma Forest Inn. Bevor wir später ins Bett fallen, trinken wir noch eine Flasche Rotwein auf der Veranda unserer Hütte und genießen den Sternenhimmel und die nie nachlassende Brandung des Ozeans.


10. Tag: Addo-Elephant-Nationalpark


Heute Morgen steht nach dem Frühstück die Wanderung auf dem Waterfall-Trail an, der identisch ist mit dem Anfangsstück des legendären Otter-Trails. Der Weg zum ca. 3 km entfernten Wasserfall an der felsigen Küste entlang ist praktisch ein Muß für jeden Besucher des Tsitsikamma-Nationalparks. Die Wanderung kann bei heißem, sonnigen Wetter durchaus anstrengend werden. Der Pfad führt durch Küstenurwald und über die Felsen der Steilküste. Richtig Klettern muß man zwar nirgends, aber beim Springen und Laufen über die Felsen ist gute Trittsicherheit von großem Vorteil. Obwohl ich den Weg nun schon zum dritten Mal entlang wandere, fasziniert mich die Schönheit der Landschaft und des Meeres immer wieder von neuem.

Am Ziel angekommen, kühlen wir uns die erhitzten Füße im kalten Wasser des natürlichen Felsenpools ab, der sich unterhalb des Wasserfalls befindet. Direkt hinter uns fließt das Wasser aus dem Pool über eine kleine Kaskade ins Meer. Nach einer längeren Pause an diesem herrlichen Ort machen wir uns wieder auf den Rückweg zum Camp.

Bevor wir weiter nach Port Elizabeth fahren, statten wir dem Big Tree noch einen Besuch ab. Dieser gewaltige Outeniqa-Yellowwood-Baumriese ist vom Parkplatz aus nach einigen hundert Metern auf einem bequemen Plankenweg durch den Urwald zu erreichen. Sein Alter wird auf ca. 800 Jahre geschätzt.

Auf dem weiteren Weg lassen wir die Gartenroute hinter uns. Durch die große Hafenstadt Port Elizabeth hindurch fahren wir noch ein kurzes Stück am Indischen Ozean entlang, bevor wir landeinwärts an den Townships der Stadt vorbei nach Norden in Richtung Addo-Elephant-Nationalpark abbiegen.

Der Addo-Elephant-Nationalpark umfaßt ein Gebiet von ca. 14.500 ha, und aktuell leben über 300 Elefanten in dem Reservat. Trotz der geringen Größe des Nationalparks bietet die vorhandene dichte Spekboom-Vegetation genügend Nahrung für die große Zahl der Dickhäuter. Neben den Elefanten leben dort auch Kapbüffel, schwarze Nashörner, Warzenschweine, Zebras, verschiedene Antilopenarten und viele kleinere Tierarten. In naher Zukunft soll das Parkgebiet jedoch erheblich erweitert werden, um eine Vergrößerung der Tierpopulation zu ermöglichen. Es wird auch daran gedacht, wieder größere Raubtiere wie Geparden und Löwen anzusiedeln.

Wir haben im Camp des Nationalparks zu viert ein Chalet gemietet, das mit zwei Zimmern, Bad und einer kleinen Küche ausgestattet ist. Von der Veranda haben wir freien Blick auf das Parkgebiet und schon bei unserer Ankunft können wir einige Elefanten beobachten, die auf dem Weg zur Wasserstelle am Camp sind. Dieses Wasserloch ist überhaupt eine der Hauptattraktionen des Nationalparks, weil es auch nachts durchgehend beleuchtet ist, und man dort bequem viele verschiedene Tierarten beim Trinken beobachten kann, ohne selbst im Auto eingesperrt zu sein.

Eine Mistkäferart, die hier endemisch ist, steht ebenfalls unter hohem Schutz. Diese Insekten erfüllen eine wichtige Aufgabe im Ökosystem des Nationalparks, da sie sich um die Entsorgung der Unmengen an Misthaufen kümmern, die die ständig fressenden Dickhäuter hinterlassen. Aus diesem Grund soll man auch vermeiden mit den Reifen über Elefanten-Dung zu fahren, denn es könnten darin Mistkäfer ihre Arbeit tun.

Auf unserer ersten Nachmittags-Pirschfahrt über die holprigen Pisten des Parks haben wir zunächst nur geringen Erfolg. Wir sehen zwar ein paar Tiere, aber die größeren Elefantengruppen lassen sich nur in einiger Entfernung blicken. Dafür werden wir aber durch sehr nahe Begegnungen mit Kuhantilopen, Warzenschweinen und großen Schildkröten verwöhnt.

Am Abend können wir noch einige Elefanten am Wasserloch beim Camp beobachten. Außerdem erleben wir den schönsten Sonnenuntergang auf unserer Tour, der uns geradezu in Begeisterung versetzt. Die Spannung am Wasserloch zu sitzen ist so groß, daß wir gar nicht ins Restaurant gehen wollen, das übrigens recht gutes Essen serviert. Aber unser Hunger bleibt dann doch Sieger. Zu empfehlen sind die gegrillten Straußensteaks, und auch die vegetarischen Beilagen aus der Xhosa-Küche sollte man mal probieren.

Im Dunkeln bleiben wir anschließend noch etwa eine Stunde am Beobachtungspunkt vor dem Wasserloch sitzen. Unsere Geduld wird auch bald belohnt, als nacheinander ein Schakal und einige Büffel zum Trinken kommen.


11. Tag: Addo-Elephant-Nationalpark


Als unser Wecker am nächsten Morgen klingelt ist es noch halb dunkel. Den Sonnenaufgang, der fast ebenso schön ist wie der Sonnenuntergang gestern, betrachten wir uns in aller Ruhe von der Veranda aus mit Blick auf das grüne Spekboom-Veld des Addo. Wir beginnen unsere Frühpirsch mit dem Auto um 6.00 Uhr, gerade als das Tor zum Park geöffnet wird. Nacheinander suchen wir die verschiedenen Wasserlöcher in der Nähe auf und beobachten dort die Umgebung. Außer einigen Vögeln und Kleintieren läßt sich aber nichts blicken.

Wir entscheiden uns einen der längeren Rundwege entlang zu fahren, der hauptsächlich durch offene Savanne und Buschland führt. Schon bald entdecken wir mehrere Schakale, Zebras, viele Strauße, Kuhantilopen, Kudus, grüne Meerkatzen und auch Prachtexemplare von Mistkäfern. Nur die Hoffnung auf eine Sichtung von Büffeln oder einem schwarzen Nashorn erfüllt sich leider nicht. Auch Elefanten sehen wir nur in weiter Ferne.

Schon als wir um ca. 9.00 Uhr wieder zurück im Camp sind, zeigt die Sonne all ihre Kraft. Heute soll die Temperatur 38°C erreichen. Genau das richtige Wetter, um sich nach dem Frühstück an den schönen Swimmingpool des Camps zu legen und dort die heißen Mittagsstunden zu verbringen.

Am Nachmittag fahren wir wieder gemeinsam auf Pirsch. Diesmal haben wir uns fest vorgenommen, mindestens eine größerer Elefantenherde aufzuspüren. Und es klappt tatsächlich. Glück muß man eben haben! Von einer Hügelkuppe entdecken wir in der Ferne, wie sich eine große Elefantengruppe auf ein Wasserloch im Süden des Parks zubewegt. Als wir die Wasserstelle erreichen, sehen wir, daß sich dort schon eine Gruppe von ca. 30 Tieren inklusive vieler Jungtiere aufhält.

Auf dem Stellplatz vor dem Wasserloch haben sich schon einige andere Fahrzeuge versammelt. Obwohl wir den Elefanten so nah sind, scheinen die Tiere unsere Anwesenheit fast völlig zu ignorieren. Wir können sogar aussteigen und die Dickhäuter in Ruhe beobachten. Allerdings achten wir darauf, uns nicht von unserem Wagen zu entfernen, damit wir uns notfalls rasch zurückziehen können.

Dann trifft auch die zweite Elefantenherde, die wir gesichtet haben, ein. Da sie unmittelbar am Stellplatz eintrifft, sind wir bald fast umringt von Elefanten. Wir stellen das Auto möglichst in Fluchtrichtung, denn man darf nicht vergessen, daß es sich um wilde Tiere handelt. Unser Adrenalinspiegel steigt ganz enorm, als einige junge Bullen bis auf wenige Meter an uns herankommen. Doch sie zeigen zum Glück keinerlei aggressives Verhalten, sondern sie rupfen nur das hohe Gras ab, das entlang der Piste wächst.

Die meisten anderen Fahrzeuge haben sich schon verflüchtigt, so daß wir bald ganz alleine da stehen. Meiner Zählung nach befinden sich über 80 Elefanten in unserer Nähe. Bessere Beobachtungsmöglichkeiten kann es nicht mehr geben. Wir stehen schließlich über eine Stunde lang dort und schauen ihnen beim Trinken und Schlammbaden zu. Wir können die fast neugeborenen Jungen beim Spielen beobachten und bekommen eine Machtprobe zwischen zwei großen Elefantenbullen mit. Es ist einfach phantastisch!

Nur wenn Elefantenbullen oder Jungtiere uns zu nahe kommen, fahren wir mit dem Wagen vorsichtig einige Meter zurück, um sie bzw. ihre Mütter nicht zu reizen. Nachdem fast alle Elefanten getrunken haben, verteilen sie sich in der Umgebung, um zu fressen. Wir warten noch so lange, bis kein Tier mehr auf unserer Piste steht, bevor wir uns wieder auf dem Rückweg zum Camp machen.

Zum Abendessen gehen wir heute so früh wie möglich, weil wir anschließend noch an einer geführten Nachtfahrt teilnehmen. Leider sind wir nicht gerade die einzigen, die auf diese Idee gekommen sind, so daß wir uns mit 9 anderen Leuten auf dem umgebauten Geländefahrzeug zusammenquetschen müssen. Die Nachtfahrt macht trotzdem Spaß. Wir sehen auch einige nachtaktive Tiere wie Ginsterkatzen, Schakale und Löffelhunde. Einer der Höhepunkte ist sicher auch die Begegnung mit einer Elefantenherde, die in der Nähe der Piste durch die Dunkelheit zieht. Kritisieren müssen wir allerdings die offensichtlich schlechten Augen der Wildhüter, die eine ganze Reihe von Tieren, die kurz vom Suchscheinwerfer angeleuchtet werden, übersehen. Selbst mit meiner mitgebrachten, vergleichsweise schwachen McLight-Taschenlampe, entdecke ich Tiere, die von den Wildhütern überhaupt nicht registriert werden. Abgesehen davon ist es aber eine interessante Erfahrung in der Dunkelheit durch ein Tierreservat zu fahren, vor allem, da sich manche Tierarten nur nachts beobachten lassen.

Am Schluß der Fahrt kommt es dann noch zu einer kleinen Anekdote: Um den Park zu verlassen und zurück zum Camp zu kommen, müssen wir ein verschlossenes Tor passieren. Dummerweise hat unser Fahrer den Schlüssel irgendwo auf der Nachtfahrt verloren, so daß wir praktisch im Addo eingesperrt sind. Aber bevor wir uns mit dem Gedanken anfreunden müssen, die Nacht unter freiem Himmel im Tierreservat zu verbringen, erreicht unser Wildhüter noch das Camp mit seinem Funkgerät, und ca. 20 Minuten später kommt jemand herbei gefahren, der uns das Tor mit einem Ersatzschlüssel öffnet. Das war mal wieder Afrika live!

Bevor wir Schlafen gehen, schauen wir im Camp noch mal kurz am Wasserloch vorbei. Und siehe da, wieder tauchen aus dem Gebüsch eine ganze Reihe Kapbüffel auf, die nacheinander lautlos zum Trinken kommen.


12. Tag: Mountain-Zebra-Nationalpark


Unmittelbar nach dem Frühstück brechen wir am nächsten Morgen auf und verlassen den Addo-Elephant-Park. Die Straße führt nordwärts über den Paß Olifantskop, der die mit grünem Buschland bewachsenen Zuurberge überquert, dann durch hügeliges Gelände in Richtung Cradock. Beiderseits der Straße liegt Farm- und Weideland, das allmählich in die etwas kargere Landschaft der östlichen Karoo übergeht. Hin und wieder sehen wir am Straßenrand kleine Gruppen von grünen Meerkatzen, die hier offensichtlich recht zahlreich sind.

Entlang der Straße, bei den Townships von Cradock südlich des Ortes, stehen viele Schwarze, die aus Draht und Konservendosen gebastelte kleine Windräder, selbstgemachtes Kinderspielzeug und andere Handarbeiten verkaufen. Nachdem wir uns die Township-Kunstwerke in Ruhe angeschaut haben, entscheiden wir uns zum Kauf zweier voll funktionsfähiger Windräder und eines kleinen Draht-Fahrrads. Natürlich wird beim Kauf auch kräftig gehandelt. Aber da wir schon beim letzten Besuch von Cradock vor eineinhalb Jahren bemerkt haben, wie extrem arm die schwarze Bevölkerung hier in der Gegend ist, übertreiben wir es beim Herunterhandeln nicht und zahlen faire Preise.

In Cradock kaufen wir kurz einige Lebensmittel und Getränke im Supermarkt ein und fahren gleich noch 25 km weiter zum Mountain-Zebra-Nationalpark, wo wir als nächstes übernachten werden.

Der nur 6536 ha große Nationalpark liegt eingebettet in den Nordhängen der Bankberge. Der Park wurde zum Schutz der seltenen Bergzebras und verschiedener Antilopenarten eingerichtet und weist ein großartiges Landschaftsbild auf. Der höchste Punkt des Parks liegt auf knapp 2000 m. Die Vegetation besteht aus trockenem Grasland, größeren Strauchgewächsen und in den Flußtälern aus dichtem Forst.

Aufgrund der Gebirgslage ist das Wetter ständigen Änderungen ausgesetzt, wie wir schon bei der Ankunft zu spüren bekommen: es ist nämlich stark bewölkt und fängt auch bald an zu regnen. Die Region gehört zwar zur östlichen Karoo-Halbwüste und zeichnet sich eher durch Trockenheit aus, doch im Winter sind eisige Temperaturen und sogar Schneefall keine Seltenheit.

Nachdem wir unser schon etwas älteres Vierer-Chalet bezogen haben, stärken wir uns mit mitgebrachten Trauben und Biltong, bevor wir auf Pirschfahrt gehen. Mit dem Wetter haben wir leider wirklich Pech. Die dichte Wolkendecke verringert die sonst wunderbare Aussicht auf die Weiten der Großen Karoo erheblich, und der leichte Regen verwandelt die Piste stellenweise in regelrechte Schlammlöcher. Auch die meisten Tiere liegen zum größten Teil versteckt im hohen Gras. Aber auf dem wildreichen Rooiplaat-Plateau entdecken wir dann doch eine Menge Bergzebras, Blesböcke, Kuhantilopen, Weißschwanz-Gnus und Springböcke.

Zurück zum Camp fahren wir über eine abenteuerliche Paßstraße, die hinunter in ein sehr schönes Flußtal führt. Die Piste ist zwar gut befahrbar, aber spannend sind dann doch die Durchquerungen einiger Bergbäche mit unserem Kombi, da der Wasserstand aufgrund des Regens etwas erhöht ist. An den Berghängen entdecken wir auch Kudus, aber die Büffel, die sich ebenfalls hauptsächlich in den Flußtälern aufhalten, wollen sich uns nicht zeigen.

Im Camp des Mountain-Zebra-Nationalparks gibt es zwar einen schönen Swimmingpool, aber bei dem kühlen und regnerischen Wetter verzichten wir auf dessen Besuch. Also verbringen wir den Rest des Tages im Chalet und vertreiben uns die Zeit mit Lesen und Faulenzen.

Das Abendessen im Restaurant des Camps ist leider nicht mehr empfehlenswert, was wir sehr schade finden, da wir vor eineinhalb Jahren hier noch sehr gutes Essen serviert bekommen haben.


13. Tag: Graaff Reinet


Am nächsten Morgen strahlt schon wieder die Sonne durch die Lücken der sich auflösenden Wolkendecke. Wir nutzen das bessere Wetter sogleich aus und machen eine einstündige Wanderung auf einem Pfad, der am Berghang oberhalb des Camps entlang führt. Von dort haben wir eine tolle Aussicht auf den Nationalpark. Nach einer erneuten Pirschfahrt auf dem 300 m höher gelegenen Rooiplaat-Plateau, wo wir wieder viele Säugetiere sehen, verlassen wir den Park und fahren durch typische Halbwüsten-Landschaft und über den Wapadsberg- und Naudebergpaß in Richtung Graaff Reinet, der wohl schönsten Stadt in der Großen Karoo.

Graaff Reinet, die auch „Perle der Karoo“ genannt wird, liegt in einem Durchbruch der 2500 m hohen Sneeuberge und wird vom Sundays River umflossen, der zur Zeit unseres Besuchs gerade ausgetrocknet ist. Als viertälteste Stadt Südafrikas weist sie eine Vielzahl herrlicher Kolonialgebäude auf, die unter Denkmalschutz stehen und liebevoll restauriert worden sind.

Wir mieten uns in den Karoopark Holiday Cottages ein. Dabei handelt es sich um einfach eingerichtete, renovierte Stadthäuschen, die den typischen Flair von Karoo-Behausungen versprühen. Da sie sich in einem ruhigen Straßenzug inmitten der Stadt befinden, kann man den reizvollen Ort bequem zu Fuß erkunden. Wir machen auch gleich einen Rundgang durch die am Sonntag fast ausgestorbene Stadt und trinken im Garten des alten Drostdy-Kolonialhotels Kaffee. Hanne ist von den nun als vornehme Hotelzimmer genutzten, ehemaligen Sklavenunterkünften des Stretch's Court völlig begeistert.

Die Stadt wird außerdem von einem ausgezeichneten Naturschutzgebiet umgeben, dem Karoo Nature Reserve. Zu diesem Schutzgebiet gehört auch eine geologische Besonderheit, das stark zerklüftete Valley of Desolation, zu dem wir am späten Nachmittag einen Abstecher machen. Von der Höhe hat man einzigartige Ausblicke auf die Stadt und den wie ein Spitzkegel geformten Berg Spandaukoppe. Weitere atemberaubende Ausblicke auf die endlose Weite der Großen Karoo und die umliegenden Bergketten sind vom 1,5 km langen Nature Valley Walk zu bestaunen.

Zum Abendessen genießen wir ein mehrgängiges Menü bei Kerzenlicht im Restaurant des Drostdy-Hotels. Das Essen ist ausgezeichnet und relativ preiswert. Sehr zu empfehlen!


14. Tag: Karoo-Nationalpark


Das Frühstück am nächsten Morgen lassen wir uns ebenfalls im Hof des Drostdy-Hotels schmecken, bevor wir unseren Weg durch die Karoo-Halbwüste fortsetzen. Nach einer halben Stunde haben wir das kleine Nest Aberdeen erreicht. Dort verlassen wir die N9 und fahren auf der R61 nach Beaufort West. Vor uns liegen einsame 150 km auf einer schnurgeraden Straße durch die trockene Karoo-Ebene. Trocken? Diesmal nicht. Die Regenfälle der letzten Tage haben ihre Spuren auch hier hinterlassen. Zum ersten Mal sehen wir größere Wasserflächen in der Karoo-Halbwüste. Aber die Sonne scheint schon wieder unbarmherzig vom Himmel herab.

Kein Ort und keine Tankstelle liegen auf der Strecke. Aber kilometerlange Weidezäune entlang der Straße weisen darauf hin, daß es sich bei der weiten Ebene um privates Farmland handelt. Wir halten nur mehrmals kurz, um Fotos zu schießen. Einmal an dem ausgebrannten Wrack eines Busses abseits der Straße, und ein anderes Mal bei dem Versuch eine Fata Morgana auf dem Dia-Film festzuhalten.

Schließlich erreichen wir gegen Mittag die größere Stadt Beaufort West, wo wir an einer Tankstelle einen kleinen Snack einnehmen. Bis zum Karoo National Park sind es nur noch ein paar Kilometer. Diesen schönen Nationalpark am Rande der Nuweveld-Berge besuchen Simone und ich nun schon zum dritten Mal, und wie immer haben wir dort fast perfektes Wetter: 29°C und Sonne pur! Das Klima und die trockene, saubere Luft dort sind ideal, um ein oder zwei Tage auszuspannen. Optimal also auch zum Abschluß unserer erlebnisreichen Tour. Den ganzen Nachmittag verbringen wir daher auch in aller Ruhe am schönen Swimmingpool, nachdem wir unser großzügiges Guest-Cottage im kapholländischen Stil bezogen haben.

Später laufen wir noch die beiden kurzen Trails in unmittelbarer Nähe des Camps, um uns etwas die Füße zu vertreten. Eine genauere Beschreibung des Karoo-Nationalparks ist übrigens in unserem letzten Reisebericht vom Oktober 1999 zu finden.

Das Abendessen im Restaurant ist übrigens immer noch so reichhaltig und qualitativ mäßig wie bei unseren letzten Besuchen. Aber die Qualität der Bedienung hat leider spürbar nachgelassen. Möglicherweise mangelt es noch etwas an der Ausbildung der neuen Arbeitskräfte.

Dafür versöhnt uns wieder die gemütliche Atmosphäre, als wir auf der Veranda unserer Hütte vor dem Lagerfeuer sitzen und eine Flasche Rotwein leeren. Vom Licht angelockt beehrt uns auch eine furchterregend aussehende Sun-Spider mit ihrem Besuch, die schnellste Spinne der Welt (steht sogar im Guiness-Buch der Rekorde). Diese für Menschen relativ harmlose, ungiftige Spinne ist allerdings eine erbarmungslose Jägerin, die alles angreift, was da so kreucht und fleucht. Trotzdem sind wir ganz froh, daß sich dieses Tier nicht in unserer Hütte aufhält.


15. Tag: Karoo-Nationalpark


Am nächsten Morgen steht unsere letzte größere Wanderung auf dieser Tour an, der 11 km lange Fonteintjieskloof-Trail, der uns auf das mittlere Plateau der Nuweveldberge führt. Die große Mittagshitze und die Sonne setzen uns dabei ganz ordentlich zu, da wir erst relativ spät nach dem Frühstück losgehen. Zum Glück gibt es entlang des Weges ein Windrad, das erfrischendes Trinkwasser an die Erdoberfläche pumpt. Außer ein paar Eidechsen lassen sich leider während der Wanderung keine Tiere blicken.

Dafür ist unsere Nachmittags-Pirschfahrt um so erfolgreicher, die wir später durchführen, nachdem wir uns am Swimmingpool etwas entspannt haben. Wir sehen aus nächster Nähe Elen-Antilopen, Springböcke, Bergzebras und Kudus, und in der Ferne können wir mit dem Fernglas auch eine Gruppe prächtiger Oryx-Antilopen ausmachen.

Nach dem frühen Abendessen nehmen wir auch wieder an einer geführten Nachtfahrt mit einem Geländewagen durch den Nationalpark teil. Höhepunkte auf dieser Fahrt sind die Begegnungen mit nachtaktiven Erdwölfen und einigen großen Elen-Antilopen. Leider ist die Ausbeute an Tiersichtungen im Gegensatz zu unserer letzten Nachtfahrt im Karoo-Nationalpark Anfang Dezember ansonsten nicht so hoch. Ebenso wie im Addo-Elephant-Park scheinen die Wildhüter entweder wenig motiviert zu sein oder unter Sehschwäche zu leiden, da sie einige Tiere schlichtweg übersehen. Vielleicht hatten wir vor Monaten einfach nur mehr Glück, aber unsere Führer waren beim letzten Mal wesentlich aufmerksamer.


16. Tag: Matjiesfontein / Paarl


Der letzte Tag unserer Rundreise ist angebrochen. Nur noch 500 km trennen uns von Kapstadt, die wir nach Verlassen des Karoo-Nationalparks auf der gut ausgebauten Nationalstraße N1 zurücklegen. Während der Fahrt bemerke ich, daß unser Wagen ein wenig auf die linke Straßenseite herüber zieht, so daß ich ständig mit dem Lenkrad leicht korrigieren muß. Möglicherweise eine Unwucht der Räder, die durch die vielen Fahrten über Schotterpisten entstanden ist.

Auf halbem Weg legen wir eine Mittagspause in Matjiesfontein ein, einem winzigen Ort im südwestlichen Teil der Karoo. Genauer gesagt handelt es sich um eine Bahnstation mit einem Hotel und ein paar Häusern. Das ganze Nest wurde zum Nationalmonument erklärt, da seine schön renovierten Gebäude allesamt noch aus der britischen Kolonialzeit stammen. Zur Zeit des Burenkrieges war Matjiesfontain drei Jahre lang das Hauptquartier des britischen Kapkommandos. Höhepunkt des Ortes ist das sehenswerte Lord Milner Hotel. Auch ein echter Londoner Doppeldeckerbus fährt noch gelegentlich die (einzige) Straße entlang.

Für einen Tee zwischendurch lohnt sich ein Halt hier auf jeden Fall.

Weiter führt uns die Fahrt über Touws River zum Hex-River-Paß, wo die Straße aus der Hochebene der Großen Karoo in das fruchtbare Hex-River-Valley hinab führt. Im Tal werden hauptsächlich Weintrauben angebaut. Im Hintergrund liegt die Gebirgskette der Hexrivierberge, deren höchste Gipfel über 2200 m erreichen und die im Winter manchmal schneebedeckt sind.

Vorbei an Worcester fahren wir noch über den Du-Toitskloof-Paß, von dessen Paßhöhe der Blick über das Weinland bis nach Kapstadt reicht. Hinter dem Paß liegt Paarl, die größte Stadt des Weinlandes. Dort wollen wir zum Abschluß noch den 650 m hohen Granitgipfel des Paarl Mountain besteigen, der auch Britannia-Rock genannt wird.

Eine Schotterpiste führt von Paarl bis hinauf zum Fuß des eindrucksvollen Granitmonolithen. Von dort aus kann man einem Weg über den steilen Felsen folgen, der mit einer Kette gesichert ist. Ohne viel Mühe erreichen wir daher den Gipfel und genießen den phantastischen Ausblick in alle Richtungen. Nur der enorm starke Wind, der uns fast umbläst, läßt uns nicht allzu lange an der Gipfelmarkierung verweilen. Man merkt, daß wir uns wieder dem Kap der Stürme nähern!

Zurück am Auto bemerken wir, daß der rechte Vorderreifen ziemlich ruiniert ist. Daher stammt also die Unwucht, die ich auf der Fahrt bemerkt habe. Hat es uns auf dieser Tour also auch einen Reifen gekostet! Wäre ja nicht das erste Mal. Zum Glück handelt es sich um einen älteren, schon ziemlich abgefahrenen Reifen, der ohnehin bald hätte ersetzt werden müssen.

Da noch genug Luftdruck im Reifen ist, schaffen wir es noch ohne Radwechsel vorsichtig bis in die Stadt hinunter, wo wir rasch einen Reifenhändler mit Werkstatt ausfindig machen, so daß wir schon eine halbe Stunde später wieder mit einem neuen Reifen nach Kapstadt weiterfahren können. Am frühen Abend erreichen wir alle wohlbehalten unser Zuhause.

- E N D E -



Mario Anthes
E-Mail: anthes@iafrica.com


Fotos der Tour

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